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Hamburg-Altona, Königstraße 6023 Inschriften (1621-1871)

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epidat - epigraphische Datenbank

ID hha-1593
Lizenz Creative Commons Attribution-BY 4.0 International Licence [CC BY]
Zitation Digitale Edition ─ Jüdischer Friedhof Hamburg-Altona, Königstraße, hha-1593: http://steinheim-institut.de/cgi-bin/epidat?hha-1593

Name

Jehonatan Eibeschütz [18.09.1764]          

Diplomatische Transkription und Übersetzung

‎‏פ״נ‏‎ Hier ist begraben
‎‏רבינו הקדוש‏‎ unser heiliger Rabbiner,
‎‏רבן של כל בני הגולה ׃ זקן וישב בישיבה‏‎ Rabbiner aller derer, die im Exil, betagt und im Lehrhaus sitzend
‎‏חמשים שנה ׃ העמיד תלמידים הרבה ועשה‏‎ fünfzig Jahre lang, stellte (er) viele Schüler auf ›und machte
‎‏סיג לתורה ׃ חיבר ספרים הרבה ׃ כמוהר״ר‏‎ 5 einen Zaun um die Tora‹, ›verfaßte viele Bücher‹: unser geehrter Lehrer und Meister, Herr
‎‏יהונתן זצ״ל אב״ד דשלש קהלות אה״ו ואב״ד‏‎ Jehonatan , das Andenken des Gerechten sei zum Segen, Vorsitzender des Gerichts der drei Gemeinden, Altona, Hamburg, Wandsbek sowie Vorsitzender des Gerichts der
‎‏דק״ק מיץ מת בנשיקה יו׳ ג׳ ונקבר בו ביו׳ א״ך‏‎ heiligen Gemeinde Metz, er starb mit einem Kusse (am) Tag 3 und wurde begraben an eben jenem Tag, 21.
‎‏אלול זאת תורת אדם כי ימות באהל לפ״ק‏‎ Elul (des Jahres) ›"Dies ist die Lehre des Menschen, der im Zelte stirbt"‹ der kleinen Zählung.
‎‏נמצא בכתב ידו להציג על הציון‏‎ Aufgefunden (wurde) von seiner Hand Geschriebenes, um (es) auf dem Grabzeichen darzustellen:
‎‏יראו כל עובר החרות על הלוחת‏‎ 10 Sehen möge ein jeder, der vorbeizieht, ›das auf den Tafeln Eingemeißelte‹.
‎‏האיש אשר עמד לנס והי׳ כשושן פורחת‏‎ ›Der Mann, der als Panier stand‹, ›einer blühenden Lilie glich‹,
‎‏ושב אל עפר ומראהו מאיש נשחת‏‎ ›er kehrte zurück zum Staube‹, ›und sein Aussehen vor den Menschen ist entstellt‹,
‎‏נא שומו על לב ושובו בתשובה נוצחת‏‎ ›nehmt es zu Herzen‹ ›und kehret um in dauerhafter Umkehr‹,
‎‏תפלה תרבו בעדו לאלקי הרוחת‏‎ mehret Gebet für ihn ›zum Gott des Odems‹.
‎‏נפשו אליו יאסוף ובל תהי׳ נדחת‏‎ 15 Seine Seele möge ER zu sich nehmen, sie möge nicht verstoßen sein,
‎‏זכות מעשיכם יגונו כי נפשות ישראל אחת‏‎ das Verdienst eurer Taten beschütze ihn, denn die Seelen Israels sind eins,
‎‏למדו מוסר לשנוא כבוד ומגדולה‏‎ lernet Zucht, die Ehre zu verabscheuen, und vor dem Ruhm
‎‏תהי׳ נפשכם בורחת‏‎ möge eure Seele fliehen.
‎‏תנצב״ה‏‎ Seine Seele sei eingebunden in das Bündel des Lebens

 

 Zl 4f: Av 1,1 | Zl 5: Koh 12,12  Zl 8: Num 19,14  Zl 10: Ex 32,16  Zl 11: Nach Jes 11,10 | Zl 11: Vgl. Hos 14,6  Zl 12: Nach Gen 3,19 | Zl 12: Nach Jes 52,14  Zl 13: Nach Jes 57,1 | Zl 13: Vgl. Jer 8,5  Zl 14: Num 27,16

Kommentar

Datierung Gestorben Dienstag, 18.09.1764
Zl 11a: Zu Jes 11,10: Dort auf Jischai bezogen.
Zl 11b: Zu Hos 14,: Hier ‎‏שושן‏‎ mit Lilie wiedergegeben, im Volksmund meist mit Rose assoziiert.

Stilmittel

Chronogramm in Zl 8: Die Addition aller markierten Buchstaben ergibt 524.
Akrostichon in Zeilen 10-17: ‎‏יהונתן זל‏‎ Jehonatan seligen Angedenkens

Beschreibung

Maße 1,670 x 0,870 x 0,140 m
Material Sandstein
Lage Planquadrate FD
Abkürzungszeichen Akzentzeichen, Krone
Ornament gestalterische Verzierung
Zustand 2006 weitgehend gut;

Denkmalpflegerische Maßnahmen

2007: Grabmal lotrecht ausgerichtet, Endreinigung (ausgeführt durch Carl Schütt + Sohn GmbH)

Zur Person

Als bekanntester, allerdings auch umstrittenster Oberrabbiner ist der zwischen 1750 und 1764 in Altona wirkende Jonathan Eibeschütz in die Geschichte eingegangen. Etwa 1690 in Pinczów geboren, entstammte auch er einer bedeutenden polnischen Gelehrtenfamilie. Aus Ivancice (Eibeschütz) in Mähren, wo sein Vater als Rabbiner tätig war, gelangte er als Waise 1702 an die Talmudakademie in Prostějov (Prossnitz) und 1711 als verheirateter Mann nach Prag, wo er Prediger, Rabbinatsassessor und 1736 Oberrabbiner wurde. 1741 wechselte er auf das Oberrabbinat in Metz und neun Jahre später nach Altona. Aus Eibeschütz' zahlreich besuchter Talmudakademie gingen seine überaus umfangreichen Handschriften hervor, die bis heute die Herausgeber beschäftigen. Seine berühmten Kommentare zu den rabbinischen Rechtsbüchern gab er teils in Altona selbst in den Druck (Krethi uFlethi, 1763), teils erschienen sie nach seinem Tod in Karlsruhe (Urim wa-Tummim, 1775), wo auch seine Synagogenvorträge gedruckt wurden (Yearot Dwasch, 1778).
Gegen diesen berühmten Mann wurden im Februar 1751 schwere Anklagen erhoben. Der Privatgelehrte Jakob Emden, Sohn des ehemaligen Oberrabbiners Zwi Aschkenasi, wollte ihn als geheimen Anhänger der subversiven mystischen Sekte des Pseudomessias Sabbatai Zwi entlarven und publizierte belastete Indizien aus Jugendschriften, Gerüchten und Amuletten, die der Rabbiner nach jüdischem Volksbrauch für Wöchnerinnen ausgestellt hatte. Dänische Gerichte legten die Beweisstücke christlichen Hebraisten vor und fällten 1752 das Urteil, dass sie Emdens Anklage nicht rechtfertigten; doch teilte sich die deutsche und polnische Rabbinerschaft noch jahrelang in zwei verfeindete Lager. Die Geschichtsschreibung hat die Anklage gegen Eibeschütz meist als Verleumdung eines Neiders behandelt. Dass der Historiker Heinrich Graetz ihr 1868 eine gewisse Wahrscheinlichkeit zuerkannte, wurde als skandalös empfunden; und der Historiker des Altonaer Rabbinats Eduard Duckesz bemühte sich noch 1903 um eine Widerlegung.

Zur Familie

Gattin: Elekele, Tochter des Rabbiners Jitzchak Schapira (hha-1718)
Hitzel, Gattin des Oberrabinners von Breslau Wolf Frenkel ( 2401)

Quellen / Sekundärliteratur

Grabbuch 991, N 3078
shha (JG 73), S. 541, Nr. 2; der Gerechte, Vorsitzender der Gerichtsbarkeit der Dreigemeinden Israels: Altona, Hamburg, Wandsbek, der Barmherize behüte und erhalte sie, unser Lehrer und unser Meister, der Betagte und der Greis, wundervoll und ausgezeichnet, der Größte unter den Riesen, der geehrte, unser Lehrer, der Meister, Herr Jehonatan, sein Licht erlosch und die Sonne ging unter, Jehonatan, der Israel diese große Erlösung brachte ..., beigelegt links von seiner Gattin (Nr. hha-1718, N 3077)
Duckesz, IWOH Lemoschaw, S. 29-52 (H) und S. X-XXIV (D)
Grunwald, S. 241, Nr. 727

Verborgene Pracht: Der jüdische Friedhof Hamburg-Altona – Aschkenasische Grabmale, Dresden: 2009, S. 340

Wittkower, J.S.: Agudat perachim, Altona: 1880, S. 287, Nr. 8: (Inschrift abgedruckt)

Fotografien

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Bert Sommer

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2001-10-16
recto

Historische Aufnahmen [Mikrofilme] © Staatsarchiv Hamburg, Bestand 741-4 Fotoarchiv, Signatur P 2333

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Eduard Duckesz Glasplatten © CAHJP Jerusalem, Glasplatten: HMB/2452, Inv 2326 · Digitalisat: CDB/5-7

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Zitation der Inschrift

Digitale Edition ─ Jüdischer Friedhof Hamburg-Altona, Königstraße, hha-1593
URL: http://www.steinheim-institut.de/cgi-bin/epidat?id=hha-1593
(letzte Änderungen - 2015-07-21 22:38)

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