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Hildesheim, Jüdischer Friedhof Teichstraße 106 Inschriften (1620-1873)

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ID hld-1001
Lizenz Creative Commons Attribution-BY 4.0 International Licence [CC BY]
Zitation Digitale Edition ─ Jüdischer Friedhof Hildesheim, Jüdischer Friedhof Teichstraße, hld-1001: http://steinheim-institut.de/cgi-bin/epidat?hld-1001

Name

Zwi Hirsch ben Jizchak Oppenheim [13.07.1762]          

Diplomatische Transkription und Übersetzung

‎‏צבי‏‎ Zwi, Pracht
‎‏והפאר [...] לגנוז כ[ ...]‏‎ und Herrlichkeit [...] dem Verwahrten wie [...]
‎‏ומ[...] הדר? ותהילה?‏‎ [...] Glanz? und Ruhm?
‎‏[...]‏‎ [...]
‎‏[...] הקצין הגאון‏‎ 5 [...] der Einflußreiche, der überragende Gelehrte [...]
‎‏[...] צבי הירש בן‏‎ [...] Zwi Hirsch, Sohn des
‎‏הר״ר יצחק ז״ל אפנהיים [...] ׃ תורתו‏‎ Meisters, Herrn Jizchak, sein Andenken zum Segen, Oppenheim [...]. Seine Lehre
‎‏מאירת [...] נפשו שם בכפו ורץ‏‎ erleuchtete [...] ›sein Leben setzte er ein‹ und (eilte) ›schnell
‎‏כצבי אל שרו[תו?] לשאל גזרת שטנים לבטל‏‎ wie der Hirsch‹ zu seinem Dienste? [...] zu erbitten, ›teuflische Verordnungen aufzuheben‹,
‎‏להציל נפשות מישראל [...]תנו מוכתר בת״ת‏‎ 10 um zu retten Seelen aus Israel [...], gekrönt mit Talmud und Tora,
‎‏לדרוש תורת ה׳ חפצו כל הימים לגמילות חסדים‏‎ die Weisung des Ewigen auszulegen war sein Begehren alle Tage, für Liebeswerke
‎‏וביקור חולים לא מש מכיסו ידיהו ׃ למג[...]‏‎ und Krankenbesuch wich seine Hand nicht aus seinem Beutel, [...]
‎‏הגואל? כל אדם? ומ[...] החזיק מלמדי תלמוד‏‎ des Erlösers? jedes Menschen und [...] unterstützte er Talmudlehrer,
‎‏[...] שמהם תצא תורה‏‎ [...] dass von ihren Tora ausgehe
‎‏[...] ושמ[ירה?]‏‎ 15 [...] und Wacht?,
‎‏נפטר ונקבר ביום כ״ב? תמוז‏‎ verschieden und begraben am 22.? Tag des Tammus
‎‏תקכ״ב לפ״ק נתצב״ה‏‎ 522 der kleinen Zählung. Es sei seine Seele eingebunden in das Bündel des Lebens

 

 Zl 8: Vgl. 1Sam 19,5 u.a.  Zl 8f: Av 5,20 | Zl 9: bSot 10a

Kommentar

Datierung Gestorben und begraben Dienstag, 13.07.1762 ;
Zl 1: Der Name "Zwi" hat auch die Bedeutung "Pracht" und wurde daher hier doppelt übersetzt.
Zl 17: Das Sterbejahr wurde entsprechent der Angabe von Peter Aufgebauer und Heinrich Schnee (s.u.) gelesen. Zvi Asarja (s.u.) gibt als Sterbejahr 1758 an.
Namenskunde Im Jakobsegen vergleicht Jakob seinen Sohn Naftali mit einem springenden Hirsch (Genesis 49,21). Daher kommt die Parallelität der Namen Naftali, Zwi (hebr. für "Hirsch") und des deutschen Hirsch bzw. hier Herschel.

Beschreibung

Lage Das Grabmal steht vermutlich nicht mehr am ursprünglichen Standort, sondern wurde - gemeinsam mit dem der Gattin - an der Friedhofsmauer neu aufgestellt.
Beschreibung Sehr großes aufwändiges Barockgrabmal. Im Giebelfeld steht groß der Name "Zwi" (=Hirsch), wappenartig gerahmt von Ranken, die von zwei auf den Hinterläufen stehenden Hirschen gehalten werden. Die folgende 16-zeilige Eulogie, die das Schriftfeld komplett ausfüllt, ist ebenfalls von Ranken gerahmt.
Symbol Zwei Hirsche als Symbol für den Namen Zwi.
Zustand 2015 Das von zwei Eisenstangen an der Mauer gehaltene Grabmal ist stark verwittert und stark vermoost, die Inschrift konnte nicht mehr vollständig entziffert werden.

Zur Person

Der aus Wien stammende Rabbiner Zwi Hirsch Oppenheim/Herschel Isaak Oppenheimer, der 1732 zum Stiftsrabbiner in Hildesheim berufen wurde, war ein Sohn von Isaak Oppenheimer, welcher ein Stiefsohn des kaiserlichen Hoffaktors und Rabbiners Samson Wertheimer zu Wien gewesen war. Verheiratet war er mit Gnendel, einer Tochter von Joseph Oppenheim und Enkelin von Samson Wertheimer. Damit war er Teil einer reichen und einflussreichen jüdischen Elite, deren familiären Verbindungen über das ganze Reich gespannt waren. Als Hoffaktor des Fürstbischofs Clemens August von Bayern und dessen Kammerrezeptor hatte er alle Staatseinnahmen einzuziehen und die Einkünfte des Bischofs nach Köln oder Bonn zu übermachen. Heinrich Schnee beschreibt seinen Einsatz (nicht nur) für die Hildesheimer Juden: "Als 1735 die unvergleiteten Juden aufgefordert wurden, innerhalb eines halben Jahres das Stift zu verlassen, setzte der Kammeragent im nächsten Jahr die Aufhebung der Ausweisung durch. Im Jahre 1741 verwandte er sich als Prinzipalvorsteher der Juden, gleichfalls mit Erfolg, für die Sarstedter Glaubensgenossen, als diese von den Fleischhauern der Stadt verklagt wurden. [...] Als Maria Theresia in der Drangsal des zweiten Schlesischen Krieges, erbittert über die Hilfe, die König Friedrich II. nach ihrer Meinung von jüdischen Liferanten und Spionen erhielt, die Ausweisung aller Juden aus Böhmen verfügte, verwandte sich Kurfürst Clemens August auf Bitten seines Kammeragenten Oppenheimer durch seinen Gesandten 1745 in Prag sehr warm für die Juden." Zwi Hirsch Oppenheim starb im Jahr 1762, woraufhin seine Witwe für einige Jahre seine Geschäfte weiterführte.
Zvi Asaria schreibt über Rabbiner Hirsch Oppenheim: "Er stammte aus der bekannten reichen Familie Oppenheim aus Wien und trat sehr mutig auf, wenn es um die Angelegenheiten der Gemeinde ging, sorgte für die Schule und besonders für die Armen, für die er eine besondere Herberge und einen Arzt beschaffte. Das Memorbuch lobt ihn nicht nur als einen großen Gelehrten, sondern, wie es heißt, als einen Menschen, der sehr viel Mitgefühl für seine Nebenmenschen hatte: 'Seine Hände waren offen für die Armen und ihre Leiden, wie seine Liebeswerke für die Nahen und Entfernten'."
Der Hildesheimer Rabbiner Abraham Lewinsky veröffentlichte Auszüge aus dem Hildesheimer Memorbuch, darunter auch den Memorbucheintrag für Zwi Hirsch Oppenheim.
Bei Aufgebauer (s.u.) ist der Heirats- und Ehevertrag zwischen Nathan Moses Leidersdorf von Copenhagen und Hanna Oppenheim, Tochter von Rabbiner Zwi Hirsch Oppenheim, aus dem Jahr 1754 abgedruckt (Anhang, Nr. 17; S. 167-172).

Zur Familie

Schwiegermutter: Tolze bat Josef Oppenheim (hld-1002)

Quellen / Sekundärliteratur

Peter Aufgebauer: Die Geschichte der Juden in der Stadt Hildesheim im Mittelalter und in der frühen Neuzeit (Schriftenreihe des Stadtarchivs und der Stadtbibliothek Hildesheim, Bd. 12), Hildesheim 1984, S. 139.
Zvi Asaria: Die Juden in Niedersachsen von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart, Leer 1979, S. 339.
Heinrich Schnee: Die Hoffinanz und der moderne Staat. Geschichte und System der Hoffaktoren an deutschen Fürstenhöfen im Zeitalter des Absolutismus, Bd. 3, Berlin 1955, S. 69-72.
Abraham Lewinsky: Qadmoniot miPinkasot jeschanim beHildesheim (hebr.), in: Haeschkol V, S. 244-248.
Abraham Lewinsky: Die Kinder des Hildesheimer Rabbiners Samuel Hameln, in: Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums, Heft 5 (1900), S. 250-259, hier S. 253, Anm. 7 (Compact Memory).
David Kaufmann: Samson Wertheimer, der Oberhoffactor und Landesrabbiner (1658-1724) und seine Kinder, Wien 1888, S. 79f.

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(letzte Änderungen - 2016-01-20 09:57)

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