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Lage 140 inscriptions (1715-1936)

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TEI P5

Projekt

Der jüdische Friedhof in Lage wurde im Winter 2014/15 im Auftrag der Stadt Lage dokumentiert.

Lage

Der jüdische Friedhof liegt an der Flurstraße, zwischen Lemgoer Straße und Kortumstraße (Flur 15, Nrn. 72+73).

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Anlage

Das gut 3000 qm umfassende Gelände erstreckt sich von der Flurstraße im Nordosten in südwestliche Richtung in Form eines spitzwinkeligen Dreiecks in Hanglage entlang eines alten Hohlwegs. Der obere, südwestliche, spitz zulaufende Teil ist das ältere Grabfeld, auf dem die wieder aufgefundenen alten Grabmale 2012 neu aufgestellt wurden, also nicht mehr an ihrer ursprünglichen Position stehen. Nur fragmentarisch erhaltene Grabmale wurden in eine Gedenkmauer eingesetzt, die am südlichen Rande des Geländes im ehemaligen, am Friedhof vorbeiführenden Hohlweg errichtet wurde. Zwei Informationstafeln sowie eine Bank mit Tisch ergänzen die Gedenkstätte. Über eine Treppe gelangt man zum unteren, nordwestlichen jüngeren Friedhofsteil, auf dem 98 Grabsteine in ca. 14 unregelmäßigen Reihen nach Nordosten ausgerichtet an originaler Stelle auf ihren Gräbern stehen. Die fünf Grabsteine der Familie Hamlet aus Heiden sind durch eine Hecke abgegrenzt. Der Eingang zum Friedhof an der Flurstraße wird von zwei pollerähnlichen Sandsteinmonumenten mit vertikalen Rippen flankiert (9002), die von der zerstörten Synagoge stammen. Auf dem von einer alten Hecke eingefassten, mit Gras und Efeu bepflanzen Gelände steht ein alter Wacholderbaum sowie mehrere Birken.

Geschichte

Das älteste (fragmentarisch) erhaltene Grabmal des Friedhofs stammt aus dem Jahr 1715, der Friedhof wurde aber vermutlich einige Jahre (Jahrzehnte?) früher angelegt. Die älteste archivalische Überlieferung stammt aus dem Jahr 1771, in dem der Friedhof im Meßbuch des Fleckens Lage von J.R. Heimbach verzeichnet wurde. Als Begräbnisstätte diente er auch den in Heiden lebenden Juden, die sich erst 1888 mit der Gemeinde in Lage zusammenschlossen.

1935 wurde der Friedhof von SS-Angehörigen geschändet, was international Aufsehen erregte. Daraufhin wurde der Friedhof kurze Zeit später wieder instandgesetzt und die Täter ermittelt und verhaftet, jedoch kaum bestraft. 1938 verkaufte die Gemeinde den unteren, älteren Friedhofsteil an einen Grundstücksnachbar unter der Auflage, die alten Grabsteine auf den jüngeren Friedhofsteil umzusetzen und eine Begrenzungshecke zu pflanzen. Dies geschah allerdings nicht, stattdessen wurden die alten Steine teilweise zerschlagen und zur Befestigung einer nahegelegenen Böschung im Boden vergraben. Den oberen jüngeren Teil des Friedhofs erwarb 1941 die Stadt zum Zweck des Ausbaus einer Umgehungsstraße, was allerdings nicht umgesetzt wurde. Während des Krieges wurden auf dem Friedhof russische Kriegsgefangene bestattet, die in der Zuckerfabrik in Lage arbeiten mussten.

Nach dem Krieg wurden die russischen Kriegsgefangenen umgebettet und der Friedhof wieder instandgesetzt. 1952 wurde der Friedhof an die Jewish Trust Corporation übertragen und seither vom Jüdischen Landesverband Westfalen-Lippe verwaltet und von der Stadt Lage gepflegt. 1988 wurde der Friedhof erneut schwer verwüstet. 1992 wurde der Friedhof in die Denkmalliste der Stadt Lage eingetragen (Baudenkmal Nr. 59). 1994 wurde ein Gedenkstein eingeweiht.

Nachdem Bebauungspläne für den alten Friedhofsteil 2001 durch eine Bürgerinitiative gestoppt werden konnten, wurde 2003 auch der alte Friedhofsteil unter Denkmalschutz gestellt. Im Mai 2012 konnten schließlich die in der Böschung vergrabenen alten Grabsteine geborgen, teilweise restauriert und wieder aufgestellt werden. Nur fragmentarisch erhaltene Steine wurden in eine Gedenkmauer auf dem Friedhof eingefügt.

Literatur

Wolfgang Deppe: "Verkauft und vergessen. Zur Geschichte des jüdischen Friedhofs in Lage", in: Historisches Jahrbuch für Lage, Lage 2004, S. 6-17.

Margarete Wißmann: "Wieder ans Licht geholt. Grabungen auf dem jüdischen Friedhof in Lage", in: Historisches Jahrbuch für Lage, Lage 2013, S. 87-102.

Martin Hankemeier: Zur Geschichte der Juden in Lage. Eine Materialsammlung (Panu Derech - Bereitet den Weg. Schriften der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Lippe e.V., Bd. 12), 2. veränderte und erheblich erweiterte Auflage Detmold 2003.

Klaus Pohlmann: Die Verbreitung der Handwerke unter den Juden (Panu Derech - Bereitet den Weg. Schriften der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Lippe e.V., Bd. 8), Detmold 1993.

Klaus Pohlmann: Der jüdische Hoffaktor Samuel Goldschmidt aus Frankfurt und seine Familie in Lemgo 1670-1750 (Panu Derech - Bereitet den Weg. Schriften der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Lippe e.V., Bd. 15), Detmold 1998.

Michael Guenter: Die Juden in Lippe von 1648 bis zur Emanzipation 1858, Detmold 1973.

Elfi Pracht: Jüdisches Kulturerbe in Nordrhein-Westfalen. Teil III: Regierungsbezirk Detmold (Beiträge zu den Bau- und Kunstdenkmälern von Westfalen, Bd. 1.1), Köln 1998, S. 320-324.

Online-Ressourcen

Yad Vashem Yad Vashem, The Central Database of Shoah Victims' Names

Gedenkbuch Gedenkbuch für die Opfer der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945

Hinweis

Während die Geschichte der Juden in Lage weitgehend aufgearbeitet ist (s.o.), bleibt die Geschichte der jüdischen Familien in Heiden bisher weitgehend im Dunkeln.

Edition

Nathanja Hüttenmeister, Bernd Schaller

Fotografie

Bert Sommer (2003), Margarete Wißmann (2012-2015)

Förderer

Die Dokumentation wurde gefördert vom Förderverein für Freizeit, Kultur und Sport in Lage e.V.

Zitation der digitalen Edition

Digitale Edition - Jüdischer Friedhof Lage (1715-1936 / 140 Einträge)
URL: http://www.steinheim-institut.de/cgi-bin/epidat?id=lag

 

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