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Lage 140 Inschriften (1715-1936)

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epidat - epigraphische Datenbank

ID lag-52
Lizenz Creative Commons Attribution-BY 4.0 International Licence [CC BY]
Zitation Digitale Edition ─ Jüdischer Friedhof Lage, lag-52: http://steinheim-institut.de/cgi-bin/epidat?lag-52

Name

Feile ⚭ Josef Hakohen (Fanni Kahn) [16.03.1849]          

Diplomatische Transkription und Übersetzung

‎‏פ״נ‏‎ Hier ist begraben
‎‏אשת חיל עטרת בעלה‏‎ ›die tüchtige Gattin, Krone ihres Gatten‹
‎‏ותפארת בניה אשה יראת‏‎ ›und Zierde ihrer Kinder‹, eine gottesfürchtige
‎‏אלהים כל ימיה מרת פיילע‏‎ Frau all ihre Tage, Frau Feile,
‎‏אשת החבר ר׳ יוסף הכהן‏‎ 5 Gattin des toragelehrten Herrn Josef Hakohen,
‎‏מתה בזקנה ושיבה טובה‏‎ gestorben ›betagt und in gutem Greisenalter‹
‎‏ביום ו׳ עש״ק [כ״]ב [א]דר‏‎ am Tag 6, Rüsttag des heiligen Schabbat, (2)2. Adar
‎‏תר״ט לפ״ק‏‎ 609 der kleinen Zählung.
‎‏תנצב״ה ׃‏‎ Ihre Seele sei eingebunden in das Bündel des Lebens

 

 Zl 2: Spr 12,4  Zl 3: Spr 17,6  Zl 6: Gen 25,8

Kommentar

Datierung Gestorben Freitag, 16.03.1849 ; (s.u.)
Die Lesung des Sterbedatums ist aufgrund der starken Verwitterung nicht ganz sicher. Feile starb an einem Freitag, vermutlich im Monat Adar, im Jahr 609 (1848/49). Da noch der Buchstabe ‎‏ב‏‎ (2) erkennbar ist, kann es sich eigentlich nur um Freitag, den 22. Adar 609 handeln.

Stilmittel

Reim auf -ejha in Zln 2-4.

Beschreibung

Lage Neues Grabfeld, Nr. 52.
Beschreibung Stele mit eingezogenem Rundbogenabschluß. Die Inschrift in leicht erhabenen, sorgfältig gearbeiteten Buchstaben wurde auf dem rahmenlosen Schriftfeld in Blocksatz gesetzt, die Kopfzeile und das Sterbejahr wurden mittig über bzw. unter die Inschrift gesetzt, gefolgt vom Schlußsegen in größeren Buchstaben.
Schrift erhaben
Abkürzungszeichen Einfache und doppelte, nach rechts geneigte, leicht geschwungene Striche
Zustand 2003 Teilweise starke Verwitterung. Das Grabmal neigt sich nach rechts.

Zur Person

Feile ist vermutlich identisch mit Fanni Kahn aus Blomberg, Witwe des 1835 gestorbenen Lehrers Bär Joseph Cahn. Ihr Mann, der 1766 geborene Bär Joseph Cahn, stammte aus dem elsäßischen Mützig. Als Lehrer an der jüdischen Schule in Lage war er 1833 massiven Angriffen der jüdischen Gemeinde ausgesetzt, die ihn wegen seines hohen Alters und seiner mangelnden Kenntnisse für unfähig erklärt und die Regierung ersucht hatte, eine Prüfung anzusetzen, um seine Untüchtigkeit zu belegen, was die Regierung allerdings als "unpassend" zurückwieß. 1846 lebte Fanni Kahn laut der Bevölkerungs- und Viehstandsliste der Stadt Lage 1846 mit ihrem Sohn David als Untermieterin im Haus Nr. 22 (seit 1852 Nr. 44) des Nagelschmieds Friedrich Pottharst.
Ihr Sohn Jakob Koppel Kahn hatte mit finanzieller Unterstützung des lippischen "Vereins zur Beförderung der Handwerke unter den Israeliten" bei dem Buchbindermeister Winkler in Paderborn eine Lehre gemacht und kehrte nach zweijähriger Gesellenzeit nach Lage zurück. Aus gesundheitlichen Gründen - und vermutlich auch um seine Eltern zu unterstützen - ließ er sich von der Verpflichtung zur Wanderschaft entbinden und erwirkte gegen Zahlung einer Kaution die Erlaubnis, sein Gewerbe in Lage auszuüben. Trotz Konflikten mit der Zunft, die ihm, seinem Bruder und seiner Mutter "Schacherhandel mit Büchern" vorwarf, legte er 1839 die Meisterprüfung ab, wurde in die Zunft aufgenommen und gründete eine Familie. Allerdings reichten seine Einkünfte für die wachsende Familie bald nicht mehr aus, und als die Konkurrenz durch die Niederlassung eines weiteren Buchbinders erdrückend wurde, entschloß sich Koppel Kahn schließlich zur Emigration. 1850 wanderte er zu Verwandten nach Baltimore in Amerika aus und ließ seine Familie 1851 nachkommen.
Sein Bruder David hatte bei demselben Lehrmeister 1832 ebenfalls eine Buchbinderlehre begonnen. 1835 ist er wieder in Lage, hilft seinem Bruder und unterstützt seine Mutter. 1856 heiratete er Sara Samter aus Detmold und ließ sich als Leinenhändler in Detmold nieder.
Der hier begrabene Issachar Hakohen war vermutlich ein weiterer, jung gestorbener Sohn.

Zur Familie

Gatte?: Joseph Bär Cahn (lag-0036)
Sohn?: Jissachar ben Josef? Hakohen (lag-0042)
Sohn?: David Kahn (Jüdischer Friedhof Detmold, dtm-0102)

Quellen / Sekundärliteratur

Klaus Pohlmann: Die Verbreitung der Handwerke unter den Juden, Detmold 1993, S. 56f., 65, 67, 87-90, 127.
Martin Hankemeier: Zur Geschichte der Juden in Lage, Detmold 2003, S. 32, 35.
Michael Guenter: Die Juden in Lippe von 1648 bis zur Emanzipation 1858, Detmold 1973, S. 104.

Fotografien

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Bert Sommer

heutiges Foto
2003-05-26
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Zitation der Inschrift

Digitale Edition ─ Jüdischer Friedhof Lage, lag-52
URL: http://www.steinheim-institut.de/cgi-bin/epidat?id=lag-52
(letzte Änderungen - 2015-03-25 17:03)

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