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Bayreuth 957 Inschriften (1787-heute)

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epidat - epigraphische Datenbank

ID bay-117
Lizenz Creative Commons Attribution-BY 4.0 International Licence [CC BY]
Zitation Digitale Edition ─ Jüdischer Friedhof Bayreuth, bay-117: http://steinheim-institut.de/cgi-bin/epidat?bay-117

Name

Jehuda (genannt Löb Bass) ben Schmuel Halevi (Löb ­Görling) [09.05.1819]          

Diplomatische Transkription und Übersetzung

‎‏יהודא ארי׳ מעולם טרוף עלית‏‎ Jehuda, - ein Löwe - aus einer zerrissenen Welt stiegst du empor,
‎‏שוחט ובודק מומחה היית‏‎ ein versierter Schächter und Fleischbeschauer warst du,
‎‏ומשורר שם לך קנית‏‎ und einen Namen als Sänger hast du dir erworben,
‎‏בין המנגנים כל שומעיך רצית‏‎ unter den Musikanten hast du alle deine Hörer erfreut,
‎‏נחת רוח בקולך אותם הרוית‏‎ 5 mit deiner Stimme hast du sie mit ›Wohlgefallen‹ gesättigt,
‎‏שכבת כארי׳ עתה בבורך‏‎ wie ein Löwe liegst du nun in deiner Grube,
‎‏מי מבני אדם יכול הקימיך‏‎ wer unter den Menschen könnte dich aufrichten
‎‏ואל בניך העזובים השיביך‏‎ und dich zurück zu deinen verlassenen Kindern bringen?
‎‏הלוי כי יבוא אז תשוב לשיריך‏‎ Ach, käme er doch, dann kehrtest du zurück zu deinem Gesang!
‎‏התורני כ״ה ליב בס מכאן‏‎ 10 Der Toragelehrte, der geehrte Herr Löb Bass von hier,
‎‏נפטר יום א׳ י״ד אייר תקע״ט‏‎ verschieden Tag 1, 14. Ijar 579.
‎‏תנצב״ה‏‎ Seine Seele sei eingebunden in das Bündel des Lebens

 

 Zl 5: bBer 17a

Kommentar

Datierung Gestorben Sonntag, 09.05.1819
Während die Inschrift für die nur drei Monate zuvor gestorbene Gattin die Trauer der Kinder um den Verlust der Eltern in den Mittelpunkt stellt, hebt diese Inschrift die verschiedenen Ämter von Löb Bass in der Gemeinde hervor: Er war Schächter und Fleischbeschauer, aber vor allem war er ein begabter Vorsänger mit einer vermutlich wohltönenden Bassstimme, wie sein bürgerlicher Beiname "Bass" bzw. "Bassänger" vermuten lässt. Die Eulogie spielt mehrfach mit den Namen Jehuda, Arje und Löb (s.u.) und stellt am Ende - wie bei der Inschrift der Gattin - den Bezug zu den trauernden Kindern her, hier verbunden mit der Hoffnung auf die baldige Ankunft des Messias.
Zl 1: Mit dem Wort ‎‏טרף‏‎, das "reissen", "zerreissen" und entsprechend auch "Beute" bedeutet, wird auf den Beruf des Schächters angespielt.
Zl 5: Der Ausdruck ‎‏נחת רוח‏‎, hier mit Wohlgefallen übersetzt, ist bBer 17a entnommen.
Namenskunde Die Eulogie spielt mit dem Namen des Verstorbenen: Der biblische Jehuda wurde im Jakobsegen mit einem Löwen verglichen (Gen 49,9), daher die Parallelität der Namen Jehuda, dem hebräischen Arje und dem deutschen Löw/Löb - wie ein Löwe stieg Löb Bass aus der Welt, in der man seine Beute reisst, empor und nun liegt er wie ein Löwe in seiner Grube.

Stilmittel

Reim auf -ita in Zln 1-5, auf -ech in Zln 6-9.
Akrostichon in Zeilen 1-9: ‎‏יהודא שוחט ומשורר בן שמואל הלוי‏‎ Jehuda Schächter und Sänger  Sohn des Schmuel Halevi

Beschreibung

Ornament gestalterische Verzierung
Zustand Das Grabmal ist sehr stark verwittert, die ursprüngliche Inschrift völlig verloren, sie wurde durch eine aufgesetzte Tafel ersetzt. Das Grabmal weist in der Oberkante eine Vertiefung auf, vermutlich fehlt ein (metallener?) Aufsatz.

Zur Person

Der "Baßsänger" Löw, auch Loew Samuel, Löw Bass und Löw Baßsänger, Passänger und Passinger, dessen Eintrag in der Belegungsliste den Zusatz "Lehrer" trägt und der in der "Juden-Familien-Liste" von 1796 unter den "Publicae Bediente" verzeichnet ist, stammte aus "Pressburg in Ungarn" (dem heutigen Bratislava) und war verheiratet mit Edel Ettel. 1814 nahm er den Familiennamen Görling an. Er war Vater von mindestens neun Kindern: Der 1785 geborene Samuel trat zum Christentum über. 1784 wurde Jette geboren, 1786 Dorette, auch Treinle und Therese Löw, die Stadthebamme in Bayreuth wurde. 1787 kam Lazarus (Loeser Löwenstein) zur Welt, der Vereinsdiener und Bildhauer war, 1794 die (nicht im Familienstandsbuch verzeichnete) Tochter Zimle Simla, und 1797 Sara Sophie Löw, die ebenfalls ledig blieb, sich als Garköchin und von Handarbeiten ernährte und 1864 starb (ein Grabstein ist nicht erhalten). In der "Juden-Familien-Liste" von 1796 sind darüber hinaus noch die damals 20-jährige Zierla verzeichnet, der 18-jährige Isaac und die achtjährige Güttell; zwei der Kinder waren damals "in Diensten". Außerdem lebte damals auch Löws 78-jährige Schwiegermutter Jentel in seinem Haushalt, die Familie lebte "in Schneider Niedermännischen Haus" zur Miete. Löw Bass starb drei Monate nach seiner Frau Edel im Alter von 79 Jahren an "Entkräftung" und wurde neben seiner Frau begraben.

Zur Familie

Gattin: Edel, Gattin des Löb Bass (Grabstein Nr. bay-0116)
Töchter: Zimle Görling (Grabstein Nr. bay-0115); Therese Löw (Grabstein Nr. bay-0219)
Sohn: Loeser Löwenstein (Grabstein Nr. bay-0441)

Quellen / Sekundärliteratur

Belegungsliste (BayHStA, Jüdisches Standesregister 64 u. CAHJP G5/165) Nr. 117: Löb, Lehrer · Stadtarchiv Bayreuth, 2733: Namensveränderung und Immatrikulation der Juden (18.08.1814), Nr. 29: "Loew Passinger, - nun Löw Goerling".

Fotografien

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Bert Sommer

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Zitation der Inschrift

Digitale Edition ─ Jüdischer Friedhof Bayreuth, bay-117
URL: http://www.steinheim-institut.de:50580/cgi-bin/epidat?id=bay-117
(letzte Änderungen - 2016-03-04 23:51)

Recherche im Gesamtbestand - Kontextualisierungen

Inschriften des Jahres 1819

Orte jüdischer Geschichte im Umfeld des Friedhofs

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Auftraggeber

Bearbeitet im Auftrag der Israelitischen Kultusgemeinde Bayreuth

Förderer

Festspiel- und Universitätsstadt Bayreuth Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern Oberfranken Stiftung


 

Steinheim-Institut
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