Preußisch Oldendorf · 0040

 

Diplomatische Transkription und Übersetzung

‎‏[־־־]‏‎ [---]
‎‏[...]ה ..[...]‏‎ [...]
‎‏חסד נפט[ר...]‏‎ Liebesdienst, verschieden ›(mit) gutem
‎‏טוב יום ד׳? [...]‏‎ (Namen)‹ Tag 4? [...]
‎‏תק״ב לפ״ק‏‎ 5 502 der kleinen Zählung,
‎‏ונקבר בו ביום‏‎ und begraben an eben jenem Tag.
‎‏בזכות במ״ט שעשה‏‎ Um seiner guten Werke willen, die er vollbrachte,
‎‏תנצב״ה‏‎ sei seine Seele eingebunden in das Bündel des Lebens

 

  Zl 3f: bBer 17a

Kommentar

Datierung Gestorben und begraben 1741/42 ;
Grabmal eines Mannes, der zwischen dem 11. September 1741 und dem 28. September 1742 starb und aufgrund der Lage des Grabsteins vermutlich in einer verwandtschaftlichen Beziehung zu Awraham Meir (Meyer Levi (Grabstein Nr. 0041 ) stand, da die beiden Grabsteine in einer gemeinsamen Grabeinfassung stehen (wenn man davon ausgeht, dass es sich um die originale Aufstellung handelt).

Beschreibung

Beschreibung Dieses Grabmal und das nebenstehende, Nr. 0041 , stehen in einer gemeinsamen Grabeinfassung.
Zustand Das Grabmal ist gebrochen, die obere Hälfte fehlt.

Zur Person

Vermutlich handelt es sich bei dem hier Begrabenen um Leser Abraham, einem Sohn von Abraham Leser und der Edel Gerson, die wiederum eine Schwägerin war des auf der nebenliegenden Grabstelle ruhenden Awraham Meir/Meyer Levi.

Zur Familie

Mutter?: Edel Gerson (Grabstein Nr. 0036 )

Quellen / Sekundärliteratur

Dieter Besserer: Jüdisches Leben in der Stadt Preußisch Oldendorf, Preußisch Oldendorf 2014, S. 93-101.

Preußisch Oldendorf · 0041

 

Awraham Meir (Meyer Levi) [21.06.1742]

Diplomatische Transkription und Übersetzung

‎‏פ״נ‏‎ Hier ist begraben
‎‏איש הישר‏‎ ein Mann, der Aufrechte
‎‏בנדיבים אשר‏‎ inmitten der Wohltäter, der
‎‏הלך בדרך טובים‏‎ ging ›den Weg der Guten‹,
‎‏צדיק וישר מכל מצות‏‎ 5 ›gerecht und aufrecht‹, von allen Geboten
‎‏ה׳ כל מעשיו היה לש״ש‏‎ des Ewigen, all seine Werke waren um des Himmels willen,
‎‏ה״ה ח״ר אברהם מאיר‏‎ es ist der toragelehrte Herr Awraham Meir,
‎‏ז״ל מא״ד נפטר בש״ט‏‎ sein Andenken zum Segen, aus Oldendorf, verschieden ›mit gutem Namen‹
‎‏יום ה׳ י״ט סיון תק״ב‏‎ Tag 5, 19. Sivan 502
‎‏לפ״ק תנצב״ה‏‎ 10 der kleinen Zählung. Seine Seele sei eingebunden in das Bündel des Lebens

 

  Zl 4: Spr 2,20   Zl 5: Dtn 32,4   Zl 8: bBer 17a

Kommentar

Datierung Gestorben Donnerstag, 21.06.1742
Zln 5-6: Hier müsste entweder ‎‏בכל‏‎ / "in allen Geboten" stehen, oder der Satz fortgesetzt werden mit ‎‏לא סר‏‎ / "wich er nicht ab".
Namenskunde Es ist auffallend, dass hier kein Vatersname angegeben ist. Wenn die Identifizierung von Awraham Meir mit Meyer Levi zutreffend ist (s.u.), handelt es sich bei "Awraham Meir" um einen Doppelnamen, wobei der zweite Name, Meir, in den nichtjüdischen Quellen als Rufname Meyer erscheint. Meyer Levi gehörte einer kohanitischen Familie an, wie auch aus der Abkürzung nach dem Vatersnamen auf dem Grabstein des Sohnes zu ersehen ist: Jehoschua ben Meir KaZ für Kohen Zedek , "gerechter Priester". Eine Levitenfamilie gab es in Oldendorf nicht. Das "Levi" deutet in diesem Falle nicht auf levitische Herkunft, sondern gibt den Vatersnamen an, der vermutlich Jehuda gelautet hat: Der biblische Jehuda, Stammvater des gleichnamigen israelitischen Stammes, wurde in dem Segen seines Vaters Jakob mit einem reissenden Löwen verglichen (Genesis 49,9). Darauf geht die Parallelität der Namen Jehuda, Arje (hebr. für "Löwe") und dem deutschen Löb/Löw zurück, das wiederum zu "Levi" werden konnte. Ungewöhnlich bleibt jedoch, dass hier bei Awraham Meir die Abstammung aus dem Priestergeschlecht weder in der Inschrift noch als Symbol auf dem Grabstein Erwähnung findet, ist sie doch ein integraler Bestandteil des jüdischen Namens.
Abkürzung Die Abkürzung ‎‏מא״ד‏‎, etwa "aus O"D", wurde mit "aus Oldendorf" aufgelöst.

Beschreibung

Beschreibung Dieses Grabmal und das nebenstehende, Nr. 0040 , stehen in einer gemeinsamen Grabeinfassung, was eine verwandtschaftliche Beziehung vermuten lässt - vorausgesetzt, es handelt sich um die originale Aufstellung der Steine.
Schrift erhaben

Zur Person

Awraham Meir ist vermutlich identisch mit Meyer Levi, einem Bruder des Oldendorfer Vorstehers Heinemann Levi, bei dem er 1706, aus seinem Geburtsort Mayen bei Koblenz kommend, als "Junge" in Holzhausen und ab 1716 in Oldendorf lebte. Eine erste Ehe schloss er 1717/18 mit Maria Gerson, einer Tochter des Gerson Joel aus der Berliner Hoffaktorenfamilie Wulff, der zwischen 1666 und 1673 einen Schutzbrief vom brandenburgischen Kurfürsten erhalten und sich in Oldendorf niedergelassen hatte. Marias Schwester Edel war ebenfalls in Oldendorf verheiratet. Nach Marias Tod ehelichte Meyer Levi Brendel Philipp. Diese ging nach seinem Tod 1743 eine zweite Ehe ein mit (Jacob) Levi Heinemann, einem Neffen ihres verstorbenen ersten Gatten und Schwestersohn des Vorstehers Heinemann Levi. Jacob Levi Heinemann hatte zuvor 17 Jahre lang in Diensten des Salomon Isaac zu Oldendorf, Vorsteher der Ravensbergischen Judenschaft, gestanden. Durch diese Heirat konnte er die Wohnstätte (Nr. 45) des Meyer Levi übernehmen, er blieb jedoch zunächst Extraordinarius und konnte nicht in das Schutzprivileg von Meyer Levi eintreten, da dieser (wohl aus seiner ersten Ehe) lebende, aber noch unmündige erbfähige Söhne hatte.
Vermutlich handelt es sich bei einem dieser Söhne um Jehoschua KaZ, das ist Josua Meyer, der 1754 in der Grafschaft Rietberg Schutz erhielt, eine Frau namens Vogel heiratete und sich in Neuenkirchen niederließ, während seine Schwester Ester in Oldendorf blieb und Philipp Hertz heiratete.

Zur Familie

Schwägerin (Schwester der 1. Gattin): Edel bat Gerson, Gattin des Awraham (Grabstein Nr. 0036 )
Tochter aus 1.? Ehe: Ester bat Meir (Grabstein Nr. 0015 )
2. Gattin: Brendele, Gattin (in 2. Ehe) des Löb KaZ (Grabstein Nr. 0024 )
Sohn: Jehoschua ben Meir KaZ, Jüdischer Friedhof Rietberg-Neuenkirchen, Grabstein Nr. 2

Quellen / Sekundärliteratur

Dieter Besserer: Jüdisches Leben in der Stadt Preußisch Oldendorf, Preußisch Oldendorf 2014, S. 94-99.
Michael Brocke und Martina Strehlen: "Der jüdische Friedhof in Rietberg-Neuenkirchen", in: Die Juden der Grafschaft Rietberg. Beiträge zur Synagogengemeinde Neuenkirchen, hrsg. vom Heimatverein Neuenkirchen und der Stadt Rietberg, Rietberg 1997, S. 107-277, hier S. 117f.: Grabstein des Jehoschua, Sohn des Meir KaZ.
Hans-Joachim Karrasch: Der jüdische Friedhof Preußisch Oldendorf, Juli 2000, S. 42.

Preußisch Oldendorf · 0035

 

... [14.04.1742]

Chajim [14.04.1742]

Awraham [16.04.1742]

Diplomatische Transkription und Übersetzung

‎‏[...]‏‎ ...
‎‏ואחיה הנער חיים‏‎ und ihr Bruder, der Knabe Chajim,
‎‏נפטרו ביום ש״ק‏‎ sie verschieden am Tage des heiligen Schabbat,
‎‏י׳ ניסן תק״ב ונקברו‏‎ 10. Nissan 502, und wurden begraben
‎‏יו׳ א׳ י״א הנ״ל ואחיהם‏‎ 5 Tag 1, 11. desselben,
‎‏ב״ח אברהם נפטר ביו׳‏‎ und ihr Bruder, der angesehene Jüngling Awraham, verschieden am Tag
‎‏ב׳ י״ב ניסן הנ״ל תנצב״ה‏‎ 2, 12. Nissan desselben. Ihre Seelen seien eingebunden in das Bündel des Lebens

Kommentar

Datierung Mädchen: Gestorben Samstag, 14.04.1742 ; begraben am nächsten Tag
Chajim: Gestorben Samstag, 14.04.1742 ; begraben am nächsten Tag
Awraham: Gestorben Montag, 16.04.1742
Das Grabmal, dessen obere Hälfte fehlt, wurde für drei Geschwister errichtet, ein Mädchen, dessen Namen wie der Vatersname durch die Zerstörung des Steines verloren gegangen ist, und zwei Jungen, der kleine Chajim und sein älterer Bruder Awraham, der zwei Tage später starb.

Beschreibung

Zustand Die obere Hälfte des Grabmals fehlt.

Zur Person

Die drei Geschwister könnten Kinder des Awraham Meir/Meyer Levi gewesen sein, einem Bruder des Oldendorfer Vorstehers Heinemann (Chajim!) Levi. Awraham Meir war zweimal verheiratet, in erster Ehe mir Maria Gerson, einer Tochter des Gerson Joel aus der Berliner Hoffaktorenfamilie Wulff, und nach ihrem Tod mit Brendel Philipp (Grabstein Nr. 0024 ).

Zur Familie

Vater?: Awraham Meir (Grabstein Nr. 0041 )

Quellen / Sekundärliteratur

Dieter Besserer: Jüdisches Leben in der Stadt Preußisch Oldendorf, Preußisch Oldendorf 2014, S. 94-99.
Hans-Joachim Karrasch: Der jüdische Friedhof Preußisch Oldendorf, Juli 2000, S. 40.

Preußisch Oldendorf · 0036

 

Edel bat Gerschon ⚭ Awraham [03.03.1753]

Diplomatische Transkription und Übersetzung

‎‏פה‏‎ Hier
‎‏נטמנת אשת חיל‏‎ ist geborgen ›die tüchtige Gattin‹,
‎‏היא האשה החכמה ׃‏‎ ›es ist die weise Frau‹,
‎‏עלתה נשמתה‏‎ ihre Seele stieg empor
‎‏למרומה ׃ כל ימיה‏‎ 5 zu ihrer Höhe, all ihre Tage
‎‏הלכה בדרך ישרה ׃‏‎ ›ging sie auf rechtem Weg‹,
‎‏מצות ה׳ שמרה ׃ מרת‏‎ ›die Gebote des Ewigen wahrte sie‹, Frau
‎‏עדיל בת מוהר״ר‏‎ Edel, Tochter unseres Lehrers und Meisters, Herrn
‎‏גרשון ז״ל אשת כהר״ר‏‎ Gerschon, sein Andenken zum Segen, Gattin des geehrten Meisters, Herrn
‎‏אברהם ז״ל נפטרת‏‎ 10 Awraham, sein Andenken zum Segen, verschieden
‎‏במש״ק ונקברה ביו׳‏‎ am Ausgang des heiligen Schabbat und begraben am
‎‏כ״ח אדר תקי״ג ל׳‏‎ 28. Tag des Adar 513 der Zählung.
‎‏תנצב״ה‏‎ Ihre Seele sei eingebunden in das Bündel des Lebens

 

  Zl 2: Spr 31,10   Zl 3: 2Sam 14,2   Zl 6: Ps 107,7   Zl 7: Nach Dtn 5,26

Kommentar

Datierung Gestorben Samstag abend, 03.03.1753 ; begraben am nächsten Tag
Das Jahr (5)513 war ein Schaltjahr. Das Sterbedatum fiel in den ersten Adar, für den zweiten Adar stimmen Wochen- und Monatstag nicht überein.
Vgl. mit Grabstein Nr. 0032 : Identische Steingestaltung und identische Eulogie.

Stilmittel

Reim auf -ma in Zln 3-5, auf -ra in Zln 5-7.

Beschreibung

Schrift erhaben

Zur Person

Edel war eine Tochter von Gerson Joel aus der Berliner Hoffaktorenfamilie Wulff, der zwischen 1666 und 1673 einen Schutzbrief vom brandenburgischen Kurfürsten erhalten und sich in Oldendorf niedergelassen hatte. Ein Bruder von Ester, Wolf Gerson, war seit 1729 Anhalt-Dessauischer Hofjude, er starb 1750 und liegt in Berlin begraben. Ihre Schwester Maria Gerson hatte 1716 in Oldendorf Meyer Levi geheiratet, einen Bruder des Vorstehers Heinemann Levi. Ester selbst war in Oldendorf mit Abraham Leser vermählt.
Eine Tochter war vielleicht Jitle bat Awraham, die (vor) 1740 ihren ersten Mann Samuel/Salomon Heinemann verloren hatte und 1744 eine zweite Ehe einging mit Israel Soestmann, Sohn des Susmann Hertz aus Petershagen: Sie starb nur ein Jahr nach Edel, 1754, und sowohl in Bezug auf die Gestaltung des Grabsteins als auch der Eulogie diente Edels Grabstein ihrem offensichtlich als Vorlage.

Zur Familie

Bruder: Wolf Dessau ben Gerschon aus Oldendorf (Berlin, Friedhof Große Hamburger Straße, Grabstein Nr. bgh,1100 )
Schwager: Awraham Meir (Grabstein Nr. 0041 )
Tochter?: Jitla bat Awraham, Gattin des Sanvel (Grabstein Nr. 0032 )

Quellen / Sekundärliteratur

Dieter Besserer: Jüdisches Leben in der Stadt Preußisch Oldendorf, Preußisch Oldendorf 2014, S. 91-93.
Hans-Joachim Karrasch: Der jüdische Friedhof Preußisch Oldendorf, Juli 2000, S. 41.
Dieter Besserer: "Preußisch Oldendorf", in: Westfälischer Städteatlas, hrsg. von der Historischen Kommission von Westfalen, Lieferung XI, Nr. 3, Münster 2010.

Preußisch Oldendorf · 0032

 

Jitla bat Awraham ⚭ Sanvel [19.04.1754]

Diplomatische Transkription und Übersetzung

‎‏פה‏‎ Hier
‎‏נטמנת אשת חיל‏‎ ist geborgen ›die tüchtige Gattin‹,
‎‏היא האשה החכמה‏‎ ›es ist die weise Frau‹,
‎‏עלתה נשמתה‏‎ ihre Seele stieg empor
‎‏למרומה כל ימיה‏‎ 5 zu ihrer Höhe, all ihre Tage
‎‏הלכה בדרך ישרה‏‎ ›ging sie auf rechtem Weg‹,
‎‏מצות ה׳ שמרה מרת‏‎ ›Gebote des Ewigen wahrte sie‹, Frau
‎‏יטלא בת הר״ר אברהם ז״ל‏‎ Jitla, Tochter des Meisters, Herrn Awraham, sein Andenken zum Segen,
‎‏אשת כמ״ר זנוויל ז״ל‏‎ Gattin des geehrten Herrn Sanvel, sein Andenken zum Segen,
‎‏הלכה לעולמה נפטרת‏‎ 10 ›sie ging hin in ihre Welt‹, verschied
‎‏בלילה עש״ק כ״ח ונקברה‏‎ in der Nacht des Rüsttags des heiligen Schabbat, 28., und wurde begraben
‎‏ביו׳ א׳ כ״ט ניסן תקי״ד לפ״ק‏‎ am Tag 1, 29. Nissan 514 der kleinen Zählung.
‎‏תנצב״ה‏‎ Ihre Seele sei eingebunden in das Bündel des Lebens

 

  Zl 2: Spr 31,10   Zl 3: 2Sam 14,2   Zl 6: Ps 107,7   Zl 7: Nach Dtn 5,26   Zl 10: Koh 12,5

Kommentar

Datierung Gestorben Freitag, 19.04.1754 ; begraben am übernächsten Tag
Vgl. mit Grabstein Nr. 0036 : Identische Steingestaltung und identische Eulogie.
Namenskunde Sanvel ist eine jüdisch-deutsche Form des biblischen Namens Samuel.

Stilmittel

Reim auf -ma in Zln 3-5, auf -ra in Zln 5-7.

Beschreibung

Schrift erhaben
Zustand Das Grabmal war auf Höhe der letzten (in größeren Buchstaben ausgeführten) Schriftzeile gebrochen und wurde wieder zusammengefügt.

Zur Person

Jitla ist wohl identisch mit Jütle bzw. Jüttel, Witwe des Samuel/Salomon Heinemann, die 1744 um die Erlaubnis zur Wiederverheiratung mit Israel Soestmann, Sohn des Susmann Hertz aus Petershagen nachsuchte. Dass der Name dieses zweiten Gatten auf dem Grabstein nicht genannt ist, muss nicht weiter erstaunen, spürt man doch immer wieder eine gewisse Scheu davor, noch lebende Personen in den Grabinschriften zu nennen. Als Vater käme der ebenfalls mit dem Ehrentitel "Meister" bedachte Gatte Abraham der Edel bat Gerschon infrage, der vor 1746 gestorben war. Wenn es sich bei Edel und Jitle um Mutter und Tochter handelt, würde dies auch erklären, warum ihre Grabsteine identisch gestaltet wurden und eine identische Eulogie tragen.
Als sich Jitle 1744 wieder verheiraten will, lebten bei ihr noch mehrere unmündige Kinder aus ihrer ersten Ehe mit Samuel/Salomon Heinemann. Ein Sohn war auch der um 1737 geborene Abraham Samuel.

Zur Familie

Mutter?: Edel bat Gerschon, Gattin des Awraham (Grabstein Nr. 0036 )
Sohn: Abraham Samuel (Grabstein Nr. 0013 )

Quellen / Sekundärliteratur

Dieter Besserer: Jüdisches Leben in der Stadt Preußisch Oldendorf, Preußisch Oldendorf 2014, S. 92f., 100f.
Hans-Joachim Karrasch: Der jüdische Friedhof Preußisch Oldendorf, Juli 2000, S. 14.
Bernd-Wilhelm Linnemeier: Jüdisches Leben im Alten Reich. Stadt und Fürstentum Minden in der Frühen Neuzeit, Bielefeld 2002, S. 424 (zu Israel Soestmann).

Preußisch Oldendorf · 0031

 

Ester bat Ascher ⚭ Chajim [24.08.1755]

Diplomatische Transkription und Übersetzung

‎‏פה‏‎ Hier
‎‏נטמנה האשה‏‎ ist geborgen die angesehene
‎‏החשובה והישר׳‏‎ und aufrechte Frau,
‎‏א״ח היא אסתר ב׳‏‎ ›die tüchtige Gattin‹, sie ist Ester, Tochter
‎‏הר״ר אשר ז״ל אשת‏‎ 5 des Meisters, Herrn Ascher, sein Andenken zum Segen, Gattin
‎‏איש ישר וכשר‏‎ eines aufrechten und tugendhaften
‎‏ונאמן פ״ו הר״ר חיים‏‎ und getreuen Mannes, des Vorstehers und Leiters, des Meisters, Herrn Chajim,
‎‏ז״ל מה״ה נפטרת ונקב׳‏‎ sein Andenken zum Segen, aus Holzhausen, verschieden und begraben
‎‏ביו׳ א׳ י״ז אלול תקט״ו ל׳‏‎ am Tag 1, 17. Elul 515 der Zählung
‎‏הלכה לעולמה‏‎ 10 ›ging sie hin in ihre Welt‹.
‎‏תנצב״ה‏‎ Ihre Seele sei eingebunden in das Bündel des Lebens

 

  Zl 4: Spr 31,10   Zl 10: Koh 12,5

Kommentar

Datierung Gestorben und begraben Samstag, 24.08.1755 ;
Abkürzung Zl 8: Der mit ‎‏ה״ה‏‎ abgekürzte Ortsname wurde mit "Holzhausen" aufgelöst, einem Ort in der Nähe von Preussisch Oldendorf, in dem der Gatte Heinemann Levi ansässig war, bevor er nach Oldendorf zog (s.u.).

Zur Person

Möglicherweise war Ester eine Schwester des Heinemann Ascher, der 1714 heiratete und die Konzession seines Schwiegervaters Daniel Heinemann erhielt.
Ester war verheiratet mit Heinemann Levi, der 1699 ein Schutzpatent und eine Baderkonzession bekommen hatte und zunächst in Holzhausen und ab 1716 in Oldendorf lebte und seinen Handel mit Kramwaren nicht nur bis in die Osnabrücker und Hannover Lande, sondern auch nach Holland und zur Frankfurter Messe betrieb. Heinemann Levi war Vorsteher der Landjudenschaft von Ravensberg, Tecklenburg und Lingen und seinerzeit der zweitreichste jüdische Einwohner in der Grafschaft Ravensberg. Nach November 1733 wird er in den Akten nicht mehr erwähnt und war vermutlich vor Oktober 1734 verstorben. Seine Tochter Golde heiratete Salomon Isaac, der seinen Schwiegervater im Amt des Vorstehers der Landjudenschaft beerbte.

Zur Familie

Schwiegersohn: Schlomo ben Eisek Lübbecke (Grabstein Nr. 0027 )

Quellen / Sekundärliteratur

Dieter Besserer: Jüdisches Leben in der Stadt Preußisch Oldendorf, Preußisch Oldendorf 2014, S. 115, 119f.
Elfi Pracht: Jüdisches Kulturerbe in Nordrhein-Westfalen. Teil III: Regierungsbezirk Detmold (Beiträge zu den Bau- und Kunstdenkmälern von Westfalen, Band 1.1), Köln 1998, S. 415.

Preußisch Oldendorf · 0004

 

Gelle bat Jona ⚭ Herz [29.10.1760]

Diplomatische Transkription und Übersetzung

‎‏פ״נ‏‎ Hier ist begraben
‎‏אשה צנועה‏‎ eine züchtige
‎‏וחשובה מרת‏‎ und angesehene Frau, Frau
‎‏געלה בת הר׳ יונה‏‎ Gelle, Tochter des Herrn Jona,
‎‏אשת הר׳ הערץ ז״ל מא״ד‏‎ 5 Gattin des Herrn Herz, sein Andenken zum Segen, aus Oldendorf,
‎‏עלתה למעלה נתנה‏‎ sie stieg empor, ›gab
‎‏מלחמה לדל לזכותה‏‎ von ihrem Brot dem Darbenden‹, zu ihrem Verdienste,
‎‏סלה הכינה צידה לנפש׳‏‎ Sela; sie bereitete Wegzehrung ihrer Seele
‎‏בצדקה ותפלה נפטרה‏‎ durch Wohltun und Gebet; verschieden
‎‏בשם טוב יום ה׳ י״ט‏‎ 10 ›mit gutem Namen‹ Tag 5, 19.
‎‏חשוין תקכ״א לפ״ק‏‎ Cheschvan 521 der kleinen Zählung.
‎‏תנצב״ה‏‎ Ihre Seele sei eingebunden in das Bündel des Lebens

 

  Zl 6f: Spr 22,9   Zl 10: bBer 17a

Kommentar

Datierung Gestorben Mittwoch, 29.10.1760
Ein in Aussehen und Ausführung sehr ähnliches Grabmal befindet sich auf dem jüdischen Friedhof des nicht weit entfernten ostwestfälischen Oerlinghausen. Er wurde für die im Oktober 1761 gestorbene Channa, Tochter des Mosche Meir, Gattin des Meir Oerlinghausen aufgestellt. Verblüffend ist die Tatsache, dass ihre Eulogie den exakt gleichen Wortlaut wie diese hier (Zln 6-9) aufweist. Möglicherweise diente der ein Jahr ältere Oldendorfer Stein dem Oerlinghauser Stein als Vorbild - aufgrund einer Verwandschaft zwischen den beiden Frauen?
Zl 11: Die Ausführung des Monatsnamens ist missraten: Vermutlich schrieb der Steinmetz zunächst den Monatsnamen ‎‏תשרי‏‎, "Tischri", und korrigierte diesen dann zu ‎‏חשון‏‎, "Cheschvan".
Abkürzung Zl 5: Die Abkürzung ‎‏מא״ד‏‎ wurde mit "aus Oldendorf" aufgelöst.

Beschreibung

Schrift erhaben

Zur Person

Gelle war vermutlich die Witwe des zwischen 1729 und 1733 gestorbenen Hertz Daniel, Sohn des Daniel Heinemann. Ihr zweiter Sohn Philipp Hertz heiratete 1746 die ebenfalls aus Oldendorf stammende Ester, Tochter von Meyer Levi, und übernahm das Schutzprivileg seines verstorbenen Vaters, nachdem sein älterer Bruder Oldendorf verlassen und sich im Hannoverischen niedergelassen hatte.

Zur Familie

Sohn: Uri Feiwelmann ben Naftali (Grabstein Nr. 0028 )

Quellen / Sekundärliteratur

Dieter Besserer: Jüdisches Leben in der Stadt Preußisch Oldendorf, Preußisch Oldendorf 2014, S. 109-111.
Michael Brocke und Aubrey Pomerance: Der jüdische Friedhof in Oerlinghausen. Eine bildlich-textliche Dokumentation, Oerlinghausen 1993, S. 14-16.

Preußisch Oldendorf · 0027

 

Schlomo ben Eisek Lübbecke [23.08.1761]

Diplomatische Transkription und Übersetzung

‎‏פ״נ‏‎ Hier ist begraben
‎‏איש ישר ונדיב הלך‏‎ ein aufrechter und wohltätiger Mann, er wandelte
‎‏בתמימה מעשיו באמונ׳‏‎ in Lauterkeit, seine Werke in vollkommener
‎‏שלמה ׃ ביתו היה פתוח‏‎ Treue, ›sein Haus war weit
‎‏לרוחה ׃ שלחנו לכל‏‎ 5 geöffnet‹, sein Tisch allen
‎‏נערכה עסק במצות‏‎ bereitet, er war beschäftigt mit den Geboten
‎‏יומם ולילה ׃ נהג עמא‏‎ Tag und Nacht, er leitete das heilige
‎‏קדיש׳ בישרה ׃ גדר ועמד‏‎ Volk in Aufrichtigkeit, ›er schützte und trat
‎‏בפרצה ׃ ה״ה פ״ו המדינה‏‎ in die Bresche‹, es ist der Vorsteher und Leiter der Landjudenschaft,
‎‏הר״ר שלמה בהר״ר אייזק‏‎ 10 der Meister, Herr Schlomo, Sohn des Meisters, Herrn Eisek
‎‏ליבקא נפטר ונקבר‏‎ Lübbecke, verschieden und begraben
‎‏ביום כ״ג לחודש‏‎ am 23. Tag des Monats
‎‏אב תקכ״א לפ״ק‏‎ Aw 521 der kleinen Zählung.
‎‏תנצב״ה‏‎ Seine Seele sei eingebunden in das Bündel des Lebens

 

  Zl 4f: Av 1,5   Zl 8f: Ez 22,30

Kommentar

Datierung Gestorben und begraben Mittwoch, 23.08.1761 ;
Die Eulogie auf diesem wunderschön und sorgfältig gestalteten Grabstein mit seiner aufwändigen erhabenen Schrift ist durchgehend gereimt. Sie beschreibt den Vorsteher der Landjudenschaft Schlomo ben Eisek Lübbecke, der fromm die Gebote befolgte, als gastfreundlichen Mann, der sich aktiv und erfolgreich für das Wohl seiner Gemeinde und der Landjudenschaft einsetzte.
Zl 4: Hier wurde mit dem Wort ‎‏שלמה‏‎, schlema , "vollkommen", auf den Namen des Verstorbenen, ‎‏שלמה‏‎, "Schlomo"/Salomon, angespielt.
Zln 7-8: Die Wendung "heiliges Volk", die sich hier auf die Gemeinde Oldendorf bzw. die Landjudenschaft von Ravensberg, Tecklenburg und Lingen bezieht, geht auf das Buch Deuteronomium zurück (Dtn 7,6; 14,2; 14,21; 26,29 und 28,9), hier auffallenderweise aramäisch geschrieben.
Zl 13: Die Angabe des Sterbejahres ist nicht eindeutig und könnte auch ‎‏תקנ״א‏‎ (1791) gelesen werden. Die richtige Lesung ‎‏תקכ״א‏‎ geht aber eineutig aus den archivalischen Quellen hervor (s.u.). Vermutlich geht diese Ungenauigkeit auf die Unsicherheit des (christlichen) Steinmetzen im Umgang mit dem hebräischen Alphabet zurück, der die beiden ähnlichen Buchstaben ‎‏כ‏‎ und ‎‏נ‏‎ verwechselte.

Stilmittel

Reim auf -a in Zln 2-9.

Beschreibung

Schrift erhaben
Ornament florale Verzierung

Zur Person

Schlomo ben Eisek Lübbecke, das ist Salomon Isaac, war ein Sohn des Lübbecker Judenschaftsvorstehers und "Synagogenbesitzers" Isaac Joseph. Er erhielt in Oldendorf eine Konzession, erwarb 1736 die Wohnstätte Nr. 11 und wurde zum Vorsteher der Judenschaft gewählt. Gemeinsam mit seinen Brüdern Joseph und Marcus Isaak in Lübbecke betrieb er einen Textilhandel en gros bis ins Hannoversche Land hinein. Salomon Isaac heiratete Golde, Tochter des Heinemann Levi, den er im Amt des Vorstehers der Landjudenschaft von Ravensberg, Tecklenburg und Lingen beerbte. Seine Witwe ehelichte 1763 Leon Levi.

Zur Familie

Schwiegermutter: Ester bat Ascher, Gattin des Chajim (Grabstein Nr. 0031 )

Quellen / Sekundärliteratur

Dieter Besserer: Jüdisches Leben in der Stadt Preußisch Oldendorf, Preußisch Oldendorf 2014, S. 145f.
Hans-Joachim Karrasch: Der jüdische Friedhof Preußisch Oldendorf, Juli 2000, S. 39.
Bernd-Wilhelm Linnemeier: Jüdisches Leben im Alten Reich. Stadt und Fürstentum Minden in der Frühen Neuzeit, Bielefeld 2002, S. 592, 599.

Preußisch Oldendorf · 0028

 

Uri Feiwelman ben Naftali (Philipp Herz) [13.10.1767]

Diplomatische Transkription und Übersetzung

‎‏פ״נ‏‎ Hier ist begraben
‎‏איש נדיב הלך‏‎ ein wohltätiger Mann, ›er wandelte
‎‏בתמים מעשיו היו‏‎ in Lauterkeit‹, seine Taten waren
‎‏באמונה שלמים‏‎ in vollkommener Treue,
‎‏מיגיע כפו משביע‏‎ 5 ›von seiner Hände Mühe‹ sättigte er
‎‏לרעבים ה״ה כהר״ר‏‎ Hungernde, es ist der geehrte Meister, Herr
‎‏אורי פייבלמן ב״ה‏‎ Uri Feiwelman, Sohn des Herrn
‎‏נפתלי זצ״ל נפטר‏‎ Naftali, das Andenken des Gerechten zum Segen, verschieden
‎‏ונקבר ביום ג׳ ד׳ דח״ה‏‎ und begraben am Tag 3, 4. der Zwischenfeiertage
‎‏של סוכות‏‎ 10 des Laubhüttenfestes
‎‏שנת תקכ״ח לפ״ק‏‎ des Jahres 528 der kleinen Zählung.
‎‏תנצב״ה‏‎ Seine Seele sei eingebunden in das Bündel des Lebens

 

  Zl 2f: Vgl. Ps 84,12   Zl 5: Ps 128,2

Kommentar

Datierung Gestorben und begraben Dienstag, 13.10.1767 ;
Dieses Grabmal trägt auf der Rückseite ein reliefiertes Ornament, eine Vase mit drei Blumen. Die Form der Vase erinnert an ein Herz und könnte hier auch als Symbol für den Vatersnamen und damit als eine Art Wappen für die Familie zu verstehen sein.
Namenskunde Der biblische Name Uri (Exodus 31,2) bedeutet wörtlich "mein Licht". Daher brachte man ihn schon früh in Verbindung mit dem Namen Feibusch (Feiwel, Feiwelmann), der der Überlieferung nach auf das griechische Phoibos (lat. Phoebus), "der Leuchtende", einem Namen des Sonnengotts, zurückgehen soll (sich aber laut Beider, s.u., wahrscheinlich eher vom lateinischen vives , "lebendig", "lebend" ableitet und ursprünglich als Pendant zum hebräischen "Chajim", "Leben" gebraucht wurde). Für den im Deutschen unbekannten Namen Feibusch wählte man dann mit Philipp einen ebenfalls griechischen und gleich anlautenden Namen.
Naftali ist der Name eines der Söhne des biblischen Jakob und Begründer des biblischen Stammes Naftali. Als Jakob seine Söhne segnete, verglich er Naftali mit einem springenden Hirschen (Genesis 49,21). Darauf geht die Parallelität der Namen Naftali, Zwi (hebr. für Hirsch) und dem deutschen Hirsch zurück. Der Name Hirsch wiederum konnte im Laufe der Zeit über "Hirz" auch zu "Herz" werden.
So erklärt sich die Verbindung zwischen dem jüdischen Namen Uri Feiwelmann ben Naftali und dem in den deutschen Quellen gebrauchten Namen Philipp Herz .

Stilmittel

Reim auf -im in Zln 2-6.

Beschreibung

Schrift erhaben
Ornament florale Verzierung, insbesondere Vase mit drei Blumen (Rückseite)

Zur Person

Uri Feiwelmann, auch Phillip Herz, war der zweite Sohn der Gelle und des zwischen 1729 und 1733 gestorbenen Hertz Daniel, Sohn des Daniel Heinemann. 1746 heiratete er die ebenfalls aus Oldendorf stammende Ester, Tochter von Meyer Levi, und übernahm das Schutzprivileg seines verstorbenen Vaters, nachdem sein älterer Bruder Oldendorf verlassen und sich im Hannoverischen niedergelassen hatte. Philipp Hertz war unter anderem im Kreditgeschäft tätig, so versuchte er zum Beispiel (vergeblich), Außenstände in Höhe von 117 Talern aus einem Getreidehandels- und Wechselgeschäft mit dem verstorbenen Domherrn von Ledebur einzuklagen. Seine Witwe überlebte ihn um 36 Jahre, ging aber keine weitere Ehe mehr ein.

Zur Familie

Mutter: Gella bat Jona, Gattin des Herz (Grabstein Nr. 0004 )
Gattin: Ester bat Meir (Grabstein Nr. 0015 )

Quellen / Sekundärliteratur

Dieter Besserer: Jüdisches Leben in der Stadt Preußisch Oldendorf, Preußisch Oldendorf 2014, S. 111f.
Alexander Beider: A Dictionary of Ashkenasic Given Names. Their Origins, Structure, Pronunciation, and Migrations, Bergenfield, New Jersey: Avotaynu, 2001.
Bernd-Wilhelm Linnemeier: Jüdisches Leben im Alten Reich. Stadt und Fürstentum Minden in der Frühen Neuzeit, Bielefeld 2002, S. 560.

Preußisch Oldendorf · 0024

 

Brendele ⚭ Löb KaZ [07.04.1772]

Diplomatische Transkription und Übersetzung

‎‏פ״נ‏‎ Hier ist begraben
‎‏אשת חיל צדק׳‏‎ ›die tüchtige Gattin‹, Wohltat
‎‏עשתה כאביגיל כל‏‎ übte sie wie Awigail, all
‎‏ימיה הלכה בדרך‏‎ ihre Tage ›ging sie auf rechtem Weg‹,
‎‏ישרה מצות ה׳ שמרה‏‎ 5 ›die Gebote des Ewigen wahrte sie‹,
‎‏מ׳ ברענדלה אשת ה׳‏‎ Frau Brendele, Gattin des Herrn
‎‏ליב כ״ץ ׃ הלכה לעולמה‏‎ Löb KaZ. ›Sie ging hin in ihre Welt‹
‎‏נפטרת יום ד׳ ונקברת‏‎ (und) verschied den 4. und wurde begraben
‎‏ה׳ ניסן תקל״ב‏‎ 5. Nissan 532
‎‏תנצב״ה‏‎ 10 Ihre Seele sei eingebunden in das Bündel des Lebens

 

  Zl 2: Spr 12,4; 31,10   Zl 4: Ps 107,7   Zl 5: Nach Dtn 5,26   Zl 7: Koh 12,5

Kommentar

Datierung Gestorben Dienstag, 07.04.1772 ; begraben am nächsten Tag
Die stilisierte Krone im Giebel des Grabsteins kann als Verbildlichung des häufig in Grabinschriften zitierten Lobes einer Frau als "tüchtige Gattin, Krone ihres Gatten" (Sprüche 12,4) gesehen werden und damit das Zitat, mit dem die Inschrift hier einsetzt, fortführen.

Stilmittel

Reim auf -ail in Zln 2-4, auf -ra in Zln 3-5.

Beschreibung

Symbol Krone

Zur Person

Brendele, auch Brendel Philipp, war in ihrer erster Ehe verheiratet mit Meyer Levi in dessen zweiter Ehe. Nach dessen Tod ging sie 1743 eine zweite Ehe ein mit (Jacob) Levi Heinemann, einem Neffen ("Schwestersohn") ihres verstorbenen ersten Gatten, der zuvor 17 Jahre lang in Diensten des Salomon Isaac zu Oldendorf, Vorsteher der Ravensbergischen Judenschaft (Grabstein Nr. 0027 ), gestanden hatte. Jacob Levi Heinemann konnte durch diese Heirat die Wohnstätte (Nr. 45) des Meyer Levi übernehmen, er blieb jedoch zunächst Extraordinarius und konnte nicht in das Schutzprivileg von Meyer Levi eintreten, da dieser lebende, aber noch unmündige erbfähige Söhne hatte.
Vermutlich handelt es sich bei einem dieser Söhne, wohl Kindern aus der ersten Ehe Brendeles, um Jehoschua KaZ, auch Josua Meyer genannt, der 1754 in der Grafschaft Rietberg Schutz erhielten und sich in Neuenkirchen niederließ, während seine Schwester Ester in Oldendorf blieb und Philipp Hertz heiratete.
Ein Sohn aus der zweiten Ehe von Brendel war Jacob Levi, der seit 1788 Vorsteher der Oldendorfer Judenschaft war und sich 1808 Cahen nannte.

Zur Familie

1. Gatte: Awraham Meir (Grabstein Nr. 0041 )
Stief?tochter aus 1. Ehe: Ester bat Meir (Grabstein Nr. 0015 )
Sohn aus 2. Ehe: Jacob Levi Cahen (Grabstein Nr. 0020 )

Quellen / Sekundärliteratur

Dieter Besserer: Jüdisches Leben in der Stadt Preußisch Oldendorf, Preußisch Oldendorf 2014, S. 97-99, 124-128.
Hans-Joachim Karrasch: Der jüdische Friedhof Preußisch Oldendorf, Juli 2000, S. 11, 21.
Michael Brocke und Martina Strehlen: "Der jüdische Friedhof in Rietberg-Neuenkirchen", in: Die Juden der Grafschaft Rietberg. Beiträge zur Synagogengemeinde Neuenkirchen, hrsg. vom Heimatverein Neuenkirchen und der Stadt Rietberg, Rietberg 1997, S. 107-277, hier S. 117f.: Grabstein des Jehoschua, Sohn des Meir KaZ.

Preußisch Oldendorf · 0015

 

Ester bat Meir [22.08.1803]

Diplomatische Transkription und Übersetzung

‎‏פ״נ‏‎ Hier ist begraben
‎‏האשה מ׳ אסתר בת‏‎ die Frau Ester, Tochter des
‎‏כ׳ מאיר ז״ל ונפטרת‏‎ geehrten Meir, sein Andenken zum Segen, und sie verschied
‎‏ביו׳ ב׳ ד׳ אלול תקס״ג‏‎ am Tag 2, 4. Elul 563
‎‏לפ״ק‏‎ 5 der kleinen Zählung
‎‏ונקברת ד׳ [ו׳] בו [תנצב״ה]‏‎ und wurde begraben (am Tag) 4, 6. desselben. Ihre Seele sei eingebunden in das Bündel des Lebens

Kommentar

Datierung Gestorben Montag, 22.08.1803 ; begraben am übernächsten Tag
Aufgrund des Zustands des Grabmals konnte die Inschrift nur noch mit Mühe entziffert werden.

Beschreibung

Zustand 2012: Das Grabmal ist verwittert, stark von Flechten bewachsen und eingesunken.

Zur Person

Ester war eine Tochter von Meyer Levi aus Oldendorf, vermutlich aus dessen zweiten Ehe mit Brendel Philipp. Seit 1746 war sie verheiratet mit Philipp Hertz, Sohn des Hertz Daniel in Oldendorf. Früh verwitwet (ihr Mann starb vor Juli 1772), lebte sie lange allein in Oldendorf. In der Generaltabelle von Dezember 1803 ist sie noch verzeichnet, in der folgenden Tabelle 1804 wird sie als verstorben bezeichnet.
Esters Bruder Jehoschua KaZ, auch Josua Meyer genannt, hatte 1754 in der Grafschaft Rietberg Schutz erhalten und sich in Neuenkirchen niedergelassen.

Zur Familie

Vater: Awraham Meir (Grabstein Nr. 0041 )
Mutter: Brendele, Gattin des Löb KaZ (Grabstein Nr. 0024 )
Gatte: Uri Feiwelmann ben Naftali (Grabstein Nr. 0028 )

Quellen / Sekundärliteratur

Dieter Besserer: Jüdisches Leben in der Stadt Preußisch Oldendorf, Preußisch Oldendorf 2014, S. 111f.
Michael Brocke und Martina Strehlen: "Der jüdische Friedhof in Rietberg-Neuenkirchen", in: Die Juden der Grafschaft Rietberg. Beiträge zur Synagogengemeinde Neuenkirchen, hrsg. vom Heimatverein Neuenkirchen und der Stadt Rietberg, Rietberg 1997, S. 107-277, hier S. 117f.: Grabstein des Jehoschua, Sohn des Meir KaZ.

Preußisch Oldendorf · 0012

 

Chaja Merle bat Gumpel ⚭ Awraham ben Sanvel (Merle Gumpel) [24.08.1803]

Diplomatische Transkription und Übersetzung

‎‏פ״נ‏‎ Hier ist begraben
‎‏א״ח היא האשה‏‎ ›die tüchtige Gattin‹, ›es ist die
‎‏החכמה עלתה נשמתה‏‎ weise Frau‹, ihre Seele stieg empor
‎‏למרומה כל ימיה‏‎ zu ihrer Höhe, all ihre Tage
‎‏הלכה בדרך ישרה‏‎ 5 ›ging sie auf rechtem Weg‹,
‎‏מצות ה׳ שמרה מרת‏‎ ›die Gebote des Ewigen wahrte sie‹, Frau
‎‏חיה מערלה בת כ״ה‏‎ Chaja Merle, Tochter des geehrten Herrn
‎‏גומפל ז״ל אשת כ״מ‏‎ Gumpel, sein Andenken zum Segen, Gattin des geehrten Herrn
‎‏אברהם ב״ר זנוויל ז״ל‏‎ Awraham, Sohn des Herrn Sanvel, sein Andenken zum Segen,
‎‏הלכה לעולמה נפטרת‏‎ 10 ›sie ging hin in ihre Welt‹, verschied
‎‏ונקבר׳ ביום ה׳ ז׳ אלול‏‎ und wurde begraben am Tag 5, 7. Elul
‎‏תקס״ג לפ״ק‏‎ 563 der kleinen Zählung.
‎‏תנצב״ה‏‎ Ihre Seele sei eingebunden in das Bündel des Lebens

 

  Zl 2: Spr 31,10   Zl 2f: 2Sam 14,2   Zl 5: Ps 107,7   Zl 6: Nach Dtn 5,26   Zl 10: Koh 12,5

Kommentar

Datierung Gestorben und begraben Mittwoch abend, 24.08.1803 ;
In der Inschrift trägt der Name des Gatten Awraham ben Sanvel den Zusatz ‎‏ז״ל‏‎ / "sein Andenken zum Segen", ein Segenswunsch, der in der Regel nur Namen bereits verstorbener Personen beigestellt wird. Hier bezieht er sich sicher auf Sanvel (=Samuel), den Vater Abrahams, denn Abraham selbst starb erst 1808.

Stilmittel

Reim auf -ma in Zln 2-4, auf -ara in Zln 4-6.

Zur Person

Chaja Merle, auch Merle Gumpel, stammte aus Brake (oder Brakel) und war verheiratet mit dem seit 1764 in Oldendorf nachweisbaren Abraham Samuel, der zu den wohlhabendsten jüdischen Einwohnern Oldendorfs zählte und 1797 gemeinsam mit dem Vorsteher Jacob Levi Cahen den Bau einer neuen Synagoge in Oldendorf beim preussischen König beantragte. Um 1800 ist Abraham Salomon als Vertreter der Oldendorfer Judenschaft neben dem Deputierten Jacob Levi Cahen auf dem "jüdischen Landtag" in Bielefeld belegt. Ihr Sohn (Moses) Levi Abraham Löwenstein wurde 1780 geboren. 1805 trat er in das Schutzprivileg seines Vaters als Ordinarius ein, seine Schwester Edel dagegen hatte nach Freckenhorst geheiratet.
Im Haushalt von Abraham und Merle lebte, vielleicht schon 1787, sicher aber seit 1799, auch Merles Bruder Moses Gumpel.
Laut der archivalischen Quellen (insbesondere Akten des Geheimen Staatsarchiv Berlin) starb Merla am 24. August 1803, vermutlich am Abend, nach Beginn des neuen jüdischen Tages, in ihrem 60. Lebensjahr an der Wassersucht.

Zur Familie

Gatte: Awraham ben Perez (Grabstein Nr. 0013 )
Sohn: Levi Abraham Löwenstein (Grabstein Nr. 0037 )

Preußisch Oldendorf · 0016

 

Jehuda Löb ben Juspa KaZ (Levi Joseph) [14.05.1806]

Diplomatische Transkription und Übersetzung

‎‏פ״נ‏‎ Hier ist geborgen
‎‏ונקבר יהודא‏‎ und begraben Jehuda
‎‏ליב ב״כ יוספא‏‎ Löb, Sohn des geehrten Juspa
‎‏כ״ץ‏‎ KaZ
‎‏[...]‏‎ 5 [...]

Kommentar

Datierung Gestorben 14.05.1806 ; (s.u.)
Das Grabmal wurde so einzementiert, dass nur noch die ersten drei Zeilen der Inschrift erhalten blieben.

Beschreibung

Beschreibung Das Grabmal wurde identisch gestaltet wie das des Bruders (Grabstein Nr. 0014 ). Worttrenner in Form von kleinen, vierblättrigen Blüten.
Schrift vertieft (Umrisslinien)
Symbol Segnende Hände
Ornament gestalterische Verzierung

Zur Person

Jehuda Löb, auch Levi Joseph, war ein Sohn des Joseph Heinemann, der zwischen 1730 und 1778 in Oldendorf belegt ist. Um 1782 heiratete er Debohra Dewore Katz aus Rietberg und übernahm als Extraordinarius das Schutzprivileg seines verstorbenen Vaters. 1784 kam seine Tochter Bräunchen zur Welt, 1787 Merla. Am 14. Mai 1806 starb Levi Joseph im Alter von 71 Jahren an einem "hitzigen Fieber" und hinterließ Frau und Kinder. Das genaue Sterbedatum geht aus einer Tabelle aus dem geheimen Staatsarchiv Berlin hervor, in der Jacob Schiff, der Vorsteher der Ravensbergischen, Tecklenburgischen und Lingenschen Judenschaft, der Obrigkeit Anzeige über Veränderungen in der ravensbergischen Judenschaft machte. Seine Witwe nahm 1808 den Familiennamen Katz an.

Zur Familie

Bruder: Chajim ben Juspa KaZ (Grabstein Nr. 0014 )
Gattin: Gattin des Löb KaZ (Grabstein Nr. 0017 )

Quellen / Sekundärliteratur

Dieter Besserer: Jüdisches Leben in der Stadt Preußisch Oldendorf, Preußisch Oldendorf 2014, S. 122-124.

Preußisch Oldendorf · 0019

 

Meir ben Feiwel [08.06.1808]

Diplomatische Transkription und Übersetzung

‎‏פ״נ‏‎ Hier ist begraben
‎‏איש ישר וחשוב‏‎ ein aufrechter und angesehener Mann,
‎‏הולך תמים ופעל‏‎ ›er wandelte in Lauterkeit und wirkte (Wohl)‹
‎‏וכל מעשיו לש״ש‏‎ und all seine Werke (waren) um des Himmels willen,
‎‏כ׳ מאיר ב״כ פייבל‏‎ 5 der geehrte Meir, Sohn des geehrten Feiwel,
‎‏נפטר ונקבר בי׳ ד׳‏‎ verschieden und begraben am Tag 4,
‎‏י״ג סיון תקס״ח ל׳‏‎ 13. Sivan 568 der Zählung.
‎‏[תנצב״ה]‏‎ [Seine Seele sei eingebunden in das Bündel des Lebens]

 

  Zl 3: Ps 15,2

Kommentar

Datierung Gestorben Mittwoch, 08.06.1808
Das Grabmal wurde so in den Boden einzementiert, dass die letzte Zeile der Inschrift, vermutlich mit dem üblichen Schlusssegen, nicht mehr zu lesen ist.
Zl 3: Das letzte Wort dieses Psalmzitats, ‎‏צדק‏‎, fehlt.
Namenskunde Zum Namen Feiwel siehe den Kommentar zu Grabstein Nr. 0028 .

Beschreibung

Beschreibung Das Grabmal wurde identisch gestaltet wie Grabstein Nr. 0013 ), ebenfalls aus dem Jahr 1808.
Ornament gestalterische Verzierung

Zur Person

Vermutlich handelt es sich um den Grabstein des um 1775 geborenen Meyer, Sohn des Philipp Meyer. Dieser besaß in Oldendorf ein Haus und mehrere Grundstücke.

Quellen / Sekundärliteratur

Dieter Besserer: Jüdisches Leben in der Stadt Preußisch Oldendorf, Preußisch Oldendorf 2014, S. 154f.
Volker Beckmann: Die jüdische Bevölkerung der Landkreise Lübbecke und Halle i.W. vom Vormärz bis zur Befreiung vom Faschismus (1815-1945), Lage 2001, S. 71.

Preußisch Oldendorf · 0013

 

Awraham ben Perez (Abraham Samuel) [12.10.1808]

Diplomatische Transkription und Übersetzung

‎‏פ״נ‏‎ Hier ist begraben
‎‏הזקן והישר הולך‏‎ der Betagte und der Aufrechte, er ›ging
‎‏בדרך תמים וכל‏‎ den Weg des Lauteren‹ und all
‎‏מעשיו היו לש״ש‏‎ seine Taten waren um des Himmels willen,
‎‏כ׳ אברהם ב״כ‏‎ 5 der geehrte Awraham, Sohn des geehrten
‎‏פרץ ז״ל נפטר‏‎ Perez, sein Andenken zum Segen, verschieden
‎‏בה״ר ונקבר בש״ת‏‎ an Hoschanna Rabba und begraben (am Tag) der Torafreude
‎‏תקס״ט ל׳‏‎ 569 der Zählung.
‎‏וצב״ה א׳‏‎ Und seine Seele (sei) eingebunden in das Bündel des Lebens, Amen

 

  Zl 2f: Ps 101,6

Kommentar

Datierung Gestorben Mittwoch, 12.10.1808 ; begraben am übernächsten Tag
Awraham ben Perez ist vermutlich identisch mit dem bis 1808 in Oldendorf belegten Abraham Samuel (auch Abraham Salomon). Dafür spricht neben dem Sterbejahr auch die Lage des Grabsteins neben dem der Gattin des Abraham Samuel (Nr. 0012 ) sowie die Tatsache, dass auch ein Enkel des Abraham Samuel den unter aschkenasischen Juden eher seltenen Namen Perez trug, was auf eine gewisse Familientradition hindeutet. Vielleicht trug der Vater des Abraham einen Doppelnamen, Samuel Perez, wobei die Inschrift von Abrahams Gattin den Namen Samuel in seiner jüdischdeutschen Koseform Sanvil wiedergibt, die Inschrift für Abraham selber dagegen den zweiten Namen Perez nennt. Ein weiterer Abraham ohne erhaltenen Grabstein ist in jener Zeit in Oldendorf nicht belegt. (Allerdings darf nicht vergessen werden, dass auch andere Gemeinden wie z.B. Levern den Oldendorfer Friedhof mitbenutzten und Personen ohne eigenen Schutz, wie z.B. Knechte und Mägde oder auch von auswärts zugezogene Familienangehörige, in den Quellen oft nicht namentlich genannt werden.)
Awraham starb an Hoschanna Rabba, dem letzten Tag des Laubhüttenfestes. Eigentlich sollte nach jüdischen Vorstellungen ein Toter möglichst schnell, am besten noch am Tag seines Todes, beigesetzt werden. Doch am Schabbat und an Feiertagen ist jegliche Arbeit und damit auch die Aushebung eines Grabes religionsgesetzlich verboten. Da auf das Laubhüttenfest der Feiertag Schemini Azeret, das "Schlussfest" folgt, konnte die Beerdigung erst am Tag darauf begangen werden. Zwar war auch dies ein Festtag, Simchat Tora, der Tag der "Torafreude", an dem alljährlich die Beendigung und der Neubeginn des Lesezyklusses der Tora, der Fünf Bücher Mose, in der Synagoge feierlich begangen wird, doch unterliegt dieser Tag nicht den sabbatlichen Ruhegesetzen.
Zl 9: Der zweite Buchstabe der Zeile, das ‎‏צ‏‎, wurde spiegelverkehrt eingemeißelt.

Beschreibung

Beschreibung Das Grabmal wurde identisch gestaltet wie Grabstein Nr. 0019 .
Ornament gestalterische Verzierung

Zur Person

Abraham Samuel ist seit 1764 in Oldendorf belegt. Er zählte zu den wohlhabendsten jüdischen Einwohnern Oldendorfs und beantragte 1797 gemeinsam mit dem Vorsteher Jacob Levi Cahen beim preussischen König den Bau einer neuen Synagoge in Oldendorf. Um 1800 ist Abraham Samuel als Vertreter der Oldendorfer Judenschaft neben dem Deputierten Jacob Levi Cahen auf dem "jüdischen Landtag" in Bielefeld belegt.
Verheiratet war Abraham Samuel mit Merle Gumpel, der Sohn (Moses) Levi Abraham Löwenstein wurde 1780 geboren. 1805 trat sein Sohn in sein Schutzprivileg als Ordinarius ein, die Tochter Edel dagegen hatte nach Freckenhorst geheiratet.
Abraham Samuel ist bis Juli 1808 in den archivalischen Quellen belegt. Als jedoch die Oldendorfer Juden Anfang November 1808 feststehende Familiennamen annahmen, wird nicht mehr er, sondern sein Sohn Levi Abraham aufgelistet, der den Namen Löwenstein annahm.

Zur Familie

Mutter: Jitle bat Awraham, Gattin des Sanvel (Grabstein Nr. 0032 )
Gattin: Chaja Merle bat Gumpel, Gattin des Awraham ben Sanvel (Grabstein Nr. 0012 )
Sohn: Levi Abraham Löwenstein (Grabstein Nr. 0037 )
Enkel: Perez ben Mosche Arje Löwenstein (Grabstein Nr. 0008 )

Preußisch Oldendorf · 0017

 

Dwora ⚭ Löb KaZ (Debohra ­Katz) [19.06.1812]

Diplomatische Transkription und Übersetzung

‎‏[...]‏‎ [...],
‎‏אשת ליב כ״ץ‏‎ Gattin des Löb KaZ,
‎‏ז״ל נפטרה יום ה׳‏‎ sein Andenken zum Segen, verschieden Tag 5,
‎‏ט׳ תמוז תקע״ב ל׳‏‎ 9. Tammus 572 der Zählung.

Kommentar

Datierung Gestorben Freitag (!), 19.06.1812
Das Grabmal ist gebrochen, die obere Hälfte ist nicht erhalten.
Zl 3: Der Sterbetag 9. Tammus fiel auf Freitag (Tag 6), nicht auf Donnerstag (Tag 5), wie in der Inschrift angegeben.

Zur Person

Dwora oder Debohra Katz stammte aus Rietberg und heiratete um 1782 Levi, Sohn des Joseph Heinemann in Oldendorf. 1784 kam die Tochter Bräunchen zur Welt, 1787 Merla. Levi Joseph starb 1806, seine Witwe nahm 1808 den Familiennamen Katz an.

Zur Familie

Gatte: Jehuda Löb ben Juspa KaZ (Grabstein Nr. 0016 )

Preußisch Oldendorf · 0020

 

Jehuda (genannt Löb KaZ) (Jacob Levi Cahen) [24.01.1824]

Diplomatische Transkription und Übersetzung

‎‏פ״נ‏‎ Hier ist begraben -
‎‏ה״ה היקר והנאמן ט״מ‏‎ es ist der Teure und der Getreue, der Beisitzer der Landjudenschaft,
‎‏כש״ה כ״ה יהודא המכונה‏‎ sein ehrenvoller, herrlicher Name lautet: der geehrte Herr Jehuda, genannt
‎‏ליב כ״ץ כ״י הי׳ עוסק במו״מ‏‎ Löb KaZ, all seine Tage ›beschäftigte er sich mit Handeln und Wandeln
‎‏באמונ׳ פזר נתן לאביונים‏‎ 5 in Treue‹, ›freigebig war er den Bedürftigen‹
‎‏[־־־]‏‎ [---]

 

  Zl 4f: bShab 31a | Zl 5: Ps 112,9

Kommentar

Datierung Gestorben 24.01.1824 ; (s.u.)
Namenskunde In Oldendorf trugen viele Männer nicht nur einen jüdischen Namen, sondern oft zwei. Der hier Begrabene, in den deutschen Quellen Jacob Levi Cahen genannt, heißt auf seinem Grabstein Jehuda, genannt Löb KaZ . Jehuda ist der sogenannte Synagogalname, mit dem ein Mann zur Toralesung in der Synagoge aufgerufen wird und der sich eigentlich aus einem jüdischen Namen und dem Vatersnamen zusammensetzt, auf den Jehudas Grabinschrift jedoch verzichtet, was eher selten vorkommt. Der Name geht auf den biblischen Jehuda zurück, der im Segen seines Vaters Jakob mit einem reissenden Löwen verglichen wird (Genesis 49,9). Darauf geht die Parallelität der Namen Jehuda, Arje (hebr. für Löwe) und dem deutschen Löw oder Löb zurück, eine Name, der auch dem Jehuda hier als Rufname beigegeben war, wie seine Grabinschrift angibt. Der Name Löw konnte im Deutschen über Lev auch zu Levi werden, und so lautete der Name in den deutschen Quellen, allerdings ergänzt durch einen weiteren biblischen Namen in seiner deutschen Form: Jacob Levi. Der Name Jacob ist dabei dem Namen Levi gleichgestellt, es handelt sich nicht um den Vatersnamen, denn in den Grabinschriften seiner Söhne Heinemann und Philipp wird Jacob Levi Cahen Jaakow KaZ bzw. Jaakow Hakohen genannt.

Beschreibung

Schrift vertieft und erhaben
Symbol Segnende Hände
Zustand Das Grabmal wurde in die Erde einzementiert, so dass die unteren Zeilen der Inschrift verloren sind.

Zur Person

Wahrscheinlich handelt es sich um den Grabstein von Jacob Levi, der sich seit 1808 Jacob Levi Cahen nannte. Seit 1788 war er Vorsteher der Oldendorfer Judenschaft und nahm als stellvertretender Vorsteher neben Jacob Schiff um 1796 auch am "jüdischen Landtag" in Bielefeld teil. Der Kaufmann, der in die höchste Steuerklasse eingestuft war und 1821 ein Gesamtvermögen in Höhe von 10.000 Talern besaß, hatte in Oldendorf ein Haus und mehrere Grundstücke. Beruflich betätigte er sich offensichtlich auch als Makler und Kreditgeber vor allem kleinerer Summen; eine Anfrage um die Vermittlung eines Kredits in Höhe von 20.000 Talern an den Kammerherrn von Ledebur lehnte er im Jahr 1800 jedoch ab, "da die Anschaffung einer solchen Summe in kürzester Zeit seine Möglichkeiten weit übersteige und er selbst mangels verfügbarer eigener Kapitalien nicht als Kreditgeber infrage komme" (Linnemeier, S. 567).
Jacob Levi Cahen starb in der Nacht vom 24. auf den 25. Januar 1824 im Alter von 75 Jahren an Altersschwäche. Fünf Jahre vor seinem Tod hatte er ein Testament verfasst, aus dem auch die Namen seiner Frau und seiner Kinder hervorgehen: Seine Frau Rebecca geb. Meyer(sbergen) überlebte ihn um sechs Jahre. Sie starb am 16. August 1830 im Alter von 74 1/2 Jahren und wurde in Oldendorf beigesetzt, ein Grabstein hat sich für sie jedoch nicht erhalten. Die älteste Tochter Brendel hatte Heinemann Itzig geheiratet und war zu ihm nach Burgsteinfurt gezogen. Der Sohn Elias Cahen lebte in Osnabrück. Die Tochter Bela/Belia, eine verheiratete Löwenstein, lebte in Beverungen. In Oldendorf blieben die Söhne Heinemann Cahen, Bernhard Cahen und Philipp Cahen.

Zur Familie

Mutter: Brendele, Gattin des Löb KaZ (Grabstein Nr. 0024 )
Söhne: Heinemann Cahen (Grabstein Nr. 0034 ); Bernhard Cahen (Grabstein Nr. 0006 ); Philipp Cahen (Grabstein Nr. 0011 )

Quellen / Sekundärliteratur

Dieter Besserer: Jüdisches Leben in der Stadt Preußisch Oldendorf, Preußisch Oldendorf 2014, S. 134-138.
Hans-Joachim Karrasch: Der jüdische Friedhof Preußisch Oldendorf, Juli 2000, S. 21.
Bernd-Wilhelm Linnemeier: Jüdisches Leben im Alten Reich. Stadt und Fürstentum Minden in der Frühen Neuzeit, Bielefeld 2002, S. 567.
Volker Beckmann: Die jüdische Bevölkerung der Landkreise Lübbecke und Halle i.W. vom Vormärz bis zur Befreiung vom Faschismus (1815-1945), Lage 2001, S. 70f.
Elfi Pracht: Jüdisches Kulturerbe in Nordrhein-Westfalen. Teil III: Regierungsbezirk Detmold (Beiträge zu den Bau- und Kunstdenkmälern von Westfalen, Band 1.1), Köln 1998, S. 415.

Preußisch Oldendorf · 0008

 

Perez ben Mosche Arje Löwenstein [27.06.1836]

Diplomatische Transkription und Übersetzung

‎‏פ״נ‏‎ Hier ist begraben
‎‏פרץ ב״ה משה‏‎ Perez, Sohn des Herrn Mosche
‎‏אריה הלך בדרך‏‎ Arje, er ging ›den Weg
‎‏כל הארץ ביום‏‎ alles Irdischen‹ am Tag
  Rückseite
‎‏ב׳ י״ב תמוז‏‎ 5 2, 12. Tammus
‎‏תקצ״ו בשנ׳‏‎ 596 im
‎‏ט״ז לימי‏‎ 16. Jahr
‎‏נעוריו‏‎ seiner Jugendtage
‎‏[־־־]‏‎ [---]

 

  Zl 3f: Jos 23,14

Kommentar

Datierung Gestorben Montag, 27.06.1836
Namenskunde Perez, auch Perez Salomon, trug wahrscheinlich den Namen seines Urgroßvaters väterlicherseits, denn sein Großvater väterlicherseits wird mal "Awraham ben Perez", mal "Awraham ben Sanvil" (=Samuel) und in den deutschen Quellen Abraham Samuel und Abraham Salomon genannt.

Beschreibung

Symbol Herz
Ornament florale Verzierung, insbesondere Girlande; gestalterische Verzierung, insbesondere sechszackiger Stern
Zustand Das Grabmal ist in den Boden einbetoniert. Es ist nicht sicher, ob am Ende der Inschrift noch eine Zeile - z.B. mit dem üblichen Schlusssegen - folgte.

Zur Person

Perez Salomon Löwenstein war am 8. September 1821 in Oldendorf geboren worden als Sohn des Handelsmanns Levi Abraham Löwenstein und der Reinette (Brunette) Dreier. 1836 starb er im Alter von 15 Jahren an Wassersucht.

Zur Familie

Vater: Levi Abraham Löwenstein (Grabstein Nr. 0037 )
Mutter: Brunette Löwenstein geb. Dreyer (Grabstein Nr. 0038 )

Preußisch Oldendorf · 0009

 

Awraham ben Schimon Levi (Abraham ­Ehrlich) [23.04.1848]

Diplomatische Transkription und Übersetzung

‎‏אף נחלת שפרה עלי‏‎ ›Ein gutes Los ist mir zuteil geworden‹
Ps. 16 V. 6
‎‏פ״נ‏‎ Hier ist begraben
‎‏איש תם וישר ירא אלהיו‏‎ ›ein lauterer und aufrechter Mann, seinen Gott ehrfürchtend‹
‎‏כל ימיו אברהם בן שמעון‏‎ 5 all seine Tage, Awraham, Sohn des Schimon
‎‏לוי נאסף אל עמיו כ׳ ניסן‏‎ Levi, ›versammelt zu seinem Volke‹ 20. Nissan
‎‏תר״ח לפ״ק‏‎ 608 der kleinen Zählung.
‎‏תנצב״ה‏‎ Seine Seele sei eingebunden in das Bündel des Lebens
  Rückseite
Ein gutes Loos ist
mir zu Theil geworden 10
Ps. 16, V 6.
Hier ruhet
Abraham ­Ehrlich,
gestorben in einem Al-
ter von 84 Jahren, 15
den 23. April 1848.

 

  Zl 1: Ps 16,6   Zl 4: Ijob 1,8   Zl 6: Gen 25,8 u.ö.

Kommentar

Datierung Gestorben Sonntag, 23.04.1848
Bis ins 19. Jahrhundert waren jüdische Grabsteine hierzulande ausschließlich auf Hebräisch beschriftet. Seit Anfang des 19. Jahrhunderts tritt nach und nach das Deutsche hinzu, bis es mancherorts das Hebräische zu Beginn des 20. Jahrhunderts (fast) verdrängt.
Dies ist das älteste erhaltene Grabmal in Oldendorf, das auch eine deutsche Inschrift trägt. Beide Seiten des Grabsteins sind gleich schlicht gestaltet und beide Inschriften sind parallel aufgebaut, so dass die hebräische Inschrift nur durch ihre Platzierung auf der Vorderseite des Grabsteins ein größeres Gewicht erhält. Beide Inschriften sind mit demselben Schriftzitat überschrieben (hier einem Psalm), ein Stil, der oft auch auf protestantischen Friedhöfen zu finden ist und sich auf diesem Friedhof schnell großer Beliebtheit erfreut. Doch zeugt die Angabe der Zitatstelle in lateinischen Buchstaben in der hebräischen Inschrift schon von den nachlassenden Hebräischkenntnissen in der jüdischen Bevölkerung.
Abraham Ehrlich starb am 4. Zwischenfeiertag von Pessach, was die Inschrift unerwähnt lässt.
Zl 1: Die Übersetzung des Psalmes hier orientiert sich an der deutschen Inschrift des Grabsteins. In der Übersetzung von Leopold Zunz lautet dieser Psalm "Ja, mir gefällt das Erbe", Simon Bernfeld übersetzt "Mein Besitz ist mir so herrlich zuteil geworden".

Zur Person

Abraham Ehrlich kam um 1780 nach Oldendorf und war hier zunächst als Knecht bei Abraham Salomon (Grabstein Nr. 0013 ) und später dessen Sohn Levi Abraham Löwenstein (Grabstein Nr. 0037 ) tätig. Die Verfassung des Königreichs Westphalen von 1808 (nach dem Code Civil) ermöglichte ihm schließlich die eigenständige Niederlassung als Handelsmann und Schlachter. 1810 heiratete er Marianne Eichmann, 1817 kam die Tochter Bernette zur Welt, 1826 der Sohn Simon. Die Tochter Henriette heiratete 1839 nach Herford.
Das letzte Mitglied dieser Familie in Oldendorf, Abrahams Urenkel Alfred Ehrlich, hatte die Shoah überlebt und war in seine Heimatstadt zurückgekehrt. Er starb hier 1984 und wurde auf dem evangelisch-lutherischen Friedhof begraben. (Der Vollständigkeit halber wurde die Dokumentation seines Grabsteines hier mit aufgenommen.)

Zur Familie

Gattin: Marianne Ehrlich geb. Eichmann (Grabstein Nr. 0001 )
Sohn: Simon Ehrlich (Grabstein Nr. 0044 )
Tochter: Henriette Blumenstein verw. Vorreuther geb. Ehrlich (Jüdischer Friedhof Herford, her,0087 )
Urenkel: Alfred Ehrlich (Grabstein Nr. 0060 )

Quellen / Sekundärliteratur

StA Detmold, Personenstandsarchiv Westfalen-Lippe, P2, 126: Zivilstandsregister der Juden der Stadt Herford (GHT 1822-1847), S. 32 (H Henriette).
Dieter Besserer: Jüdisches Leben in der Stadt Preußisch Oldendorf, Preußisch Oldendorf 2014, S. 164-166.
Volker Beckmann: Die jüdische Bevölkerung der Landkreise Lübbecke und Halle i.W. vom Vormärz bis zur Befreiung vom Faschismus (1815-1945), Lage 2001, S. 70.

Preußisch Oldendorf · 0011

 

Philipp ­Cahen [22.06.1848]

Diplomatische Transkription und Übersetzung

‎‏פ״נ‏‎ Hier ist begraben
‎‏איש תם וישר‏‎ ›ein lauterer und aufrechter Mann‹,
‎‏הלך תמים ופעל צדק‏‎ ›er wandelte in Lauterkeit und wirkte Wohl‹,
‎‏ירא אלהיו כל ימיו‏‎ seinen Gott ehrfürchtend all seine Tage,
‎‏צדיק באמונתו יחיה‏‎ 5 ›ein Gerechter, der in seinem Glauben lebte‹,
‎‏מת בשם טוב גדול‏‎ gestorben mit großem ›gutem Namen‹,
‎‏לזכר שמו לברכה‏‎ zum Gedächtnis seines Namens zum Segen,
‎‏ביום ג׳ תמוז‏‎ am 3. Tag des Tammus
‎‏שנת תר״ח לפ״ק‏‎ des Jahres 608 der kleinen Zählung.
‎‏תנצב״ה‏‎ 10 Seine Seele sei eingebunden in das Bündel des Lebens
  Rückseite
Hier ruht
Philipp ­Cahen
Friede seiner Asche!

 

  Zl 2: Ijob 1,8   Zl 3: Ps 15,2   Zl 5: Hab 2,4   Zl 6: bBer 17a

Kommentar

Datierung Gestorben in der Nacht auf Donnerstag, 22.06.1848 ; (s.u.)
Laut archivalischen Quellen (s.u.) starb Philipp Cahen in der Nacht vom 21. auf Donnerstag, den 22. Juni 1848, das entspricht Tag 5, 21. Sivan 608. Im folgenden Jahr 1849 bzw. 609 fiel der 22. Juni auf Freitag, den 2. Tammus. Als man ein Jahr nach dem Tod Philipp Cahens den Grabstein setzte, gab man zwar das richtige Sterbejahr an, 608/1848, rechnete aber fälschlicherweise den 22. Juni des Folgejahres 1849 in den jüdischen Kalender zurück und gab in der hebräischen Inschrift Tammus als Sterbemonat an. Auch die Sterbezeit in der Nacht wurde berücksichtigt, allerdings vertat man sich bei der Umrechnung nochmal um einen Tag, d.h. man ging von der Nacht vom 22. auf den 23. Juni aus und gab als Sterbetag entsprechend den 3. Tammus an.
Die aus beliebten Zitaten zusammengesetzte Eulogie wurde vermutlich einem Musterbuch entnommen, sie findet sich in identischer Form zum Beispiel in Schalom ha-Cohens 1820 in Wien erschienenen Briefsteller Ketav joscher und im Sefer Hachajim , dem "Israelitischen Andachtsbuch" von Salomon Ephraim Blogg (erste Auflage Hannover 1848, vierte verbesserte Auflage Hannover 1866/67, S. 311: Grabschrift "für einen tugendhaften Greis").
Die beiden Inschriften ergänzen sich, die deutsche Inschrift nennt den Namen, die hebräische Inschrift nach der Eulogie das Sterbedatum.

Beschreibung

Symbol Segnende Hände

Zur Person

Philipp Cahen wurde zwischen 1792-1795 geboren und war der jüngste Sohn von Rebecca Cahen geb. Meyer und Jacob Levi (= Jehuda Löb KaZ), der sich seit 1808 Jacob Levi Cahen nannte, Vorsteher der Oldendorfer Judenschaft und Beisitzer der ravensbergischen Landjudenschaft. 1836 heiratete er Rosalie Löwenthal, die 1858 als Witwe mit ihren Kindern (Bertha, Emma, Julius, Salomon, Jacob und Caroline) nach Nordamerika auswanderte.

Zur Familie

Vater: Jehuda Löb KaZ (Grabstein Nr. 0020 )

Quellen / Sekundärliteratur

Personenstandsarchiv Detmold, P 2 Nr. 209.
Landesarchiv NRW, Abteilung Ostwestfalen-Lippe in Detmold, D 23 B, Nr. 27063, Bild 35.
Dieter Besserer: Jüdisches Leben in der Stadt Preußisch Oldendorf, Preußisch Oldendorf 2014, S. 141-144.
Hans-Joachim Karrasch: Der jüdische Friedhof Preußisch Oldendorf, Juli 2000, S. 15.
Volker Beckmann: Die jüdische Bevölkerung der Landkreise Lübbecke und Halle i.W. vom Vormärz bis zur Befreiung vom Faschismus (1815-1945), Lage 2001, S. 72.

Preußisch Oldendorf · 0001

 

Mirjam bat Jehuda (Marianne ­Ehrlich geb. ­Eichmann) [13.02.1853]

Diplomatische Transkription und Übersetzung

‎‏אתהלך לפני יהוה בארצות‏‎ ›Ich wandle vor dem Ewigen in den Landen
‎‏החים‏‎ des Lebens‹
Ps. 116 V. 9.
‎‏פ״נ‏‎ Hier ist begraben
‎‏אשת חיל תפארת בעלה‏‎ 5 ›die tüchtige Gattin‹, Zierde ihres Gatten,
‎‏אשה יראת אלהים מרת‏‎ eine gottesfürchtige Frau, Frau
‎‏מרים בת יהודה נאספה‏‎ Mirjam, Tochter des Jehuda, ›versammelt
‎‏אל עמיה ו׳ אדר ראשון‏‎ zu ihrem Volke‹ 6. des ersten Adar
‎‏תרי״ג לפ״ק תנצב״ה‏‎ 613 der kleinen Zählung. Ihre Seele sei eingebunden in das Bündel des Lebens
  Rückseite
Ich wand'le vor dem E- 10
wigen in den Landen
des Lebens
Ps 116, V. 9.
Hier ruhet
Marianne ­Ehrlich 15
geb. ­Eichmann, gest.
in einem Alter von 54 J.
den 13. Febr. 1853.

 

  Zl 1f: Ps 116,9   Zl 5: Spr 31,10   Zl 7f: Gen 25,8 u.ö.

Kommentar

Datierung Gestorben Sonntag abend, 13.02.1853
Bei der Gestaltung des Grabmals und des Aufbaus der Inschriften orientierte man sich am Grabmal des 1848 gestorbenen Gatten.
Da Marianne Ehrlich 1810 heiratete und ihr Alter zum Beispiel in der Bevölkerungsliste von 1852 (Stadtarchiv Preußisch Oldendorf) mit "61 Jahren" angegeben wurde, ist das auf dem Grabstein angegebene Alter vermutlich von "54" zu "64" zu korrigieren.

Zur Person

Marianne, auch Marli Levi, aus Detmold, heiratete 1810 den Metzger Abraham Ehrlich. 1817 wurde ihre Tochter Bernette geboren, 1826 der Sohn Simon. Die Tochter Henriette heiratete 1839 nach Herford.

Zur Familie

Gatte: Abraham Ehrlich (Grabstein Nr. 0009 )
Sohn: Simon Ehrlich (Grabstein Nr. 0044 )
Tochter: Henriette Blumenstein verw. Vorreuther geb. Ehrlich (Jüdischer Friedhof Herford, her,0087 )

Quellen / Sekundärliteratur

StA Detmold, Personenstandsarchiv Westfalen-Lippe, P2, 126: Zivilstandsregister der Juden der Stadt Herford (GHT 1822-1847), S. 32 (H Henriette).
Dieter Besserer: Jüdisches Leben in der Stadt Preußisch Oldendorf, Preußisch Oldendorf 2014, S. 164-166.

Preußisch Oldendorf · 0002

 

Schimon ben Michel (Simon ­Rintels) [29.07.1854]

Diplomatische Transkription und Übersetzung

‎‏ואת׳ תבוא אל‏‎ ›Du aber wirst eingehen zu
‎‏אבתיך בשלום‏‎ deinen Vätern in Frieden‹
‎‏פ״נ הבח׳ שמעון‏‎ Hier ist begraben der Junggeselle Schimon,
‎‏בן מיכעל נאסף‏‎ Sohn des Michel, ›versammelt
‎‏אל עמיו ה׳ אב‏‎ 5 zu seinem Volke‹ (am) 5. Aw
‎‏תרי״ד לפ״ק‏‎ 614 der kleinen Zählung.
‎‏תנצב״ה‏‎ Seine Seele sei eingebunden in das Bündel des Lebens
  Rückseite
Du aber wirst kommen
zu deinen Vätern in
Frieden. 10
1. Mos. 15,15.
Hier ruht Simon ­Rintels,
geb. 26. Sept. 1832,
gest. 29. Juli 1854.

 

  Zl 1f: Gen 15,15   Zl 4f: Gen 25,8 u.ö.

Kommentar

Datierung Geboren 26.09.1832; gestorben Samstag abend, 29.07.1854
Wie schon zuvor bei den Grabsteinen des Ehepaares Ehrlich (Nrn. 0009 und 0001 ) wurden auch hier die Inschriften jeweils mit einem Schriftzitat überschrieben. Allerdings verzichtete man hier auf die Angabe der Zitatstelle auch im hebräischen Text und die deutsche Inschrift nennt erstmals statt des Alters ein Geburtsdatum.

Beschreibung

Schrift Vorderseite: erhaben; Rückseite: vertieft
Ornament gestalterische Verzierung

Zur Person

Simon Rintels wurde in Oldendorf geboren als Sohn des Handelsmanns Michael Rintels und der Bella geb. Rosenberg, laut den archivalischen Unterlagen jedoch am 27. August 1832, und nicht, wie in der deutschen Inschrift angegeben, am 26. September.

Zur Familie

Eltern: Michael und Bella Rintels (Grabstein Nr. 0003 )

Quellen / Sekundärliteratur

Dieter Besserer: Jüdisches Leben in der Stadt Preußisch Oldendorf, Preußisch Oldendorf 2014, S. 243f.

Preußisch Oldendorf · 0003

 

Bella bat Schimon (Bella ­Rintels geb. ­Rosenberg) [01.09.1854]

Michel ben Jechiel (Michel ­Rintels) [11.11.1858]

Diplomatische Transkription und Übersetzung

‎‏בחייהם ובמותם לא נפרדו‏‎ ›In ihrem Leben und in ihrem Tode nicht getrennt‹
  Rechts
‎‏פ״נ איש צדיק‏‎ Hier ist begraben ein gerechter Mann,
‎‏רב פעלים‏‎ ›reich an Werken‹,
‎‏מיכעל בן‏‎ Michel, Sohn des
‎‏יחיאל נאסף‏‎ 5 Jechiel, ›versammelt
‎‏אל עמיו‏‎ zu seinem Volke‹
‎‏ה׳ כסלו‏‎ 5. Kislev
‎‏תרי״ט לפ״ק‏‎ 619 der kleinen Zählung.
  Links
‎‏פ״נ אשת חיל‏‎ Hier ist begraben ›die tüchtige Gattin,
‎‏עטרת בעלה‏‎ 10 Krone ihres Gatten‹,
‎‏בילה בת‏‎ Bella, Tochter des
‎‏שמעון נאספ׳‏‎ Schimon, ›versammelt
‎‏אל עמיה‏‎ zu ihrem Volke‹
‎‏ח׳ אלול‏‎ 8. Elul
‎‏תרי״ד לפ״ק‏‎ 15 614 der kleinen Zählung.
  Unten
‎‏תנצב״ה‏‎ Ihre Seelen seien eingebunden in das Bündel des Lebens
  Rückseite
Die Geliebten und die Holdseligen
in ihrem Leben, auch in ihrem Tode
wurden sie nicht getrennt.
2. Sam. 1,23 20
Hier ruhen die Eheleute
Michel ­Rintels, gestorben
in einem Alter von 68 Jahren
den 11. November 1858
und 25
Bella ­Rintels, geb. ­Rosenberg,
gestorben in einem Alter
von 63 Jahren den 1. Sept.
1854.

 

  Zl 1: 2Sam 1,23   Zl 3: 2Sam 23,20   Zl 5f: Gen 25,8 u.ö.   Zl 9f: Spr 12,4   Zl 12f: Gen 25,8 u.ö.

Kommentar

Datierung Bella Rintels: Gestorben Freitag, 01.09.1854
Michel Rintels: Gestorben Donnerstag abend, 11.11.1858
Überschrieben sind die Inschriften mit einem nicht selten in der Neuzeit auf solchen Doppelsteinen zu findenden Zitat aus dem Klagelied Davids. In der Schrift bezieht es sich auf König Saul und seinen Sohn Jonathan, der in der Schlacht mit den Philistern gefallen war, woraufhin sich Saul selbst richtete, um nicht in die Hände der Feinde zu fallen. In Gedenken an diesen Märtyrertod wurde dieses Zitat in das Aw Harachamim-Gebet, das "Gebet an den barmherzigen Vater" übernommen, in dem all der ausgelöschten Gemeinden gedacht wird, die den Märtyrertod einer Zwangstaufe vorzogen.

Beschreibung

Beschreibung Das Grabmal, das erst nach dem Tod des Gatten 1858 gesetzt wurde, wurde identisch gestaltet wie das des kurz vor seiner Mutter im Jahr 1854 gestorbenen Sohnes (Nr. 0002 ).
Schrift Vorderseite: erhaben; Rückseite: vertieft
Ornament gestalterische Verzierung

Zur Person

Bella, Tochter von Simon Rosenberg, war in erster Ehe verheiratet mit Urias (= Philipp) Weinberg aus Oldendorf, der 1812 starb. 1815 ging sie eine zweite Ehe ein mit dem Kaufmann und Oldendorfer Gemeindevorsteher Michael Rintels aus Blomberg. Der Sohn Simon wurde 1832 geboren, starb jedoch ledig kurz vor seinen Eltern.

Zur Familie

Sohn: Simon Rintels (Grabstein Nr. 0002 )

Quellen / Sekundärliteratur

Dieter Besserer: Jüdisches Leben in der Stadt Preußisch Oldendorf, Preußisch Oldendorf 2014, S. 243f.
Volker Beckmann: Die jüdische Bevölkerung der Landkreise Lübbecke und Halle i.W. vom Vormärz bis zur Befreiung vom Faschismus (1815-1945), Lage 2001, S. 16, 70-72, 146.

Preußisch Oldendorf · 0005

 

Jette bat Jaakow ⚭ Issachar Hakohen (Henriette ­Cahen geb. ­Kugelmann) [06.03.1860]

Diplomatische Transkription und Übersetzung

‎‏לא אמות כי אחיה‏‎ ›Ich werde nicht sterben, sondern leben‹
‎‏פ״נ מרת יעטטע בת‏‎ Hier ist begraben die Frau Jette, Tochter des
‎‏יעקב אשת יששכר‏‎ Jaakow, Gattin des Issachar
‎‏הכהן עטרת בעלה‏‎ Hakohen, ›Krone ihres Gatten‹
‎‏ובתה נולדה כ׳‏‎ 5 und ihrer Tochter, geboren 20.
‎‏סיון תקנ״ז לפ״ק והלכ׳‏‎ Sivan 557 der kleinen Zählung und eingegangen
‎‏לעלמה ביום ג׳‏‎ in ihre Welt am Tag 3,
‎‏י״ב אדר תר״ך לפ״ק‏‎ 12. Adar 620 der kleinen Zählung.
‎‏תנצב״ה‏‎ Ihre Seele sei eingebunden in das Bündel des Lebens
  Rückseite
Ich werde nicht sterben, sondern leben. 10
Ps. 118,17.
Hier ruht Henriette ­Cahen, geb.
­Kugelmann, gestorben im Alter
von 63 Jahren am 6. März 1860.

 

  Zl 1: Ps 118,17   Zl 4: Spr 12,4

Kommentar

Datierung Geboren Mittwoch, 14.06.1797; gestorben Dienstag, 06.03.1860
Die Inschriften sind weitgehend parallel aufgebaut, doch nennt die hebräische Inschrift hier erstmals ein Geburtsdatum, während die deutsche Inschrift das Alter angibt. Auch ist die hebräische Inschrift mit dem Verweis auf den Gatten und die Tochter persönlicher. Unerklärlich ist, warum die Inschrift nur eine Tochter und nicht auch den ebenfalls die Mutter überlebenden Sohn Jacob Cahen nennt.

Beschreibung

Schrift Vorderseite: erhaben; Rückseite: vertieft
Ornament florale Verzierung; gestalterische Verzierung

Zur Person

Henriette stammte aus Lemförde und war eine Tochter des Jacob Moses Kugelmann. 1823 heiratete sie den Oldendorfer Bernhard Cahen. Der Sohn Jacob wurde 1824 geboren.

Zur Familie

Gatte: Bernhard Cahen (Grabstein Nr. 0006 )
Sohn: Jacob Cahen (Grabstein Nr. 0042 )

Quellen / Sekundärliteratur

Dieter Besserer: Jüdisches Leben in der Stadt Preußisch Oldendorf, Preußisch Oldendorf 2014, S. 138.

Preußisch Oldendorf · 0010

 

Uri ben Jaakow (Philipp ­Hurwitz) [23.02.1861]

Diplomatische Transkription und Übersetzung

‎‏פ״נ איש תם וישר‏‎ Hier ist begraben ›ein lauterer und aufrechter Mann‹,
‎‏אורי בן יעקב‏‎ Uri, Sohn des Jaakow,
‎‏נאסף אל עמיו י״ג‏‎ ›versammelt zu seinem Volke‹ 13.
‎‏אדר תרכ״א לפ״ק‏‎ Adar 621 der kleinen Zählung.
‎‏תנצב״ה‏‎ 5 Seine Seele sei eingebunden in das Bündel des Lebens
Der Geist kehrt heim zu
Gott, der ihn gegeben
Pred. 12,7.
Hier ruht Philipp ­Hurwitz
geb. 19. Dec. 1784 10
gest. 23. Febr. 1861.

 

  Zl 1: Ijob 1,8   Zl 3: Gen 25,8 u.ö.

Kommentar

Datierung Geboren 19.12.1784; gestorben Samstag, 23.02.1861
Erstmals ist hier eine deutsche Inschrift auf der Vorderseite eines Grabsteins unterhalb der hebräischen Inschrift angebracht.
Namenskunde Zu den Namen Uri und Phillip siehe den Kommentar zu Grabstein Nr. 0028 .

Beschreibung

Schrift Hebräisch: erhaben; Deutsch: vertieft

Zur Person

Philipp Hurwitz lebte in dem kleinen Ort Levern, der heute zur Gemeinde Stemwede gehört. Die Juden Leverns gehörten einige Jahre zur Synagogengemeinde Oldendorf und benutzten auch den hiesigen Friedhof mit, bis sie 1866 einen eigenen Friedhof anlegen konnten.
Der in Rahden geborene Metzger und Handelsmann Philipp Hurwitz zog 1830 mit seiner Frau Sara geb. Philippsthal aus Minden und den fünf Kindern Jacob (1819-1886), Julie (1821-1892), Itzig Isaac (geb. 1824), Herz (1827-1885) und Nathan (1829-1915) von Rahden nach Levern und wurde hier zum Stammvater einer weitverzweigten Familie. Viele seiner Ur- und Ururenkel ließen sich jedoch taufen.

Quellen / Sekundärliteratur

Hans-Joachim Karrasch: Der jüdische Friedhof Preußisch Oldendorf, Juli 2000, S. 37.
Stefanie Hillebrand: Jüdische Geschichte in Levern und Umgebung 1800-1938 (Quellen und Schriftum zur Kulturgeschichte des Wiehengebirgsraums, Reihe A, Bd. 7), Espelkamp 1996, S. 20.

Preußisch Oldendorf · 0039

 

Elieser ben Mosche Arje (Leffmann ­Löwenstein) [21.11.1863]

Diplomatische Transkription und Übersetzung

‎‏עזרי מעם ה׳‏‎ ›Mein Beistand kommt vom Ewigen,
‎‏עשה שמים וארץ‏‎ dem Schöpfer des Himmels und der Erde.‹
‎‏פ״ט‏‎ Hier ist geborgen
‎‏הבחור היקר כ״ה‏‎ der teure Junggeselle, der geehrte Herr
‎‏אליעזר בן החבר‏‎ 5 Elieser, Sohn des toragelehrten
‎‏ר׳ משה אריה הרבה‏‎ Herrn Mosche Arje. Reichhaltig
‎‏צדקותיו בישראל‏‎ (waren) seine Almosen in Israel,
‎‏וזכרו לברכה בן ל״ו‏‎ und sein Andenken (sei) zum Segen; im Alter von 36
‎‏שנה הלך לעולמו‏‎ Jahren ›ging er hin in seine Welt‹
‎‏י׳ כסלו תרכ״ד לפ״ק‏‎ 10 (am) 10. Kislev 624 der kleinen Zählung.
‎‏תנצב״ה‏‎ Seine Seele sei eingebunden in das Bündel des Lebens
  Westseite
Meine Hülfe kommt von dem
Ewigen, dem Schöpfer des Him-
mels und der Erde. Ps: 121,2
Hier ruht 15
Leffmann ­Löwenstein
geb. 11. Aug: 1827.
gest. 21. Nov: 1863.

 

  Zl 1f: Ps 121,2   Zl 9: Koh 12,5

Kommentar

Datierung Geboren 11.08.1827; gestorben Samstag, 21.11.1863
Namenskunde Der Name Leffmann geht auf den alten deutschen Namen "Liebmann" zurück, der schon seit dem Mittelalter als Pendant zum biblischen Namen Elieser verwendet wurde.

Beschreibung

Beschreibung Das quaderförmige Grabmal ist identisch gestaltet wie die nebenstehenden des Vaters (Nr. 0037 ) und der Mutter (Nr. 0038 ) und steht mit diesen auf einem gemeinsamen Sockel. Es wurde jedoch anders beschriftet: Seine deutsche Inschrift weist nicht nach Norden, wie bei den Grabsteinen der Eltern, sondern nach Westen.

Zur Person

Leffmann Löwenstein war ein Sohn des Handelsmanns Levi Abraham Löwenstein und der Brunette geb. Dreyer. Er blieb unverheiratet und zog mit seinem Bruder Marcus nach Lübbecke, wo er auch starb. Doch wurde er in Oldendorf neben seinen Eltern beigesetzt, im Gegensatz zu seinem Bruder Marcus Löwenstein, der in Lübbecke begraben wurde.

Zur Familie

Vater: Levi Abraham Löwenstein (Grabstein Nr. 0037 )
Mutter: Brunette Löwenstein geb. Dreyer (Grabstein Nr. 0038 )

Quellen / Sekundärliteratur

Hans-Joachim Karrasch: Der jüdische Friedhof Preußisch Oldendorf, Juli 2000, S. 22.

Preußisch Oldendorf · 0033

 

Max ­Cahen [25.05.1864]

Diplomatische Transkription

Max ­Cahen
geb. 17. Octo. 1862
gest. 25. Mai 1864.

Kommentar

Datierung Geboren 17.10.1862; gestorben 25.05.1864
Dies ist das erste erhaltene Grabmal auf diesem Friedhof, das keine hebräische Inschrift mehr aufweist und auch das erste, das in Form eines kleinen Kissensteines gestaltet wurde - es ist auf vielen jüdischen Friedhöfen zu beobachten, dass Neuerungen zuerst bei Kindergrabsteinen zu finden sind, bevor sie sich allgemein durchsetzen.

Zur Person

Der kleine Max war ein Sohn des Oldendorfer Färbers Wilhelm Cahen und seiner Frau Johanna geb. Meyer aus Bückeburg, die 1758 geheiratet hatten.

Zur Familie

Vater: Wilhelm Cahen (Grabstein Nr. 0025 )
Mutter: Johanna Cahen geb. Meyer (Grabstein Nr. 0026 )

Quellen / Sekundärliteratur

Dieter Besserer: Jüdisches Leben in der Stadt Preußisch Oldendorf, Preußisch Oldendorf 2014, S. 229f.

Preußisch Oldendorf · 0022

 

David ben Natan Grünberg (D. ­Grünberg) [01.09.1866]

Diplomatische Transkription und Übersetzung

‎‏ויקרבו ימי דוד למות‏‎ ›Und es nahten Davids Tage dem Tod‹
‎‏פ״נ‏‎ Hier ist begraben
‎‏ d ux rbnu‏‎ David, unser Herr
‎‏ u hi' wmu c...‏‎ und sein Name war ...
‎‏ d rkt m....‏‎ 5 (auf) dem Wege der ...
‎‏ה״ה הבחור דוד בן נתן גרינבערג‏‎ Es ist der Junggeselle David, Sohn des Natan Grünberg
‎‏[...]‏‎ [...]
  Rückseite
D. ­Grünberg

 

  Zl 1: 1Kön 2,1

Kommentar

Datierung Gestorben 01.09.1866 ; (s.u.)
Die Inschrift ist mit einem Zitat aus dem 1. Buch der Könige überschrieben, das den Bezug zum Namen David herstellt, der auch als Akrostichon erscheint zu Beginn der dreizeiligen Eulogie, die leider so stark verwittert ist, dass sie nicht mehr rekonstruiert werden konnte.

Stilmittel

Akrostichon in Zeilen 3-5: ‎‏דוד‏‎ David

Beschreibung

Zustand Die Inschrift ist stark verwittert und konnte nicht mehr vollständig entziffert werden, die wiedergegebene Lesung ist entsprechend unsicher. Das Grabmal wurde einzementiert, die untere(n) Zeile(n) sind verloren.

Zur Person

David Grünberg war ein Sohn des Handelsmannes Nathan Levi Grünberg und der Amalia Reichenberg zu Ibbenbüren. Der junge Handlungsgehilfe in Diensten des Levi Abraham Löwenstein (Grabstein Nr. 0037 ) starb am 01. September 1866 im Alter von 19 Jahren an Nervenfieber.

Preußisch Oldendorf · 0034

 

Chajim ben Jaakow KaZ (Heinemann ­Cahen) [09.01.1867]

Diplomatische Transkription und Übersetzung

‎‏פ״נ‏‎ Hier ist begraben
‎‏איש ישר ונאמן‏‎ ›ein aufrechter und getreuer Mann‹,
‎‏כ״ה חיים בן כ״ה‏‎ der geehrte Herr Chajim, Sohn des geehrten Herrn
‎‏יעקב כ״ץ אשר הלך‏‎ Jaakow KaZ, ›der in seine Welt
‎‏לעולמו זקן ושבע‏‎ 5 hin ging‹ ›betagt und satt
‎‏ימים יום ד׳ ג׳ שבט‏‎ an Tagen‹, Tag 4, 3. Schwat
‎‏תרכ״ז לפ״ק‏‎ 627 der kleinen Zählung.
‎‏תנצב״ה‏‎ Seine Seele sei eingebunden in das Bündel des Lebens
  Rückseite
Heinemann ­Cahen
geb. 23. Januar 1784 10
gest. 9. Januar 1867.

 

  Zl 2: Av 6,1   Zl 4f: Koh 12,5   Zl 5f: Gen 35,29

Kommentar

Datierung Geboren 23.02.1784; gestorben Mittwoch, 09.01.1867
Im Gegensatz zu den Grabsteinen des Vaters und der beiden Brüder trägt dieses Grabmal keine segnenden Priesterhände als Symbol für die Abstammung aus dem Geschlecht der Kohanim, der Hohepriester, die im Tempel für die Darbringung des Opfers zuständig waren und - mit der dargestellten Fingerhaltung - den Segen über das Volk sprachen und noch heute in der Synagoge sprechen. Doch bleibt die priesterliche Herkunft durch die Namen erkenntlich, im Hebräischen KaZ als Abkürzung für Kohen Zedek , "gerechter Priester", im Deutschen durch den 1808 angenommenen Familiennamen Cahen.
Namenskunde Der hebräische Name Chajim , wörtlich "Leben", findet sich in den deutschen Quellen meist in der Form "Heimann" oder "Heinemann".

Beschreibung

Ornament gestalterische Verzierung

Zur Person

Der Kaufmann Heinemann Cahen war ein Sohn von Rebecca Cahen geb. Meyer und Jacob Levi (= Jehuda Löb KaZ), der sich seit 1808 Jacob Levi Cahen nannte, Vorsteher der Oldendorfer Judenschaft und Beisitzer der ravensbergischen Landjudenschaft. 1820 heiratete er die aus Diepenau stammende Jette Henriette Wolfers. Der Sohn Wilhelm wurde 1825 geboren.

Zur Familie

Vater: Jacob Levi Cahen (Grabstein Nr. 0020 )
Gattin: Jette Cahen geb. Wolfers (Grabstein Nr. 0030 )
Sohn: Wilhelm Cahen (Grabstein Nr. 0025 )

Quellen / Sekundärliteratur

Dieter Besserer: Jüdisches Leben in der Stadt Preußisch Oldendorf, Preußisch Oldendorf 2014, S. 226-229.
Volker Beckmann: Die jüdische Bevölkerung der Landkreise Lübbecke und Halle i.W. vom Vormärz bis zur Befreiung vom Faschismus (1815-1945), Lage 2001, S. 71f., 146, 163.

Preußisch Oldendorf · 0037

 

Mosche Arje ben Awraham (Levi Abraham Löwenstein) [07.12.1867]

Diplomatische Transkription und Übersetzung

‎‏ואל משה אמר עלה אל ה׳‏‎ ›Und zu Mosche sprach er: Steig hinauf zum Ewigen‹!
‎‏פ״ט‏‎ Hier ist geborgen
‎‏איש יקר מאד ה״ה ר׳ משה‏‎ ein sehr teurer Mann, es ist Herr Mosche
‎‏אריה בן הח׳ ר׳ אברהם‏‎ Arje, Sohn des toragelehrten Herrn Awraham,
‎‏נכבד ואהוב לכל יודעיו‏‎ 5 geehrt und geliebt von allen, die ihn kannten,
‎‏פזר נתן לאביונים רץ‏‎ ›freigebig war er den Bedürftigen‹, ›schnell
‎‏כצבי וגבור כארי לעשות‏‎ wie der Hirsch und stark wie ein Löwe‹, zu erfüllen
‎‏רצון אביו שבשמים בן‏‎ den Willen seines Vaters im Himmel; im Alter von
‎‏פ״ז שנה הלך לעולמו י׳‏‎ 87 Jahren ›ging er hin in seine Welt‹ (am) 10.
‎‏כסלו ש״ק ויצא תרכ״ח לפ״ק‏‎ 10 Kislev, (am) heiligen Schabbat ›Und er zog aus‹, 628 der kleinen Zählung.
‎‏תנצב״ה‏‎ Seine Seele sei eingebunden in das Bündel des Lebens
  Rückseite
Wer Tugend säet, erntet sichern Lohn
Prov. 11,18.
Hier ruht Levi Abraham
Löwenstein geborn zu Pr. 15
Oldendorf im November 1780
gestorben zu Lübbecke am
7. December 1867.

 

  Zl 1: Ex 24,1   Zl 6: Ps 112,9   Zl 6f: Av 5,20   Zl 9: Koh 12,5   Zl 10: Gen 28,10

Kommentar

Datierung Geboren11.1780; gestorben Samstag, 07.12.1867
Die deutsche Inschrift ist, wie es hier üblich wurde, mit einem einzelnen Schriftzitat (unter Angabe der Zitatstelle) überschrieben, das keinen direkten Bezug zur Person des Verstorbenen aufweist, sondern quasi als allgemeine Charakterisierung für Levi Abraham Löwenstein - als tugendhafter Mann - und als Segenswunsch für sein zukünftiges Leben zu verstehen ist, in dem er die Früchte seines Tuns ernten wird. In der hebräischen Inschrift wählte man dagegen ein Zitat aus dem Buch Exodus, dass sich auf den Namensgeber, den biblischen Mosche/Moses bezieht, den Gott zu sich ruft. Hier wird auf den ersten jüdischen Namen Bezug genommen, der in den deutschen Quellen nicht erscheint, während für die folgende Eulogie das beliebte Zitat aus den Sprüchen der Väter vielleicht auch deshalb gewählt wurde, weil es durch den "starken Löwen" auf den zweiten jüdischen Namen, hier den Rufnamen Levi anspielt.
Zl 10: Angabe der Parascha, des Wochenabschnitts der Tora, dessen Lesung auf diesen Schabbat fiel (Genesis 28,10 - 32,3).
Namenskunde Der biblische Jehuda wird im Jakobssegen mit einem reissenden Löwen verglichen (Genesis 49,9). Daher kommt die Parallelität der Namen Jehuda , Arje (Hebräisch für "Löwe") und dem deutschen Löw oder Löb, das wiederum zu Levi werden konnte.

Beschreibung

Beschreibung Das Grabmal ist identisch gestaltet wie die nebenstehenden der Gattin (Nr. 0038 ) und des Sohnes (Nr. 0039 ) und steht mit diesen auf einem gemeinsamen Sockel.
Ornament gestalterische Verzierung
Zustand 2012: Ein aufgesetztes Seelengefäß fehlt, es wurde zwischen Juni und August 2010 gestohlen.

Zur Person

(Moses) Levi war ein Sohn des Abraham Samuel (auch Abraham Salomon), einem der wohlhabendsten jüdischen Einwohner Oldendorfs, der seit 1764 hier ansässig war, und der Merle Gumpel. 1805 übernahm er von seinem Vater das Schutzprivileg als Ordinarius und gründete einen eigenen Hausstand. Der Kaufmann handelte mit Woll- und Baumwollwaren, die er von der Leipziger Herbstmesse bezog, und besaß in Oldendorf ein Haus und mehrere Grundstücke. Verheiratet war er mit Brunette geb. Dreyer. 1808, kurz nach dem Tod des Vaters, nahm Levi Abraham den festen Familiennamen Löwenstein an. Die Tochter Henriette wurde 1811 geboren, der Sohn Wolf 1813, der früh verstorbene Sohn Perez 1821 und Leffmann im Jahr 1827. 1848 zahlte Levi Abraham Löwenstein fast ein Viertel des Gehaltes des von der Gemeinde angestellten Lehrers für die jüdischen Kinder.

Zur Familie

Vater: Abraham ben Perez (Grabstein Nr. 0013 )
Mutter: Chaja Merle bat Gumpel, Gattin des Awraham ben Sanvel (Grabstein Nr. 0012 )
Gattin: Brunette Löwenstein geb. Dreyer (Grabstein Nr. 0038 )
Söhne: Perez ben Mosche Arje (Grabstein Nr. 0008 ); Leffmann Löwenstein (Grabstein Nr. 0039 ); Wolf Löwenstein (Grabstein Nr. 0048 ); Jacob Löwenstein (Grabstein Nr. 0055 )
Tochter: Henriette Rhee geb. Löwenstein (Grabstein Nr. 0053 )

Quellen / Sekundärliteratur

Dieter Besserer: Jüdisches Leben in der Stadt Preußisch Oldendorf, Preußisch Oldendorf 2014, S. 156-160.
Volker Beckmann: Die jüdische Bevölkerung der Landkreise Lübbecke und Halle i.W. vom Vormärz bis zur Befreiung vom Faschismus (1815-1945), Lage 2001, S. 70-72., 146.

Preußisch Oldendorf · 0030

 

Jente bat Jizchak ⚭ Chajim KaZ (Jette ­Cahen gebr. ­Wolfers) [06.04.1868]

Diplomatische Transkription und Übersetzung

‎‏פ״נ‏‎ Hier ist begraben
‎‏האשה היקרה והנעימה‏‎ die teure und anmutsvolle Frau,
‎‏הגבירה מרת ינטה בת‏‎ die Herrin, Frau Jente, Tochter
‎‏כ״ה יצחק אשת כ״ה חיים‏‎ des geehrten Herrn Jizchak, Gattin des geehrten Herrn Chajim
‎‏כ״ץ הלכה לעולמה ביום‏‎ 5 KaZ, ›sie ging hin in ihre Welt‹ am Tag
‎‏ב׳ י״ד ניסן תרכ״ה לפ״ק‏‎ 2, 14. Nissan 625 der kleinen Zählung.
‎‏תנצב״ה‏‎ Ihre Seele sei eingebunden in das Bündel des Lebens
  Rückseite
Jette ­Cahen gebr. ­Wolfers
geb. 3. April 1802
gest. 6. April 1868 10

 

  Zl 5: Koh 12,5

Kommentar

Datierung Geboren 03.04.1802; gestorben Montag, 06.04.1868

Beschreibung

Beschreibung Das Grabmal wurde weitgehend identisch, nur etwas schlichter gestaltet wie das des ein Jahr früher gestorbenen Gatten.

Zur Person

Jette, auch Henriette, war eine Tochter des Kaufmanns Itzig Wolfers in Diepenau und der Täubchen Simon. 1820 heiratete sie den Oldendorfer Kaufmann Heinemann Cahen. Der Sohn Wilhelm wurde 1825 geboren.

Zur Familie

Gatte: Heinemann Cahen (Grabstein Nr. 0034 )
Sohn: Wilhelm Cahen (Grabstein Nr. 0025 )

Quellen / Sekundärliteratur

Dieter Besserer: Jüdisches Leben in der Stadt Preußisch Oldendorf, Preußisch Oldendorf 2014, S. 226-229.

Preußisch Oldendorf · 0038

 

Breine bat Seew Binjamin (Brunette Löwenstein geb. Dreyer) [29.03.1869]

Diplomatische Transkription und Übersetzung

‎‏חיים וחסד עשית עמדי‏‎ ›Leben und Liebe gewährtest du mir‹
‎‏פ״ט‏‎ Hier ist geborgen
‎‏אשת חיל חכמתה בנתה‏‎ ›die tüchtige Gattin‹, ›in Weisheit erbaute sie
‎‏ביתה כפה פרשה לעני‏‎ ihr Haus‹, ›ihre Hand öffnete sie dem Armen
‎‏וידיה שלחה לאביון‏‎ 5 und ihre Hände streckte sie aus dem Bedürftigen‹,
‎‏ה״ה האשה החשובה מרת‏‎ es ist die angesehene Frau, Frau
‎‏[ברי]ינה בת ר׳ זאב בנימן‏‎ Breine, Tochter des Herrn Seew Binjamin,
‎‏נולדה ר״ח ניסן תקמ״ו‏‎ geboren Neumond Nissan 546
‎‏לפ״ק הלכה לעולמה‏‎ der kleinen Zählung, und ›hingegangen in ihre Welt‹
‎‏י״ח ניסן תרכ״ט לפ״ק‏‎ 10 (am) 18. Nissan 629 der kleinen Zählung.
‎‏תנצב״ה‏‎ Ihre Seele sei eingebunden in das Bündel des Lebens
  Rückseite
Leben und Gnade hast Du mir gewährt
und deine Aufsicht
wacht über meinem Odem
Iob 10,12 15
Hier ruht Frau Brunette
Löwenstein geb. Dreyer
geboren im März 1788
gestorben den 29. März 1869.

 

  Zl 1: Ijob 10,12   Zl 3: Spr 31,10   Zl 3f: Vgl. Spr 9,1 und 14,1   Zl 4f: Spr 31,20   Zl 9: Koh 12,5

Kommentar

Datierung Geboren Donnerstag, 30.03.1786; gestorben Montag abend, 29.03.1869
Beide Inschriften sind mit demselben Zitat überschrieben, dass jedoch im hebräischen Text gekürzt erscheint.
Namenskunde Der Name Breine geht auf den alten Namen "Brune" von "Braun" bzw. "die Braunhaarige" zurück und war schon im Mittelalter bei jüdischen Frauen sehr beliebt. Mit "Brunette" wählte man im 19. Jahrhundert der Mode entsprechend die französische Entsprechung als Alltagsnamen. Der Vater trägt den Namen des biblischen Benjamin, der im Jakobssegen mit einem Wolf verglichen wird (Genesis 49,27), daher die Parallelität der Namen Binjamin, Seew (hebr. für Wolf) und dem deutschen Wolf, entsprechend wird vermutlich auch der Alltagsname des Vaters Wolf gelautet haben.

Beschreibung

Beschreibung Das Grabmal ist identisch gestaltet wie die nebenstehenden des Gatten (Nr. 0037 ) und des Sohnes (Nr. 0039 ) und steht mit diesen auf einem gemeinsamen Sockel, dies ist jedoch das einzige, bei dem das aufgesetzte Seelengefäß noch erhalten ist.

Zur Person

Brunette Dreyer war verheiratet mit dem Oldendorfer Levi Abraham Löwenstein. Die Tochter Henriette wurde 1811 geboren, der Sohn Wolf 1813, der früh verstorbene Sohn Perez 1821 und Leffmann im Jahr 1827.

Zur Familie

Gatte: Levi Abraham Löwenstein (Grabstein Nr. 0037 )
Söhne: Perez ben Mosche Arje (Grabstein Nr. 0008 ); Leffmann Löwenstein (Grabstein Nr. 0039 ); Wolf Löwenstein (Grabstein Nr. 0048 ); Jacob Löwenstein (Grabstein Nr. 0055 )
Tochter: Henriette Rhee geb. Löwenstein (Grabstein Nr. 0053 )

Quellen / Sekundärliteratur

Dieter Besserer: Jüdisches Leben in der Stadt Preußisch Oldendorf, Preußisch Oldendorf 2014, S. 156-160.

Preußisch Oldendorf · 0007

 

Fanny ­Neustädter [13.08.1873]

Levy ­Neustädter [16.01.1886]

Diplomatische Transkription und Übersetzung

‎‏ואני ידעתי גאלי‏‎ ›Ich weiß, dass mein Erlöser
‎‏חי ואחרון על‏‎ lebt, der meinem
‎‏עפר יקום ׃‏‎ Staube einst ersteht‹.
Ich weiß daß mein Erlöser lebt,
der meinem Staube einst ersteht 5
Iop. Kap. 19. V. 25.
Levy ­Neustädter
geboren 18. Octbr. 1814
gestorben 16. Januar 1886
Fanny ­Neustädter 10
geboren 23. Septbr. 1820
gestorben 13. August 1873

 

  Zln 1-3: Ijob 19,25

Kommentar

Datierung Fanny Neustädter: Geboren 23.09.1820; gestorben 13.08.1873
Levy Neustädter: Geboren 18.10.1814; gestorben 16.01.1886
Hier wird das hebräische Element auf ein einleitendes Zitat aus dem Buch Ijob (Hiob) beschränkt, das auf Deutsch wiederholt wird, gefolgt von den Inschriften für das Ehepaar.
Das Grabmal wurde erst 1886/87 nach dem Tod von Levy Neustädter gesetzt, vermutlich anstelle eines schlichteren oder provisorischen Grabmals für Fanny Neustädter.

Zur Person

Der Schlachter Levy Neustädter war ein Sohn des Oldendorfer Schlachters und Handelsmanns Simon Moses Neustädter (ca. 1779-1860) und der Täubchen Heidelberg (ca. 1786 - 1857). 1845 heiratete er die sechs Jahre jüngere Fanny Michel, Tochter des Kaufmanns Moses Michael und der Edel Davids in Westerkappeln.

Quellen / Sekundärliteratur

Dieter Besserer: Jüdisches Leben in der Stadt Preußisch Oldendorf, Preußisch Oldendorf 2014, S. 246-248.
Hans-Joachim Karrasch: Der jüdische Friedhof Preußisch Oldendorf, Juli 2000, S. 36.
Volker Beckmann: Die jüdische Bevölkerung der Landkreise Lübbecke und Halle i.W. vom Vormärz bis zur Befreiung vom Faschismus (1815-1945), Lage 2001, S. 70, 73f., 146, 163.

Preußisch Oldendorf · 0050

 

Arthur ­Löwenstein [12.05.1876]

Diplomatische Transkription

Hier ruhet
Arthur
­Löwenstein
geb. 12. August 1857
5 gest. 12. Mai 1876.
Friede seiner Asche

Kommentar

Datierung Geboren 12.08.1857; gestorben 12.05.1876

Beschreibung

Ornament florale Verzierung

Zur Person

Arthur Löwenstein war ein Sohn des Oldendorfer Kaufmanns Wolf Löwenstein und der Jeanette geb. Falk aus Beckum. Seine Eltern wurden später neben ihm beigesetzt.

Zur Familie

Vater: Wolf Löwenstein (Grabstein Nr. 0048 )
Mutter: Jeanette Loewenstein geb. Falk (Grabstein Nr. 0049 )

Quellen / Sekundärliteratur

Dieter Besserer: Jüdisches Leben in der Stadt Preußisch Oldendorf, Preußisch Oldendorf 2014, S. 203-205.

Preußisch Oldendorf · 0029

 

Theodor ­Cahen [17.02.1877]

Diplomatische Transkription

Theodor ­Cahen
geb. d. 17. Octbr. 1876
gest. d. 17. Febr. 1877

Kommentar

Datierung Geboren 17.10.1876; gestorben 17.02.1877

Beschreibung

Beschreibung Kissenstein

Zur Person

Der kleine Theodor war ein Sohn des Oldendorfer Färbers Wilhelm Cahen und seiner Frau Johanna geb. Meyer aus Bückeburg, die 1758 geheiratet hatten.

Zur Familie

Vater: Wilhelm Cahen (Grabstein Nr. 0025 )
Mutter: Johanna Cahen geb. Meyer (Grabstein Nr. 0026 )

Quellen / Sekundärliteratur

Dieter Besserer: Jüdisches Leben in der Stadt Preußisch Oldendorf, Preußisch Oldendorf 2014, S. 230.

Preußisch Oldendorf · 0006

 

Issachar ben Jaakow Hakohen (Bernhard ­Cahen) [30.09.1880]

Diplomatische Transkription und Übersetzung

‎‏מתים יחיה אל ברב חסדו ׃‏‎ Die Toten belebe Gott in der Fülle seiner Gnade
‎‏פ״נ‏‎ Hier ist begraben
‎‏איש צדיק ישר ונאמן‏‎ ein gerechter Mann, ›aufrecht und getreu‹,
‎‏יששכר בר יעקב הכהן‏‎ Issachar, Sohn des Jaakow Hakohen,
‎‏הלך לעלמו ביום ה׳‏‎ 5 ›er ging hin in seine Welt‹ am Tag 4,
‎‏כ״ה תשרי תקמ״א לפ״ק‏‎ 25. Tischri 541 der kleinen Zählung.
‎‏תנצב״ה‏‎ Seine Seele sei eingebunden in das Bündel des Lebens
  Rückseite
Hier ruhet
Bernhard ­Cahen,
geb. 3. Januar 1791, 10
gestorben 30. September 1880.

 

  Zl 3: Av 6,1   Zl 5: Koh 12,5

Kommentar

Datierung Geboren 03.01.1791; gestorben Donnerstag, 30.09.1880 ; (s.u.)
Zl 1: Der Vers entstammt dem Hymnus "Jigdal", das zu den liturgischen Stücken gehört, mit dem der Morgengottesdienst beginnt. Es bildet eine dichterische Form der von dem berühmten mittelalterlichen Philosophen Moses Maimonides formulierten dreizehn Glaubensgrundsätze, zu denen auch die Auferstehung der Toten gehört.
Zl 6: Die Jahreszahl ist falsch angegeben: ‎‏תקמ״א‏‎ / 541 statt ‎‏תרמ״א‏‎ / 641, vermutlich ein Fehler der Vorlage für den Steinmetz.
Namenskunde Der biblische Issachar (Jissachar) wird im Jakobssegen mit einem knochigen Esel verglichen (Genesis 49,14). Hierzulande wählte man anstelle des eher negativ besetzten Esels als Pendant den Bären (hebr. Dov), ein ebenfalls für seine Stärke und Ausdauer bekanntes Tier und gleichzeitig ein im christlichen Mittelalter sehr beliebter Name. Im 19. Jahrhundert wurde die mittelalterliche Form Bär/Ber/Berman dann gerne durch den bürgerlichen Namen Bernhard ersetzt.

Beschreibung

Symbol Segnende Hände
Ornament florale Verzierung; gestalterische Verzierung

Zur Person

Bernhard Cahen war ein Sohn von Rebecca Cahen geb. Meyer und Jacob Levi (= Jehuda Löb KaZ), der sich seit 1808 Jacob Levi Cahen nannte, Vorsteher der Oldendorfer Judenschaft und Beisitzer der ravensbergischen Landjudenschaft. 1823 heiratete der Kaufmann Henriette Kugelmann aus Lemförde. Der Sohn Jacob wurde 1824 geboren. Ein weiterer Sohn war vielleicht Meier Cahen, der 1844 als 17jähriger "ohne Konsens" nach Amsterdam auswanderte.

Zur Familie

Vater: Jehuda Löb KaZ (Grabstein Nr. 0020 )
Gattin: Henriette Cahen geb. Kugelmann (Grabstein Nr. 0005 )
Sohn: Jacob Cahen (Grabstein Nr. 0042 )

Quellen / Sekundärliteratur

Dieter Besserer: Jüdisches Leben in der Stadt Preußisch Oldendorf, Preußisch Oldendorf 2014, S. 138-140.
Volker Beckmann: Die jüdische Bevölkerung der Landkreise Lübbecke und Halle i.W. vom Vormärz bis zur Befreiung vom Faschismus (1815-1945), Lage 2001, S. 41, 71-73.

Preußisch Oldendorf · 0043

 

Emma ­Ehrlich [14.08.1880]

Julius ­Ehrlich [18.09.1881]

Diplomatische Transkription

Hier ruhen
  Linke Seite
Emma ­Ehrlich
geb. 4. März 1877
gest. 14. August 1880
  Rechte Seite
5 Julius ­Ehrlich
geb. 15. Juni 1878
gest. 18. Septbr. 1881

Kommentar

Datierung Emma Ehrlich: Geboren 04.03.1877; gestorben 14.08.1880
Julius Ehrlich: Geboren 15.06.1878; gestorben 18.09.1881
Grabstein eines Geschwisterpaares.

Beschreibung

Beschreibung Kissenstein

Zur Person

Die Geschwister Emma und Julius Ehrlich waren Kinder des Oldendorfer Handelsmanns Simon Ehrlich und der Sara geb. Herzfeld.

Zur Familie

Vater: Simon Ehrlich (Grabstein Nr. 0044 )
Mutter: Sara Ehrlich geb. Herzfeld (Grabstein Nr. 0054 )

Preußisch Oldendorf · 0052

 

Ida ­Cahen [17.04.1882]

Diplomatische Transkription

Hier ruhet
Ida ­Cahen
geb. d. 26. Febr. 1872
gest. d. 17. April 1882

Kommentar

Datierung Geboren 26.02.1872; gestorben 17.04.1882

Beschreibung

Symbol Mohnkapseln
Ornament florale Verzierung

Zur Person

Ida war eine Tochter des Oldendorfer Färbers Wilhelm Cahen und seiner Frau Johanna geb. Meyer aus Bückeburg, die 1758 geheiratet hatten. Wie ihre drei Brüder Max, Hermann und Theodor starb auch sie als Kind.

Zur Familie

Vater: Wilhelm Cahen (Grabstein Nr. 0025 )
Mutter: Johanne Cahen geb. Meyer (Grabstein Nr. 0026 )

Quellen / Sekundärliteratur

Dieter Besserer: Jüdisches Leben in der Stadt Preußisch Oldendorf, Preußisch Oldendorf 2014, S. 230.

Preußisch Oldendorf · 0049

 

Schönche bat Jehoschua ⚭ Binjamin ben Mosche Arje (Jeanette ­Loewenstein geb. ­Falk) [24.03.1883]

Diplomatische Transkription und Übersetzung

‎‏פ״נ‏‎ Hier ist begraben
‎‏האשה היקרה‏‎ die teure Frau,
‎‏מרת שינכה בת ר׳‏‎ Frau Schönche, Tochter des Herrn
‎‏יהושע אשת רבי‏‎ Jehoschua, Gattin des Herrn
‎‏בנימין ב״ר משה‏‎ 5 Binjamin, Sohn des Herrn Mosche
‎‏אריה מתה ביום‏‎ Arje, gestorben am Tage
‎‏ש״ק ט״ו אדר שני‏‎ des heiligen Schabbat, 15. des zweiten Adar,
‎‏ונקברה ביום ד׳‏‎ und begraben am Tag 4,
‎‏י״ט בו תרמ״ג לפ״ק‏‎ 19. desselben, 643 der kleinen Zählung.
‎‏תנצב״ה‏‎ 10 Ihre Seele sei eingebunden in das Bündel des Lebens
  Rückseite
Hier ruhet
Jeanette
­Loewenstein
geb. ­Falk
gebr. zu Beckum 15
d. 25. Septr. 1814,
gestb. zu Pr.
Oldendorf,
d. 24. März 1883
Sanft ruhe ihre Asche 20

Kommentar

Datierung Geboren 25.09.1814; gestorben Samstag, 24.03.1883 ; begraben vier Tage später;
Die hebräische Inschrift gibt nicht an, dass Jeanette Löwenstein an Schuschan Purim, dem Tag nach dem Purimfest starb (der nur in Jerusalem feierlich begangen wird) - einem Festtag zum Gedenken an die Errettung des jüdischen Volkes durch die Königin Ester vor der Verfolgung im Perserreich. Ebenfalls nicht ersichtlich wird aus der Inschrift, warum Jeanette Löwenstein erst vier Tage später beigesetzt wurde, obwohl doch die Religionsgesetze eine möglichst schnelle Beisetzung vorschreiben. Eine Beisetzung noch am selben Tag wäre auch jüdischerseits nicht möglich gewesen, da der Todestag auf einen Schabbat fiel, an dem aufgrund des Ruhegebots das Ausheben eines Grabes nicht hätte erfolgen können. Auch am folgenden Tag, einem Sonntag, wäre die Beisetzung wahrscheinlich noch nicht möglich gewesen, da aufgrund der Angst vor dem Scheintod allerorten eine etwa zweitägige Wartefrist zwischen Tod und Beisetzung eingeführt worden war, die von den Juden zwar nur sehr widerwillig übernommen, doch nur durch die Bescheinigung eines Amtsarztes (z.B. aufgrund ansteckender Krankheiten) außer Kraft gesetzt werden konnte. Auch gab es mancherorts Probleme, wenn sich die Christen durch eine jüdische Beerdigung in ihrer sonntäglichen Ruhe gestört fühlten. Doch warum wurde Jeanette Löwenstein nicht am folgenden Tag, einem Montag, sondern erst zwei Tage später am Mittwoch begraben?
Namenskunde Neben dem alten deutschen Namen "Schönche" - "die Schöne" wählte man im 19. Jahrhundert als bürgerlichen Namen gerne das gleichbedeutende französische "Jeanette", während der biblische Name Jehoschua (Josua) schon im Mittelalter mit dem deutschen Falk kombiniert wurde - die Angabe des Vatersnamens in der hebräischen Inschrift ("bat Jehoschua") und des Geburtsnamens in der deutschen Inschrift ("geb. Falk") entsprechen sich also.

Beschreibung

Schrift erhaben
Zustand Ein Aufsatz mit einem Seelengefäß, das auf einer Aufnahme von 1950 noch zu sehen ist, fehlt heute.

Zur Person

Jeanette war eine Tochter von Isaac Falk und Edel geb. Löwenstein aus Beckum. 1840 heiratete sie den Oldendorfer Kaufmann Wolf, Sohn des Levi Abraham Löwenstein. Der Sohn Arthur kam 1857 zur Welt.

Zur Familie

Gatte: Wolf Löwenstein (Grabstein Nr. 0048 )
Sohn: Arthur Löwenstein (Grabstein Nr. 0050 )

Quellen / Sekundärliteratur

Dieter Besserer: Jüdisches Leben in der Stadt Preußisch Oldendorf, Preußisch Oldendorf 2014, S. 202-205.

Preußisch Oldendorf · 0051

 

Hermann ­Cahen [09.10.1883]

Diplomatische Transkription

Hier ruhet
Hermann ­Cahen
geb. d. 22. Decbr. 1870
gest. d. 9. Octbr. 1883

Kommentar

Datierung Geboren 22.12.1870; gestorben 09.10.1883

Beschreibung

Symbol Mohnkapseln
Ornament florale Verzierung

Zur Person

Hermann war ein Sohn des Oldendorfer Färbers Wilhelm Cahen und seiner Frau Johanna geb. Meyer aus Bückeburg, die 1758 geheiratet hatten. Wie seine beiden Brüder Max und Theodor und seine Schwester Ida starb auch er als Kind.

Zur Familie

Vater: Wilhelm Cahen (Grabstein Nr. 0025 )
Mutter: Johanne Cahen geb. Meyer (Grabstein Nr. 0026 )

Quellen / Sekundärliteratur

Dieter Besserer: Jüdisches Leben in der Stadt Preußisch Oldendorf, Preußisch Oldendorf 2014, S. 230.

Preußisch Oldendorf · 0042

 

Jaakow (genannt Jakob Cahen) ben Issachar Hakohen (Jacob Cahen) [11.07.1884]

Diplomatische Transkription und Übersetzung

Hier ruht
Jacob Cahen
geb. den 1. Mai 1824
gest. den 11. Juli 1884
  Rückseite
‎‏מצבת קבורת איש תם וישר‏‎ 5 ›Grabmal‹ ›eines lauteren und aufrechten Mannes‹,
‎‏יעקב ב׳ יששכר הכהן‏‎ Jaakow, Sohn des Issachar Hakohen,
‎‏המכונ׳ יקב קאהען‏‎ genannt Jakob Cahen,
‎‏הלך לעולמו ביום י״ח תמוז‏‎ ›er ging hin in seine Welt‹ am 18. Tag des Tammus
‎‏תרמ״ד לפ״ק ׃‏‎ 644 der kleinen Zählung.
‎‏גם כי אלך בגיא צלמות לא אירא רע‏‎ 10 ›Auch wenn ich gehe im Tale des Todesschattens, fürcht' ich kein Leid,
‎‏כי אתה עמדי ׃ תהלי׳ כ״ג‏‎ denn du bist mit mir‹ Psalm 23
‎‏תנצב״ה‏‎ Seine Seele sei eingebunden in das Bündel des Lebens

 

  Zl 5: Gen 35,20 | Zl 5: Ijob 1,8   Zl 8: Koh 12,5   Zl 10f: Ps 23,4

Kommentar

Datierung Geboren 01.05.1824; gestorben Freitag, 11.07.1884
Bei diesem Grabmal weist heute die deutsche Inschrift nach vorne, Süden, während die hebräische Inschrift auf der Rückseite nach Norden zeigt. Allerdings scheint die hebräische Seite mit ihrer längeren Inschrift und dem Symbol der Priesterhände aufwändiger gestaltet. Möglicherweise wurde das Grabmal bei einer Restaurierung in der Nachkriegzeit falsch herum wieder aufgestellt - bei keinem anderen zweisprachig beschrifteten Grabstein in den 1880er Jahren weist hier die deutsche Seite nach vorne/Süden.
Zln 6-7: Der bekannte Psalm 23,4 wurde hier nach der Übersetzung von Leopold Zunz wiedergegeben.

Beschreibung

Schrift erhaben
Symbol Segnende Hände
Ornament florale Verzierung, insbesondere Palmette

Zur Person

Jacob Cahen war ein Sohn des Händlers Bernhard Cahen und der Henriette geb. Kugelmann.

Zur Familie

Vater: Bernhard Cahen (Grabstein Nr. 0006 )
Mutter: Henriette Cahen geb. Kugelmann (Grabstein Nr. 0005 )

Quellen / Sekundärliteratur

Dieter Besserer: Jüdisches Leben in der Stadt Preußisch Oldendorf, Preußisch Oldendorf 2014, S. 140f.
Hans-Joachim Karrasch: Der jüdische Friedhof Preußisch Oldendorf, Juli 2000, S. 19, 21.
Volker Beckmann: Die jüdische Bevölkerung der Landkreise Lübbecke und Halle i.W. vom Vormärz bis zur Befreiung vom Faschismus (1815-1945), Lage 2001, S. 146.

Preußisch Oldendorf · 0046

 

Sara bat Seew (Sarah ­Schutz geb. ­Wolff) [26.02.1886]

Diplomatische Transkription und Übersetzung

‎‏פ״נ‏‎ Hier ist begraben
‎‏אשת חיל עטרת ביתה‏‎ ›die tüchtige Gattin, Krone‹ ihres Hauses,
‎‏מרת שרה בת ר׳ זאב ז״ל‏‎ Frau Sara, Tochter des Herrn Seew, sein Andenken zum Segen,
‎‏נולדת בעשרה בטבת תקס״ט‏‎ geboren am Zehnten Tewet 569,
‎‏נאספה אל עמיה ביום‏‎ 5 ›versammelt zu ihrem Volke‹ am 21. Tag
‎‏כ״א אדר ראשון תרמ״ו לפ״ק ׃‏‎ des ersten Adar 646 der kleinen Zählung.
‎‏תנצב״ה ׃‏‎ Ihre Seele sei eingebunden in das Bündel des Lebens
‎‏אשה יראת יהוה היא תתהלל ׃‏‎ Eine Frau, die den Ewigen ehrfürchtet, sie sei gepriesen
  Rückseite
Hier ruht
Frau Sarah ­Schutz, geb. 10
­Wolff, geb. 3. Januar 1809
gest. am 26. Februar 1886
Ein gottesfürchtiges Weib
ist rühmenswerth

 

  Zl 2: Spr 12,4   Zl 5: Gen 25,8 u.ö.

Kommentar

Datierung Geboren Donnerstag, 29.12.1808; gestorben Freitag, 26.02.1886
Die nebeneinander stehenden Grabsteine der Eheleute wurden identisch gestaltet.
Die beiden Inschriften sind diesmal nicht, wie sonst häufig hier, mit einem Zitat überschrieben, sondern enden auf dasselbe Zitat aus dem vielzitierten "Lob auf die tüchtige Gattin", Sprüche 31,30.
Die Angaben des Geburtsdatums stimmen nicht überein: Das Geburtsdatum in der hebräischen Inschrift entspricht dem 29. Dezember 1808, das in der deutschen Inschrift angegebene Geburtsdatum fiel auf den 15. Tewet 569.
Namenskunde Der Vater trägt den Namen des biblischen Benjamin, der im Jakobssegen mit einem Wolf verglichen wird (Genesis 49,27), daher die Parallelität der Namen Binjamin, Seew (hebr. für Wolf) und dem deutschen Wolf. Die Angabe des Vatersnamens in der hebräischen Inschrift ("bat Seew") entspricht so der Angabe des Geburtsnamens in der deutschen Inschrift ("geb. Wolff").

Zur Person

Sara, eine geborene Wolff, war 1843 mit ihrem Mann, dem Schönfärber Emanuel Schutz, und ihrer dreijährigen Tochter Clara aus Rödinghausen im Kreis Herford nach Holzhausen bei Preußisch Oldendorf gezogen.

Zur Familie

Gatte: Emanuel Schutz (Grabstein Nr. 0045 )

Preußisch Oldendorf · 0044

 

Simon ­Ehrlich [14.05.1886]

Diplomatische Transkription und Übersetzung

‎‏גם כי אלך‏‎ ›Auch wenn ich gehe
‎‏בגיא צלמות לא‏‎ im Tale des Todesschattens, fürcht'
‎‏אירא רע כי אתה‏‎ ich kein Leid, denn du
‎‏עמדי שבטך‏‎ bist mit mir. Dein Stab
‎‏ומשענתך המה‏‎ 5 und deine Krücke - sie
‎‏ינחמי‏‎ trösten mich‹
  Rückseite
Hier ruht
Simon ­Ehrlich
geb. 26. Juni 1826,
gest. 14. Mai 1886. 10

 

  Zln 1-6: Ps 23,4

Kommentar

Datierung Geboren 26.06.1826; gestorben 14.05.1886
Der bekannte Psalm 23 wurde hier nach der Übersetzung von Leopold Zunz wiedergegeben. Er tritt hier anstelle einer vollständigen hebräischen Inschrift, die Angabe von Name und Daten bleibt der deutschen Inschrift vorbehalten.

Zur Person

Simon Ehrlich war ein Sohn des Oldendorfer Metzgers Abraham Ehrlich und der Marianne geb. Eichmann. 1858 heiratete er Sara, Tochter des Salomon Herzfeld aus Vörden im Kreis Höxter. 1864 kam der Sohn Georg zur Welt, 1869 die Zwillingsschwestern Laura und Rosa. 1877 wurde die Tochter Emma geboren, 1878 der Sohn Julius, die beide als Kinder starben. Simon Ehrlich führte in Oldendorf einen Laden für Geschirr, betrieb Kreditgeschäfte und betätigte sich auch als Schlachter, Alteisen- und Lumpenhändler.
Der Sohn Georg Ehrlich, der in Oldendorf eine Schlachterei und ein Getreidegeschäft betrieb, heiratete Alma Fels aus Kreiensen. 1904 kam die Tochter Käte zur Welt, es folgten die Tochter Irma und die Söhne Siegfried und Alfred. Mit der zunehmenden antijüdischen Hetze ging der Umsatz der Geschäfte seit Anfang der 1930er Jahre immer mehr zurück. Gleichzeitig verließen die meisten der noch hier lebenden Juden den Ort, so dass 1936 die Familie Ehrlich die letzte jüdische Familie in Oldendorf war. 1938 schließlich musste sie ihr Geschäft aufgeben und verkaufen. Georg und Alma Ehrlich zogen nach Frille, die beiden Söhne nach Hannover und Käte nach Frankreich.
Georg Ehrlich und Alma geb. Fels wurden im Juli 1942 nach Theresienstadt deportiert, ebenso wie die Schwiegereltern ihrer Tochter, Louis und Frieda Stein. Georg Ehrlich und Louis Stein starben dort wenige Monate später, Frieda Stein wurde im September 1942 in Treblinka ermordet und Alma Ehrlich wurde 1944 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Käte wurde im November 1942 von Drancy nach Auschwitz deportiert und ermordet. Siegfried, Irma, ihr Mann Werner Stein sowie Alfred und seine Frau Grete wurden im Dezember 1941 nach Riga deportiert, Siegfried und Irma wurden 1944 im KZ Stutthof ermordet, Grete und ihr in Riga geborenes Kind wurden in Auschwitz ermordet, Werner Stein in Dachau. Alfred Ehrlich überlebte als einzigster und kehrte nach Preußisch Oldendorf zurück.

Zur Familie

Vater: Abraham Ehrlich (Grabstein Nr. 0009 )
Mutter: Marianne Ehrlich geb. Eichmann (Grabstein Nr. 0001 )
Gattin: Sara Ehrlich geb. Herzfeld (Grabstein Nr. 0054 )
Kinder: Emma und Julius Ehrlich (Grabstein Nr. 0043 ); Laura Schönthal geb. Ehrlich (Grabstein Nr. 0057 )
Enkel: Alfred Ehrlich (Grabstein Nr. 0059 )

Quellen / Sekundärliteratur

Dieter Besserer: Jüdisches Leben in der Stadt Preußisch Oldendorf, Preußisch Oldendorf 2014, S. 166-168.
Dieter Besserer: "'Essen war der Hauptgedanke - wer umfiel wurde getötet'", in: Der Minden-Ravensberger, 68 (1996), S. 78-80 (auf Grundlage eines von Alfred Ehrlich verfassten Lebensberichts).
Volker Beckmann: Die jüdische Bevölkerung der Landkreise Lübbecke und Halle i.W. vom Vormärz bis zur Befreiung vom Faschismus (1815-1945), Lage 2001, S. 72, 146, 163.

Preußisch Oldendorf · 0045

 

Mordechai ben Aharon (Emanuel ­Schutz) [23.09.1887]

Diplomatische Transkription und Übersetzung

‎‏פ״נ‏‎ Hier ist begraben -
‎‏ה״ה מרדכי בר אהרן‏‎ es ist Mordechai, Sohn des Aharon,
‎‏אשר הלך תמים כל ימיו‏‎ der ging lauter all seine Tage
‎‏ומת בשם טוב בזקנה‏‎ und starb ›mit gutem Namen‹ in gutem
‎‏טובה ביום ה׳ תשרי‏‎ 5 Alter am 5. Tag des Tischri
‎‏תרמ״ח לפ״ק ׃‏‎ 648 der kleinen Zählung.
‎‏תנצב״ה‏‎ :‏‎ Seine Seele sei eingebunden in das Bündel des Lebens
  Rückseite
Hier ruht
Emanuel ­Schutz
geb. 21. März 1816 gest. 23. Septe. 1887 10
Der Eltern Segen
folgt den Kindern nach

 

  Zl 4: bBer 17a

Kommentar

Datierung Geboren 21.03.1816; gestorben Freitag, 23.09.1887
Die nebeneinander stehenden Grabsteine der Eheleute wurden identisch gestaltet.

Zur Person

Der Schönfärber Emanuel Schutz zog 1843 mit seiner Frau Sara geb. Wolff und seiner dreijährigen Tochter Clara aus Rödinghausen im Kreis Herford nach Holzhausen bei Preußisch Oldendorf und trat 1848 der Oldendorfer Synagogengemeinde bei.

Zur Familie

Gattin: Sarah Schutz geb. Wolff (Grabstein Nr. 0046 )

Quellen / Sekundärliteratur

Volker Beckmann: Die jüdische Bevölkerung der Landkreise Lübbecke und Halle i.W. vom Vormärz bis zur Befreiung vom Faschismus (1815-1945), Lage 2001, S. 16, 72f., 145f., 163.

Preußisch Oldendorf · 0053

 

Henriette ­Rhee geb. ­Löwenstein [11.11.1890]

Diplomatische Transkription

Hier ruht
Frau Henriette ­Rhee
geb. ­Löwenstein
geb. d. 14. Februar 1811
5 gest. d. 11. November 1890
Das Andenken der
Gerechten bleibt
zum Segen

Kommentar

Datierung Geboren 14.02.1811; gestorben 11.11.1890
Der Segenswunsch entstammt den Sprüchen 10,7.

Beschreibung

Beschreibung Grabmal in Form eines gebrochenen Baumes.
Zustand 2012: Möglicherweise war im eingesunkenen Sockel eine (hebräisch beschriftete?) Schriftplatte eingesetzt, die heute fehlt.

Zur Person

Henriette war eine Tochter des Kaufmanns Levi Abraham Löwenstein und der Brunette geb. Dreyer. Verheiratet war sie mit Marcus Leffmann Rhee. Mit ihm lebte sie zunächst in Borgholzhausen, bis Marcus Leffmann Rhee 1844 die Erlaubnis erhielt, in Oldendorf eine Lohgerberei anzulegen. Im selben Jahr wurde der Sohn Benjamin geboren. Offensichtlich trennte sich das Paar später, beide blieben jedoch zunächst in Oldendorf wohnen, bis Marcus Rhee 1858 nach Levern verzog.

Zur Familie

Vater: Levi Abraham Löwenstein (Grabstein Nr. 0037 )
Mutter: Brunette Löwenstein geb. Dreyer (Grabstein Nr. 0038 )

Quellen / Sekundärliteratur

Dieter Besserer: Jüdisches Leben in der Stadt Preußisch Oldendorf, Preußisch Oldendorf 2014, S. 237-241.
Hans-Joachim Karrasch: Der jüdische Friedhof Preußisch Oldendorf, Juli 2000, S. 37.
Volker Beckmann: Die jüdische Bevölkerung der Landkreise Lübbecke und Halle i.W. vom Vormärz bis zur Befreiung vom Faschismus (1815-1945), Lage 2001, S. 72.

Preußisch Oldendorf · 0048

 

Binjamin ben Mosche Arje (Wolf ­Löwenstein) [26.03.1892]

Diplomatische Transkription und Übersetzung

‎‏פ״נ‏‎ Hier ist begraben
‎‏ר׳ בנימין‏‎ Herr Binjamin,
‎‏ב״ר משה אריה‏‎ Sohn des Herrn Mosche Arje.
‎‏תנצב״ה‏‎ Seine Seele sei eingebunden in das Bündel des Lebens
  Rückseite
Hier ruht 5
Wolf ­Löwenstein
geb. 24. März 1813,
gest. 26. März 1892.
Friede sei mit ihm!

Kommentar

Datierung Geboren 24.03.1813; gestorben 26.03.1892
Namenskunde Der biblische Benjamin wird im Jakobssegen mit einem Wolf verglichen wird (Genesis 49,27), daher die Parallelität der Namen Binjamin, Seew (hebr. für Wolf) und dem deutschen Wolf.

Beschreibung

Zustand Ein aufgesetztes Seelengefäß, das auf einer Aufnahme von 1950 noch zu sehen ist, fehlt heute.

Zur Person

Der Kaufmann Wolf Löwenstein war ein Sohn des Oldendorfer Levi Abraham Löwenstein und der Brunette geb. Dreyer und betrieb in Oldendorf ein Wollwarengeschäft. 1840 hatte er die neben ihm ruhende Jeanette geb. Falk aus Beckum geheiratet. Der Sohn Arthur kam 1857 zur Welt.

Zur Familie

Vater: Levi Abraham Löwenstein (Grabstein Nr. 0037 )
Mutter: Brunette Löwenstein geb. Dreyer (Grabstein Nr. 0038 )
Gattin: Jeanette Loewenstein geb. Falk (Grabstein Nr. 0049 )
Sohn: Arthur Löwenstein (Grabstein Nr. 0050 )

Quellen / Sekundärliteratur

Dieter Besserer: Jüdisches Leben in der Stadt Preußisch Oldendorf, Preußisch Oldendorf 2014, S. 202-205.
Volker Beckmann: Die jüdische Bevölkerung der Landkreise Lübbecke und Halle i.W. vom Vormärz bis zur Befreiung vom Faschismus (1815-1945), Lage 2001, S. 72, 146.

Preußisch Oldendorf · 0056

 

Minna bat Philippine ⚭ Jaakow Loewenstein (Minna ­Loewenstein geb. ­Friedlaender) [16.12.1896]

Diplomatische Transkription und Übersetzung

Hier ruht
unsere beste Freundin,
meine gute Frau,
unsere geliebte Mutter
Frau Jacob 5
Loewenstein,
Minna geb. Friedlaender,
geb. zu Brilon am 25. Dezbr. 1833,
gest. zu Berlin am 16. Dezbr. 1896,
nach fast vierzigjähriger 10
glücklicher Ehe.
  Postament
Sie ist nicht tot,
sie schlummert nur.
  Rückseite
‎‏פ״נ‏‎ Hier ist begraben
‎‏האשה מנא‏‎ 15 die Frau Minna,
‎‏בת פהילפינא‏‎ Tochter der Philippine,
‎‏אשת יעקב‏‎ Gattin des Jaakow
‎‏לאוונשטיין‏‎ Loewenstein,
‎‏נפטרה ביום ד׳‏‎ verschieden am Tag 4,
‎‏י״א טבת שנת‏‎ 20 11. Tewet des Jahres
‎‏תרנ״ז לפ״ק נקברת‏‎ 657 der kleinen Zählung, begraben
‎‏ביום ו׳ י״ג טבת‏‎ am Tag 6, 13. Tewet
  Rückseite Postament
‎‏גָמְלָה חֶסֶד וָטוֹב כָּל‏‎ Sie erwies Liebeswerk und Gutes alle
‎‏יְמֵי חַיֶיהָ טְהֳורתַ לֵב‏‎ Tage ihres Lebens, reinen Herzens (wurde sie)
‎‏נֶאֱסְפָה בְּמִבְחַר‏‎ 25 versammelt in ihren besten
‎‏שְׁנותֵיהָ וֹטובַת טַעַם‏‎ Jahren und mit guter Einsicht
‎‏צָפְתָה הֲלִיכוֹת בֵּיתָהּ‏‎ überwachte sie die Führung ihres Hauses,
‎‏לִקְצוֹר בַּמָרוֹם פְּרִי‏‎ um zu ernten in der Höhe die Früchte
‎‏יְגִיעָתָהּ תּנצבּ״ה‏‎ ihrer Mühe. Ihre Seele sei ingebunden in das Bündel des Lebens

Kommentar

Datierung Geboren 25.12.1833; gestorben 16.12.1896
Die Grabmale der Eheleute Löwenstein wurden identisch gestaltet und stehen auf einem gemeinsamen Fundament. Auch die Inschriften sind parallel aufgebaut, die deutschen Inschriften sind für hiesige Verhältnisse sehr ausführlich und schließen mit einem Sinnspruch, den hebräischen Inschriften folgt eine mehrzeilige Eulogie, die auf Minnas Grabstein - einmalig hier in Oldendorf - vokalisiert wurde.
Ungewöhnlicherweise nennt die hebräische Grabinschrift für Minna anstelle des Namens ihres Vaters, Abraham, den Namen ihrer Mutter, Philippine.

Zur Person

Minna, auch Wilhelmine war eines von 16 Kindern des Kaufmanns Abraham Friedländer zu Brilon und der Philippine geb. Schönthal. 1857 heiratete sie den Oldendorfer Kaufmann Jacob Löwenstein. Das Paar hatte vier Kinder: Anna heiratete Moritz Heymann in Krefeld. Cläre, eine verheiratete Eichelgrün, zog nach Solingen. Alex ließ sich als Arzt in Elberfeld nieder und Willi blieb zunächst als Kaufmann in Preußisch Oldendorf und zog später nach Bremen.
Willi Löwenstein wurde 1942 von Hannover nach Theresienstadt deportiert und starb dort am 12. Juli 1943.

Zur Familie

Gatte: Jacob Loewenstein (Grabstein Nr. 0055 )
Tochter: Anna Heymann geb. Löwenstein (Neuer jüdischer Friedhof Krefeld, Grabstein Nr. e23,0135 )

Quellen / Sekundärliteratur

Dieter Besserer: Jüdisches Leben in der Stadt Preußisch Oldendorf, Preußisch Oldendorf 2014, S. 197-202.
Ursula Hesse: Jüdisches Leben in Alme, Altenbüren, Brilon, Madfeld, Messinghausen, Rösenbeck, Thülen. Von den Anfängen bis zur Gegenwart, Brilon 1991, S. 144 (Stammbaum der Familie Joseph Abraham Friedländer zu Brilon).

Preußisch Oldendorf · 0026

 

Channa bat Natan ⚭ Seew Cahen (Johanna ­Cahen geb. ­Meÿer) [07.04.1900]

Diplomatische Transkription und Übersetzung

‎‏פ״נ‏‎ Hier ist begraben
‎‏אשת חיל ישרה בכל מעשיה‏‎ ›die tüchtige Gattin‹, aufrecht in all ihren Taten,
‎‏עשתה צדקה כל ימיה‏‎ ›Wohltat erwies sie all ihre Tage ‹,
‎‏ה״ה מרת חנה בת ר׳ נתן‏‎ es ist Frau Channa, Tochter des Herrn Natan,
‎‏אשת זאב קאהן‏‎ 5 Gattin des Seew Cahen,
‎‏מתה ביום ז׳ ח׳ ניסן‏‎ gestorben am Tag 7, 8. Nissan,
‎‏ונקברה י״א ניסן תר״ס לפ״ק‏‎ und begraben 11. Nissan 660 der kleinen Zählung.
Johanna ­Cahen
geb. ­Meÿer,
geb. 6. Dez. 1828, 10
gest. 7. April 1900.
‎‏תנצב״ה‏‎ Ihre Seele sei eingebunden in das Bündel des Lebens

 

  Zl 2: Spr 31,10   Zl 3: Ps 106,3

Kommentar

Datierung Geboren 06.12.1828; gestorben Samstag, 07.04.1900 ; begraben am dritten Tag

Stilmittel

Reim auf -ejha in Zln 2-3.

Zur Person

Johanna war eine Tochter des Bankiers Nathan Meyer und der Julie geb. Simeon aus Bückeburg im Fürstentum Schaumburg-Lippe. 1858 heiratete sie den Oldendorfer Färber Wilhelm Cahen. Der 1862 geborene Sohn Max wurde keine zwei Jahre alt. Der 1870 geborene Hermann Cahen starb im Alter von knapp 13 Jahren. Die 1872 geborene Ida wurde nur zehn Jahre alt. In fortgschrittenem Alter wurde dem Paar ein weiteres Kind beschehrt, doch der Sohn Theodor starb 1877 ebenfalls im Alter von nur vier Monaten.

Zur Familie

Gatte: Wilhelm Cahen (Grabstein Nr. 0025 )
Söhne: Max Cahen (Grabstein Nr. 0033 ); Hermann Cahen (Grabstein Nr. 0051 ); Theodor Cahen (Grabstein Nr. 0029 )
Tochter: Ida Cahen (Grabstein Nr. 0052 )

Quellen / Sekundärliteratur

Dieter Besserer: Jüdisches Leben in der Stadt Preußisch Oldendorf, Preußisch Oldendorf 2014, S. 229f.
Hans-Joachim Karrasch: Der jüdische Friedhof Preußisch Oldendorf, Juli 2000, S. 38.

Preußisch Oldendorf · 0055

 

Jaakow ben Awraham (Jacob ­Loewenstein) [05.04.1906]

Diplomatische Transkription und Übersetzung

Hier ruht
unser treusorgender,
geliebter Vater
der Kaufmann
Jacob 5
­Loewenstein
geb. zu Pr. Oldendorf
am 29. Dezbr. 1819,
gest. zu Pr. Oldendorf
am 5. April 1906. 10
  Postament
Wenn das Leben köstlich gewesen,
so ist es Mühe und Arbeit gewesen.
  Rückseite
‎‏פ״נ‏‎ Hier ist begraben
‎‏אבינו מורינו‏‎ unser Vater, unser Lehrer,
‎‏יעקב‏‎ 15 Jaakow,
‎‏בן אברהם‏‎ Sohn des Awraham,
‎‏מת בזקנה‏‎ betagt gestorben
‎‏בשבעה ושמונים‏‎ in seinem siebenundachtzigsten
‎‏שנה ביום י׳ ניסן‏‎ (Lebens)jahr am 10. Tag des Nissan
‎‏תרס״ו לפ״ק‏‎ 20 666 der kleinen Zählung.
‎‏תנצב״ה‏‎ Seine Seele sei eingebunden in das Bündel des Lebens
  Postament
‎‏טוב שם משמן טוב‏‎ ›Besser ein guter Name als gutes Salböl‹,
‎‏קבורת איש גדול קבורת‏‎ Grabstätte eines großen Mannes, Grabstätte des
‎‏יעקב בן אברהם‏‎ Jaakow, Sohn des Awraham,
‎‏הלך בארחות תורה‏‎ 25 er wandelte die Pfade der Weisung
‎‏ומוסר ׃ רועה עדתו‏‎ und der Zucht, ein Hirte seiner Gemeinschaft
‎‏בחכמה וצדק ׃ שמו‏‎ in Weisheit und Wohltat, sein Name
‎‏מהולל בדורותיו ובאחריו‏‎ ist gepriesen in seiner Generation und nach ihm

 

  Zl 22: Koh 7,1

Kommentar

Datierung Geboren 29.12.1819; gestorben Donnerstag, 05.04.1906
Die Grabmale der Eheleute Löwenstein wurden identisch gestaltet und stehen auf einem gemeinsamen Fundament. Auch die Inschriften sind parallel aufgebaut, die deutschen Inschriften sind für hiesige Verhältnisse sehr ausführlich und schließen mit einem Sinnspruch (hier aus Psalm 90), den hebräischen Inschriften folgt eine mehrzeilige Eulogie.
Zln 11-12: Psalm 90,10.

Zur Person

Der Kaufmann Jacob Löwenstein war ein Sohn des Kaufmanns Levi Abraham Löwenstein und der Brunette geb. Dreyer. Verheiratet war er mit der neben ihm ruhenden Wilhelmine Minna geb. Friedländer aus Brilon. Das Paar hatte vier Kinder: Anna heiratete Moritz Heymann in Krefeld. Cläre, eine verheiratete Eichelgrün, zog nach Solingen. Alex ließ sich als Arzt in Elberfeld nieder und Willi blieb zunächst als Kaufmann in Preußisch Oldendorf und zog später nach Bremen.
Willi Löwenstein wurde 1942 von Hannover nach Theresienstadt deportiert und starb dort am 12. Juli 1943.

Zur Familie

Vater: Levi Abraham Löwenstein (Grabstein Nr. 0037 )
Mutter: Brunette Löwenstein geb. Dreyer (Grabstein Nr. 0038 )
Gattin: Minna Loewenstein geb. Friedlaender (Grabstein Nr. 0056 )
Tochter: Anna Heymann geb. Löwenstein (Neuer jüdischer Friedhof Krefeld, Grabstein Nr. e23,0135 )

Quellen / Sekundärliteratur

Dieter Besserer: Jüdisches Leben in der Stadt Preußisch Oldendorf, Preußisch Oldendorf 2014, S. 197-202.
Ursula Hesse: Jüdisches Leben in Alme, Altenbüren, Brilon, Madfeld, Messinghausen, Rösenbeck, Thülen. Von den Anfängen bis zur Gegenwart, Brilon 1991, S. 144 (Stammbaum der Familie Joseph Abraham Friedländer zu Brilon).
Volker Beckmann: Die jüdische Bevölkerung der Landkreise Lübbecke und Halle i.W. vom Vormärz bis zur Befreiung vom Faschismus (1815-1945), Lage 2001, S. 73, 146.

Preußisch Oldendorf · 0054

 

Sara bat Schlomo (Sophie ­Ehrlich geb. ­Herzfeld) [05.12.1912]

Diplomatische Transkription und Übersetzung

Hier ruht
Sophie ­Ehrlich
geb. ­Herzfeld,
geb. 23. Aug. 1838, gest. 5. Dec. 1912.
Ein gottesfürchtig Weib allein 5
wird immer die Gerühmte sein.
Spr. Sal. 31.30.
‎‏פ״נ‏‎ Hier ist begraben
‎‏שרה בת שלמה‏‎ Sara, Tochter des Schlomo,
‎‏אשת חיל‏‎ 10 ›die tüchtige Gattin,
‎‏עטרת בעלה‏‎ Krone ihres Gatten‹
‎‏ותפארת בניה‏‎ ›und Zierde ihrer Kinder‹,
‎‏מתה ביום כ״ו‏‎ gestorben am 26. Tag
‎‏כסלו תרע״ג לפ״ק‏‎ des Kislev 673 der kleinen Zählung.
‎‏תנצב״ה‏‎ 15 Ihre Seele sei eingebunden in das Bündel des Lebens

 

  Zl 10f: Spr 12,4   Zl 12: Spr 17,6

Kommentar

Datierung Geboren 23.08.1838; gestorben Donnerstag abend, 05.12.1912
Vergleiche das deutsche Zitat aus den Sprüchen hier mit demselben Zitat auf Grabstein Nr. 0046 .

Beschreibung

Ornament gestalterische Verzierung

Zur Person

Sara, eine Tochter des Handelsmanns Salomon Herzfeld aus Vörden im Kreis Höxter, heiratete 1858 den Oldendorfer Handelsmann Simon, Sohn des Metzgers Abraham Ehrlich. 1869 kamen ihre Zwillingstöchter Laura und Rosa zur Welt. 1877 wurde die Tochter Emma geboren, 1878 der Sohn Julius, die beide als Kinder starben.

Zur Familie

Gatte: Simon Ehrlich (Grabstein Nr. 0044 )
Kinder: Emma und Julius Ehrlich (Grabstein Nr. 0043 ) Laura Schönthal geb. Ehrlich (Grabstein Nr. 0057 )
Enkel: Alfred Ehrlich (Grabstein Nr. 0059 )

Quellen / Sekundärliteratur

Dieter Besserer: Jüdisches Leben in der Stadt Preußisch Oldendorf, Preußisch Oldendorf 2014, S. 166-168.
Hans-Joachim Karrasch: Der jüdische Friedhof Preußisch Oldendorf, Juli 2000, S. 43.

Preußisch Oldendorf · 0025

 

Seew ben Chajim Cahen (Wilhelm ­Cahen) [24.05.1913]

Diplomatische Transkription und Übersetzung

‎‏פ״נ‏‎ Hier ist begraben
‎‏איש תם וישר‏‎ ›ein lauterer und aufrechter Mann‹,
‎‏הלך תמים ופעל‏‎ ›er wandelte in Lauterkeit und wirkte
‎‏צדק‏‎ Wohl‹,
‎‏ירא אלהים כל ימיו‏‎ 5 gottesfürchtig all seine Tage,
‎‏צדיק באמונתו חיה‏‎ ›ein Gerechter, der in seinem Glauben lebte,‹,
‎‏ר׳ זאב בן חיים‏‎ Herr Seew, Sohn des Chajim
‎‏כאהען‏‎ Cahen,
‎‏מת בשיבה טובה ביום‏‎ gestorben ›in gutem Greisenalter‹ am 17.
‎‏י״ז אייר תרע״ג לפ״ק‏‎ 10 Tag des Ijar 673 der kleinen Zählung.
Wilhelm ­Cahen,
geb. 7. Juni 1825, gest. 24. Mai 1913.
‎‏תנצב״ה‏‎ Seine Seele sei eingebunden in das Bündel des Lebens

 

  Zl 2: Ijob 1,8   Zl 3f: Ps 15,2   Zl 6: Hab 2,4   Zl 9: Gen 25,8

Kommentar

Datierung Geboren 07.06.1825; gestorben Samstag, 24.05.1913
Die aus beliebten Zitaten zusammengesetzte Eulogie wurde vermutlich einem Musterbuch entnommen, sie findet sich in identischer Form zum Beispiel in Schalom ha-Cohens 1820 in Wien erschienenen Briefsteller Ketav joscher und im Sefer Hachajim, dem "Israelitischen Andachtsbuch" von Salomon Ephraim Blogg (erste Auflage Hannover 1848, vierte verbesserte Auflage Hannover 1866/67, S. 311: Grabschrift "für einen tugendhaften Greis").

Zur Person

Wilhelm Cahen wurde laut der archivalischen Quellen im Personenstandsarchiv Detmold am 3. und nicht am 7. Juni 1825 in Oldendorf geboren als Sohn des Handelsmanns Heinemann Cahen und der Henriette Jette geb. Wolfers. 1858 heiratete der Färber Johanna Meyer aus Bückeburg, die neben ihm beigesetzt wurde. Der 1862 geborene Sohn Max wurde keine zwei Jahre alt. Der 1870 geborene Hermann Cahen starb im Alter von knapp 13 Jahren. Die 1872 geborene Ida wurde nur zehn Jahre alt. In fortgschrittenem Alter wurde dem Paar ein weiteres Kind beschehrt, doch der Sohn Theodor starb 1877 ebenfalls im Alter von nur vier Monaten.

Zur Familie

Vater: Heinemann Cahen (Grabstein Nr. 0034 )
Mutter: Jette Cahen geb. Wolfers (Grabstein Nr. 0030 )
Gattin: Johanna Cahen geb. Meyer (Grabstein Nr. 0026 )
Söhne: Max Cahen (Grabstein Nr. 0033 ); Hermann Cahen (Grabstein Nr. 0051 ); Theodor Cahen (Grabstein Nr. 0029 )
Tochter: Ida Cahen (Grabstein Nr. 0052 )

Quellen / Sekundärliteratur

Dieter Besserer: Jüdisches Leben in der Stadt Preußisch Oldendorf, Preußisch Oldendorf 2014, S. 229f.
Volker Beckmann: Die jüdische Bevölkerung der Landkreise Lübbecke und Halle i.W. vom Vormärz bis zur Befreiung vom Faschismus (1815-1945), Lage 2001, S. 73, 146, 163.

Preußisch Oldendorf · 0047

 

Nathan ­Goldschmidt [16.06.1919]

Henriette ­Goldschmidt geb. ­Meyer [28.01.1937]

Diplomatische Transkription und Übersetzung

Hier ruhen
Nathan ­Goldschmidt
✱ 17.12.1839 † 16.6.1919
Henriette ­Goldschmidt,
geb. ­Meyer 5
✱ 31.7.1850 † 28.1.1937
‎‏תנצב״ה‏‎ Ihre Seele seien eingebunden in das Bündel des Lebens

Kommentar

Datierung Nathan Goldschmidt: Geboren 17.12.1839; gestorben 16.06.1919
Henriette Goldschmidt: Geboren 31.07.1850; gestorben 28.01.1937
Das Kreuz als Symbol für "gestorben" wird aufgrund seiner christlichen Konotation auf jüdischen Grabsteinen meist vermieden. Dieses Grabmal wurde vermutlich erst 1937 beim Tod der Gattin gesetzt und vermutlich gab es damals niemanden mehr in der inzwischen durch Abwanderung stark geschrumpften jüdischen Gemeinde Oldendorf, der die Einhaltung von Traditionen überwacht oder sich am Gebrauch des Kreuzes hätte stören können.

Beschreibung

Lage Vergleicht man den heutigen Standort des Grabsteines mit einer Aufnahme des Friedhofs aus dem Jahr 1937, so scheint, dass das Grabmal damals im Süden und nicht im Norden des Friedhofs stand.

Zur Person

Nathan und Henriette Goldschmidt stammten aus Rödinghausen, zogen zunächst nach Harlinghausen und ließen sich dann in Preußisch Oldendorf nieder.

Quellen / Sekundärliteratur

Dieter Besserer: Jüdisches Leben in der Stadt Preußisch Oldendorf, Preußisch Oldendorf 2014, S. 215-217.
Volker Beckmann: Die jüdische Bevölkerung der Landkreise Lübbecke und Halle i.W. vom Vormärz bis zur Befreiung vom Faschismus (1815-1945), Lage 2001, S. 145, 163.

Preußisch Oldendorf · 0057

 

Laura ­Schönthal geb. ­Ehrlich [05.09.1934]

Diplomatische Transkription

  Linke Seite
Laura ­Schönthal
geb. ­Ehrlich
geb. 3.5.1869,
gest. 5.9.1934.

Kommentar

Datierung Gestorben 05.09.1934
Die rechte Seite dieses Doppelgrabsteins blieb unbeschriftet. Vermutlich wurde hier jedoch

Beschreibung

Symbol Davidstern

Zur Person

Laura war ein Zwillingskind, sie und ihre Zwillingsschwester Rosa waren Töchter des Oldendorfer Handelsmanns Simon Ehrlich und der Sara geb. Herzfeld. 1901 heiratete sie den Metzger Siegmund, Sohn des Metzgers Moses Schönthal aus Altendorf. Das Paar lebte zunächst in Rödinghausen, dann in Holzhausen. Nach dem Tod seiner Frau verließ Siegmund Schönthal Oldendorf und zog nach Hannover, wo er 1938 starb. Da jedoch 1938 noch eine Beisetzung in Oldendorf stattfand, wie aus einer Akte im Stadtarchiv zu ersehen ist, wurde Siegmund Schönthal vermutlich in Oldendorf neben seiner Gattin beigesetzt, der Grabstein jedoch nicht mehr beschriftet.

Zur Familie

Vater: Simon Ehrlich (Grabstein Nr. 0044 )
Mutter: Sara Ehrlich geb. Herzfeld (Grabstein Nr. 0054 )

Quellen / Sekundärliteratur

Dieter Besserer: Jüdisches Leben in der Stadt Preußisch Oldendorf, Preußisch Oldendorf 2014, S. 265-267.
Volker Beckmann: Die jüdische Bevölkerung der Landkreise Lübbecke und Halle i.W. vom Vormärz bis zur Befreiung vom Faschismus (1815-1945), Lage 2001, S. 146.