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Worms 1629 inscriptions (~1140)

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epidat - epigraphische Datenbank

ID wrm-190
Lizenz Creative Commons Attribution-BY 4.0 International Licence [CC BY]
Zitation Digitale Edition ─ Jüdischer Friedhof Worms, wrm-190: http://steinheim-institut.de/cgi-bin/epidat?wrm-190

Name

Natan ben Jizchak [04.10.1333]          

Diplomatische Transkription und Übersetzung

 Vorderseite
‎‏במוצאי‏‎ Beim Ausgang
‎‏החג בירח האתנים[׃?]‏‎ des Festes, im Monat der Starken (Tischri),
‎‏בשנת[?] לאנח״ה לפרט‏‎ im Jahr des "Seufzens" (94) der Zählung
‎‏מניינים׃ נאסף אל עמיו אב‏‎ von Zählungen, wurde er eingeholt zu seiner Sippe, Vater
‎‏לחכמים ונבונים׃ בשם טוב‏‎ 5 von Weisen und Einsichtigen, mit gutem Namen
‎‏ובשיבה טובה בן מל״א שנים[׃?]‏‎ und in gutem Greisenalter, ein Sohn der "Fülle" (71) an Jahren,
‎‏הרב ר׳ נתן ב״ר יצחק גדול הדור‏‎ der Meister, Herr Natan, Sohn des Herrn Jizchak, Großer der Generation,
‎‏יועץ ונשוא פנים׃ זקן ויושב‏‎ Ratgeber, hoch angesehen; Betagt und sitzend im Rate
‎‏בשבת תחכמונים׃ זכה ללמוד‏‎ der Tachkemoniter. Er war gewürdigt zu lernen
‎‏ולימד תלמידים הגונים׃ לא‏‎ 10 und er lehrte vortreffliche Schüler; nicht
‎‏ביישו זה את זה ימי הנעורים‏‎ beschämten sie einander - nicht die Tage der Jugend,
‎‏והזקונים׃ כל ימיו שקד‏‎ nicht die des Alters, alle seine Tage war er darauf bedacht,
‎‏לעסוק בצורכי רבים ותיקונים׃‏‎ sich zu beschäftigen mit den Bedürfnissen Vieler und mit Besserung,
‎‏בגופו ומאודו בכל עניינים‏‎ mit Leib und Seelenkraft in allen Angelegenheiten.
‎‏וביתו היתה כמדבר לעניים‏‎ 15 Sein Haus war offen wie die Wüste, Zuflucht für Arme und
‎‏ולאביונים׃ לכן יכיר מעבדיו‏‎ Elende. So möge denn achten sein Wirken
‎‏מלך שוכן מעונים׃ להכנים׃‏‎ der König in "Wohnstätten Weilender" - einzubringen
‎‏יחידתו במחיצתו לפניי ולפנים׃‏‎ seine "Einzige" in Seinen inneren, allerinnersten Bereich.
‎‏‏‎

Kommentar

Abschrift und Anmerkungen nach Lewysohn (mit Korrekturen):
Zln. 1/2: "Ausgang des Festes", hier wahrscheinlich die Nacht zwischen dem 23. und 24. Tischri; in der Mischna (Awoth 5,9) bezeichnet jener Ausdruck wohl den 23. Tag des Tischri als den letzten Tag des Festes. "Chag" ist die Bezeichnung für Sukkot.
Zeile 2, letzten beiden Worte: biblische Benennung des Monats Tischri, s. 1 Kön 8,2.
Zeile 3: Das punktierte Wort ergibt 94 (im 6. Jahrtausend) = 1333. (Das letzte Wort derselben Zeile muss wegen des stat.constr. "leferet" gelesen werden).
Zeile 6: Natan wurde 1262 geboren und starb im 71. Jahr seines Lebens (vorletztes, punktiertes Wort der Zeile).
Zeile 8, erste drei Worte: Zitat Jesaja 3,3 (wegen des Reims anders geordnet).
Zeile 9, erste beide Worte: greift 2 Sam 23,8 auf: "Dies sind die Namen der Helden Davids: Joscheb Baschebet, ein Tachkemoni": ein "sprechender" Name. Er saß also im "Rate der Weisen" der Gemeinde.
Zeile 10-12: der Talmudstelle bSukkah 53a nachgebildet.
Zeile 15: "midbar" Freistätte und Zuflucht für Arme, wie schon der Talmud (bSanhedrin 49a) in Anlehnung an 1 Könige 2,34 erklärt.
Zeile 16, letzten drei Worte: nach Hiob 34,25.
Zeile 18: "jechida", Einzige, ist v.a. in der Kabbala die bedeutungsvollste Benennung der Seele.
Zu den letzten beiden Worten: "lifnim" wurde zu "lefanim" wegen des Reims und hat nur in rabbinischen, nicht in biblischen Schriften die Bedeutung von "intus", zusammen mit dem vorletzten Wort "intimus", also das Allerinnerste der himmlichen Region, in der Gott weilt.

Durchgehaltener Reim auf -nim, durch Doppelpunkt markiert.

Zur Datierung: Chronogramm; das Besondere hier, dass auch das Lebensalter in Form eines Chronogramms (mem-lamed-alef = 71) angegeben ist (s.o.).
Datiert nach dem letzten Tag von Sukkot, 24. Tischri 5094 ("lamed-alef-nun-chet-he") = Montag, 4. Oktober 1333.

R&R: 343 und 806 / Lewysohn: 25



Beschreibung

Maße 73 x 96 x 18,5 cm
Material rötlicher Sandstein - Schichtung verläuft parallel zur Vorderseite - mittlere Körnung (0,2-0,63 mm) - mehrere kiesige Einschlüsse (Größe in mm: -30)
Beschreibung Trapezförmige Stele, nach unten schmaler zulaufend. Eingetieftes Schriftfeld mit seitlich auskragendem Rundbogenabschluss. Das rahmende Profil besteht aus einem einfachen Falz, auf der linken (östlichen) Seite ist es als Fase ausgebildet. Umlaufender Rand.

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Zitation der Inschrift

Digitale Edition ─ Jüdischer Friedhof Worms, wrm-190
URL: http://www.steinheim-institut.de/cgi-bin/epidat?id=wrm-190
(last modified - 2015-09-03 00:53)

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