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Sondershausen 187 Inschriften (1713-1937)

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ID sdh-144
Lizenz Creative Commons Attribution-BY 4.0 International Licence [CC BY]
Zitation Digitale Edition ─ Jüdischer Friedhof Sondershausen, sdh-144: http://steinheim-institut.de/cgi-bin/epidat?sdh-144

Name

Gustav Gers [04.08.1909]          

Diplomatische Transkription und Übersetzung

‎‏פ״נ‏‎ Hier ist begraben
Gustav Gers
geb. d. 21. April 1849,
gest. d. 4. August 1909.
‎‏תרס״ט לפ״ק‏‎ 5 669 der kleinen Zählung

Kommentar

Datierung Geboren 21.04.1849; gestorben 04.08.1909
Der Fabrikbesitzer Gers hatte sich hier von dem Eisenacher Architekturbüro Conradus einen Grabtempel entwerfen lassen, wie sie sonst nur auf großstädtischen Friedhöfen zu finden sind, wo der erreichte gesellschaftliche Status durch immer größere und prunkvollere Grabbauten demonstriert wurde. Hier unterbricht er sehr auffällig die bisher herrschende relative Schlichtheit in der Gestaltung der Grabmale; durch seine Größe, seine Pracht, die teils figürlichen Darstellungen und metallenen Buchstaben und Beschlägen. Auf den meisten jüdischen Friedhöfen Deutschlands wurden die Grabmale ihrer Metallbuchstaben, metallenen Beschläge und Ketten im Zuge der Metallsammlungen während des Zweiten Weltkrieges beraubt. Auch in Sondershausen finden sich keine metallenen Ketten und Gitter mehr, Metallbuchstaben scheint es hier ansonsten nicht gegeben zu haben. Dieses Grabmal blieb jedoch von einer systematischen Metallsammlung verschont, wenn auch einzelne Teile im Laufe der Zeit und sicher teilweise auch mutwillig zerstört wurden.
Die Zugehörigkeit des Verstorbenen zum aaronidischen Priestergeschlecht ist hier in keiner Weise mehr angedeutet, weder über den Namen noch über ein Symbol.

Beschreibung

Beschreibung Große Grabstelle aus hellem Granit. Schmalhohes, sich leicht nach oben verjüngendes Mal aus gelblichem Granit mit hohem, abgesetzten, trapezförmigen Abschluss, darin aufgesetzt ein bebänderter Kranz aus Metall. Das Fries darunter ist mit metallenen floralen Ornamenten verziert, an den Ecken waren jeweils Cherubine angebracht. Die aus Metallbuchstaben aufgesetzte Inschrift ist zentriert, der Name durch größere Buchstaben hervorgehoben. Das Grabmal steht in einem antikisierenden Tempelchen, dessen Dach vorne von zwei kannelierten Säulen getragen wird, deren Kapitelle mit Voluten geschmückt sind. Das spitzgiebelige Dach trägt auf den Ecken Akroterien, auf der Spitze eine Palmette. Der Tempel steht auf einem kleinen Podest, zu dem drei Stufen hinauf führen, vor dem Grabmal ist ein Becken. Breite, verzierte Grabeinfassung, die hinten deutlich höher ist als vorne. Am rechten vorderen Pfosten der Grabeinfassung ist auf der rechten Seite eine Steinmetzsignatur angebracht.
Ornament florale Verzierung; gestalterische Verzierung
Steinmetz "Entw. Arch. Conradus Eisenach, Ausf. Götze, Hier."
Zustand Viele der Metallbeschläge fehlen heute. Ansonsten weitgehend gut erhalten.

Zur Person

Laut Personenstandsregister war Gustav Gers der älteste Sohn von Israel, genannt Eduard Gers, und der Amalie geb. Lipmann (sdh-0139), und ein Urenkel von Gerschon ben Izek KaZ aus Dessau (sdh-0035) und Channa G. Gerschon KaZ (sdh-0030). Er war Fabrikbesitzer und Chef der Firma Eduard Gers in Sondershausen. Am 24. Juli 1888 heiratete er in Kassel Morry Grunsfeld. Gustav Gers starb in Dresden und wurde fünf Tage später in Sondershausen beigesetzt. Er hinterließ der Synagogengemeinde Sondershausen ein Vermächtnis von 35.000 Mark, wovon 15.000 Mark zur Errichtung seines Grabgewölbes, die anderen 20.000 Mark zur Instandhaltung und Pflege seines Grabes, der Gräber seiner Eltern und des Grabes seines jungverstorbenen Bruders (Isidor, 19.01.1854 - 27.12.1856, Grabstein nicht erhalten) bestimmt waren. Sein 1889 geborener Sohn Moritz Carl Arno, ebenfalls Fabrikbesitzer in Sondershausen, ließ sich 1909, wenige Monate nach dem Tod seines Vaters, auf den Namen Arno Carl Victor Alexander taufen.

Zur Familie

Eltern: Eduard Gers, 1816-1897, und Amalie Gers geb. Lipmann, 1822-1885 (Grabstein Nr. sdh-0139)

Quellen / Sekundärliteratur

Personenstandsregister, Nr. 86; ThStA Rudolstadt, Ministerium Sondershausen, IV. Abt. Nr. 1376, fol. 318-319r.
Jens Beger: "Jüdische Familien in Sondershausen", in: Beiträge zur Geschichte der Juden Schwarzburgs (Juden in Schwarzburg, Bd. 1), hrsg. vom Schlossmuseum Sondershausen (Sondershäuser Kataloge IV), 2006, S. 204-234, zu Gustav Gers.
"Der Deutsche", Nr. 185 (10.08.1909) (Bericht über das Begräbnis und das Vermächtnis).

Fotografien

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Henryk Bies, Sondershausen

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Zitation der Inschrift

Digitale Edition ─ Jüdischer Friedhof Sondershausen, sdh-144
URL: http://www.steinheim-institut.de/cgi-bin/epidat?id=sdh-144
(letzte Änderungen - 2012-12-16 16:27)

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