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Hildesheim, Jüdischer Friedhof Teichstraße 106 Inschriften (1620-1873)

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ID hld-9
Lizenz Creative Commons Attribution-BY 4.0 International Licence [CC BY]
Zitation Digitale Edition ─ Jüdischer Friedhof Hildesheim, Jüdischer Friedhof Teichstraße, hld-9: http://steinheim-institut.de/cgi-bin/epidat?hld-9

Name

Baruch ben Jaakow [05.04.1699]          

Diplomatische Transkription und Übersetzung

‎‏פה‏‎ Hier
‎‏נקבר איש צדיק‏‎ ist begraben ein gerechter
‎‏וישר היקר כמ״ר‏‎ und aufrechter Mann, der Teure, der geehrte Herr
‎‏ברוך בן היקר כמ״ר‏‎ Baruch, Sohn des Teuren, des geehrten Herrn
‎‏יעקב נפטר בשם‏‎ 5 Jaakow, verschieden ›mit gutem
‎‏טוב ביום א׳ ו׳ ניסן‏‎ Namen‹ am Tag 1, 6. Nissan
‎‏תנ״ט לפ״ק תנצב״ה‏‎ 459 der kleinen Zählung. Seine Seele sei eingebunden in das Bündel des Lebens
‎‏עם נשמת אי״ו‏‎ mit den Seelen von Awraham, Jizchak und Jaakow,
‎‏שרר״ו אמן סלה‏‎ Sara, Riwka, Rachel und Lea, Amen Sela

 

 Zl 5f: bBer 17a

Kommentar

Datierung Gestorben Sonntag, 05.04.1699
In dieser Inschrift für Baruch, Sohn des Jaakow, beschränkte man sich anstelle einer langen Eulogie auf die Aneinanderreihung einiger Attribute ("gerecht", "aufrecht", "teuer"). Auffallend ausführlich wurde dagegen der Schlusssegen gestaltet: Die übliche Segensformel nach 1 Samuel 25,29, die sich seit dem späten Mittelalter unter so gut wie jeder hebräischen Grabinschrift findet, wurde hier durch die Nennung der Erzväter und -mütter ergänzt und mit dem biblischen "Amen Sela" abgeschlossen, eine Erweiterung des Segens, die man vor allem aus den Einträgen in den traditionellen Memorbüchern kennt, den von vielen Gemeinden geführten Seelengedächtnisbüchern.
Bei der Darstellung am Ende der Inschrift, ein kleines Tier mit gelocktem Fell, handelt es sich höchstwahrscheinlich um ein Sternzeichen, und zwar ‎‏טלה‏‎, wörtlich "Lamm", der hebräische Name des Sternzeichens Widder. Vor allem im 18. Jahrhundert findet man hin und wieder die Darstellung von Sternzeichen auf jüdischen Grabsteinen. Am bekanntesten ist wahrscheinlich die Abbildung des Eimers als Symbol für das Sternzeichen Wassermann (hebr. ‎‏דלי‏‎ = Eimer) auf dem Grabmal des kaiserlichen Wiener Hoffaktoren Samson Wertheimer, Vater der ebenfalls hier ruhenden Tolze (hld-1002). Und bei der Abbildung des Krebses auf dem Stein der 1728 gestorbenen Perle (hld-0017) handelt es sich wahrscheinlich ebenfalls um ein Sternzeichen.
Zl 4: Das letzte Wort, die Abkürzung für "des geehrten Herrn", wurde aus Platzgründen in kleineren Buchstaben geschrieben.

Beschreibung

Lage Das Grabmal wurde in die Friedhofsmauer eingelassen und steht nicht mehr am ursprünglichen Standort.
Beschreibung Schmalhohe Stele mit geradem Abschluss. Die sorgfältig gearbeiteten Buchstaben der bis auf die mittig gesetzte Kopfzeile rechtsbündig angebrachten Inschrift füllen das gesamte Schriftfeld. Die Abkürzungszeichen wurden in Form eines kleinen Krönchens gestaltet. Unterhalb der Inschrift ist in einer kleines Kartusche ein Tier mit gelocktem Fell im Relief dargestellt, höchstwahrscheinlich das Sternzeichen Widder.
Symbol Sternzeichen: Widder

Zur Person

Baruch, Sohn des Jaakow, ist wohl identisch mit Borrach Jacob Cantor, der neben Jacob Cantor, wohl seinem Vater, in dem am 24. Oktober 1662 ausgestellten Schutzbrief des Kölner Erzbischofs für die Hildesheimer Juden genannt ist. Jacob Cantor wird bereits 1660 im Schutzbrief der Hildesheimer Samtregierung für die Juden in Alt- und Neustadt unter den Juden in der Neustadt aufgeführt, der dort ebenfalls aufgeführte Bernhardt Jacob könnte wiederum mit Baruch identisch sein.

Quellen / Sekundärliteratur

Schutzbrief der Hildesheimer Samtregierung vom 09.08.1660 (StA Hildesheim, Bst. 100/84 Nr. 19 [Konzept] und Best. 50/154 Bd. 34, 197-199 [Abschrift]) sowie Schutzbrief des Kölner Erzbischofs vom 24.10.1662 (BtmA Hildesheim, Abr. C Nr. 355, Abschrift von ca. 1666), hier beides nach Aufgebauer (s.u.), S. 159-161.
Peter Aufgebauer: Die Geschichte der Juden in der Stadt Hildesheim im Mittelalter und in der frühen Neuzeit (Schriftenreihe des Stadtarchivs und der Stadtbibliothek Hildesheim, Bd. 12), Hildesheim 1984.

Fotografien

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Zitation der Inschrift

Digitale Edition ─ Jüdischer Friedhof Hildesheim, Jüdischer Friedhof Teichstraße, hld-9
URL: http://www.steinheim-institut.de/cgi-bin/epidat?id=hld-9
(letzte Änderungen - 2016-01-20 09:57)

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Inschriften des Jahres 1699

Orte jüdischer Geschichte im Umfeld des Friedhofs

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Steinheim-Institut
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