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Ingelheim, Friedhof Hugo-Loersch-Straße 145 Inschriften (1840-1932)

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epidat - epigraphische Datenbank

ID ihl-116
Lizenz Creative Commons Attribution-BY 4.0 International Licence [CC BY]
Zitation Digitale Edition ─ Jüdischer Friedhof Ingelheim, Friedhof Hugo-Loersch-Straße, ihl-116: http://steinheim-institut.de/cgi-bin/epidat?ihl-116

Name


Rihele Nussbaum (Rosa Nussbaum geb. Stern) [25.10.1911]                

Diplomatische Transkription und Übersetzung

‎‏פ״נ‏‎ Hier ist begraben
‎‏ריהלה נוּסבּום‏‎ Rihele Nussbaum,
‎‏מתה ביום ג׳ חשון‏‎ gestorben am 3. Tag des Cheschvan
‎‏תרע״ב לפ״ק‏‎ 672 der kleinen Zählung.
Rosa Nussbaum geb. Stern 5
geb. 14. Novbr. 1872,
gest. in der Blüte ihrer Jahre 25. Okt. 1911.
Im Grab ist Ruh, im Leben Schmerz
Drum schlummre sanft, Du gutes Herz.
‎‏תנצב״ה‏‎ 10 Ihre Seele sei eingebunden in das Bündel des Lebens

Kommentar

Datierung Geboren 14.11.1872; gestorben Mittwoch, 25.10.1911
Dieser Grabstein ist der erste in dieser Form, der eine Dreigliedrigkeit andeutet (vgl. ihl-0118, ihl-0120), die später in dreiflügelige Grabanlagen übergeht (ihl-0121, ihl-0123, ihl-0124, ihl-0128). Hebräische und deutsche Inschrift werden vermischt. Hebräische Eingangs- und Schlussformel umrahmen den Text und sind zentriert gesetzt. In den nächsten drei Zeilen stehen linksbündig der Name und Todesdatum nach dem jüdischen Kalender. Für das Design wäre auch hier eine Zentrierung besser gewesen, der hebräischen Sprache hätte eine Rechtsbündigkeit entsprochen. Die folgende deutsche Inschrift ist zentriert gesetzt. Der Gebrauch der hebräischen Sprache sieht unbeholfen aus und deutet darauf hin, dass der Designer dieses Grabsteins der Sprache nicht mächtig war.
Namenskunde Der Name ‎‏ריהלה‏‎, etwa "Rihele" oder "Rehle", ist ungewöhnlich. Möglicherweise handelt es sich um eine von ‎‏רחל‏‎/"Rachel" hergeleitete Koseform. Mit "Rosa" wurde dem Namen ein gleich anlautender bürgerlicher Name zur Seite gestellt.

Beschreibung

Material Granit
Beschreibung Hochrechteckige Stele auf Sockel, im oberen Drittel abgestuft, flacher, nach den Seiten hin abgewinkelter Abschluss, über der Schrift eine im Jugendstil stilisierte Blüte und weitere geometrische Verzierungen, rechts und links je eine Volute.
Schrift vertieft, zentriert, der Name in Großbuchstaben und hervorgehoben.
Ornament florale Verzierung; gestalterische Verzierung
Zustand Gut.

Zur Person

Rosa Nussbaum war das siebte Kind des Textilwarenhändlers Leopold Stern und der Franziska, geb. Sundheimer. Sie wurde am 14. November 1872 (1873?) in Nieder-Ingelheim geboren. Am 29. Januar 1901 heiratete sie Gustav Nussbaum, der das Geschäft seines Schwiegervaters in der Mainzer Str. 78 übernahm. Das Paar hatte zwei Kinder: 1. Oskar, geb. 24. Oktober 1901, verh. 1933 in Völklingen/Saar mit Hanna Strauß; 2. Elisabeth, geb. 16. November 1902, verh. am 22. Dezember 1931 mit Bruno/Benno Kapp. Rosa Nussbaum starb, wie es in der Grabinschrift ausgedrückt wurde, "in der Blüte ihrer Jahre" am 25. Oktober 1911 im 38. Lebensjahr.
Gustav Nussbaum heiratete in zweiter Ehe Berta Neumann. Aus dieser Ehe ging eine weitere Tochter hervor, Lotte, geb. am 20. Juni 1920 in Mainz. Gustav und Bertha Nussbaum wurden zusammen mit ihrer Tochter Lotte mit dem letzten Transport von Juden aus Ingelheim am 20. September 1942 nach Theresienstadt deportiert. Lotte wurde vermutlich in Treblinka ermordet, doch ihre Eltern Gustav und Bertha Nussbaum überlebten das Konzentrationslager und lebten nach dem 2. Weltkrieg in Paris. Ein Teil der Familie konnte nach Frankreich fliehen. Ihre Enkelin Ruth Kapp-Hartz überlebte in Frankreich, wo sie mit Hilfe der französischen Widerstandsbewegung in einem Dorf und in einem Kloster versteckt wurde (siehe ihr Bericht, der von Stacy Cretzmeyer aufgeschrieben wurde). Sie füllte auch ein Gedenkblatt der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad VaShem für Lotte Nussbaum aus. Stolpersteine erinnern vor dem Haus Mainzer Straße 78 an die Familie.

Zur Familie

Vater: Leopold Stern (ihl-0129)

Links zu personenbezogenen Onlinedatenbanken

Nussbaum, Lotte ─ Gedenkbuch: Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, 937969 ─ ‎‏יד ושם‏‎ Yad Vashem: Zentrale Datenbank der Namen der Holocaustopfer, 589975

Quellen / Sekundärliteratur

Familienliste, Nr. 261.
Familie Nussbaum auf der Seite des Deutsch-Israelischen Freundeskreises Ingelheim e.V.
Stolpersteine in Ingelheim auf der Seite des Deutsch-Israelischen Freundeskreises Ingelheim e.V.
Hans-Georg Meyer und Gerd Mentgen: Sie sind mitten unter uns. Zur Geschichte der Juden in Ingelheim. Hrsg. vom Deutsch-Israelischen Freundeskreis Ingelheim e. V. Ingelheim, Kügler 1998, S. 153, 248, 575.
Stacy Cretzmeyer: Ruths Geschichte. Die abenteuerliche Rettung eines jüdischen Mädchens. Freiburg (Herder) 1999 [Originalausgabe: Stacy Cretzmeyer: My name is Renée, New York (Oxford Universtity Press 1999)].

Fotografien

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Schlotterbeck, Michael

heutiges Foto
2016-05-14
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Zitation der Inschrift

Digitale Edition ─ Jüdischer Friedhof Ingelheim, Friedhof Hugo-Loersch-Straße, ihl-116
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