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Würzburg - Heidingsfeld 159 Inschriften (1810-1939)

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epidat - epigraphische Datenbank

ID hdf-450
Lizenz Creative Commons Attribution-BY 4.0 International Licence [CC BY]
Zitation Digitale Edition ─ Jüdischer Friedhof Würzburg - Heidingsfeld, hdf-450: http://steinheim-institut.de/cgi-bin/epidat?hdf-450

Name

Joel Jakob von Hirsch (Jakob ­von Hirsch) [06.09.1876]          

Diplomatische Transkription und Übersetzung

‎‏[...]‏‎ (Hier ist begraben?)
‎‏איש אשר אלה לי ראוי להציב ציונים‏‎ ein Mann, dem es gebührt, daß man ›ihm Zeichen aufstelle‹,
‎‏ולמען ידעו הדורות הבאים אחרונים‏‎ damit auch die kommenden Generationen bis zur letzten erfahren mögen,
‎‏כי איש יהדי תם וישר ונשוא פנים‏‎ daß er ein jüdischer Mann ist, ›lauter und aufrecht‹ ›und hochangesehen‹,
‎‏בישישים חכמה ואורך ימים ושנים‏‎ 5 ›die Alten (besitzen) die Weisheit und langes Lebensalter‹,
‎‏ישרותו וצדקתו היה לעיני כל העמים והמונים‏‎ seine Aufrichtigkeit und seine Gerechtigkeit lag ›vor den Augen alle Völker‹ und Massen,
‎‏יתיצב בקו היושר לפני מלכים ולפני רוזנים‏‎ mit den Grundzügen? der Aufrichtigkeit stellte er sich vor Könige und vor Grafen,
‎‏ה״ה הגביר הצפיר הנעלה ונודע בשערים‏‎ es ist der Stattliche, das Diadem, der Erhabene und ›bekannt in den Toren‹,
‎‏כ״ה יואל יאקאב פאן הירש‏‎ der geehrte Herr Joel Jakob von Hirsch
‎‏מקרית ומק״ק ווירצבורג זקן ושבע ימים כבן‏‎ 10 aus der Stadt und aus der heiligen Gemeinde Würzburg, ›betagt und satt an Tagen‹, etwa
‎‏[ת]שעים שנים נפטר בשם טוב ביום ד׳ י״ז‏‎ neunzigjährig verschieden ›mit gutem Namen‹ am Tag 4, 17.
‎‏[־־־]‏‎ ---
 Rückseite
Jakob ­von Hirsch

 

 Zl 2: Jer 31,20  Zl 4: Ijob 1,1 | Zl 4: vgl. Jes 9,14  Zl 5: Ijob 12,12  Zl 6: Nach Ex 19,11 u.a.  Zl 8f: Spr 31,23  Zl 10: Gen 35,29  Zl 11: bBer 17a

Kommentar

Datierung Gestorben laut Begräbnisregister am 17. Elul 636, das ist Mittwoch, 06.09.1876
Zl 8: Das Wort ‎‏צפיר‏‎, eigentlich "Ziegenbock", wurde hier vermutlich klanglich dem Wort ‎‏גביר‏‎ "der Stattliche" angeglichen und geht wahrscheinlich auf das Wort ‎‏צפירה‏‎, "Diadem", "Krone" zurück. Entsprechend wurde hier übersetzt.
Zl 9: Der Name wurde entsprechend deutscher Orthografie geschrieben.

Stilmittel

Reim auf -unim in Zln 2-8 (in Zln 4-5 nach aschkenasischer Aussprache)

Beschreibung

Maße 147 x 75 x 18
Lage Feld B, Reihe 04, Stein Nr. 50 (Neuer Teil) (0450)
Beschreibung Stele mit rundbogig schließendem Schriftfeld, darüber ein Giebel mit geschweiftem eund eingezogenem kleinen Rundbogenabschluß, darin das Wappen der Familie von Hirsch, bekränzt von einem Festin mit zwei großen Rosetten. Graphisch gelungene Gestaltung der Inschrift, die ersten beiden (erhaltenen) Zeilen folgen dem Bogenverlauf, der Reim ist kenntlich gemacht durch die Hervorhebung der letzten Buchstaben der Zeilen, der Name wurde mittig in größeren Buchstaben in die Zeile gesetzt. (Vgl. die Gestaltung der anderen Grabsteine der Familie von Hirsch).
Symbol Wappen der Familie von Hirsch
Ornament florale Verzierung; gestalterische Verzierung
Zustand 2010 Der Giebel sowie der untere Teil des Grabsteins sind durch Verwitterung fast völlig zerstört.

Zur Person

Joel Jakob von Hirsch, auch Julius Jakob Joel von Hirsch auf Gereuth, wurde am 5. September 1789 in Königshofen geboren als ältester Sohn des Hoffaktors und Bankiers Jakob von Hirsch, der 1818 von König Maximilian I von Bayern mit dem Prädikat "von Gereuth" in den Adelsstand erhoben worden war. 1804 zog er als Judenschaftsvorgänger mit Erlaubnis des bayrischen Kurfürsten von Höchberg nach Würzburg, wo er 1811 ein Bankhaus gründete. In der Folge spielte er eine prominente Pionierrolle in der fränkischen Wirtschaft, regelte den fränkischen Holzgroßhandel neu, setzte sich als Mitglied des Würzburger Handelsvereins für den Ausbau des Schienennetzes ein, war am Bau des "Donau-Main-Kanals" beteiligt und gründete 1841 die "Main-Dampf-Schiffahrts-Gesellschaft". Er gehörte zu den Mitbegründern der Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank in München und war Vizepräsident des Verwaltungsrates und Gründungsmitglied der 1843 eingerichteten Handelskammer für Unterfranken und Aschaffenburg. Nach dem Tode seines Vaters 1840 erbte er dessen gesamten fränkischen Grundbesitz.
Jakob von Hirsch, der in seinem Haus in Würzburg eine Privatsynagoge unterhielt, setzte sich vehement für eine Verbesserung der Rechtsstellung der Juden in Bayern ein und erlangte zum Beispiel 1861 mit Unterstützung des Grafen von Giech den Landtagsabschied, der die harten Vorschriften des Judenedikts von 1813 beseitigte.
Joel Jakob von Hirsch hatte in erster Ehe Friederike, eine Tochter des Juwelenhändlers Samuel Jeidels und der Theresia geb. Jacob aus Höchberg geheiratet. Aus dieser Ehe gingen drei Kinder hervor: Samuel (geb. 23.05.1811), Jakob (geb. 24.10.1814) und Heymann (geb. 05.03.1817). Im selben Jahr, 1817, wurde diese Ehe in Würzburg geschieden, Friederike ging später eine zweite Ehe mit Maximilian Moses Seligmann in Koblenz ein. In zweiter Ehe ehelichte Joel Jakob von Hirsch Sara, Tochter des Münchner Hofbankiers Raphael Kaulla. Aus dieser Ehe gingen acht Kinder hervor: Abraham (=Albert), Karoline, Jonas, Hanna, Salomon, Karl sowie die Zwillinge Sara und Eleonore, die am 22. Januar 1829 geboren wurden. Als Sara kurz nach der Geburt der Zwillinge starb, heiratete er ihre Schwester Karoline, die jedoch ebenfalls früh verstarb. Aus dieser dritten Ehe stammt der Sohn Julius.

Zur Familie

2. Gattin: Sara von Hirsch geb. Kaulla (Grabstein Nr. hdf-0316)
Söhne: Julius von Hirsch (Grabstein Nr. hdf-1205); Albert von Hirsch (Grabsteine Nrn. hdf-0447 und hdf-0552)
Schwiegertochter: Betty von Hirsch geb. Königswarter (Grabstein Nr. hdf-0432)

Quellen / Sekundärliteratur

Begräbnisregister (Staatsarchiv Würzburg, Jüdische Standesregister 42), S. 42, Nr. 741.
Ursula Gehring-Münzel: Vom Schutzjuden zum Staatsbürger. Die gesellschaftliche Integration der Würzburger Juden 1803-1871 (Veröffentlichungen des Staatsarchivs Würzburg, Bd. 6), Würzburg 1992, S. *28, 87f., *98, *102, *107, 108, 112, 147, 175f., 179, 181, 183, 214f., 218-230, 234, 237f., 245-247, *248, 250-252, 266-271, 275f., 288, 295, *296, 300, 302f., 313, 317f., 327, 342, 358, *359, 366, *382, 407, 410, 419f., 425-427, 438-441, 443-446, 451, 458, *464, 466, 500f., 505, 512, 518, 526, 530, *531.
Roland Flade: Die Würzburger Juden. Ihre Geschichte vom Mittelalter bis zur Gegenwart, 2. erweiterte Auflage, Würzburg 1996, S. 69, 77, *93, 100-105, 110, 118, 121-124, 130, *131.
Joseph Prys: "Zur Geschichte der Familie von Hirsch", in: Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 1929, Heft 20 (15.10.1929), S. 325-331, hier S. 329, und Heft 22 (15.11.1929), S. 365-369.
Erika Bosl: "Die Familie von Hirsch-Gereuth im 18. und 19. Jahrhundert, Bankiers", in: Geschichte und Kultur der Juden in Bayern, Bd. 2: Lebensläufe (Veröffentlichungen zur Bayrischen Geschichte und Kultur 18), hrsg. von Manfred Treml und Wolf Weigand unter Mitarbeit von Evamaria Brockhoff, München u.a. 1988, S. 63-70, hier S. 64f.

Fotografien

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Zitation der Inschrift

Digitale Edition ─ Jüdischer Friedhof Würzburg - Heidingsfeld, hdf-450
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(letzte Änderungen - 2014-10-23 13:44)

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