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Ansbach 122 inscriptions (1829-1949)

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epidat - epigraphische Datenbank

ID ans-96
Lizenz Creative Commons Attribution-BY 4.0 International Licence [CC BY]
Zitation Digitale Edition ─ Jüdischer Friedhof Ansbach, ans-96: http://steinheim-institut.de/cgi-bin/epidat?ans-96

Name

Elasar ben Arie Löb Münz · (Lasar Münz) [04.01.1921]          

Diplomatische Transkription

‎‏פ״נ | עטרת ראשנו הרב הגדול המפורסם הצדיק |3| נכד בעהמ״ס שמן רקח מוה״ר אלעזר | בן הה״ג מוה״ר אריה ליב מינץ זצ״ל | שמש בכתר הרבנות יותר ממ׳ שנה |6| בק״ק אשפצין ובק״ק קעמפען | הפיץ תורה טהרה ויראה בחבוריו | תורת נשים ודרשות מוסר והניח אחריו |9| ברכה ספר גט מסודר פירוש לפרקי | אבות ודרשות ׃ נפטר בשיבה טובה | בן פ״ד שנים ביום כ״ד טבת תפא״ר לפ״ק |12| ונקבר ביום כ״ו בו ׃ שם אמו אסתר | תנצב״ה‏‎

Übersetzung

Hier ist begraben | die Krone unseres Hauptes, der große, weitbekannte Rabbiner, der Gerechte, |3| Enkel des Verfassers des Werkes "Öl des Salbenmischers", unser Lehrer und Meister, Herr Elasar, | Sohn des großen Rabbiners, unseres Lehrers und Meisters, Herrn Arie Löb Münz, das Andenken des Gerechten zum Segen, | er erfüllte das Amt des Rabbiners mehr als 40 Jahre |6| in der heiligen Gemeinde Oświeçim und in der heiligen Gemeinde Kempen, | er verbreitete die reine Tora und Ehrfurcht in seinen Abhandlungen, | Torat Naschim (Frauenlehren) und Moralpredigten, und hinterließ |9| Segen (durch sein) wohlgeordnetes Buch der Scheidebriefe, einem Kommentar | zu den Sprüchen der Väter und Predigten. Er verschied in gutem Greisenalter | im Alter von 84 Jahren am Tag des 24. Tewet "sei gerühmt" (681) der kleinen Zählung, |12| und wurde begraben am Tag des 26. desselben. Der Name seiner Mutter (lautet) Ester. | Seine Seele sei eingebunden in das Bündel des Lebens

 

 Zl 2: Klgl 5,16  Zl 8f: Ez 44,30  Zl 10: Gen 15,15 u.a.

Kommentar

Datierung Gestorben Dienstag, 04.01.1921 ; begraben am übernächsten Tag
Dies ist eine von zwei rein hebräischen Grabinschriften in Ansbach im 20. Jahrhundert und eine von nur fünf erhaltenen rein hebräischen Inschriften insgesamt. Eine solche traditionelle Inschrift ist sicherlich der Funktion von Lasar Münz als orthodoxer Rabbiner in Kleinpolen und Posen zuzuschreiben. Sie beschreibt die noble Abstammung, nennt die Wirkungsstätten des Rabbiners und geht dann ausführlich auf die von ihm hinterlassenen Schriften ein. Dem abschließenden Sterbe- und Begräbnisdaten wurde noch der Name der Mutter hinzugefügt, ein Brauch, wie er eher im Gebiet des heutigen Polen üblich war und hierzulande nur selten zu finden ist, was wiederum auf die Herkunft des Verstorbenen hinweist.
Zl 3: Werktitel nach Kohelet 10,1; Bd. I: Responsen, im Anhang Homilien (Nowy Dwór, 1788), Bd. II: Responsen, im Anhang ein Kommentar zu Choschen Mischpat (Prag 1802), Bd. III: Responsen (Wien 1802), Bd. IV: Auslegungen zu den Traktaten Berachot, Pessachin und Beza (Prag 1811).
Zl 6: Oświeçim ist der polnische Name der Stadt Auschwitz. Die zweite Wirkungsstätte wurde mit ihrem deutschen Namen Kempen (Kȩpno) angegeben

Beschreibung

Lage Nördlicher Friedhofsteil, Reihe 4, Stein 10.
Beschreibung Schmalhohe, gesockelte Stele mit trapezförmigem Abschluß und umlaufenden, stark stilisierten, gepunkteten Fries. Das leicht erhabene Schriftfeld paßt sich der Form der Stele an und hat oben einen konkav eingeschnittenen Abschluß. Die Sockelzone des Schriftfeldes, in dem sich der hebräische Schlußsegen befindet, wird von eingravierten, geometrisierten Füllornamenten flankiert. Die Inschrift ist rechtsbündig angebracht, Zln 2-3 verlaufen bogenförmig, Kopf- und Schlußformel sind zentriert. Siehe auch Grabmal 108. Das Grabmal trägt die historische Grabsteinnummer 96.
Zustand Gut erhalten.

Zur Person

Lasar (Elasar) Münz wurde am 2. Mai 1837 in Tarnow geboren als Sohn von Arie Löb(l) Münz, "Ehrenrabbiner" in Bielitz. Nur wenige Monate vor seiner Geburt war sein Großvater Eleasar Löw, ein bekannter Rabbiner und Jeschiwaleiter, gestorben, und Elasar wurde nach ihm benannt. Er studierte 1860-61 am Jüdisch-theologischen Seminar in Breslau und wurde von Israel Rappaport in Tarnow, von Bloch in Leipnik und von Schreiber in Krakau ordiniert. Seit 1867 amtierte er als Rabbiner in Oświeçim (Auschwitz) und als Distriktsrabbiner des Wadowicer Kreises (Kleinpolen). Von 1877 bis 1905 diente er als Rabbiner in Kȩpno (Kempen) in der Provinz Posen, wo er eine Schule gründete und leitete. Danach setzte er sich zunächst in Würzburg, dann in Nürnberg zur Ruhe und zog nach Ende des Ersten Weltkrieges nach Ansbach. Verheiratet war er mit der aus Tarnow stammenden Kaufmannstochter Luise Kleinmann.
Von den in seiner Grabinschrift erwähnten Abhandlungen und Kommentaren erschien nur das Buch Torat Naschim, ein Buch für die jüdische Ehefrau 1905 in Frankfurt a.M. im Druck. Zudem hinterließ er eine 1895 in Trier erschienene Lebensbeschreibung seines Großvaters, Rabbi Eleasar, genannt Schemen Rokeach , sowie mehrere kleinere Abhandlungen und Predigten. Er äußerte sich auch politisch in seinen Drei Reden politischer Tendenz (Breslau 1879) und in Die modernen Anklagen gegen das Judenthum als falsch nachgewiesen (1882).
Der Rechenschaftsbericht der Chewra Kadischa für das Jahr 1920/21 enthält folgenden Eintrag: "Ferner verstarb dahier ein Mitglied unserer Gemeinde, wenn auch nicht der Chewra selbst, Herr Rabbiner Dr. Münz, im 85. Lebensjahre. Auf diese Kunde waren die Söhne u. Familienangehörigen nebst vielen Bekannten von nah u. fern herbeigeeilt u. der in den weitesten Kreisen des Judentums sehr geschätzte Mann wurde auf dem hiesigen Friedhof mit großen Ehren zu Grabe getragen."
Am 31. Januar 1921 wurden für ihn 15 Mark Grabgebühr bezahlt.

Quellen / Sekundärliteratur

CAHJP, D/An2/118 (Rechenschaftsbericht 1920/21); D/An2/120, fol 1.
Biographisches Handbuch der Rabbiner, hrsg. von Michael Brocke und Julius Carlebach, Teil 1: Die Rabbiner der Emanzipationszeit in den deutschen, böhmischen und großpolnischen Ländern 1781-1871, bearbeitet von Carsten Wilke, München 2004, Bd. 2, S. 617f., Nr. 1149 (Eleasar Löw); Teil II: Die Rabbiner im Deutschen Reich 1871-1945, bearbeitet von Katrin Nele Jansen (erscheint voraussichtlich bei K.G. Saur, München 2008), zu Dr. Lasar (Elasar) Münz.

Fotografien

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(last modified - 2009-11-21 16:59)

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