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Lage 140 inscriptions (1715-1936)

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Name

Riwka Gelle bat Chajim ⚭ Jizchak Mosche Ascher Anschel [09.09.1715]          

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Edition und Übersetzung

‎‏פה טמנה‏‎ Hier ist geborgen
‎‏אשה ישרה [אשת]‏‎ die aufrechte Frau, [Gattin]
‎‏כהר״ר יצחק משה‏‎ des geehrten Meisters, Herrn Jizchak Mosche
‎‏אשר אנשיל זצ״ל‏‎ Ascher Anschel, das Andenken des Gerechten zum Segen,
‎‏מרת רבקה געלה‏‎ 5 Frau Riwka Gelle,
‎‏בת כהר״ר חיים זצ״ל‏‎ Tochter des geehrten Meisters, Herrn Chajim, das Andenken des Gerechten zum Segen,
‎‏נפטר יום ב׳ ונקבר‏‎ verschieden Tag 2 und begraben
‎‏יום ב׳ י״א אלול‏‎ Tag 2, 11. Elul
‎‏שנת תע״ח לפ״ק‏‎ des Jahres 478 der kleinen Zählung,
‎‏מק״ק לאג‏‎ 10 aus der heiligen Gemeinde Lage,
‎‏פה תנצב״ה‏‎ hier. Ihre Seele sei eingebunden in das Bündel des Lebens
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Kommentar

Datierung Gestorben und begraben Montag, 09.09.1715 ;


Dies ist das älteste erhaltene Grabmal auf dem Friedhof in Lage. Da es der Gattin von Ambsel Moyses gesetzt wurde, des ersten Juden, der 1679 ein Geleit zur Niederlassung in Lage bekam und der laut ihrer Inschrift vor ihr gestorben ist, kann man davon ausgehen, das auch er hier beigesetzt wurde. Der Friedhof wird demnach einige Jahre oder vielleicht auch Jahrzehnte zuvor angelegt worden sein. Aufgrund der Bedeutung, die Ambsel Moyses für die Gründung der jüdischen Gemeinde in Lage hatte, ist es nicht verwunderlich, dass hier ausnahmsweise sein Name vor dem seiner Gattin genannt ist und zudem die Gemeinde Lage explizit erwähnt wird. Der Abkürzung vor dem Ortsnamen, ‎‏ק״ק‏‎ / Heilige Gemeinde, kann man entnehmen, das durchaus auch schon von einer eigenständigen Gemeinde die Rede ist, auch wenn diese damals kaum mehr als das für den Gottesdienst erforderliche Quorum von zehn erwachsenen Männern (ab 13 Jahren) umfasst haben mag.

Namenskunde Während sich der Name der Verstorben aus zwei Namen, dem biblischen Namen Riwka (=Rebekka) und dem schon seit dem Mittelalter bei jüdischen Frauen hierzulande beliebten Namen Gelle (von "Gel"=gelb/blond) zusammensetzt, trägt ihr Gatte seltenerweise gleich vier Namen: Die biblischen Namen Jizchak (=Isaak), Mosche (=Moses) und Ascher sowie den Namen Anschel, eine deutsch-jüdische Koseform des alten deutschen Namens Anselm, der schon früh dem biblischen Namen Ascher beigestellt wurde. Entsprechend ist auch davon auszugehen, das es sich bei der archivalisch überlieferten Form seines Namens, "Ambsel Moyses", um zwei seiner Vornamen und nicht, wie sonst meist, um Vornamen und Vatersnamen handelt. Möglich wäre aber, dass hier in der Inschrift der Zusatz ‎‏בן‏‎/"Sohn von" vergessen wurde, dann wären Jizchak Mosche die Vornamen und Ascher Anschel der Vatersname, Namen, die in der archivalisch überlieferten Form, wie häufiger zu finden, in umgekehrter Reihenfolge auftauchen: Ambsel Moyses, das ist Moses, Sohn des Anselm.

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Beschreibung


Lage Gedenkmauer, Nr. 1001. Die beiden Fragmente eines Grabmals stammen vom alten Friedhofsteil, dessen Steine nach 1937 abgeräumt und zur Befestigung einer Böschung am Rande des alten Friedhofs verwendet wurden. Im Mai 2012 wurden die vergrabenen Grabsteine geborgen, gesäubert, restauriert und neu zusammengesetzt. Vollständige Grabmale wurden auf dem alten Friedhofsteil wieder aufgestellt, Fragmente wie diese in eine Gedenkmauer auf dem Gelände eingesetzt.
Beschreibung Grabmal mit (vermutlich eingezogenem) Rundbogenabschluss. Das Schriftfeld ist scharriert, die großen, etwas unregelmäßigen Buchstaben wurden mit Umrisslinien eingraviert, was hier einmalig bleibt. Die Inschrift füllt das Schriftfeld weitgehend aus, Kopfzeile und Schlußsegen sind mittig gesetzt.
Abkürzungszeichen Häkchen
Zustand 2014 Zwei Fragmente eines Grabmals: Ein stark beschädigtes Giebelstück und das an den Rändern leicht beschädigte Mittelstück des Grabmals.

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Zur Person


Der 1715 bereits verstorbene Gatte ist identisch mit Ambsel Moyses, der im September 1679 als erster Jude vom lippischen Grafen das Geleit zur Niederlassung in Lage bekam. Ambsel Moyses stammte aus Rödelheim bei Frankfurt und stand seit 1668 für neun Jahre als Knecht in Diensten des Hoffaktoren Samuel Goldschmidt. Mit diesem kam er von Frankfurt nach Lemgo, wo er 1677 heiratete und sich in Werther in der Grafschaft Ravensberg niederließ. Aufgrund der "jüngsthin erlittenen frantzösischen schweren ruinen" bat er 1679 den lippischen Grafen Simon Henrich, für den er weiterhin im Auftrag von Samuel Goldschmidt tätig sein wolle, um Geleit für sich, seine Frau und sein Kind nach Lage, was im schließlich bewilligt wurde. In der Bewilligung ist der Name von Ambsel Moyses Gattin mit "Kellenheyman aus Bonn" angegeben, das ist die hier bestattete Gelle, Tochter des Chajim (=Heyman).

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Zur Familie


Mutter von Riwka Gelle könne die 1656 in Bonn gestorbene und in Schwarzrheindorf bestattete Jütchen, Gattin des Chajim Bonn bns-4082 gewesen sein.
Ein Enkel war vielleicht (aufgrund seines Namens) Ascher Anschel ben Menachem, der 1791 starb (lag-0120).

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Quellen / Sekundärliteratur



Klaus Pohlmann: Der jüdische Hoffaktor Samuel Goldschmidt aus Frankfurt und seine Familie in Lemgo 1670-1750 (Panu Derech - Bereitet den Weg. Schriften der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Lippe e.V., Bd. 15), Detmold 1998, S. 93.
Martin Hankemeier: Zur Geschichte der Juden in Lage, Detmold 2003, S. 27-31.

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Fotografien

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Margarethe Wissmann

heutiges Foto
2015-01-20
recto

Nathanja Hüttenmeister

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2015-03-24
recto

Fragmente

Dem nur fragmentarisch erhaltenen Stein mit der Inv.-Nr. lag-1001 konnte das Fragment lag-1005 virtuell zugeordnet werden.

Margarethe Wissmann

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Nathanja Hüttenmeister

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Zitation der Inschrift

Digitale Edition - Jüdischer Friedhof Lage, lag-1001
URL: http://www.steinheim-institut.de/cgi-bin/epidat?id=lag-1001
(last modified - 2015-05-26 10:29)

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