logo epidat: epigraphische Datenbank

Würzburg - Heidingsfeld 159 Inschriften (1810-1939)

Information   Inschriften   Karte   Indizes   Lageplan (PDF) Download
Inv.-Nr.:
Jahr:
    «    [134/159]    »     »|
Edition Kommentar Stilmittel Beschreibung Personalia Quellen Foto
Export: TEI P5 plain text

epidat - epigraphische Datenbank

ID hdf-3333
Lizenz Creative Commons Attribution-BY 4.0 International Licence [CC BY]
Zitation Digitale Edition ─ Jüdischer Friedhof Würzburg - Heidingsfeld, hdf-3333: http://steinheim-institut.de/cgi-bin/epidat?hdf-3333

Name

Schlomo ben Eljakim Zwi Seligsberger (Salomon Seligsberger) [20.06.1888]          

Diplomatische Transkription und Übersetzung

‎‏[פ״נ]‏‎ [Hier ist begraben]
‎‏שלמה ב׳ אליקים צבי זעליגזבערגער‏‎ Schlomo, Sohn des Eljakim Zwi Seligsberger,
‎‏ע״ה מווירצבורג‏‎ Friede über ihn, aus Würzburg
‎‏האיש הישר בדרכיו‏‎ Der Mann, aufrecht auf seinen Wegen,
‎‏מצא חן בעיני מכיריו‏‎ 5 ›er fand Gefallen in den Augen‹ seiner Bekannten,
‎‏כי תמים פעלו בימי חייו‏‎ denn lauter war sein Tun zu seinen Lebzeiten,
‎‏והוא מת ביום ד׳ י״א תמוז‏‎ und er starb am Tag 4, 11. Tammus,
‎‏ונקבר למחרתו ביום ה׳‏‎ und wurde begraben am Tag darauf, am Tag 5,
‎‏בשנת תרחם לפ״ק‏‎ im Jahr "Erbarme Dich" (648) der kleinen Zählung.
‎‏תנצב״ה‏‎ 10 Seine Seele sei eingebunden in das Bündel des Lebens
 Postament
S. Seligsberger
gest. 24. Juni 1888.

 

 Zl 5: Vgl. Gen 6,8

Kommentar

Datierung Gestorben Mittwoch, 20.06.1888 ; begraben am nächsten Tag; s.u.
Die deutsche Inschrift gibt den 24. Juni 1888als Sterbetag an, laut hebräischer Inschrift und Begräbnisregister starb Seligmann Seligsberger am 20. Juni.
Zl 2: Der Familienname wurde entsprechend deutscher Orthographie geschrieben.

Stilmittel

Reim auf -av in Zln 4-6.
Chronogramm Zl 9: Die Buchstaben der Jahreszahl wurden umgestellt und ergeben so den Wunsch "Erbarme Dich", angesichts der Todesumstände die flehentliche Bitte an Gott, Salomon, der sich zu Lebzeiten nichts hatte zuschulden kommen lassen, in das ewige Leben aufzunehmen.

Beschreibung

Beschreibung Stele auf hohem Sockel mit abgesetztem Rundbogenabschluß und eingesetzter Schrifttafel.
Zustand 2015 Die gesprungene Schrifttafel wurde auf dem Kopf stehend (wieder) eingesetzt, eine zweite kleine Tafel im Giebel - vermutlich mit den beiden Buchstaben der abgekürzten hebräischen Einleitungsformel - fehlt.

Zur Person

Salomon Seligsberger, Sohn von Lekisch Seligsberger und Kindel zu Fuchsstadt, der in Würzburg ein Möbel- und Antiquitätenhaus führte, war verheiratet mit Bertha Breindel, Tochter von Samuel Weinberger und Besle Emanuel in Steinhart (deren 1829 geborene Schwester Theres Treinle 1853 in New York Salomon Seligsbergers Bruder Simon Berger heiratete). Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor: Ernestine (geb. 1864), Simon (geb. 1873) und Sigmund Seligmann Seligsberger (geb. 1875).
1888 nahm sich Salomon Seligsberger das Leben. Sein Eintrag im Heidingsfelder Begräbnisregister lautet folgendermaßen:
‎‏ביום ד׳ י״א תמוז תרמ״ח לפ״ק חתך בצוואר׳ בביתו בווירצבורג כ״ה שלמה זעליגזבערגער בטירוף הדעת ונקבר ביום ה׳ י״ב בו / על פי הוראת אב״ד מהור״ר נתן ב״ב בלי ש[...] שינוי מקום אך בלי הלבשת תכריכין גם הסכין ניתן לקבור׳ מחמת שהיתו מלאה דם‏‎
Am Tag 4, 11. Tammus 648 der kleinen Zählung, schnitt sich der geehrte Herr Schlomo Seligsberger in seinem Haus in Würzburg in einem Anfall von Wahnsinn die Kehle durch, und er wurde begraben am Tag 5, 12. desselben, auf Anweisung des Vorsitzenden der Gerichtsbarkeit, unseres Lehrers, des Meisters, Herrn Natan Bamberger, nicht außer der Reihe, aber ohne Ankleidung mit den Sterbekleidern. Auch das Messer wurde mitbegraben, da es voller Blut war.
Die drei Geschwister übernahmen 1905 das Geschäft ihrer Eltern. Ernestine blieb ledig und liegt ebenfalls auf dem Heidingsfelder Friedhof begraben, wie auch ihre 1911 gestorbene Mutter. Der mit einer Nichtjüdin vermählte Bruder Simon starb 1931 kinderlos und liegt auf dem Würzburger jüdischen Friedhof begraben. Sein Bruder Sigmund Seligmann versuchte vergeblich, sich mit seiner aus Zell am Main stammenden Frau Sara geb. Wolff und ihrem Sohn, dem 1919 geborenen Heilpraktiker Ernst Seligsberger, vor den Nationalsozialisten in die Niederlande zu flüchten: 1943 wurde das Ehepaar ab dem Lager Westerbork nach Sobibor deportiert und ermordet, Ernst Salomon Seligsberger wurde nach Auschwitz verschleppt und ebenfalls ermordet.

Zur Familie

Gattin: Bertha Seligsberger geb. Weinberger (hdf-3335)
Tochter: Ernestine Seligsberger (Grabstein Nr. hdf-3334)
Sohn: Simon Seligsberger (24.06.1873-07.09.1931; Jüdischer Friedhof Würzburg, Abteilung 2, Reihe 16, Grab 8)

Links zu personenbezogenen Onlinedatenbanken

Ernst Seligsberger ─ Gedenkbuch: Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, 960266 ─ ‎‏יד ושם‏‎ Yad Vashem: Zentrale Datenbank der Namen der Holocaustopfer, 5664000
Sara Seligsberger ─ Gedenkbuch: Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, 1161381

Quellen / Sekundärliteratur

Begräbnisregister (Staatsarchiv Würzburg, Jüdische Standesregister 42), S. 34, 2. Eintrag von oben.
Rolf Hofmann: Familienblatt der Familie Samuel Israel Weinberger in Steinhart, Version 02.

Fotografien

  «    »  

Schrade, Dokumentationszentrum für jüdische Geschichte und Kultur in Unterfranken

heutiges Foto
1996
recto
Seitenanfang

Zitation der Inschrift

Digitale Edition ─ Jüdischer Friedhof Würzburg - Heidingsfeld, hdf-3333
URL: http://www.steinheim-institut.de/cgi-bin/epidat?id=hdf-3333
(letzte Änderungen - 2015-10-06 14:42)

Recherche im Gesamtbestand - Kontextualisierungen

Inschriften des Jahres 1888

Orte jüdischer Geschichte im Umfeld des Friedhofs

app-jüdische-orte.de.dariah.eu

 

Steinheim-Institut
http://www.steinheim-institut.de:80/cgi-bin/epidat?id=hdf-3333
letztes update: | lizenziert unter einer Creative Commons Lizenzvertrag
Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz
Valid XHTML 1.0 Strict | Powered by TUSCRIPT
concept, code and design created by Thomas Kollatz
epidat stable release switch to beta
Datenschutzhinweis