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Essen, Segerothfriedhof 751 inscriptions (1885-1942)

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ID seg-274
Lizenz Creative Commons Attribution-BY 4.0 International Licence [CC BY]
Zitation Digitale Edition ─ Jüdischer Friedhof Essen, Segerothfriedhof, seg-274: http://steinheim-institut.de/cgi-bin/epidat?seg-274

Name

Margarete Sylvant Suschny [16.03.1912]          

Diplomatische Transkription

‎‏הן יקטלני לו [איחל] | ‏‎

Tötet Er |3| ‏‎[mich] auch, ich harre | ‏‎[auf I]hn. Hiob 13.15 | ‏‎[Hier ruht] die Sängerin |6| ‏‎[Margarete] Sylvant Suschny | ‏‎geb. 1886 zu Wien | ‏‎gest. 16. März 1912 in Essen |9| ‏‎infolge Brandunglücks | ‏‎Gewidmet von ihren Collegen | ‏‎Cabaret-Revue Köln |12| ‏‎u. Direktion Colosseumtheater

Übersetzung

Tötet Er mich auch, ich harre auf Ihn

 

 Zl 1: Ijob 13,15

Kommentar

Datierung Geboren 1886; gestorben 16.03.1912
Michael Brocke beschrieb 1993 dieses Grabmal folgendermaßen: "Einer der vielen kleinen Einzelsteine, der sich nicht darin von der Mehrzahl der anderen abhebt, daß er ein einzelnes Zitat, und zwar einen ganzen Schriftvers, unvermittelt und nicht mit anderen Passagen verbunden, über den 'persönlichen' Text setzt, wie es hier bei vielen Steinen geschah, sondern der sich durch besonderen traurigen Anlaß unterscheidet: Sein hebräischer Text ist Hiob 13,15, der auch darunter deutsch wiedergegeben ist als: 'Tötet Er mich auch. Ich harre auf Ihn. Hiob 13,15'. Die 'informative' Inschrift macht uns die Wahl dies auf jüdischen Steinen unüblichen und äußerst selten nur gebrauchten Zitats aber einigermaßen einsichtig. [...] Dennoch darf dazu bemerkt sein, daß die Buchstaben des hebräischen Hiob-Zitats in schwungvollstem Jugtendstil, geradezu walzerhaft wienerisch gezeichnet sind." [Jüdisches Leben, s.u., S. 117].

Beschreibung

Lage Feld 03, Reihe 03, Grab 036
Zustand 1985 Das Grabmal ist mehrfach gebrochen, mehrere Teile der linken Seite fehlen.
2015 Unverändert.

Zur Person

Die aus Wien stammende "Vortrags-Soubrette" Margarete Suschny, mit Künstlernamen Grete Sylvant, hatte in den Wochen vor ihrem Tod Engagements im Alhambra Club in Mülheim/Ruhr und im Essener Cabaret Lichtpalast. Die Grabinschrift lässt vermuten, dass sie zuvor auch im Colosseum am Essener Kopstadtplatz engagiert gewesen war, das 1889 von der Witwe Mathilde Wolff eröffnet worden war und bis 1929 zu den bekanntesten Revue- und Operetten-Theatern im Westen Deutschlands zählte. In der Zeitschrift Cabaret Revue, dem offiziellen Organ der Cabaret-Direktoren und Cabaret-Künstler, wurde das Ungklück, dem Grete Sylvant zum Opfer fiel, beschrieben:
"Ein furchtbares Unglück, dem ein junges Leben zum Opfer fiel, ereignete sich am Freitag Abend, den 15. März, 1/2 8 Uhr im Colosseumtheater in Essen. Die Vortragskünstlerin Fräulein Grete Sylvant wollte sich in ihrem Zimmer auf einem kleinen Spirituskocher etwas wärmen und stellte die volle Spiritusflasche unvorsichtiger Weise dem brennenen Kocher zu nahe. Plötzlich ein furchtbarer Krach. - Die Flasche war explodiert und es goß sich der ganze Inhalt brennend über Grete Sylvant. Ein furchtbarer Moment. In eine Feuersäule verwandelt rannte sie durch den Korridor und wieder zurück in ihr Zimmer, wo der Brand schon furchtbar hauste. In diesem Moment stürzte sich der Komiker Seppl Dammhofer in das brennende Zimmer um seine Kollegin zu retten, Rauch und Feuer trieb ihn aber wieder zurück. Ohne an sich selbst zu denken stürzte er sich in das Feuer, faßte seine lichterloh brennende Kollegin und trug sie, unterstützt von dem Baritonsänger der Kapelle 'Colombo' aus dem Zimmer, erstickte mit einer Bettdecke das Feuer und riß ihr die noch brennenden Kleider vom Leibe. Furchtbar verbrannt trug man sie in das nächste Zimmer, wo die durch den Lärm und das Feuer herbei geeilten Kollegen sich ihrer annahmen. Seppl Dammhofer eilte dann wieder in das brennende Zimmer, riß das brennende Bett auseinander, die flammenden Gardinen herunter und löschte mit der inzwischen alarmierten Feuerwehr den Brand und verhütete so ein größeres Unglück. Dammhofer verbrannte sich dabei sehr stark beide Hände. Unterdessen war ein Arzt erschienen, der sich der armen Sylvant annahm. Schrecklich verbrannt legte man ihr einen Notverband an, und dann wurde sie sofort nach dem Hüssenstift überführt, wo sie nach 14 Stunden unter furchtbaren Schmerzen verstarb. Grete Sylvant heißt mit ihrem Familiennamen Marg. Suschny, geboren im Jahre 1886 in Wien. Sie hinterläßt nur einen schwachsinnigen Bruder, den sie immer unterstützte. Sie ist jüdisch und wurde Dienstag, den 19. März auf dem israelitischen Friedhof beerdigt. In Grete Sylvant verlieren wir eine liebe Kollegin und wer sie gekannt hat wird sie auch betrauern. Möge die Erde ihr leicht sein!"

Quellen / Sekundärliteratur

Jüdisches Leben in Essen 1800-1933, hrsg. von der Alten Synagoge (Studienreihe der Alten Synagoge, Bd. 1), Essen 1993, S. 116 (Abbildung des Grabmals) und 117.
Cabaret Revue. Offizielles Organ der Cabaret-Direktoren und Cabaret-Künstler, 11 Jg., Nr. 28 (24.02.1912), S. 53; Nr. 29 (10.03.1912), S. 36+46; Nr. 30 (24.03.1912), S. 5.
Nathanja Hüttenmeister: Erforschenswert. Der jüdische Friedhof in Essen-Segeroth, in: Kalonymos 2012, Heft 2, S. 13f.

Fotografien

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Hüttenmeister, Nathanja; Martin, Anna

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Zitation der Inschrift

Digitale Edition ─ Jüdischer Friedhof Essen, Segerothfriedhof, seg-274
URL: http://www.steinheim-institut.de/cgi-bin/epidat?id=seg-274
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