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Ingelheim, Friedhof Hugo-Loersch-Straße 145 inscriptions (1840-1932)

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Namen

Zwi ben Josef Hakohen (Heinrich Hirsch) [19.03.1901]
Karoline Hirsch [16.08.1924]          

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Edition und Übersetzung

‎‏פ״נ‏‎ Hier ist begraben
‎‏איש תם וישר וירא אלהים‏‎ ›ein lauterer, aufrechter und gottesfürchtiger Mann‹,
‎‏פועל טוב וכשר מעללים‏‎ er wirkte Gutes und war tugendhaft in seinem Wirken
‎‏ורודף שלום עד אחריתו‏‎ und ›jagte dem Frieden nach‹ bis an sein Ende,
‎‏ה״ה צבי בר יוסף הכהן‏‎ 5 es ist Zwi, Sohn des Josef Hakohen,
‎‏נפטר ביום כ״ח אדר תרס״א לפ״ק‏‎ verschieden am 28. Tag des Adar 661 der kleinen Zählung
‎‏ונקבר ראש חדש ניסן תרס״א לפ״ק‏‎ und begraben Neumond Nissan 661 der kleinen Zählung.
‎‏תנצב״ה‏‎ Seine Seele sei eingebunden in das Bündel des Lebens
Heinrich Hirsch
geb. 13. Mai 1836, gest. 19. März 1901 10
Karoline Hirsch
geb. 24. Jan. 1841, gest. 16. Aug. 1924.
 Postament
Er ruhe in Frieden.

 

 Zl 2: Ijob 1,8  Zl 4: Av 1,12

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Kommentar

Datierung Heinrich Hirsch: Geboren 13.05.1836; gestorben Dienstag, 19.03.1901 ; begraben am übernächsten Tag
Karoline Hirsch: Geboren 24.01.1841; gestorben 16.08.1924


Auch diese Familie wählte einen obeliskfömigen Grabstein (Vgl. ihl-0095). Der Nachruf für Heinrich Hirsch dominiert ihn deutlich. Die Daten für Karoline Hirsch, die 23 Jahre nach ihrem Gatten starb, sind nur auf Deutsch eingefügt. Der Segensspruch auf dem Sockel ist männlich formuliert. Die hebräische Inschrift für Heinrich Hirsch ist in traditioneller Weise verfasst, mit Einleitungs- und Schlussformel, einem Nachruf mit biblischen Zitaten, dem Synagogalnamen Zwi und dem Synagogal- und gleichzeitig Rufnamen seines Vaters Josef und dem Sterbe- und Begräbnisdatum.
Die Eulogie wurde einem Musterbuch entnommen. Sie findet sich zum Beispiel in identischer, entwas längerer Form in Seligman Baers "Tozeoth Chajim", einem der beliebten Kompendien mit Gebeten "bei Krankheitsfällen, im Sterbehause und auf dem Friedhof", das auch eine Reihe von Musterinschriften enthält (Dritte verbesserte und vermehrte Auflage, Rödelheim 1871, Musterinschrift Nr. 9 [mu2-0009]).

Namenskunde Der hebräische Name Zwi bedeutet Hirsch; dieser Name geht auf den Jakobssegen zurück, in dem Jakob seinen Sohn Naftali mit einem springenden Hirsch vergleicht (Genesis 49,21). Der Gleichklang von Heinrich und Hirsch ist hier die Verbindung zwischen den beiden Namen. Die segnenden Hände über der Schrift und das Wort Hakohen (Zl. 5b) weisen auf die Abstammung aus der Priesterfamilie hin.

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Stilmittel


Reim auf -im in Zln 2-3.

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Beschreibung


Material Granit
Beschreibung Obelisk auf zweifach abgestuftem Sockel.
Schrift vertieft, zentriert, die Name hervorgehoben.
Symbol Segnende Priesterhände
Zustand Gut.

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Zur Person


Heinrich Hirsch stammte aus der Metzgerfamilie Hirsch/Mayer. Er wurde am 12. Mai 1836 als ältester Sohn des Metzgers und Viehhändlers Joseph/Jessel Hirsch in Ober-Ingelheim geboren.
Laut einer Anzeige von 1872 handelte er mit Mehl, Kleien, Futtermehl und Dürrgemüse. Am 17/19. Juli 1869 heiratete er in erster Ehe Elise, geb. Abraham aus Waldhilbersheim. Aus dieser Ehe gingen Luise und Josef hervor. Luise starb mit 11 Monaten. Die Ehefrau Elise starb 1873 mit knapp 30 Jahren.
In zweiter Ehe heiratete Heinrich am 19. Juli 1875 Karoline, geb. Haas aus Odernheim. Heinrich Hirsch starb 1901, Karoline 1924.
Josef Hirsch übernahm nach dem Tod seines Vaters das Geschäft Ecke Stiegelgasse 8 /Heimesgasse. Es ging laut Ingelheimer Zeitung vom 7. April 1938 in den Besitz der Spar- und Darlehenskasse Ober-Ingelheim über, nachdem ihm die Judenpolitik der nationalsozialistischen Diktatur jede wirtschaftliche Tätigkeit unmöglich gemacht hatte. Der Schriftzug der Sparkasse ist im spitzbogigen Türrahmen erhalten. Josef Hirsch emigrierte 1939 mit seiner Familie nach Argentinien.

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Zur Familie


Vater von Heinrich Hirsch: Josef Jessel Hirsch (ihl-0025)
Mutter von Heinrich Hirsch: Babethe Hirsch geb. Mayer (ihl-0088)
1. Gattin von Heinrich Hirsch: Elisa Hirsch geb. Abraham (ihl-0051)

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Quellen / Sekundärliteratur

Familienliste, Nr. 107.
Jüdische Spuren in Ober-Ingelheim (6. Der Hirsche Seppl) auf der Seite des Deutsch-Israelischen Freundeskreises Ingelheim e.V.


Hans-Georg Meyer und Gerd Mentgen: Sie sind mitten unter uns. Zur Geschichte der Juden in Ingelheim. Hrsg. vom Deutsch-Israelischen Freundeskreis Ingelheim e. V. Ingelheim, Kügler 1998, S. 110f., 259f., 573.

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Fotografien

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Michael Schlotterbeck, Ingelheim

heutiges Foto
2016-05-14
recto