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Herford 262 Inschriften (~1679-2013)

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ID her-66
Lizenz Creative Commons Attribution-BY 4.0 International Licence [CC BY]
Zitation Digitale Edition ─ Jüdischer Friedhof Herford, her-66: http://steinheim-institut.de/cgi-bin/epidat?her-66

Name

Löb ben Ber (Levi Levi) [09.12.1679]          

Diplomatische Transkription und Übersetzung

‎‏פה‏‎ Hier
‎‏נטמן ונקבר [איש]‏‎ ist geborgen und begraben ein Mann,
‎‏נאמן וישר ׃ ביתו‏‎ getreu und aufrecht, ›sein Haus
‎‏היה פתוח לרוחה ׃‏‎ war weit geöffnet‹,
‎‏זן ומפרנס צדק׳‏‎ 5 ›er nährte und ernährte‹, gab Wohltat
‎‏[ל]אחרים בכל‏‎ den anderen mit all
‎‏כחו הוא האלוף‏‎ seiner Kraft, es ist der Vornehme,
‎‏כמר ליב בן האל[וף]‏‎ der geehrte Herr Löb, Sohn des Vornehmen,
‎‏כהר״ר בער ז״ל נפטר‏‎ des geehrten Meisters, Herrn Ber, sein Andenken zum Segen, verschieden
‎‏ביום ש״ק ו׳ טבת‏‎ 10 am Tage des heiligen Schabbat, 6. Tewet
‎‏ת״ם לפרט קטן‏‎ 440 der kleinen Zählung
‎‏תנצב״ה‏‎ Seine Seele sei eingebunden in das Bündel des Lebens

 

 Zl 3f: Av 1,5  Zl 5: aus dem Segen über die Speise

Kommentar

Datierung Gestorben Samstag, 09.12.1679
Dies ist der älteste erhaltene und sicher datierbare Grabstein des Herforder Friedhofs.
Namenskunde In seinem Segen über seine zwölf Söhne vergleicht Jakob seinen Sohn Jehuda mit einem jungen Löwen (Genesis 49,9), daher die Parallelität der Namen Jehuda, Arie (hebr. für "Löwe") und dem deutschen Löb, Löw, Levi etc. Issachar wird mit einem knochigen Esel verglichen (Genesis 49,14). Hierzulande tritt anstelle des Esels der Bär als Sinnbild für Ausdauer und Stärke, daher die Parallelität der Namen Issachar, Dow (hebr. für "Bär") und Bär, Ber, Berend. Hier werden in der Inschrift die (deutschen) Rufnamen "Löb ben Ber" genannt, der hebräische Synagogalname von Levi Levi lautete vermutlich "Jehuda ben Issachar". Der in den Akten genannte Beiname Levi ("Levi Levi") geht vermutlich auf den Namen seines Großvaters zurück: Als Sohn von Berend Levi (=Issachar ben Jehuda) wurde auch ihm in den deutschen Quellen das "Levi" irrtümlich als Familienname beigegeben. In keinem dieser Fälle weist "Levi" auf levitische Abkunft hin.

Beschreibung

Beschreibung Barockstein, im Giebel zwei Löwen, die ein Wappen halten mit dem ersten Wort der Inschrift, "Hier", darüber eine Krone.
Schrift erhaben
Symbol Löwen, Krone
Zustand 2016 Stark verwittertes Grabmal, die Inschrift ist stellenweise abgeplatzt.

Zur Person

Bei Löb ben Bär handelt es sich höchstwahrscheinlich um Levi, Sohn des brandenburgischen Hoffaktors Berend Levi, der in der Herforder Überlieferung in den Jahren 1656 bis 1675 unter dem Namen Levi Levi erscheint. Berend Levi hatte im Dezember 1647 das Niederlassungsgeleit auf Herford erhalten, aber vermutlich an seinen Sohn Levi Levi abgetreten. Um 1666, nach dem Tod ihres Mannes, war auch Levi Levis Mutter Vögele, Tochter des Isaak Jakob aus Emmerich, nach Herford gezogen.
1655, als der Kurfürst zu Beginn des Polischen Krieges 20.000 Soldaten nach Ostpreußen schickte, gab er zur Aufbringung der Werbungsgelder u.a. den Befehl, in der Grafschaft Ravensberg 3.000 Reichstaler Kupfergeld, also schlechterer Münze schlagen zu lassen, die dann durch die Juden "in gute Sorten" umgewechselt werden sollten. 1657 werden dann Berend Levis Sohn Levi Levi und der Herforder Jude Levi Samuel (her-0073) beschuldigt, viele Tausend Reichstaler ins Land gebracht, dadurch aus dem Verkehr gezogen und in der Paderborner Münze eingeschmolzen zu haben. Dafür wurde den Juden 6.000 Reichstaler an Strafe angekündigt, der Ausgang des Verfahrens ist nicht bekannt. In den 1670er Jahren wurde Levi Levi der Prozess gemacht unter dem Vorwurf, Goldstücke aus unterhaltiger Prägung in der sogenannten "Kleinen Kipperzeit" zu überhöhtem Wert verbreitet zu haben. 1677 wurde er zu einer Strafe von 80 Goldtalern verurteilt. Zwei Jahre später starb er.
Am 16. September 1680 richtete die Witwe des Levi Levi eine Eingabe an den Kurfürsten von Brandenburg, in der sie um den Erlass ausstehender Schutzgelder und einer Strafe wegen Münzvergehens bat, da ihr verstorbener Mann sie mit vielen, teilweise noch unmündigen Kindern in großer Armut zurückgelassen habe: Die vielen ihm zugestoßenen Widerwärtigkeiten während des langen Prozesses sowie der tägliche Gram hätten seinen Tod verursacht.
Von dieses Kindern werden der Sohn Hirsch/Herz Levi und eine Tochter Sara 1675 im Zusammenhang mit der Münzprägung im Ravenbergischen genannt, zwei Söhne hielten sich damals in Paderborn auf und betrieben die bischöfliche Münze.

Zur Familie

Mutter: Vögle bat Jizchak, Gattin des Ber Minden (her-1001)
Gattin?: Vogel bat David Mehler SeGaL (her-0072)
Söhne: Herz Levi (her-0082); David Levi (her-0077)

Quellen / Sekundärliteratur

Abschriften von 31 hebräischen Grabinschriften des Herforder Friedhofs, erstellt 1928 von Prediger Goldmann (Landesarchiv Nordrhein-Westfalen, Abteilung Ostwestfalen-Lippe, Bestand P 10, Nr. 11), Nr. 26.
Bernhard Brilling, "Die ältesten Grabsteine des jüdischen Friedhofs von Herford 1680-1808. Ein Beitrag zur Geschichte der Juden in Herford", in: Herforder Jahrbuch. Beiträge zur Geschichte der Stadt und des Stiftes Herford 6 (1965), S. 35, 38f. (Nr. II).
Christine und Lutz Brade / Jutta und Jürgen Heckmanns (Hg.): Juden in Herford, 700 Jahre jüdische Geschichte und Kultur in Herford, Bielefeld 1990, S. 24-27, 68f.

Fotografien

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Digitale Edition ─ Jüdischer Friedhof Herford, her-66
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