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Hildesheim, Jüdischer Friedhof Teichstraße 106 Inschriften (1620-1873)

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ID hld-4
Lizenz Creative Commons Attribution-BY 4.0 International Licence [CC BY]
Zitation Digitale Edition ─ Jüdischer Friedhof Hildesheim, Jüdischer Friedhof Teichstraße, hld-4: http://steinheim-institut.de/cgi-bin/epidat?hld-4

Name

Schmuel ben Josef SeGaL Hameln (Samuel Hameln) [17.06.1687]          

Diplomatische Transkription und Übersetzung

‎‏פה נטמן צלוחית‏‎ Hier ist geborgen eine Schale
‎‏המן ׃ פרנס הדור ככ‏‎ voll Manna, Vorsteher der Generation, Kal-
‎‏לכל והימן ׃ לה׳ היה‏‎ kol und Heman gleich, dem Ewigen war
‎‏שמואל נאמן ׃ יושב‏‎ Schmuel getreu, er sitzt
‎‏בישיבה והורה לעם‏‎ 5 in der Jeschiwa und lehrt ›das Volk,
‎‏לא אלמן ׃ הרב וא״ב‏‎ das nicht verlassen ist‹, der Rabbiner, der Vorsitzende der
‎‏ד׳ פ״ו כמוהר״ר שמו‏‎ Gerichtsbarkeit, der Vorsteher und Leiter, der geehrte, unser Lehrer und Meister, Herr Schmu-
‎‏אל במוהר״ר יוסף‏‎ el, Sohn unseres Lehrers und Meisters, Herrn Josef
‎‏ס״ל האמל ׃ יצא נ‏‎ SeGaL Hameln, heraus ging seine
‎‏שמתו בתוך דבר‏‎ 10 Seele während der freudigen
‎‏מצוה בשמחות ׃‏‎ Gebotserfüllung
‎‏יו׳ ג׳ ו׳ תמוז תמ״ז ל״פ‏‎ (am) Tag 3, 6. Tammus 447 der kleinen
‎‏ק׳ תנצב״ה‏‎ Zählung. Seine Seele sei eingebunden in das Bündel des Lebens

 

 Zl 5f: Jer 51,5

Kommentar

Datierung Gestorben Dienstag, 17.06.1687
Eine aufwändig gereimte Inschrift, die den Rabbiner und Gemeindevorsteher R. Samuel ob seiner Gelehrsamkeit mit einer Schale voll Manna und den biblischen Gelehrten Kalkol und Heman, Beratern des Königs Salomo, vergleicht. Die markanten, sorgfältig gearbeiteten Buchstaben füllen das gesamte Schriftfeld des Grabsteins und bilden ganz traditionell den einzigen Schmuck dieser Stele, während die reliefierte Levitenkanne, das traditionelle Symbol für die Abstammung aus dem Geschlecht der Leviten, die im Tempel für die kultische Reinheit und die Liturgie zuständig waren, durch ihre geringe Größe und die ungewöhnliche Platzierung am Ende der Inschrift erst auf den zweiten Blick ins Auge fällt. Die flächenfüllende Wiedergabe der Inschrift führte jedoch zu häufigen zeilenübergreifenden Schreibweisen, die eine Lesung erschweren.
Zln 2-3: Vgl. 1Kön 5,11 und 1Chr 2,6; Heiman und Kalkol waren weise Männer zur Zeit König Salomons, die nur er an Klugheit übertraf.
Zln 3-4: Zln 3-4: Vgl. 1Samuel 3,20.
Zln 5-6: Wörtlich "nicht verwitwet", d.h. nicht verlassen (von Gott).
Zeilenübergreifende Schreibung von Wörtern in Zln 2-3, 7-8, 9-10 und von Abkürzungen in Zln 6-7 und 12-13.

Stilmittel

Reim Binnenreim auf -man in Zln 1-6 (durch rautenförmige Satztrenner hervorgehoben).

Beschreibung

Lage Das Grabmal wurde in die Friedhofsmauer eingelassen und steht nicht mehr am ursprünglichen Standort.
Beschreibung Schmalhohe Stele mit geradem Abschluss. Die sorgfältig gearbeiteten, jedoch etwas unregelmäßigen eingravierten Buchstaben füllen das gesamte Schriftfeld; in der letzten Zeile folgt nach dem Schlusssegen die reliefierte Levitennkanne.
Symbol Levitenkanne, von einer aus Wolken reichenden Hand gehalten (Relief)

Zur Person

Samuel Hameln stammte aus einer bekannten Familie. Er war Sohn von Josef Hameln (auch Josef Goldschmidt und Josef Stuttgart genannt) und damit ein älterer Bruder von Chajim Hameln, dem früh verstorbenen Gatten der bekannten Hamburger Kauffrau Glückel. In ihren Memoiren wird er mehrfach erwähnt ("Was das [R. Samuel] für ein frommer und heiliger Mann gewesen ist, kann ich nicht beschreiben"). Samuels Mutter Freudchen war eine Tochter des Vorstehers der Provinz Schaumburg, Nathan Spanier, welcher das Ansiedlungsrecht für die Juden in Altona erlangt hatte und der 1646 auf dem Friedhof Königstraße in Hamburg-Altona begraben wurde (Grabstein Nr. hha-3350).
Seine Ausbildung erhielt Samuel Hameln in Polen und heiratete dort Lena, eine Tochter des Lemberger Rabbiners Meschullam, die ihm sieben Kinder schenkte: die Töchter Zippora, Edel und Malka und die Söhne Natan und Isak. Mit seiner Familie kehrte R. Samuel nach Hameln zurück und wurde kurze Zeit später (vor 1650) zum Rabbiner in Hildesheim ernannt. Im Schutzbrief von 1660 ist er unter dem Namen "Rabbi Samuel Meyer" aufgeführt, 1662 "Rabi Schmuel". Unbekannt bleibt, wie lange R. Samuel dieses Amt inne hatte.
Seine Tochter Malka war mit Jehuda ben Elieser Lipman verheiratet, das ist der bekannte Juwelenhändler Jost Liebmann, den sie im Hause ihres Onkels Chajim Hameln in Hamburg kennengelernt hatte, bei dem Jost Liebmann in die Lehre gegangen war. 1664 eröffnete Jost Liebmann gemeinsam mit seinem Schwiegervater ein Handelshaus in Hannover. Nach dem frühen Tod seiner Frau gelangte er über Hildesheim 1677 nach Berlin, wo er die Witwe des brandenburgischen Hoffaktors Israel Aaron, Ester Schulhoff, heiratete und bald zu einem der bedeutensten Hoffaktoren und einem der reichsten Juden seiner Zeit aufstieg.
Möglicherweise hatte R. Samuel mit der Eröffnung seines Handelshauses in Hannover 1664 sein Rabbineramt niedergelegt. 1668 scheint er jedenfalls nicht mehr als Rabbiner amtiert zu haben, seit 1671 bekleidete R. Mordechai Cohen (Grabstein Nr. hld-1004) dieses Amt. R. Samuel dagegen widmete sich dem Gemeindeleben, war aktiv in der von seinem Vater mitbegründeten Chewra Kaddischa (Beerdigungsbruderschaft) und diente seit 1669 bis zu seinem Tode als Gemeindevorsteher. Seiner Grabinschrift ist zu entnehmen, dass er neben seiner Funktion als Vorsitzender der Gerichtsbarkeit, die er vermutlich während seiner Rabbinertätigkeit innehatte, eine eigene Jeschiwa, ein religiöses Lehrhaus, leitete.

Quellen / Sekundärliteratur

Schutzbrief der Hildesheimer Samtregierung vom 09.08.1660 (StA Hildesheim, Bst. 100/84 Nr. 19 [Konzept] und Best. 50/154 Bd. 34, 197-199 [Abschrift]), sowie Schutzbrief des Kölner Erzbischofs vom 24.10.1662 (BtmA Hildesheim, Abr. C Nr. 355, Abschrift von ca. 1666), hier beides nach Aufgebauer (s.u.), S. 159-161.
Abraham Lewinsky: Der Hildesheimer Rabbiner Samuel Hameln. Sonderabdruck aus dem Gedenkbuch zur Erinnerung an David Kaufmann, Hildesheim 1900 (Freimann-Sammlung).
Und siehe auch: Abraham Lewinsky: Die Kinder des Hildesheimer Rabbiners Samuel Hameln, in: Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums, Heft 5 (1900), S. 250-259 Compact Memory.
Peter Aufgebauer: Die Geschichte der Juden in der Stadt Hildesheim im Mittelalter und in der frühen Neuzeit (Schriftenreihe des Stadtarchivs und der Stadtbibliothek Hildesheim, Bd. 12), Hildesheim 1984, S. 138, 141, 144, 146, Anm. 830.
Moritz Landsberg: Zur Geschichte der Synagogen-Gemeinde Hildesheim und des darin annoch bestehenden wohlthätigen Vereins Chebra Kadischa schel gemilaot chasadim, Hildesheim 1868, vor allem S. 10 und (zum Vater Joseph Hameln).
Menges, Franz: Liebmann, Jost, in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 508-510 (Onlinefassung).

Fotografien

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Regina Viereck

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(letzte Änderungen - 2016-01-20 09:57)

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