Aus Salomon Ludwig Steinheim-Institut für deutsch-jüdische Geschichte an der Universität Duisburg-Essen

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Deutsch-Jüdische Publizistik

Weitere Informationen über die Deutsch-Jüdische Publizistik finden Sie auf der Seite Staat, Gesellschaft, Nation.

Gotteserkenntnis und Menschenbild

Gotteserkenntnis und Menschenbild. Schriften zur jüdischen Sozialethik 1. Herausgegeben von: Michael Brocke und Jobst Paul. Böhlau Verlag, 2011, 232 Seiten, ISBN 978-3-412-20452-5, 34,90 Euro.

Ausgehend von der Sozialgesetzgebung der Tora (der Fünf Bücher Moses) und der über Jahrhunderte geleisteten talmudischen Auslegungsarbeit erweist sich die Sozialethik als eines der wichtigsten Anliegen des Judentums überhaupt. Die Quellen des jüdischen Pflichtgedankens finden sich im biblisch-jüdischen Gottesverständnis, aus dem die Gott-Ebenbildlichkeit des Menschen und seine Aufgabe der "Nachahmung Gottes" hergeleitet wird. In der Überzeugung, dass der Mensch grundsätzlich zum Guten fähig ist und über Willensfreiheit verfügt, formuliert die jüdische Sozialethik lange vor Christentum und Islam die Grundlagen der individuellen Hilfeleistung für Menschen in prekären Lebensverhältnissen ebenso wie die Eckwerte kollektiver Wohlfahrt und ökonomischer Gerechtigkeit. Diesen argumentativen Bogen spiegelt die hier vorgelegte Anthologie, in der vielfältige Beiträge deutsch-jüdischer Autoren des 19. Jahrhunderts neu zur Diskussion gestellt werden. Titelei und Inhalt

Saul Ascher: Ausgewählte Werke

Saul Ascher: Ausgewählte Werke Hg. von Renate Best, Böhlau Verlag, 2010, 324 Seiten, ISBN 978-3-412-20451-8, 39,90 Euro

Der Philosoph und Schriftsteller Saul Ascher (1767-1822), der in der Epoche von Moses Mendelssohn und Immanuel Kant zum Berliner Kreis der jüdischen Aufklärung, der Haskala, zählte, blieb lebenslang ein Außenseiter. Als jüdischer Intellektueller in Preußen kritisierte er innerjüdische Zustände, aber auch gefährliche Tendenzen der Gesellschaft allgemein. Er entwickelte Pläne der Integration, war einer der ersten Reform-Theoretiker des Judentums, erwarb 1810 die philosophische Doktorwürde und veröffentlichte seine politischen Vorstellungen über Judentum, Christentum und Deutschtum in diversen Zeitschriften. Auch wenn die Zensur ihn kurzfristig ins Gefängnis brachte, betrieb er intensiv die Politisierung der öffentlichen Meinung. Geistige Unabhängigkeit und politisches Engagement schufen Saul Ascher Feinde, nicht nur in der christlichen Umgebung, sondern auch in den eigenen Reihen. Die vorliegende Werkausgabe macht vier seiner scharfsinnigen Interventionen neu zugänglich.

Der Band enthält: Bemerkungen über die bürgerliche Verbesserung der Juden, veranlaßt bei der Frage: Soll der Jude Soldat werden? (1788); Leviathan oder über Religion in Rücksicht des Judenthums (1792); Ideen zur natürlichen Geschichte der politischen Revolutionen (1802); Ansicht vom künftigen Schicksal des Christenthums (1818)

Elias Grünebaum: Die Sittenlehre des Judenthums

Elias Grünebaum: Die Sittenlehre des Judenthums - Nebst dem geschichtlichen Nachweise über die Entstehung und Bedeutung des Pharisaismus und dessen Verhältniß zum Stifter der christlichen Religion. Synoptische Edition der Ausgaben von 1867 und 1878. Hg. von Carsten Wilke, Böhlau Verlag, 2010, 321 Seiten, ISBN 978-3-412-20316-0, 39,90 Euro

Der Landauer Rabbiner Elias Grünebaum wurde zu seiner Studie über die ­gemeinsame jüdisch-christliche Vergangenheit durch das deutsch-jüdische Projekt einer pluralistischen Gesellschaft angeregt. In der systematischen ­kirchlichen Verunglimpfung des Judentums als gewissenlose Zeremonial­religion liegt für ihn die Wurzel aller Vorurteile gegenüber den Juden. Im Einspruch gegen das Pharisäerbild theologischer Lehrbücher beschreibt Grünebaum die Entfaltung universalethischer Prinzipien im biblischen und antiken Judentum sowie ihren prägenden Einfluss auf die Lehre Jesu. Daraus entsteht eine Genealogie der Moral, die den gleichberechtigten Anteil beider Religionen an den Werten Europas einfordert. Die im Kaiserreich aufgeflammte judenfeindliche Agitation veranlasste Grünebaum zu einer stark erweiterten Neuauflage seiner "Sittenlehre". Das Werk, dessen Textgeschichte die Edition transparent macht, bezeugt und kommentiert jene Dekade, in der christliche Talmudfeinde der Rassenideologie den Boden bereiteten.


Visionen der gerechten Gesellschaft

Michael Brocke, Margarete Jäger, Siegfried Jäger, Jobst Paul, Iris Tonks: Visionen der gerechten Gesellschaft - Der Diskurs der Deutsch-Jüdischen Publizistik im 19. Jahrhundert, Böhlau Verlag, 2009, 200 Seiten, ISBN 978-3-412-20315-3, 24,90 €

Die deutschen Juden haben bis zur Shoah immer wieder versucht, sich in die deutsche Gesellschaft einzubringen, u.a. durch konzeptionelle Beiträge zu einem breiten Spektrum gesellschaftspolitischer Themen. Die Mehrheitsgesellschaft aber hat diesem Teil der deutschsprachigen Literatur den Zugang zum kulturellen Gedächtnis verwehrt. Das Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung und das Salomon Ludwig Steinheim-Institut für deutsch-jüdische Geschichte an der Universität Duisburg-Essen haben jetzt den deutsch-jüdischen Diskurs des 19. Jahrhunderts aufgearbeitet. Ihre Analyse zeigt, wie intensiv sich deutsche Juden gegen die Fundamentalismen ihrer Zeit gewandt und diesen ihre eigenen Visionen einer gerechten Gesellschaft entgegengesetzt haben. Ihre Perspektiven auf Geschichte und Zeitgeschichte bieten neue, herausfordernde Einsichten für die Geschichts- und Kulturwissenschaften.


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