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Herford 262 Inschriften (~1679-2013)

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ID her-71
Lizenz Creative Commons Attribution-BY 4.0 International Licence [CC BY]
Zitation Digitale Edition ─ Jüdischer Friedhof Herford, her-71: http://steinheim-institut.de/cgi-bin/epidat?her-71

Name

Jerucham bat Hirz ⚭ Joel (Jette) [09.03.1808]          

Diplomatische Transkription und Übersetzung

‎‏פ״נ‏‎ Hier ist begraben
‎‏אשת חיל צנועה‏‎ ›die tüchtige Gattin‹, züchtig
‎‏היתה כדבורה‏‎ war sie wie Dwora,
‎‏מעשיה הי׳ נעמה‏‎ ihre Taten waren angenehm,
‎‏כל ימי׳ הלכה‏‎ 5 all ihre Tage ›ging sie
‎‏בדרך ישרה מצות‏‎ auf rechtem Weg‹, Gebote
‎‏ה׳ שמרה ירוחם‏‎ des Ewigen wahrte sie, Jerucham,
‎‏בת הר״ר הירץ ז״ל‏‎ Tochter des Meisters, Herrn Hirz, sein Andenken zum Segen,
‎‏אשת הר״ר יואל ז״ל‏‎ Gattin des Meisters, Herrn Joel, sein Andenken zum Segen,
‎‏נפטרת ונקברת‏‎ 10 verschieden und begraben
‎‏ביום ד׳ יוד אדר‏‎ am Tag 4, 10. Adar
‎‏תקס״ח לפ״ק‏‎ 568 der kleinen Zählung.

 

 Zl 2: Spr 31,10  Zl 5f: Ps 107,7

Kommentar

Datierung Gestorben und begraben am Mittwoch, 09.03.1808
Die Vorlage für diese Eulogie hier wurde vermutlich einem Musterbuch entnommen. Sie findet sich zum Beispiel in sehr ähnlicher, aber deutlich ausführlicherer Version im "Cheleq rishon mi-Sefer Hachajim", gedruckt 1790/91 von Seckel ben Aharon in Sulzbach ( 0006), einem der beliebten Kompendien mit Gebeten rund um Krankenbesuch, Sterben und Tod, die oft auch Musterinschriften enthielten.
Zl 3: Jerucham wird hier mit der biblischen Prophetin und Richterin Debora verglichen.
Namenskunde Der Name Jerucham mit der Bedeutung "Möge er barmherzig sein" geht auf die Bibel zurück und steht im 1. Buch Samuel (1,1) als Männername. Hierzulande ist er erst seit der Mitte des 18. Jahrhunderts belegt, vornehmlich als Frauenname, bleibt aber sehr selten. Brilling merkt an, dass es aber in Herford eine zweite Frau dieses Namens gab und vermutet eine verwandtschaftliche Verbindung: 1708 berichete "Jeruchem, Jochums verlassene Frau", dass ihr erster Mann Moises Bonefang verstorben sei und ihr zweiter Mann, "Jochum aus Amsterdam" sie mit sechs unmündigen Kindern in größter Armut verlassen habe (Brilling, s.u.).

Stilmittel

Reim auf -a in Zln 1-7.

Beschreibung

Beschreibung Schmalhohe Stele mit Rundbogenabschluß zwischen Voluten(?), mit vertieftem Schriftfeld und scharriertem Rahmen. Die Inschrift ist rechtsbündig angebracht, die Kopfformel und die letzte (sichtbare) Zeile sind zentriert.
Ornament florale Verzierung
Zustand 2016 Leichte Verwitterung, ansonsten in gutem Zustand. Möglicherweise ist die übliche Schlußfomel im Boden verborgen. Auf der Vorderseite, vor allem aber auf der Rückseite sind noch lateinische Buchstaben zu erkennen, offensichtlich handelt es sich um einen abgeschliffenen christlichen Grabstein.

Zur Person

Jette Jerucham war verheiratet mit Joel Philipp / Joel Feist Minden. Sieben Kinder sind in Herford belegt: Der um 1750 geborene Salomon Joel heiratete 1779 die Witwe des Nathan Spanier aus Paderborn, der 1775 ein Geleit auf Detmold erhalten hatte, das auf Salomon Joel überging. Als Hoffaktor, dann Hofkommissar, Hofagent und schließlich Kommissionsrat des Fürsten zu Lippe-Detmold erlangte er "den höchsten Titel, den jemals ein Hofjude in Lippe erhalten hatte" (Brilling, S. 46). Ab 1810 ist er in Herford belegt und starb hier 1816/17. Seine Geschwister waren Benedix, Philipp Joel in Lübbecke (Vorfahre des Prof. Franz Boas), Simon, der 1797 eine Niederlassungskonzession für Herford erhielt und hier mit Vogel, Tochter des Heymann Spanier aus Hamm verheiratet war und 1808 den Familiennamen Burgheim annahm, Fradgen, Eva Hewe, verheiratet 1779 an Salomon Samuel nach Lünen, und Jached. Nach dem Tod ihres Gatten versorgte sich die Witwe durch einen Galanteriewarenladen, den sie gemeinsam mit ihrer Tochter Eva betrieb. Aus ihrem Testament geht jedoch hervor, dass ihr Sohn Simon bei seinem Wegzug alle Waren mitnahm und Mutter und Schwester in Armut zurückließ, von der sie sich jedoch langsam erholten: Zehn Jahre später zahlte Eva Seligmann die gleiche Steuersumme wie ihr Bruder.

Zur Familie

Gatte: Joel Philipp (her-0090)
Tochter: Hewe bat Joel (her-0031)
Schwiegertochter: Sprinz Burgheim, Tochter des Chajim Spanier aus Hamm (her-0086)

Quellen / Sekundärliteratur

Abschriften von 31 hebräischen Grabinschriften des Herforder Friedhofs, erstellt 1928 von Prediger Goldmann (Landesarchiv Nordrhein-Westfalen, Abteilung Ostwestfalen-Lippe, Bestand P 10, Nr. 11), Nr. 29.
Bernhard Brilling, "Die ältesten Grabsteine des jüdischen Friedhofs von Herford 1680-1808. Ein Beitrag zur Geschichte der Juden in Herford", in: Herforder Jahrbuch. Beiträge zur Geschichte der Stadt und des Stiftes Herford 6 (1965), S. 48 (Nr. XXI) und S. 54, Anm. 94 (zum Namen Jerucham).
Christine und Lutz Brade / Jutta und Jürgen Heckmanns (Hg.): Juden in Herford, 700 Jahre jüdische Geschichte und Kultur in Herford, Bielefeld 1990, S. 38, S. 83 und S. 153, Anm. H 2.

Fotografien

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Bernhard Brilling

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1965
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Jürgen Escher

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Detail

Anna Martin

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Zitation der Inschrift

Digitale Edition ─ Jüdischer Friedhof Herford, her-71
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