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Herford 262 Inschriften (~1679-2013)

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epidat - epigraphische Datenbank

ID her-148
Lizenz Creative Commons Attribution-BY 4.0 International Licence [CC BY]
Zitation Digitale Edition ─ Jüdischer Friedhof Herford, her-148: http://steinheim-institut.de/cgi-bin/epidat?her-148

Namen

Adolf Obermeier [20.04.1942]
Else Obermeier geb. Blankenberg [1942]
Ruth Obermeier [14.09.1960]        

Diplomatische Transkription

Adolf Obermeier
10.1.1882 20.4.1942
Else Obermeier
geb. Blankenberg
5 12.4.1886 veschollen 1942
Ruth Obermeier
20.6.1912 14.9.1960

Kommentar

Datierung Adolf Obermeier: Geboren 10.01.1882, gestorben 20.04.1942
Else Obermeier: Geboren 12.04.1886, gestorben 1942
Ruth Obermeier: Geboren 20.06.1912, gestorben 14.09.1960

Beschreibung

Material Granit
Beschreibung Querrechteckiges Grabmal aus poliertem Hartstein.
Zustand 2016 Das Grabmal ist in gutem Zustand.

Zur Person

Die Organistin und Pianistin Else Hedwig Helene Blankenberg stammte aus (Dortmund-)Aplerbeck. Sie war die Tochter von Salomon Blankenberg und Bertha Blankenberg geb. Stahlberg. Ihre gemeinsame Grabstätte befindet sich auf dem Dortmunder Ostfriedhof.
Sie verlobte sich im März 1911 mit dem Kaufmann Adolf Obermeier. Aus der Ehe gingen die Töchter Ruth und Inge hervor. Der aus Bad Salzuflen stammende Adolf Obermeier war am 21. November 1910 als gleichberechtigter Mitinhaber in die 1907 gegründete Margarinefabrik des Kaufmanns Jursch in Herford eingetreten, die seit 1909 unter dem Namen "Firma Jursch & Schwake, Herford" geführt wurde. Die Fabrik florierte und konnte nach dem Ersten Weltkrieg immer stärker ausgebaut werden. Aus der Zeit des Nationalsozialismus ist bekannt, dass Adolf Obermeier 1934 eine "beträchtliche" Summe spendete unter der Bedingung, dass den jüdischen Herfordern die Benutzung der Badeanstalt gestattet bleiben würde. Doch am Eingang des Bades wurden Schilder angebracht, die Juden die Benutzung der Badeanstalt verboten.
Gemäß vertraglicher Vereinbarung vom 20. Mai 1938 schied Adolf Obermeier zum 1. Juli 1938 aus dem Unternehmen aus. Er war von nun an nicht mehr berufstätig und versuchte mehrfach auszuwandern. Am 20. April 1942 starb er in Herford. Else Obermeier geb. Blankenberg war ausgebildete Pianistin und für die jüdische Gemeinde Herford als Organistin und Chorleiterin tätig. Sie leitete den Chor bis zur Zerstörung der Synagoge in der Pogromnacht. Else Obermeier wurde im Juli 1942 deportiert. Als Rot-Kreuz-Schwester gelang es ihr noch, eine Karte aus dem Zug zu werfen. Gleich nach ihrer Ankunft in Auschwitz wurde sie ermordet. Das Datum, zu dem sie für tot erklärt wurde, ist der 31. Juli 1942. Ihrer wird auch auf dem Mahnmal für die Herforder Opfer der Schoah gedacht (her-9000).
Die beiden Töchter konnten aus Deutschland fliehen. Ruth Obermeier verheiratete sich 1936 in Amsterdam und lebte im Untergrund und überlebte dort die Schoah. Ihre beiden Kinder Beatrice Stresemann und Harry Rothe wurden verraten und nach Bergen-Belsen und anschließend nach Theresienstadt deportiert. Sie überlebten und wurden beide 1945 befreit.
Ruth Obermeiers jüngere Schwester Inge musste 1936 die Schule verlassen. Ihr gelang am 4. Mai 1939 die Flucht nach England und später in die USA. Sie füllte unter dem Namen Inge Wolf ein Gedenkblatt der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad VaShem für ihre Mutter aus.
Ruth Obermeier kehrte nach Herford zurück war und wurde 1960 neben ihren Eltern beigesetzt. Damals wurde dieses Grabmal errichtet. Wie das ursprüngliche Grabmal für Adolf Obermeier ausgesehen hat und ob er 1942 überhaupt noch ein Grabmal gesetzt bekam, bleibt unbekannt.

Hinweis  Die Angaben konnten Anhand von Informationen von Klaus Winter, Aplerbeck, und den Nachkommen der Familie Obermeier ergänzt werden.

Zur Familie

Großvater: Herz Blankenberg (Dortmund-Aplerbeck, Grabstein Nr. ap1-0008)

Links zu personenbezogenen Onlinedatenbanken

Obermeier, Else ─ Gedenkbuch: Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, 938209 ─ ‎‏יד ושם‏‎ Yad Vashem: Zentrale Datenbank der Namen der Holocaustopfer, 5373195

Quellen / Sekundärliteratur

Christine und Lutz Brade / Jutta und Jürgen Heckmanns (Hg.): Juden in Herford, 700 Jahre jüdische Geschichte und Kultur in Herford, Bielefeld 1990, S. 94, 103, 123.

Fotografien

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Zitation der Inschrift

Digitale Edition ─ Jüdischer Friedhof Herford, her-148
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