Aus Salomon Ludwig Steinheim-Institut für deutsch-jüdische Geschichte an der Universität Duisburg-Essen

Posener Heimat in Publizistik und Literatur der deutschen Juden 1919-1938

[english]

Gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages

  • wiss. Mitarbeiter/in: Dr. Beata Mache, Harald Lordick

Die in der preußischen Provinz Posen lebenden Juden verstanden sich zu Beginn des 20. Jhs. in ihrer überwiegenden Mehrheit als „deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens“.

Nach der Zäsur des Jahres 1918 verließ die Mehrheit von ihnen das wiedererstandene unabhängige Polen. Zusammen mit den nichtjüdischen Deutschen, die sich ebenfalls in ihrer großen Mehrheit für Deutschland entschieden, verloren sie ihre Posener Heimat – ihre Identität als Posener gaben sie aber nicht auf. Sie gründeten etliche Heimatvereine und 1925 einen Verband, der von Oktober 1926 bis November 1938 die Posener Heimatblätter (ab 1935 Blätter des Verbandes Jüdischer Heimatvereine) herausgab.

Unser Forschungsprojekt möchte dieses kaum bekannte Bemühen um „Heimatpflege“ nachzeichnen, es kontextualisieren und das spezifische transnationale Verständnis Posener Juden von Heimat herausarbeiten.

Entlang einer Reihe von forschungsleitenden Fragen soll untersucht werden, wie sich Tradition, Zusammenhalt, Selbstwahrnehmung und Interesse an der Heimat Posen bis 1938 entwickelten. Dabei soll auch der Frage nach dem Umgang mit der neuen politischen Situation in Großpolen nachgegangen werden: Versuchten die Posener Juden, wie schon im 19. Jh., eher mäßigend in dem deutsch-polnischen Konflikt zu wirken, als „ein Bindeglied zwischen hüben und drüben“ zu fungieren, kulturelle und wirtschaftliche Beziehungen zu der Heimat zu halten? Und wie gestalten sich in diesem Zusammenhang die Beziehungen zu den nichtjüdischen Heimatvereinen, den Landsmannschaften, dem Deutschen Ostbund?

Was wurde aus ihrer Deutsch-Posener Identität nach 1933, nach der erzwungenen Emigration? Die Heimatblätter wurden noch 1936 international verschickt, unter anderem in die USA, nach Brasilien, Großbritannien, Palästina, in die Schweiz, nicht zuletzt eben auch in die „alte Heimat“.

In Kooperation mit der Universität Poznań soll untersucht werden, wie viele deutsche Juden in Polen blieben und welche Rolle sie bei der Bewahrung einer spezifischen Posener Tradition und der Integration der aus den östlichen Gebieten Polens nach Großpolen einwandernden Juden spielten.

Um diese Fragen zu beantworten, sollen insbesondere die Posener Heimatblätter als erstrangige Quelle und das Organ des Verbandes sowie ergänzend Quellen aus polnischen und deutschen Archiven erschlossen und analysiert werden.

Aus dem Projekt berichten wir laufend im Projekt-Blog auf hypothesis.org

Bisher erschienen folgende Blog-Beiträge

Blog-Seiten:

Bibliografie

Im Fokus des Projektes stehen die Posener Heimatblätter. Zusätzlich werden die Posener Jüdische Zeitung und das Mitteilungsblatt des Jüdischen Volksrats Posen ausgewertet.

Dazu werden nicht nur die Hauptbeiträge bibliografiert, sondern der Inhalt der Zeitschriften möglichst differenziert und umfassend erschlossen und in einer Online-Datenbank zugänglich gemacht. Die ersten Jahrgänge sind schon erfasst: Posener jüdische Publizistik. Bibliografie

Im Projekt entsteht zusätzlich eine Bibliografie zum Forschungsthema. Schon während ihrer Erarbeitung ist sie öffentlich bei Zotero zugänglich: Bibliografie bei Zotero

The "Posen Home" in German-Jewish Journalism and Literature from 1919 to 1938

The project aims at tracing both ideas of self-perception and love of the native place in the Posener Heimatblätter and other sources published by and connected with Jews who left Posen after World War I. Other areas of interest are the memorial culture as well as the preservation of their native place by Jews who left Posen at the time. The overall aim is to contribute to research done on German-Jewish-Polish relations in the former eastern regions of the German Reich. more...

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