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Immenrode 24 Inschriften (1862-1898)

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ID imr-4
Lizenz Creative Commons Attribution-BY 4.0 International Licence [CC BY]
Zitation Digitale Edition ─ Jüdischer Friedhof Immenrode, imr-4: http://steinheim-institut.de/cgi-bin/epidat?imr-4

Name

Perez ben Refael (Peritz Baumann) [29.06.1867]            

Diplomatische Transkription und Übersetzung

Hier ruht in Gott
unser theurer Gatte u. Vater
Peritz Baumann
Lehrer u. Vorsänger d. israel. Gem.
zu Immenrode 5
geb. d. 18 Mai 1805
gest. d. 20 Juni 186[7]
Friede seiner Asche
 Rückseite
‎‏פ״נ‏‎ Hier ist begraben
‎‏האיש היקר ונאמן‏‎ 10 der teure Mann und getreu
‎‏במלאכתו מלאכת הקדש‏‎ in seinem Werk, dem heiligen Werk,
‎‏המלמד וש״ץ ומוהל דק״ק‏‎ der Lehrer und Vorbeter und Beschneider der heiligen Gemeinde
‎‏איממענראדע כהר״ר פר[ץ]‏‎ Immenrode, der geehrte Meister, Herr Perez,
‎‏בר רפאל נפטר ביום ש״ק‏‎ Sohn des Refael, verschieden am Tage des heiligen Schabbat,
‎‏... סיון ונקבר‏‎ ...‏‎ 15 ... Sivan, und begraben ...
‎‏...‏‎ ...
‎‏תנצב״ה‏‎ Seine Seele sei eingebunden in das Bündel des Lebens

Kommentar

Datierung Geboren 18.05.1805; gestorben Samstag, 29.06.1867 ; (s.u.)
Die Lesung der Sterbedaten ist nicht eindeutig. Laut hebräischer Inschrift starb Peritz Baumann an einem Schabbat im Monat Sivan, der stark verwitterten deutschen Inschrift nach anscheinend an einem 20. Juni in den 1860er Jahren. Am 3. Dezember 1867 erschien in der "Allgemeinen Zeitung des Judenthums" eine Stellenausschreibung für eine "Lehrer-, Vorbeter- und Schächterstelle", da diese "durch den Tod des bisherigen Inhabers [...] vakant geworden" war. Daher muss das Jahr 1867 als Sterbejahr angenommen werden. In jenem Jahr fiel der 20. Juni auf einen Donnerstag, der 29. Juni aber auf Samstag, Schabbat, den 26. Sivan 627. Daher muss hier in der deutschen Inschrift vermutlich "29." statt "20. Juni 186[7]" gelesen werden.

Beschreibung

Lage Grabstein Nr. 004 (Neues Gräberfeld, Westliche Reihe, 4. Grabstein von Süden)
Beschreibung Stele mit abgesetztem Abschluss.
Zustand 2010: Der Grabstein, der ältere Restaurierungsspuren aufweist, ist unterhalb der Schriftfläche gebrochen und liegt. Die Inschriften sind stark verwittert. 2012: Das Grabmal wurde gereinigt und wieder aufgestellt.

Zur Person

Peritz Baumann stammte laut einem Verzeichnis der Juden in Spenge aus "Klezow (Posen)", das ist vermutlich der Ort Kleczew (Kreis Konin / Wojewodschaft Großpolen). Er war zunächst in Schildesche bei Bielefeld im damaligen Königreich Preußen tätig, danach in Spenge (Kreis Herford) und kurzzeitig in Bremke (Landkreis Göttingen). 1852 bewarb er sich bei der jüdischen Gemeinde Immenrode um eine Stelle als Lehrer als Nachfolger von Lehrer Samuel Flersheim. 1853 konnte er einen Vertrag mit der Gemeinde abschließen, der ihm sechs Stunden Unterricht täglich gegen 130 Taler im Jahr und Schächtergebühren zusprach, zunächst provisorisch, da sein Heimatschein bei Vertragsabschluss fehlte. Eine Schulinspektion ergab im August 1853, daß Lehrer Baumann große Schwächen in Geografie und deutscher Sprache zeigte, doch die Schüler gute Leistungen im Lesen und im Rechnen erbrachten und der "richtige Schulgeist" herrsche. Da Baumanns Prüfungsergebnisse mangelhaft ausgefallen waren, wurde ihm zunächst nur eine Probezeit bis Michaelis 1854 eingeräumt. Gleichzeitig konnte die Gemeinde den Lohn für den neuen Lehrer nicht aufbringen, so daß dieser Not litt. Auch wegen des ihm zustehenden Schächtergeldes kam es zu Konflikten und Ende Dezember 1853 wurde Baumann von der Gemeinde aus seiner Lehrerstelle offiziell entlassen, blieb aber offensichtlich weiter tätig. 1855 wurde ihm erneut wegen mangelnder Eignung gekündigt, aber auch jetzt blieb er weiter im Amt. 1861 wurde die Schule erweitert, 1862 bat Baumann um eine Gehaltszulage und schließlich wurde ihm eine einmalige Gratifikation zugesprochen, da er zwar genug verdiene, aber eine große Familie und Sorgen habe. 1863 und 1864 wurde ihm wiederum ein Zuschuss gewährt, der das Schulgeld seiner Tochter abdecken sollte.

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Quellen / Sekundärliteratur

Thüringisches Staatsarchiv Rudolstadt, Landratsamt Frankenhausen, Nr. 2783 / 10110 (1852-1873 Annahme jüd. Religionslehrer): 19.12.1852 - 05.06.1864.
Stellenanzeige in der Allgemeinen Zeitung des Judenthums, Heft 49 (03.12.1867), S. 982.
Norbert Sahrhage: Verzeichnis im Amt Spenge im 19. Jahrhundert wohnhaft gewesenen Juden, S. 1, Nr. 1. (Ergänzung zum Aufsatz "... weil sie hier mehr im Verborgenen ihr Wesen treiben können": Jüdische Spuren im Amt Spenge, in: Historisches Jahrbuch für den Kreis Herford, 2005, S. 196-204).

Fotografien

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Bettina Bärnighausen, Sondershausen

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Zitation der Inschrift

Digitale Edition ─ Jüdischer Friedhof Immenrode, imr-4
URL: http://www.steinheim-institut.de/cgi-bin/epidat?id=imr-4
(letzte Änderungen - 2012-09-10 14:15)

 

Steinheim-Institut
http://www.steinheim-institut.de:80/cgi-bin/epidat?id=imr-4
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