Aus Salomon Ludwig Steinheim-Institut für deutsch-jüdische Geschichte an der Universität Duisburg-Essen

Edition der Memorbücher von Koblenz und Ehrenbreitstein

„Memorbücher“, Seelengedächtnisbücher, kamen im 16.-17. Jahrhundert in zahlreichen jüdischen Gemeinden Deutschlands in Gebrauch, basierend auf früheren mittelalterlichen Vorbildern, die die Opfer von Kreuzzügen und anderen Verfolgungen verzeichneten. Sie sind auf Hebräisch verfasst und enthalten Gebete und Märtyrerlisten sowie individuelle Gedächtniseinträge für verstorbene Mitglieder einer Gemeinde. Im Verlauf des 19. Jahrhunderts verloren die Memorbücher, die auf den deutschen Kultur- und Sprachraum beschränkt blieben, ihre Bedeutung und wurden nicht mehr fortgeführt. Nach 1933 sind sie vielfach vernichtet worden oder verloren gegangen. Von einigen Studien jüdischer Gelehrter vor und noch während der ersten Jahre der NS-Zeit abgesehen, sind sie bis heute kaum erforscht.

Zu den bedeutenderen Memorbüchern gehören die Memorbücher der Nachbargemeinden Koblenz und Ehrenbreitstein, die heute in den Central Archives for the History of the Jewish People in Jerusalem liegen. Sie umfassen die Zeitspanne von Anfang/Mitte des 17. Jahrhunderts bis Mitte/Ende des 19. Jahrhunderts und stellen nicht nur eine eminent wichtige Quelle für die Geschichte der Juden in Koblenz und am Mittelrhein dar, sondern bieten darüber hinaus Einblicke in die jüdische Kultur- und Geistesgeschichte in der Zeit vor, während und nach der Aufklärung.

Dank der Förderung durch die Koblenzer Kultur Stiftung und dank der Finanzierung aus dem Erbe von Hildegard Hunschede konnte die Edition dieser beiden Memorbücher im September 2017 abgeschlossen werden. Sie bilden die Grundlage für eine neue Datenbank für Memorbücher, memdat, die in Zukunft parallel zu unserer epigrafischen Datenbank 'epidat' aufgebaut werden soll.

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