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BERLIN, Lase, auch L. HEILBUT,

Geb. 24. Sept. 1740 in Berlin,
Gest. 22. Januar 1814 in Hamburg
Sohn des Joseph b. Lase Halberstadt, eineinhalb Jahre lang Schüler von Tewele Scheuer in Bamberg, dann zur Jeschiwa des Dajan Gedalia in Swarzêdz (Schwersenz) in Großpolen. Er soll die ganze Bibel auswendig gekannt haben. Schwiegersohn des Todros Munk in Posen, wird dort Dajan und Jeschiwaleiter unter Raphael Cohen, folgt diesem 1776 nach Altona, wird später Dajan für Wandsbek/Hamburg dann für Altona/Hamburg; nach Cohens Amtsniederlegung 1799 Rabbinatspräses der Dreigemeinde, führt zum 26. April 1812 deren von den franz. Autoritäten angeordnete Trennung durch. Nach der französischen Annexion Hamburgs am 18. Feb. 1813 ernannt zum Konsistorial-Oberrb. des Département Bouches de l’Elbe (7.092 Juden), stirbt nach kaum einjähriger Amtszeit. Seine Witwe erhält eine Gemeindepension.

FAHRENBACH, Henoch Joseph, Dr., auch Heinrich F.,

Geb. 18. Dez. 1810 in Detmold,
Gest. 5. Okt. 1872 das
Sohn des Detmolder Rb. Abraham F. und der Sara Henoch, väterlicherseits Enkel des Würzburger Oberrb. Löb F., mütterlicherseits des Gelnhauser Rs. Henoch Levi. August 1828 bis August 1829 an der Jeschiwa in Würzburg als Schüler von Oberrb. Abraham Bing; 22. Apr. 1830 imm. als cand. phil. an der Universität Würzburg und vier Semester Studium das., 21. Aug. 1833 imm. Berlin, hört u. a. bei Hengstenberg. 8. Mai 1835 Abgang von der Universität; 18. Feb. 1836 prom. Leipzig. Hauslehrer in Inowrocław (Inowrazlaw), Prov. Posen, 19. Jan. 1837 Probepredigt in Bydgoszcz (Bromberg), dann wieder in Berlin, 2. Nov. 1837 rb. Ordination von Sutro (Münster), Lehrer in Warendorf, Westf.; als Nachfolger seines Vaters 1844 Landesrb. des Fsms. Lippe in Detmold, zunächst mit dem traditionellen Titel eines „Vizerabbiners“. 15. Juli 1845 Heirat mit Fanny Meyer, Tochter des Mühlenbesitzers Ruben M. zu Paderborn. Nach seinem Tod wird das Landrabbineramt nicht mehr neu besetzt.

KARPELES, Elias,

Geb. 13. Juni 1822 in Slavkov (Austerlitz), Mähren,
Gest. 7. Juli 1889 in Wien
Sohn des Rb. Lazar K. und Enkel des Rb. Moses K., mütterlicherseits Enkel des Rb. Gerson Buchheim. Besucht mehrere ungarische Jeschiwot sowie die Gymnasien in Nové Mesto nad Váhom (Waag-Neustadtl) und Trenčín (Trentschin) in der heut. Slowakei; wird ordiniert von L. Horwitz in Wien, Heschel Gläser in Kromìříž (Kremsier) und Abr. Placzek in Boskovice (Boskowitz), legt sodann an der Universität Wien das pädagogische und philosophische Examen ab. Als Nachfolger seines Vaters 1846 Rb. Ivanovice na Hané (Eiwanowitz), Mähren; als Nachfolger A. Neudas 1854 Rb. in Loštice (Loschitz), Mähren, auch Religionslehrer an der Realschule in Uničov (Mährisch-Neustadt), durch seine Predigten bekannt. Vater des Literaturhistorikers Gustav K. (1848-1909), der ihm kraft eines Vertrags vom 18. Feb. 1869 als Substitut zur Seite Stand, um „in allen rabbinischen Functionen seinem kränklichen Vater Aushilfe zu leisten“. 1881 Übersiedlung nach Wien, Prediger am Tempel Wieden-Margarethen (IV./V. Bez.), als Nachf. des 1887 gest. Isak Tonelis Handl auch Rabbinatspräses der Wiener Gemeinde.

MALBIM, Meyer Löbusch, bürgerlich M. L. WEISSER,

Geb. 7. März 1809 in Volochisk, Wolhynien,
Gest. 18. Sept. 1879 in Kiew
Aus Rabbinerfamilie, Sohn des Rb. Jechiel-Michael Weisser und der Simzia, mit sechs Jahren vom Vater verwaist, Unterricht beim Stiefvater Rb. Leibele und dem Ortsrb. Moses b. Juda Halevi Horowitz. Als 14jähriger mit einem Mädchen aus reicher Familie verheiratet und kurze Zeit später geschieden; Aufenthalt in Warschau zu Studien an der dortigen Jeschiwa des Arje-Leibusch Zinz; in die Kabbala eingeführt bei dem chassidischen Meister Hirsch Eichenstein (1785-1831), dem Begründer der Dynastie der Zaddikim von Zhydachiv (¯ydaczów), Ostgalizien. 1834 dreijährige Reise als Wanderprediger (Maggid) u. a. nach Topo¾čany (Nagytapolcsány), Mikulov (Nikolsburg), Preßburg, Pápa, Triest, Metz, Amsterdam und Breslau, wo er gegen die Reformer predigt; auf Empfehlung des dortigen Rb. Salman Tiktin 1838 Rb. in Wrzeœnia (Wreschen), Prov. Posen; zweite Ehe mit einer verwitweten Tochter des Vorstehers Feivel Opatschinski in £êczyca (Luntschütz) in Russ.-Großpolen. 17./18. Feb. 1840 Wahl in Kêpno (Kempen); wird erst nach langem Kampf 1841 auf die mit 450 Tl. Gehalt ausgestattete Stelle berufen. Der als „Kempener Raw“ berühmte Ultraorthodoxe spaltet durch seine Ablehnung des modernen Schulsystems die Gemeinde. Sommer 1858 Berufung zum aschkenasischen Oberrb. in Bukarest, 1864 auf Betreiben der dortigen dt. Reformer gefangengesetzt und ausgewiesen, reist im Zuge der Prozeßführung bis nach Konstantinopel und nach Paris. 1866 Rb. in £êczyca; 1869 Rb. in Kherson, Ukraine, 1872 Rb. in Mogilev, Weißrußland, von dortigen Juden unter politischen Verleumdungen wiederum gefangengesetzt und vertrieben. 1876 Rb. der polnischen Gem. von Königsberg, wo die Konflikte mit den dt. Juden sich erneuern. 1879 zum Rabbiner von Wilna gewählt; vom russ. Gouverneur wird die Bestätigung indes verweigert. Einer darauffolgenden Berufung zum Rb. in Kremenchuk, Ukraine, konnte M. nicht mehr folgen; einen Ruf nach New York lehnte er ab.

MIELZINER, Moses, Dr.,

Geb. 12. Aug. 1828 in Szubin (Schubin), Prov. Posen,
Gest. 18. Feb. 1903 in Cincinnati, USA
Sohn des Ortsrb. Benjamin Leib M., Schüler der Jeschiwa von Zwi Hirsch Klausner in Kcynia (Exin); 21. Okt. 1848 imm. Berlin mit Studien bei Rb. J.-J. Öttinger, ordiniert sowohl von diesem als auch von dem Prediger der Reformgemeinde Samuel Holdheim. 1852 Prediger in Waren, Mecklenburg, muß das Amt aber wegen Konflikten mit dem orthod. Landesrb. verlassen; 1854 in gleicher Funktion in Randers, Dänemark; 1857 Dajan in Kopenhagen und Leiter der Religionsschule; prom. 1859 in Gießen. 1861 Heirat mit Rosette Levald aus Kopenhagen. Seine Dissertation über die Sklaverei in der Bibel macht ihn in den USA bekannt; Sept. 1865 Rb. der Gemeinde „Ansche Chessed“ New York; als Mitglied der Rb.-Versammlung von Philadelphia tritt er 1869 für den „entschiedenen Fortschritt“ ein. Nach der New Yorker Gemeindefusion zum 7. Juni 1873 aus dem Amt entlassen; Leiter einer Privatschule in N. Y., zugleich Unterricht für Rabbinatskandidaten; 1879 Dozent für Talmud und Rabbinische Literatur am Hebrew Union College in Cincinnati; 1900 Leiter ebd.

SCHWARZ, Hayum,

Geb. 18. Juli 1800 in Floß, Oberpfalz,
Gest. 3. Mai 1875 in Hürben b. Krumbach, Bayer.-Schwaben
Sohn des Mendel Isaak und der Bella, die 1814 den Namen „Schwarz“ annehmen, mit 13 J. [nach anderer Quelle: 1816] zur Fürther Jeschiwa, Talmudstudium bei Oberrb. M. S. Kohn, Sept. 1817 Schüler und Adjunkt des Rb. Baruch Steppacher in Kleinerdlingen, März 1821 Schüler des Würzburger Oberrb. Abraham Bing, SS 1823 imm. an der Univ. Würzburg, vier Jahre Studium gemeinsam mit seinem Bruder, dem seit 1833 in Palästina ansässigen Geographen Jehosef Schwarz. 28. März 1827 rb. Ordination von Hillel Sontheimer in Aschaffenburg, von Hirsch Traub in Mannheim und Sal. Fürst in Heidelberg, bestätigt von Levi Ellinger in Ichenhausen. 18. Mai 1827 Bewerber in Bayreuth. 19. Okt. 1827 einstimmig gewählt zum Rb. der 478-Seelen-Gemeinde in Hürben. Am 10.-14. Dez. 1827 besteht er in Augsburg die Staatsprüfung mit der Note „sehr gut“ und wird am 15. Feb. 1828 zum Bezirksrb. in Hürben mit 500 fl. Gehalt eingesetzt; vertragsgemäß heiratet er am 18. Feb. 1828 Henriette Kahn (1804- 1867), die Waise seines Amtsvorgängers Israel K. Orthodoxer Richtung, unterzeichnet 1844 gegen die Rb.-Versammlung, 1864 im Kompert-Prozeß auf Seiten der ungar. Trennungsorthodoxie. 13. Sept. 1872 Einweihung der umgebauten Synagoge. Stifter der „Rabbiner H. Schwarz’- schen Stiftung und Rabbinersgattin Henriette Schwarz’schen Stiftung“.

VOGELSTEIN, Heinemann, Dr.,

Geb. 13. Feb. 1841 in Lage, Lippe,
Gest. 4. Aug. 1911 in St. Moritz, Schweiz
Sohn des Israel V. und der Julie Adler, 14. Nov. 1859 imm. Breslau und Studium am Jüdisch-theologischen Seminar, 1. Sept. 1865 prom. Breslau. 1868 Entlassung mit dem Seminardiplom; auf Empfehlung von Zach. Frankel im selben Jahr Rb. in Pilsen; Heirat mit Rosa Kobrak; 18. Feb. 1880 Rb. in Stettin; stellvertr. Vorsitzender der Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland; Begründer und Vors. der Vereinigung der lib. Rabbiner; „Protestrabbiner“ gegen den Zionismus. Vater des Rb. Dr. Hermann V. (1870-1942) und des Bankiers Theodor Max V. (1880-1957); Großvater des Rb. Max V. (1901-1984).

COHN, Emil Moses, Dr., Pseudonym Emil BERNHARD, Ben Oni Oni,

Geb. 18. Feb. 1881 in Berlin-Steglitz,
Gest. 28. Febr. 1948 in Los Angeles, CA/US.
Rabbiner und Dramatiker; Sohn des Arztes, Zionisten und Vorsitzenden des Berliner Synagogenvereins Düppelstraße Dr. Bernhard C. und der Cäcilie, geb. Sabersky. Seit 1899 Univ. Berlin und HWJ. Mitglied im Verein jüdischer Studenten; 1901 mit J. L. Magnes u. a. Mitbegründer der zionistischen Studentengruppe „National-jüdischer Verein der Hörer an der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums“, die sich 1902 wegen angedrohter Relegation seiner Mitglieder selbst auflöste. 11. März 1903 Promotion in Heidelberg, 1904 Rabbinatszeugnis. 1905 Religionslehrer des Falk-Realgymnasiums in Berlin, 1906 Prediger und Religionslehrer bei der Jüdischen Gemeinde zu Berlin; mußte 1907 unter Druck des Gemeindevorstandes das Lehr- und Predigeramt aufgrund seiner zionistischen Haltung aufgeben (Amtsentsetzung). 1907-1908 studierte er Jura an der Univ. Kiel. 1908-1912 Rb. in Kiel. 1909 Delegierter auf dem 9. Zionistenkongress in Hamburg. 1912-1914 Rb. in Essen. Seit 1914 Mitglied des Misrachi; 1914-1925 Rb. in Bonn; hier mußte er die Erklärung abgeben, er „werde weder Kanzel noch Katheder zu zionistischer Propaganda benutzen und daher weder in Schule, Predigt, oder sonst in Ausübung meines Amtes zionistische Ideen lehren, verbreiten oder für den Zionismus werben oder sprechen“ (CJA Berlin). Gleichzeitig Dozent für mittelalterliche Philosophie am Johanneum in Essen und für Hebräisch an der Univ. Bonn. 1925-1936 konservativ-zionistischer Rb. und Leiter der Religionsschule der Synagogengemeinde Berlin-Grunewald; 1928 zum Gemeinderb. in Berlin ernannt, der sich speziell sozialen Aufgaben widmen sollte. Nach 1920 wurde er zunehmend bekannt durch seine Theaterstücke, die u. a. vom Habimah-Theater inszeniert wurden. War Mitglied der Jehuda Halevi-Loge, Berlin, und zuvor der Rheinland-Loge, Köln. 1933 Vorsitzender der Freien jüdischen Volkshochschule in Berlin; kurzzeitig inhaftiert. 1935/36 wiederholte Haft wegen angeblichen Landesverrats. Okt. 1936 während zeitweiliger Entlassung anläßlich der Bar Mizwa-Feier seines Sohnes Flucht in die Niederlande, Verbindungsmann zwischen jüd. Gemeinden in den Niederlanden und in Deutschland; Februar 1939 mit Besuchervisum für eine Vortragsreihe Flucht in die USA; unter seinen amerikanischen Fürsprechern waren Albert Einstein und Rb. Stephen Wise, der ihn zum stellvertretenden Rb. der “Free Synagogue“ in New York ernannte. 1941-1945 Rb. der orth. Gemeinde “Beth Jacob“ in Menlo Park, CA, und Dozent für hebr. Literatur an der Stanford Univ. in Palo Alto, 1945 Rb. des “Temple Sinai“ in Glendale, Los Angeles, und Dozent für jüdische Geschichte an der “School of Jewish Studies“. 1947-1948 Bibliothekar der “School of Jewish Community Council”, Los Angeles. Verheiratet mit Margarete geb. Kaufmann, aus Mülheim an der Ruhr (1893-1965); drei Kinder. Der Sohn Bernhard N. Cohn, verheiratet mit Mirjam, Tochter des Rb. Hugo Hahn aus Essen, wurde in New York Rb. der “Congregation Habonim“. Starb an den Folgen eines Verkehrsunfalls.