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Krefeld (alter Friedhof) 493 inscriptions (1770-1924)

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ID kre-11
Lizenz Creative Commons Attribution-BY 4.0 International Licence [CC BY]
Zitation Digitale Edition ─ Jüdischer Friedhof Krefeld (alter Friedhof), kre-11: http://steinheim-institut.de/cgi-bin/epidat?kre-11

Name

R. Jehuda Löb Carlburg [20.2.1835]          

Diplomatische Transkription und Übersetzung

‎‏פ״נ‏‎ Hier ist begraben
‎‏אדמ״ו הרב הג׳ הג׳ המפורסם‏‎ unser Herr, unser Lehrer und unser Meister, der große Rabbiner, der weitbekannte überragende Gelehrte,
‎‏חסיד ועניו האמתי כקש״ת מו׳‏‎ fromm und demütig, der Wahrhaftige, Ehrwürden heiligen, glanzvollen Namens, unser Lehrer
‎‏יהודה ליב ק״ב בן הרב הג׳ הג׳‏‎ Jehuda Löb C(arl)b(urg), - Sohn des großen Rabbiners, des weitbekannten überragenden
‎‏המפורסם החסיד מ״ו מרדכי‏‎ 5 Gelehrten, des Frommen, unseres Lehrers und Meisters Mordechai
‎‏זצוק״ל אשר נתבקש בישיבה‏‎ - das Andenken des Gerechten und des Heiligen zum Segen - welcher in das himmlische Lehrhaus
‎‏ש״מ ועלה למרומי׳ אור ליום‏‎ geladen wurde und in die Höhen hinaufstieg zu Beginn des
‎‏הששי כ״א יום לחדש שבט‏‎ sechsten Tages, 21. Tag des Monats Schwat
‎‏תקצ״ה לפ״ק ׃ והוא שפט את‏‎ 595 der kleinen Zählung. Er richtete
‎‏ישראל חמש ועשרים שנה‏‎ 10 Israel für fünfundzwanzig Jahre
‎‏פק״ק קרעפעלד והמחוזות יע״א‏‎ hier (in der) heiligen Gemeinde Krefelds und des Umlands, der Höchste befestige sie, Amen.
‎‏תנצב״ה‏‎ Seine Seele sei eingebunden in das Bündel des Lebens

Kommentar

Datierung Gestorben Freitag, 20.2.1835
(Ps 87,5), und für ‎‏יגן עליה אלהים‏‎, "möge sie Gott beschützen" – ein Segenswunsch nach der Nennung von Ortsnamen jüdischer Gemeinden oder ihrer Vereine, der auch auf Stein B 56 aus dem Jahr 1839 zu finden ist.
Zl. 2: Der sehr ehrenvolle Titel, auf ‎‏אדמ״ו‏‎ abgekürzt, steht für ‎‏אדונינו מורינו ורבינו‏‎; zum Kunstwort "Admor" zusammengezogen wird er heute allerdings nurmehr für die führenden chassidischen Persönlichkeiten, die Zaddikim, gebraucht.
Zl. 3: Die Abkürzung ‎‏כקש״ת‏‎ steht für die ebenfalls sehr selten verwendete, da höchst ehrerbietige Anrede ‎‏כבוד קדושת שם תפארתו‏‎.
Zln. 4/5: Betonung der respektablen rabbinischen Abkunft des Verstorbenen.
Zln. 6/7: bBM 86a. Der Ausdruck findet sich fast ausschließlich in Inschriften für hervorragende Gelehrte und kommt in Krefeld nur noch ein weiteres Mal vor (siehe D 32 von 1901).
Zln. 9/10: Richter 16,31; 1 Sam 4,18 – ein knapper, klassischer Hinweis auf Carlburgs traditionelles Verständnis des Rabbineramtes: Richter zu sein "in Israel", d.h. der Gemeinde die Einhaltung der Halacha zu ermöglichen und alle aufkommenden Fragen und Fälle zu entscheiden und zu lösen.
Zl. 11: Die Abkürzung ‎‏יע״א‏‎ steht für ‎‏יכוננה עליון אמן‏‎, "der Höchste befestige sie, Amen"

Beschreibung

Maße 180 x 60 cm
Material Belgischer Granit
Lage B 73
Symbol brennende Öllampe

Zur Person

Rabbiner Jehuda Löb Carlburg besuchte die Talmudhochschulen (Jeschiwot) in Preßburg (Meier Barby), Frankfurt (Nathan Adler), Prag und Berlin, und war auch an Philosophie und klassischer Philologie interessiert. Als Hauslehrer u. a. in Bonn ab 1793 tätig und im Hause von Susman Moses Kaufmann (Bonn, Haus Nr. 823) wohnhaft, erwarb er Latein- und Französischkenntnisse und beschäftigte sich auch mit arabischer, chaldäischer und syrischer Sprachforschung. In Bonn wurde er 1803 zweiter Rabbiner und erhielt 1806 die Berufung Napoleons zu dessen großem "Sanhédrin" nach Paris, der er eines Augenleidens wegen auf Anraten seines Arztes, Jacob Wolff, nicht folgte. (Er erblindete später auf einem Auge.) Im März 1809 wurde er zum Oberrabbiner des neuerrichteten Krefelder Konsistoriums berufen, wo er bis zu seinem Tod 1835 wirkte.
"Am 20. dieses [Jahres] entriß uns der Tod, in Folge der Brustwassersucht, unsern hochverehrten Ober-Rabbiner, den Präsidenten des unterzeichneten Konsistoriums, Herrn Löb Carlburg. Noch ist kein Jahr verflossen, als wir das Fest seiner 25jährigen Amtsführung feierlich begingen, und jetzt stehen wir an seinem Grabe und beweinen mit den, aus Nähe und Ferne herbeigeeilten Verehrern des Verblichenen, den zwar im 70sten Lebensjahre, aber nur zu früh Dahingeschiedenen, der durch seltene Herzensgüte und unbegrenzte Wohltätigkeit gegen jeden, wes Standes und Glaubens er auch sein mochte, sich der Liebe Aller, die ihn kannten, im vollen Maße erfreute. Tröstend ist uns nur der Gedanke, daß er dort ist, wo er den Lohn seines tugendhaften Wandels einerndtet! Crefeld, den 23. Februar 1835. Das israelitische Konsistorium" (zitiert nach Stockhausen, Zur Geschichte, S. 56). Die "Wissenschaftliche Zeitung für Jüdische Theologie" des Reformers Abraham Geiger (1, 1835, S. 126) urteilte allerdings nüchterner: " Er hatte schöne Sprachkentnisse und wissenschaftlichen Sinn, gehörte aber seiner ganzen Richtung nach einer vergangenen Zeit an." Zu Akten, Werken und Literatur Löb Carlburg betreffend siehe die Ergebnisse des DFG-Projekts "Das deutschsprachige Rabbinat", Rabbinische Prosopographie der Moderne, Teil I 1781-1871, s.v. Carlburg (in Vorbereitung).

Quellen / Sekundärliteratur

SE 73/1835: Loeb Carlburg, geb. zu Carlsburg in Siebenbürgen, 70 Jahre, Ober-Rabbiner, Sohn von Marcus und Esther Carlburg, gest. 20.2.1835, Morgens 2 Uhr.

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(last modified - 2013-07-25 16:55)

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