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Bayreuth 957 Inschriften (1787-heute)

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epidat - epigraphische Datenbank

ID bay-227
Lizenz Creative Commons Attribution-BY 4.0 International Licence [CC BY]
Zitation Digitale Edition ─ Jüdischer Friedhof Bayreuth, bay-227: http://steinheim-institut.de/cgi-bin/epidat?bay-227

Name

Schmuel ben Awraham Levi (Samuel Abraham ­Harburger) [29.08.1806]          

Diplomatische Transkription und Übersetzung

‎‏פה‏‎ Hier
‎‏צפון וטמון שוכן ומתענג‏‎ ist verborgen und geborgen, ruht und ergötzt sich
‎‏ישר ונאמן מדברנא אומתיה‏‎ ein ›Aufrechter und Getreuer‹, ›Leiter seiner Nation‹,
‎‏עמד בפרץ וביושר הנהיג‏‎ ›er stand in der Bresche‹ und führte in Aufrichtigkeit,
‎‏בצדקת ה׳ עשה בי׳ שולטנותיה‏‎ 5 mit ›der Gerechtigkeit des Ewigen‹ übte er die Regierung in Israel,
‎‏ברון שיר ושבח בת מידות‏‎ mit Jubel, Gesang und Lobpreis in Beständigkeit
‎‏היה קושר כתרים לאל רוממות‏‎ ›wand er Kränze für Gott, den Erhabenen‹,
‎‏לבני העליה העלהו אל הררי אל‏‎ zu den Herausragenden hat er ihn erhoben, zu den ›Bergen Gottes‹,
‎‏ה״ה הנעים והתמים כ״ה שמואל‏‎ es ist der Liebenswürdige und Lautere, der geehrte Herr Schmuel,
‎‏ב״ה אברהם משבט לוי לגיון אל‏‎ 10 Sohn des Herrn Awraham vom Stamme Levi, der Heerscharen Gottes,
‎‏הלך לעולמו ונשמתו בג[״ע] מאירה‏‎ ›er ging hin in seine Welt‹ und seine Seele möge leuchten im Garten Eden
‎‏ביום עש״ק ט״ו אלול‏‎ am Rüsttag des heiligen Schabbat, 15. Elul
‎‏התקס״ו תנצב״ה‏‎ 5566. Seine Seele sei eingebunden in das Bündel des Lebens

 

 Zl 3: Av 6,1 | Zl 3: bKet 17a und bSan 14a  Zl 4: Ps 106,23  Zl 5: Dtn 33,21  Zl 7: Nach bChag 13b und Ps 149,6  Zl 8: Ps 36,7  Zl 11: Koh 12,5

Kommentar

Datierung Gestorben Freitag, 29.08.1806
Im hebräischen und deutschen Sterberegister ist als Sterbedatum jeweils der 22. August 1806 angegeben, also genau eine Woche vor der Angabe hier. Allerdings ist im hebräischen Sterberegister zusätzlich das Datum nach dem jüdischen Kalender angegeben, und zwar entsprechend der Angabe auf dem Grabstein mit 15. Elul. Vermutlich starb Samuel Harburger am 22. August, doch notierte man damals das falsche Datum nach dem jüdischen Kalender und entsprechend später auch auf dem Grabstein.
Dem "Landbarnoßen" Samuel Harburger setzte man einen mit geschweiftem Bogen schließenden Grabstein, dessen lange Eulogie von den Verdiensten des geschätzten Vorstehers kündet. In langen, kunstvoll aus Zitaten aus der Traditionsliteratur zusammengesetzen Zeilen wird von seinem Amt als Vorsteher berichtet, der seine Gemeinde in Aufrichtigkeit und Gerechtigkeit führte, für sie in die Bresche sprang und mit Engagement und Freude für seinen Glauben einstand. Die Formulierungen deuten darauf hin, dass Samuel Harburger sich auch als Vorsänger betätigte, die eingeschobenen aramäischen Wendungen sind ein Zeichen besonderer Ehrerbietung, der hebräische Name Schmuel ist in den Endreim mit einbezogen. Im Giebel des Grabsteins kündet eine große, plastische Kanne von seiner Abstammung aus dem Geschlecht der Leviten, die im Tempel für die kultische Reinheit zuständig waren.
Zl 3: Das ‎‏נ‏‎ von ‎‏מדברנא‏‎ wurde nachträglich, an passender Stelle oberhalb des Wortes flacher eingraviert.

Stilmittel

Reim nach dem Schema ababccdd auf -g in Zln 2 und 4, auf -ejha in Zln 3 und 5, auf -ut in Zln 6-7, auf -el in Zln 8-9 (den Namen Schmuel einbeziehend).

Beschreibung

Symbol Levitenkanne
Zustand Verwitterung leicht

Zur Person

Samuel Abraham Harburger gehörte zu den ersten jüdischen Familienoberhäuptern, die sich nach der Neugründung der Gemeinde im Jahr 1759 in Bayreuth niedergelassen hatten. Er hatte 1762 Schutz bekommen und ist 1763 ist auf der ersten Gemeindeliste verzeichnet. 1768 zählte er zu den ersten sechs Vorstehern der Gemeinde. Seinem Beinamen nach stammte er aus dem schwäbischen Harburg, die "Juden-Familien-Liste" von 1796 gibt seinen Herkunftsort mit Bruck an. Verheiratet war er mit Rösle Rösla und war Vater von mindestens fünf Kindern: Seine Tochter Karoline Kehla hatte den Bayreuther Schutzjuden Seckel David Seebach geheiratet. Sein Sohn Moises war 1796 30 Jahre alt und "noch in der Fremde". Die Söhne Isaak und Löb wurden beide Siegellackfabrikanten, die Tochter Jette starb schon 1795; sie ist in der "Juden-Familien-Liste" von 1796 nicht aufgeführt, dagegen ist dort noch die damals 18-jährige Bonla verzeichnet. Außerdem lebte in seinem Haushalt damals auch das 30-jährige "Waisenmägdlein" Jutla. Der Handelsmann Samuel Harburger handelte "mit Bändern und gesponnener Baumwolle" und lebte "bey Frau Rath Buetha" zur Miete. Er starb im Alter von 77 Jahren an "Entkräftung".
1780 gehörte Samuel Harburger zu den Unterschreibern des Konzessionsgesuchs zur Anlage eines eigenen Friedhofs an den Markgrafen. Auch der Schenkungsbrief über die Bayreuther Synagoge von 1772 trägt u.a. seine Unterschrift.

Zur Familie

Gattin: Rösle Harburger (Grabstein Nr. bay-0228)
Söhne: Isaak Samuel Harburger (Grabstein Nr. bay-0302), Löb Harburger (Grabstein Nr. bay-0306)
Töchter: Jette Harburger (Grabstein Nr. bay-0226); Karoline, Gattin des Seckel David (Grabstein Nr. bay-0297)

Quellen / Sekundärliteratur

Belegungsliste (BayHStA, Jüdisches Standesregister 64 u. CAHJP G5/165) Nr. 227: Samuel ­Harburger · 1806 A. Eckstein: Geschichte der Juden im Markgrafentum Bayreuth, Bayreuth 1907, S. 93, 120.
Nathanja Hüttenmeister, Dan Z. Bondy: "Beispiele jüdischer Grabkultur", in: Jüdisches Bayreuth, hrsg. von der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit, Bayreuth 2010, S. 161-165, hier S. 162f.
Adolf Eckstein: Geschichte der Juden im Markgrafentum Bayreuth, Bayreuth 1907, S. 93.

Fotografien

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Bert Sommer

heutiges Foto
2009-05-14
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Zitation der Inschrift

Digitale Edition ─ Jüdischer Friedhof Bayreuth, bay-227
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(letzte Änderungen - 2016-03-04 23:51)

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Auftraggeber

Bearbeitet im Auftrag der Israelitischen Kultusgemeinde Bayreuth

Förderer

Festspiel- und Universitätsstadt Bayreuth Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern Oberfranken Stiftung


 

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