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Minden 1 inscriptions (1350-1350)

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epidat - epigraphische Datenbank

ID min-1
Lizenz Creative Commons Attribution-BY 4.0 International Licence [CC BY]
Zitation Digitale Edition ─ Jüdischer Friedhof Minden, min-1: http://steinheim-institut.de/cgi-bin/epidat?min-1

Name

Nanda bat Jizchak des Reichen aus Hameln [1350]          

Diplomatische Transkription und Übersetzung

‎‏[האבן הזאת (אשר)]‏‎ ›Diesen Stein
‎‏שמתי מצבה לראש [מרת ...]‏‎ habe ich aufgestellt als Stele‹ zu Häupten der Frau ...
‎‏ננדא בת הנדיב רבי יצחק [ז]צ״ל‏‎ Nanda, Tochter des edlen Herrn Jizchak, das Andenken des Gerechten zum Segen,
‎‏העשיר מהמלא שהלכה לעולמה‏‎ des Reichen, aus Hameln, ›die in ihre Welt hinging‹
‎‏בשבת ראש חדש ניסן ונקברה ביו׳‏‎ 5 am Schabbat, Neumond Nissan, und begraben wurde am Tag
‎‏א׳ בשיני בו ב[שנ]ת חמ[ש]ת אלפים ומא׳‏‎ 1, am zweiten desselben, im Jahr fünftausend und ein?hundert
‎‏[...............] לבר[י]את עולם ותהי‏‎ [...] nach Erschaffung der Welt, und es sei
‎‏[נשמתה צרורה בצר]ור החיים עם‏‎ ihre Seele eingebunden in das Bündel des Lebens mit
‎‏[שאר צדקניות בגן] עדן אמן‏‎ [den übrigen gerechten Frauen im Garten] Eden, Amen
‎‏[סלה?]‏‎ 10 [Sela?]

 

 Zl 1f: Gen 28,22  Zl 4: Koh 12,5

Kommentar

Datierung Gestorben um 1350
Dieser vermutlich aus der Mitte des 14. Jahrhunderts stammende Grabstein ist der einzige mittelalterliche Grabstein, der in Minden gefunden wurde.
Zl 1: Zitat aus Genesis 28,22 (das ‎‏אשר‏‎/"(diesen Stein,) welchen (ich aufgestellt habe...)" steht in Klammern, da es zwar zum biblischen Zitat gehört, in den Inschriften aber auch mal weggelassen wurde. Ob es hier stand oder nicht, läßt sich nicht mehr sagen.
Zl 2: Aufgrund des Platzes ist ein weiteres Wort zwischen ‎‏לראש‏‎ und ‎‏מרת‏‎ oder nach ‎‏מרת‏‎ zu vermuten, vielleicht ein kurzer, zweiter Name. Da der folgende Name kein hebräischer/jüdischer Name ist, wäre hier ein solcher zu vermuten, z.B. ‎‏חנה‏‎/Channa.
Zl 3a: Der Name ‎‏ננדא‏‎/"Nanda/Nande" oder ‎‏ננלא‏‎/Nanle ist vermutlich eine Variation des Namens Gnendel, vom mittelhochdeutschen "g(e)nanne", "Namensschwester", "Genossin", u.ä., ein seit dem 11. Jahrhundert sehr populärer Name, in der hier vorliegenden Form allerdings bei Beider (s.u.) nicht belegt.
Zl 3b: Der "Edle", auch mit "Stifter" zu übersetzen, ein Attribut, das die Wohltätigkeit von Jizchak/Isaak deutlich über das übliche Maß hinaushebt.
Zl 3c: Wie üblich ist der Vatersname der Verstorbenen angegeben. Die Angabe des Gattennamen bei verheirateten Frauen, wie man ihn später häufig zusätzlich oder anstelle des Vatersnamens findet, war im Mittelalter noch nicht allgemein üblich. Es ist aber davon auszugehen, dass Nande verheiratet war.
Zl 4: Das Attribut "der Reiche" ist sehr ungewöhnlich und selten, zählt nicht zu den üblichen Attributen und muss hier wahrscheinlich nicht als lobendes Attribut, sondern (auch aufgrund der Stellung im Satz) als Beiname, als Teil des Namens von Isaak gesehen werden. Die stimmt auch mit der Beschreibung der Familie Oldendorf in Hameln überein.
Zl 6: Die Abkürzung ‎‏ומא׳‏‎ kann mit "einhundert" und mit "zweihundert" aufgelöst werden.
Zl 7: In der Lücke am Anfang der Zeile ist Platz für etwa acht Buchstaben. Die Fortsetzung der Angabe des Jahres war vermutlich ebenfalls ausgeschrieben. Wenn wie vorgeschlagen in die Mitte des 14. Jahrhunderts datiert wird (s.u.), ist davon auszugehen, dass das abgekürzte ‎‏ומא׳‏‎ am Ende von Zeile 6 in der folgenden Zeile wiederholt und ausgeschrieben stand (was nicht unüblich wäre). Der Anfang der Zeile 7 könnte damit folgendermaßen gelautet haben: ‎‏ומאה ו[חמש/שש/שמנה/תשע] לבריאת עולם‏‎/"und einhundert und [fünf/sechs/acht/neun] nach Erschaffung der Welt".
Zl 10: Möglicherweise folgte noch eine weitere kurze (zentrierte) Zeile: Bei weitaus den meisten mittelalterlichen Inschriften mit ausgeschriebenen ‎‏אמן‏‎/"Amen" folgt noch ‎‏סלה‏‎/"Sela", beides kann auch mehrmals hintereinander gesetzt werden (Amen Amen Amen Sela...).

Beschreibung

Maße H: 67 B: 98 T: 18 (alle drei Fragmente zusammen)
Material Sandstein
Lage Heute im Mindener Museum; Fundort unbekannt
Beschreibung Hochrechteckige Stele mit vertieftem Schriftfeld, im 14. wie im 15. Jahrhundert gleichermaßen üblich. Die Tatsache, dass die Inschrift in ihrer Breite fast vollständig erhalten ist und am Anfang oben offensichtlich nur zwei oder drei Wörter fehlen, deutet darauf hin, dass der Stein oben nicht gerade schloss, sondern mit einem Rundbogen. Die Inschrift ist rechtsbündig angebracht, die Kopfzeile und vielleicht auch eine Schlußzeile waren vermutlich zentriert.
Schrift Passt sowohl in die Mitte des 14. als auch ins 15. Jahrhundert. Es fällt auf, dass trotz der Größe des Steins, der verhältnismäßig langen Inschrift, bei der vieles ausgeschrieben wurde, was man auf anderen Steinen auch abgekürzt findet, d.h. obwohl offensichtlich bei der Herstellung des Grabsteins Aufwand und Sorgfalt betrieben wurden, die Zeilen nicht gerade verlaufen und die Buchstaben unregelmäßig sind.
Zustand 2017 Drei Fragmente eines Grabmals. Der Grabstein ist offensichtlich wiederverwendet worden, der obere Teil wurde abgeschlagen und sauber begradigt, auch der rechte Rand wurde abgeschlagen. Doch scheinen die Zeilenanfänge erhalten zu sein. Der Grabstein wurde also (bevor er in mehrere Stücke zerbrach), bearbeitet für eine Zweitverwendung und war vermutlich irgendwo verbaut.

Zur Person

Nande war höchstwahrscheinlich eine Tochter von Isaak Oldendorf zu Hameln, welcher aus Hessisch-Oldendorf stammte, in Hameln zu den vermögendsten Juden zählte und es sich leisten konnte, seine Steuern sechs Jahre im Voraus zu bezahlen. Er ist in Hameln bis 1344 belegt, wird in der Inschrift hier aber als verstorben bezeichnet ("das Andenken des Gerechten zum Segen"). Wenn man davon ausgeht, dass der Grabstein Nandes vor der Pest-Vertreibung 1350 errichtet wurde, kommen als Sterbedaten, bei denen der Neumondstag Nissan auf einen Schabbat fiel, folgende Jahre infrage: 5105/5. März 1345, 106/25. März 1346, 108/1. März 1348 und 109/21. März 1349.

Quellen / Sekundärliteratur

Zvi Avneri (Hrsg.): Grmania Judaica, Bd. 2: Von 1238 bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts, 1. Halbband, Aachen-Luzern, Tübingen 1968, S. 324.
Alexander Beider, A dictionary of Ashkenazic Given Names. Their Origins, Structure, Pronunciation, and Migrations, Avotaynu, Bergenfield/New Jersey 2001, S. 508.
Bernhard Brilling, Helmut Richtering, Diethard Aschoff (Hg.). Westfalia Judaica. Quellen und Regesten zur Geschichte der Juden in Westfalen und Lippe. Bd. 1, 1005-1350. 2. Aufl. mit Nachträgen von Diethard Aschoff, Münster 1992, S. 271ff.
Zu weiterer Literatur siehe im Artikel von Philipp Koch (s.o., Informationsseite).

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Zitation der Inschrift

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