Aus Salomon Ludwig Steinheim-Institut für deutsch-jüdische Geschichte an der Universität Duisburg-Essen

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Deutsch-Jüdische Publizistik

Weitere Informationen über die Deutsch-Jüdische Publizistik finden Sie auf der Seite Staat, Gesellschaft, Nation.

Schriften zur jüdischen Sozialethik

Nächstenliebe und Barmherzigkeit. Schriften zur jüdischen Sozialethik. Band 2. Herausgegeben von Michael Brocke und Jobst Paul. Böhlau 2015. ISBN 978-3-412-22279-6. EUR 39.90

"Aus jüdischer Sicht ist Gotteserkenntnis nicht denkbar ohne die ethische Selbstverpflichtung dem Mitmenschen gegenüber. Dabei geht es um mehr als um Gesinnung oder Mitleid, sondern um das tatsächliche Tun, aus Selbstachtung und Pflicht-Empfinden heraus: Die Liebe zum Nächsten soll Leidenschaft sein, den Mitmenschen vor Not und Unrecht zu bewahren, d.h. für Gerechtigkeit zu sorgen, Bedürftigen und Hilfesuchenden zur Seite zu stehen und sie mit Würde zu behandeln. Für die Empfangenden wiederum gilt, mit der ihnen zukommenden Mildtätigkeit verantwortlich umzugehen. 19 deutsch-jüdische Autoren thematisieren im vorliegenden Band die Lehre von Nächstenliebe, Barmherzigkeit und Gerechtigkeit als Kern des Judentums. Sie beklagen zugleich, wie das Christentum diese Lehre dem Judentum aberkannte, um sie für sich selbst zu reklamieren, und dazu ein Zerrbild des Judentums schuf, das als Grundlage für Judenfeindschaft und Antisemitismus dient. Die Autoren sind sich gleichwohl gewiss, dass all dies die Geltung der jüdischen Religion nicht treffen kann."

Ludwig Philippson: Ausgewählte Werke

Ludwig Philippson: Ausgewählte Werke: Die Entwickelung der religiösen Idee im Judenthume, Christenthume und Islam. Die Religion der Gesellschaft. Zwei Vorlesungsreihen. Herausgegeben von Andreas Brämer. Böhlau 2015. ISBN 978-3-412-22444-8. EUR 59.90.

"Der Rabbiner und Publizist Ludwig Philippson (1811–1889) hat sich als einer der Wortführer des religiös-progressiven Judentums und des politisch liberalen jüdischen Bürgertums einen Namen gemacht. Sowohl mit rhetorischen und schriftstellerischen Talenten gesegnet als auch mit organisatorischem Geschick engagierte er sich für die politische Gleichstellung und gesellschaftliche Integration der Juden in ihrer deutschen Umwelt. Wann immer sich Gelegenheit bot, ergriff er zudem das Wort, um das Judentum als moderne bürgerliche Konfession zu beschreiben. Seine theologische Auseinandersetzung mit dem eigenen Glauben lenkte Philippsons Aufmerksamkeit daher aber auch immer wieder auf die christliche Religionsgeschichte sowie auf die jüdisch-christliche Beziehungsgeschichte, die er zum Thema zahlreicher Schriften machte."

David Friedländer: Ausgewählte Werke

David Friedländer: Ausgewählte Werke. Herausgegeben von Uta Lohmann. Böhlau Verlag, 2013, 322 Seiten, ISBN 978-3-412-20864-6

Am 11. März 1812 erging das Emanzipationsedikt, das den preußischen Juden die gleichen Rechte wie den Christen versprach. Das Edikt markierte einen Meilenstein in der jüdischen Emanzipationsgeschichte. Mit dem langen Ent­stehungsprozess des Edikts ist kein anderer Name enger verbunden als der des jüdischen Aufklärers David Friedländer (1750–1834). Die hier neu editierten Texte dokumentieren u.a. Friedländers innerjüdischen Reformansatz, der sich gegen traditionelle Hierarchien und rabbinische Machtansprüche richtete. Dazu entwickelte er eine ganze Reihe gesellschaftlicher, religiöser und er­zieherischer Konzepte mit dem Ziel einer gleichberechtigten Gemeinschaft von Christen und Juden. Dafür ging er erhebliche Risiken ein und wurde auch zum Ziel massiver Angriffe.

Gabriel Riesser: Ausgewählte Werke

Gabriel Riesser: Ausgewählte Werke. Teilband 1. Herausgegeben von: Jobst Paul und Uri R. Kaufmann. Böhlau Verlag, 2012, 280 Seiten, ISBN 978-3-412-20864-6, 39,90 Euro.

Gabriel Riesser (1806–1863) wuchs in Hamburg in einer religiösen jüdischen Familie auf. Er wurde in Heidelberg zur Zeit der Restauration promoviert ,als die Diskriminierungen gegen Juden einen neuen Höhepunkt erreichten. Zwei Uni­versitäten verweigerten ihm die Habilitation, seine Heimatstadt Hamburg die Anstellung als Advokat. Danach wuchs Riesser in die Rolle eines Bürgerrechtlers hinein und wurde dadurch berühmt. 1848 wählten ihn christliche Wahl­männer in die Paulskirchen-Versammlung. Er wurde 1860 der erste jü­dische Richter Deutschlands. Seine vielfältigen, rhetorisch brillanten Schriften ­spiegeln die Kultur des Vormärz und die Entwicklung des deutschen ­Parlamentarismus. Inhaltsverzeichnis (PDF)


Gotteserkenntnis und Menschenbild

Gotteserkenntnis und Menschenbild. Schriften zur jüdischen Sozialethik 1. Herausgegeben von: Michael Brocke und Jobst Paul. Böhlau Verlag, 2011, 232 Seiten, ISBN 978-3-412-20452-5, 34,90 Euro.

Ausgehend von der Sozialgesetzgebung der Tora (der Fünf Bücher Moses) und der über Jahrhunderte geleisteten talmudischen Auslegungsarbeit erweist sich die Sozialethik als eines der wichtigsten Anliegen des Judentums überhaupt. Die Quellen des jüdischen Pflichtgedankens finden sich im biblisch-jüdischen Gottesverständnis, aus dem die Gott-Ebenbildlichkeit des Menschen und seine Aufgabe der "Nachahmung Gottes" hergeleitet wird. In der Überzeugung, dass der Mensch grundsätzlich zum Guten fähig ist und über Willensfreiheit verfügt, formuliert die jüdische Sozialethik lange vor Christentum und Islam die Grundlagen der individuellen Hilfeleistung für Menschen in prekären Lebensverhältnissen ebenso wie die Eckwerte kollektiver Wohlfahrt und ökonomischer Gerechtigkeit. Diesen argumentativen Bogen spiegelt die hier vorgelegte Anthologie, in der vielfältige Beiträge deutsch-jüdischer Autoren des 19. Jahrhunderts neu zur Diskussion gestellt werden. Titelei und Inhalt

Saul Ascher: Ausgewählte Werke

Saul Ascher: Ausgewählte Werke Hg. von Renate Best, Böhlau Verlag, 2010, 324 Seiten, ISBN 978-3-412-20451-8, 39,90 Euro

Der Philosoph und Schriftsteller Saul Ascher (1767-1822), der in der Epoche von Moses Mendelssohn und Immanuel Kant zum Berliner Kreis der jüdischen Aufklärung, der Haskala, zählte, blieb lebenslang ein Außenseiter. Als jüdischer Intellektueller in Preußen kritisierte er innerjüdische Zustände, aber auch gefährliche Tendenzen der Gesellschaft allgemein. Er entwickelte Pläne der Integration, war einer der ersten Reform-Theoretiker des Judentums, erwarb 1810 die philosophische Doktorwürde und veröffentlichte seine politischen Vorstellungen über Judentum, Christentum und Deutschtum in diversen Zeitschriften. Auch wenn die Zensur ihn kurzfristig ins Gefängnis brachte, betrieb er intensiv die Politisierung der öffentlichen Meinung. Geistige Unabhängigkeit und politisches Engagement schufen Saul Ascher Feinde, nicht nur in der christlichen Umgebung, sondern auch in den eigenen Reihen. Die vorliegende Werkausgabe macht vier seiner scharfsinnigen Interventionen neu zugänglich.

Der Band enthält: Bemerkungen über die bürgerliche Verbesserung der Juden, veranlaßt bei der Frage: Soll der Jude Soldat werden? (1788); Leviathan oder über Religion in Rücksicht des Judenthums (1792); Ideen zur natürlichen Geschichte der politischen Revolutionen (1802); Ansicht vom künftigen Schicksal des Christenthums (1818)

Elias Grünebaum: Die Sittenlehre des Judenthums

Elias Grünebaum: Die Sittenlehre des Judenthums - Nebst dem geschichtlichen Nachweise über die Entstehung und Bedeutung des Pharisaismus und dessen Verhältniß zum Stifter der christlichen Religion. Synoptische Edition der Ausgaben von 1867 und 1878. Hg. von Carsten Wilke, Böhlau Verlag, 2010, 321 Seiten, ISBN 978-3-412-20316-0 , 39,90 Euro

Der Landauer Rabbiner Elias Grünebaum wurde zu seiner Studie über die ­gemeinsame jüdisch-christliche Vergangenheit durch das deutsch-jüdische Projekt einer pluralistischen Gesellschaft angeregt. In der systematischen ­kirchlichen Verunglimpfung des Judentums als gewissenlose Zeremonial­religion liegt für ihn die Wurzel aller Vorurteile gegenüber den Juden. Im Einspruch gegen das Pharisäerbild theologischer Lehrbücher beschreibt Grünebaum die Entfaltung universalethischer Prinzipien im biblischen und antiken Judentum sowie ihren prägenden Einfluss auf die Lehre Jesu. Daraus entsteht eine Genealogie der Moral, die den gleichberechtigten Anteil beider Religionen an den Werten Europas einfordert. Die im Kaiserreich aufgeflammte judenfeindliche Agitation veranlasste Grünebaum zu einer stark erweiterten Neuauflage seiner "Sittenlehre". Das Werk, dessen Textgeschichte die Edition transparent macht, bezeugt und kommentiert jene Dekade, in der christliche Talmudfeinde der Rassenideologie den Boden bereiteten.

Visionen der gerechten Gesellschaft

Michael Brocke, Margarete Jäger, Siegfried Jäger, Jobst Paul, Iris Tonks: Visionen der gerechten Gesellschaft - Der Diskurs der Deutsch-Jüdischen Publizistik im 19. Jahrhundert, Böhlau Verlag, 2009, 200 Seiten, ISBN 978-3-412-20315-3 , 24,90 €

Die deutschen Juden haben bis zur Shoah immer wieder versucht, sich in die deutsche Gesellschaft einzubringen, u.a. durch konzeptionelle Beiträge zu einem breiten Spektrum gesellschaftspolitischer Themen. Die Mehrheitsgesellschaft aber hat diesem Teil der deutschsprachigen Literatur den Zugang zum kulturellen Gedächtnis verwehrt. Das Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung und das Salomon Ludwig Steinheim-Institut für deutsch-jüdische Geschichte an der Universität Duisburg-Essen haben jetzt den deutsch-jüdischen Diskurs des 19. Jahrhunderts aufgearbeitet. Ihre Analyse zeigt, wie intensiv sich deutsche Juden gegen die Fundamentalismen ihrer Zeit gewandt und diesen ihre eigenen Visionen einer gerechten Gesellschaft entgegengesetzt haben. Ihre Perspektiven auf Geschichte und Zeitgeschichte bieten neue, herausfordernde Einsichten für die Geschichts- und Kulturwissenschaften.


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