logo epidat: epigraphische Datenbank

Blieskastel 251 Inschriften (1718-1965)

Information   Inschriften   Karte   Indizes   Download
Inv.-Nr.:
Jahr:
    «    [18/251]    »     »|
Edition Kommentar Stilmittel Beschreibung Personalia Quellen Foto
Export: TEI P5 plain text

epidat - epigraphische Datenbank

ID sb3-62
Lizenz Creative Commons Attribution-BY 4.0 International Licence [CC BY]
Zitation Digitale Edition ─ Jüdischer Friedhof Blieskastel, sb3-62: http://steinheim-institut.de/cgi-bin/epidat?sb3-62

Name

R. Naftali Hirz Wahl (Herz Wahl Dessauer) [21.12.1764]          

Diplomatische Transkription und Übersetzung

‎‏פ״נ‏‎ Hier ist begraben -
‎‏[קב]ר ללינה‏‎ ein Grab zum Nächtigen,
‎‏בו יבא וישכון צדיק‏‎ ›in das heimkehrt und ruhet der Gerechte
‎‏ברינה תורתו היתה אמונתו שלימה‏‎ im Jubel‹, die Tora war sein Verlaß, vollkommen sei
‎‏מש[כר?]תו אזן וחבר עשרה ספרים מבנתו‏‎ 5 sein Lohn? [seine Ruhe?], er wog ab und verfasste zehn Werke (auf Grundlage) seiner Einsicht:
‎‏א׳ קיצור אברבנאל על תנ״ך‏‎ 1. eine Zusammenfassung (des Werkes von) Abrabanel über den Tanach,
‎‏ב׳ פירוש ע״ב בלעז הנמצאים ברש״י‏‎ 2. eine Erläuterung fremdsprachlicher Ausdrücke, die sich bei Raschi,
‎‏בכל תנ״ך ובש״ס ומשניות ג׳ פירוש על קהלת‏‎ im ganzen Tanach, den sechs Ordnungen der Mischna und den Mischnajot finden, 3. ein Kommentar zu Kohelet,
‎‏ולרוב עם נסתר ד׳ פירוש על הגדה ה׳ פירוש‏‎ größtenteils mit kabbalistischer Erläuterung, 4. ein Kommentar zur Haggada, 5. ein Kommentar
‎‏על המגילה ו׳ קונקרטאנציום על לה״ק של‏‎ 10 zur Megilla, 6. eine Konkordanz der heiligen Sprache von
‎‏תבונה ושל פסוק ושל גמרא ז׳ ספר אשר‏‎ Einsicht, von (Bibel-)versen und von Gemara, 7. ein Buch, welches
‎‏היה קורא אותו לשון צדיקה ח׳ ספר‏‎ er "Laschon Zedika" ("gerechte Stimme") nannte, 8. ein
‎‏עבד? על תבונה ט׳ קיצור על אלשוך י׳ חיבר‏‎ ... Buch über Einsicht, 9. eine Zusammenfassung (des Werkes "Derech) Alschuch", 10. eine Abhandlung
‎‏מן כל כתבי הארי משל? למטה? תוך כל‏‎ über alle Schriften Isaak Lurias, ... inmitten aller
‎‏השלמות מלבד כל החכמות שמעולם‏‎ 15 Vollkommenheit, abgesehen von allen Wissenschaften, die er aus der Welt,
‎‏אשר חי ידע ובעונינו בזה לא הגיע לו‏‎ in der er lebte, wußte. Und um unserer Verfehlungen willen kam
‎‏שנתו ויסר את טבעתו כחתן יצא מחופתו‏‎ der Schlaf nicht über ihn [=raubten ihm den Schlaf?], ›und er nahm seinen Ring ab‹ und ›trat wie ein Bräutigam unter dem Baldachin hervor‹
‎‏ובנשיקה יצאה נשמתו בגופו לא‏‎ und mit einem Kuss ging aus seine Seele, an seinem Körper ward kein
‎‏תראה תולעת מפי עליון תלמוד דעת‏‎ Wurm gesehen, aus dem Munde des Höchsten wird er das Wissen erlernen,
‎‏אחריו הניח זכותו גיל יגילו בישועתו ה״ה‏‎ 20 er hinterließ sein Verdienst, frohlocket bei seiner Erlösung, es ist
‎‏התלמיד מובהק מן הרב ר׳ יהונתן זצ״ל‏‎ der ausgezeichnete Schüler des Rabbiners Jehonatan, das Andenken des Gerechten zum Segen,
‎‏אשר הסמיכו למהור״ר ר׳ נפתלי‏‎ welcher ihn zum Rabbiner ordiniert hatte: R. Naftali
‎‏הירץ וואהל זצ״ל נפטר בליל ש״ק‏‎ Hirz Wahl, das Andenken des Gerechten zum Segen, verschieden in der Nacht des heiligen Schabbat
‎‏של חנוכה ונקבר ביום א׳ כ״ט‏‎ von Chanukka und begraben am Tag 1, 29.
‎‏כסליו תקכ״ה לפ״ק תנוח ותעמוד לגורלך‏‎ 25 Kislev 525 der kleinen Zählung. ›Du wirst ruhen und zu deinem Lose auferstehen‹
‎‏[־־־]‏‎ [---]

 

 Zl 3f: Vgl. Ps 126,6 u. Birkat haMason  Zl 17: Gen 41,42 u.a. | Zl 17: Ps 19,6  Zl 25: Dan 12,13

Kommentar

Datierung Gestorben Freitag abend, 21.12.1764 ; begraben am übernächsten Tag (s.u.)
Zl 5: Das erste Wort der Zeile ließ sich nicht sicher lesen. Möglich sind die Wendungen ‎‏שלימה משכרתו‏‎ / "vollkommen sei sein Lohn" und ‎‏שלימה מנוחתו‏‎ / "vollkommen sei seine Ruhe", die beide aus hebräischen Grabinschriften bekannt sind.
Zl 6: Bibelkommentare des spanischen Philosophen Isaak ben Jehuda Abrabanel (1437-1508).
Zl 9: "kabbalistische Erläuterung", wörtlich: "Verborgenes".
Zl 13: Der Bibelkommentar ‎‏בדרך אלשוך‏‎ / Bederech Alschuch von Awraham ben Baruch aus Zamosc.
Zl 14: Wörtlich ‎‏הארי‏‎ / Ha-Ari, das ist der in Jerusalem geborene Rabbiner Isaak Luria (1534-1572), der Begründer der neuzeitlichen Kabbala. Der zweite Teil der Zeile ist nicht klar. Nach dem Namen Lurias scheint die Aufzählung der Werke des Verstorbenen abgeschlossen zu sein, und die Eulogie geht über in eine allgemeinere Würdigung.
Zl 17: Statt "Schlaf" eher: "erreichte er nicht (die Anzahl) seiner Jahre"? Das heißt, er starb jung?
Zl 21-22: Anstelle eines Vatersnamens ist hier der Rabbiner genannt, der den gelehrten Schüler zum Rabbiner ordinierte. Dieser könnte der im September 1764 gestorbene bekannte Gelehrte und Rabbiner Jonathan Eibeschütz gewesen sein, seit 1750 Oberrabbiner der Dreiergemeinde Altona, Hamburg und Wandsbek (begraben in Hamburg-Altona, Königstraße, hha-1593).
Zl 26: Mindestens eine weitere Zeile Text ist im Boden verborgen.

Stilmittel

Reim Binnenreim auf -ina in Zln 2-4, auf -ato in Zln 4-5 und Zln 16-18, auf -a'at in Zln 18-19, auf -to in Zl 20.

Beschreibung

Zustand Das Grabmal ist leicht eingesunken, der Giebel ist beschädigt, die hebräische Inschrift leicht verwittert. Auf der Rückseite sind in einer leicht eingetieften Fläche vier große, unregelmäßige Vertiefungen.

Zur Person

Herz Wahl Dessauer war im Oktober 1761 als Hof- und Kammeragent in die Dienste des Pfalzgrafen Christian IV. von Pfalz-Zweibrücken getreten. Die Stelle hatte er vor allem seiner alchemistischen Kenntnisse wegen erhalten, um seinen Dienstherren, gegen ein Jahresgehalt von 1.000 Gulden und einer Reihe von Privilegien, bei dessen Bemühungen um Metallmutation zu unterstützen. 1762 zog er von Darmstadt nach Meisenheim, dann nach Homburg, wo sich die der Residenzstadt Zweibrücken nächst gelegene größere jüdische Gemeinde befand. Nach Ausweis seines Sohnes Saul Wahl, der ihm als pfalz-zweibrückischer Hof- und Kammeragent nachfolgte, ist er gegen Ende Dezember 1764 verstorben und in Blieskastel begraben worden. Saul Wahl wirkte in Zweibrücken bis zum Tode Christians IV. 1775 und zog dann nach Pirmasens, wo er 1791 verstarb. Dessen Söhne gelangten in den Wirren der Revolution über Koblenz nach Barmen, wo sie - bzw. deren Nachkommen - erfolgreich im Textilgeschäft tätig waren.

Quellen / Sekundärliteratur

Peter Kleber und Ulrich Offerhaus: "'Ich will als Jud Jud bleiben'. Die Vor- und Nachfahren des Hofjuden Herz Wahl (ca. 1699-1764). Aufstieg, Niedergang und Neuorientierung einer jüdischen Familie", in: Jahrbuch für westdeutsche Landesgeschichte 43 (2017), S. 253-319.
Dieter Blinn: "Man will ja nichts als Ihnen zu dienen, und das bisgen Ehre". Die Hofjuden Herz und Saul Wahl im Fürstentum Pfalz-Zweibrücken. In: Rotraus Ries, J. Friedrich Battenberg (Hrsg.), Hofjuden - Ökonomie und Interkulturalität. Die jüdische Wirtschaftselite im 19. Jahrhundert. Hamburg 2002 (Hamburger Beiträge zur Geschichte der Juden 25), S. 307-331.
Jörg A. Künzer: Einwohnerbuch Blieskastel mit den Ortsteilen Alschbach und Lautzkirchen, 1650-1905 (Arbeitsgemeinschaft für Saarländische Familienkunde .V., 63. Sonderband), Saarbrücken 2016, Teilband 1, S. 245-447: "Der jüdische Friedhof in Blieskastel", hier S. 253, Nr. 017.

Fotografien

  «    »  

Ingeborg Knigge

heutiges Foto
1999-2000
recto
heutiges Foto
1999-2000
Detail
heutiges Foto
1999-2000
Detail
heutiges Foto
1999-2000
verso
Seitenanfang

Zitation der Inschrift

Digitale Edition ─ Jüdischer Friedhof Blieskastel, sb3-62
URL: http://www.steinheim-institut.de/cgi-bin/epidat?id=sb3-62
(letzte Änderungen - 2015-08-11 13:05)

Recherche im Gesamtbestand - Kontextualisierungen

Inschriften des Jahres 1764

Orte jüdischer Geschichte im Umfeld des Friedhofs

app-jüdische-orte.de.dariah.eu

 

Steinheim-Institut
http://www.steinheim-institut.de:80/cgi-bin/epidat?id=sb3-62
letztes update: | lizenziert unter einer Creative Commons Lizenzvertrag
Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz
Valid XHTML 1.0 Strict | Powered by TUSCRIPT
concept, code and design created by Thomas Kollatz
epidat stable release switch to beta
Datenschutzhinweis