logo epidat: epigraphische Datenbank

Hamburg-Altona, Königstraße 6072 Inschriften (1621-1871)

Information   Inschriften   Karte   Quellen   Indizes   Lageplan Download
Inv.-Nr.:
Jahr:
    «    [30/6072]    »     »|
Edition Kommentar Stilmittel Beschreibung Quellen Foto
Export: TEI P5 plain text

epidat - epigraphische Datenbank

ID hha-8491
Lizenz Creative Commons Attribution-BY 4.0 International Licence [CC BY]
Zitation Digitale Edition ─ Jüdischer Friedhof Hamburg-Altona, Königstraße, hha-8491: http://steinheim-institut.de/cgi-bin/epidat?hha-8491

Name


Simcha ben Issachar [23.06.1656]                

Diplomatische Transkription und Übersetzung

‎‏כתר תורה‏‎ ›Krone der Tora‹
‎‏נוח שא[(נ)]ן וסתר יתלונן‏‎ ›Unbekümmert ruht er‹, ›und geschützt verweilt er‹,
‎‏צורבא [מרבנן] אוריין ובר‏‎ ›der von der Flamme der Toragelehrten Erfaßte‹, ›ein Toragelehrter, Sohn
‎‏אוריין הוא ה[(דיי)]ן המצויין‏‎ eines Toragelehrten‹, es ist der ausgezeichnete Rabbinatsassessor,
‎‏כמוהר״ר שמחה ב׳ כמוהר״ר‏‎ 5 unser geehrter Lehrer und Meister, Herr Simcha, Sohn unseres geehrten Lehrers und Meisters, Herrn
‎‏יששכר מק״ק ווילנא יעמד‏‎ Issachar aus der heiligen Gemeinde Wilna, ›auferstehen
‎‏לקץ הימין נפטר יום ו״ד (!) א׳‏‎ möge er am Ende der Tage‹, verschieden Tag sechs, 1. (Tag)
‎‏לחדש תמוז שנת תיו לח[(יי)]ם‏‎ des Monats Tammus des Jahres "Möge Jerusalem erbaut und errichtet werden zum Leben" (416)
‎‏לפ״ק‏‎ der kleinen Zählung,
‎‏מנוחה ושמ[חה] לאיש מת והוא‏‎ 10 Ruhe(statt) und Freude dem Manne, der gestorben ist und doch
‎‏חי והן עוד בח[יים] מנתו וחבלו‏‎ lebt und schon zu Lebzeiten seinen Anteil und sein Los (erhielt),
‎‏ואם מת לדורו [לקץ] יעמד חי‏‎ auch wenn er für sein Zeitalter tot ist, ›so möge er am Ende lebend auferstehen‹
‎‏וישמח כשכיר יקוה פעלו‏‎ und sich erfreuen, ›so wie der Tagelöhner auf seinen Werklohn hofft‹

 

 Zl 1: Av 4,13  Zl 2: Nach Jes 33,20 | Zl 2: Nach Ps 91,1  Zl 3: bMeg 28b  Zl 3f: Nach bMen 53a  Zl 6f: Nach Daniel 12,13  Zl 12: Nach Dan 12,13  Zl 13: Ijob 7,2

Kommentar

Datierung Gestorben Freitag, 23.06.1656
Unter den mit Gemeindeämtern versehenen Talmudgelehrten nahmen die Oberrabbiner den höchsten Rang ein (siehe unten im Kapitel "Leuchte Israels"), gefolgt von ihren Beisitzern am Altonaer Gerichtshof, den Rabbinatsassessoren oder "Dajanim". Der Stein von 1656 für Simcha Lotzker, einen Dajan aus Polen, ist Hamburgs ältester erhaltener Rabbinergrabstein. Auf die beiden Namen des Verstorbenen spielen die in Zl. 10 und 13 ausgedrückten Gedanken über die "Freude" (simcha) des "Tagelöhners" (sachir) an. Rabbi Simcha Lotzker, der in Z. 2 als Schutzsuchender ausgewiesen wird, flüchtete offenbar während der Jahre 1648/49, zur Zeit der Massaker an den polnischen Juden, aus der bedeutenden Gemeinde von Wilna nach Altona. Diese Verfolgungen könnten die messianischen Erwartungen genährt haben, denen die Grabschrift durch ihre zweimalige Bezugnahme (Zeile 7 und 14) auf das bevorstehende "Ende der Zeiten" besonderen Nachdruck verleiht. Sie lässt das religiöse Klima erkennen, in dem sich ein Jahrzehnt später die messianische Bewegung um Schabbatai Zwi entfalten konnte.
Die histor. Aufnahme zeigt das Grabmal in situ und unbeschädigt.
Zl 2a: Anklingend an Jes 33,20 "in sichere Aue", durch den Austausch eines Buchstabens jedoch verändert.
Zl 7b: ‎‏ו״ד‏‎ müßte ‎‏ו״ו‏‎ bzw. ‎‏וי״ו‏‎ geschrieben sein.
Zl 8: Die ungewöhnliche Schreibung der Jahreszahl 416 als ‎‏תי״ו‏‎ (statt ‎‏תט״ז‏‎ unter Vermeidung der Buchstaben des Gottesnamens) ermöglicht ihre Lesung als Abkürzung für die Benediktion "möge Jerusalem erbaut und errichtet werden" und steht im Zusammenhang der messianischen Anspielungen der Inschrift.

Stilmittel

Reim auf -an in Zln 2-4 und -lo in Zln 11,13.
Chronogramm in Zl 8: Die Addition der markierten Buchstaben des Wortes ‎‏תיו‏‎ ergibt das Todesjahr 416.

Beschreibung

Maße 1,540 x 0,820 x 0,180 m
Material Sandstein
Lage Planquadrate FO FP GP
Beschreibung Die Krone in Schrift und Bild ist reliefiert.
Schrift erhaben, vertieft (VS)
Symbol Krone
Zustand 2006 unterer Teil in situ, oberer liegend; Beschädigung schwer;

Denkmalpflegerische Maßnahmen

2006: 1. verankert und geklebt auf originalem Fundamentteil; 2. Grabdenkmal wurde ausgerichtet und standsicher versetzt; 3. Reinigung mit Wasserdampf. (ausgeführt durch Fa. Jens Gothmann)

Quellen / Sekundärliteratur

Grabbuch 2833, S 1101
shha (JG 73): -;
Duckesz, Chachme AHW, S. 1ff., Nr. 1 (H) und S. 1 (D)
Duckesz, Genealogie, S. 26, Nr. 41 (Inschrift) und S. 42f. (D)
Grunwald, S. 265, Nr. 2124

Verborgene Pracht: Der jüdische Friedhof Hamburg-Altona – Aschkenasische Grabmale, Dresden: 2009, S. 265

Fotografien

  «    »  

Bert Sommer

heutiges Foto
2002-06-02
Fragment-2462
heutiges Foto
2002-04-24
Fragment8491
heutiges Foto
2002-05-26
Fragment.2506

Historische Aufnahmen [Mikrofilme] © Staatsarchiv Hamburg, Bestand 741-4 Fotoarchiv, Signatur P 2333

heutiges Foto
heutiges Foto

Regina Schwarzburg, Denkmalpflegerische Massnahme

heutiges Foto
2007

Zitation der Inschrift

Digitale Edition ─ Jüdischer Friedhof Hamburg-Altona, Königstraße, hha-8491
URL: http://www.steinheim-institut.de/cgi-bin/epidat?id=hha-8491
(letzte Änderungen - 2015-07-21 22:38)

 

Steinheim-Institut
http://www.steinheim-institut.de:80/cgi-bin/epidat?id=hha-8491
letztes update: | lizenziert unter einer Creative Commons Lizenzvertrag
Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz
Valid XHTML 1.0 Strict | Powered by TUSCRIPT
concept, code and design created by Thomas Kollatz
epidat stable release switch to beta
Datenschutzhinweis