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Würzburg - Heidingsfeld 159 Inschriften (1810-1939)

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epidat - epigraphische Datenbank

ID hdf-303
Lizenz Creative Commons Attribution-BY 4.0 International Licence [CC BY]
Zitation Digitale Edition ─ Jüdischer Friedhof Würzburg - Heidingsfeld, hdf-303: http://steinheim-institut.de/cgi-bin/epidat?hdf-303

Name

Schlomo (genannt Salman) ben Mosche Hirsch (Salomon ­von Hirsch) [13.07.1827]          

Diplomatische Transkription und Übersetzung

‎‏פ״ט‏‎ Hier ist geborgen
‎‏היקר והנעלה הנדיב והשתדלן כ״ה שלמה המכונה זלמן‏‎ der Teure und der Erhabene, der Wohltäter und der Fürsprecher, der geehrte Herr Schlomo, genannt Salman,
‎‏בכ״ה משה הירש מק״ק ווירצבורג נפטר ונקבר בשם‏‎ Sohn des geehrten Herrn Mosche Hirsch aus der heiligen Gemeinde Würzburg, verschieden und begraben ›mit gutem
‎‏טוב ביו׳ וי״ו י״ח תמוז תקפ״ז לפ״ק‏‎ Namen‹ am sechsten Tag, 18. Tammus 587 der kleinen Zählung.
‎‏תנצב״ה‏‎ 5 Seine Seele sei eingebunden in das Bündel des Lebens
‎‏שלם היה ביראת השם ובאמנותו‏‎ Vollkommen war er in der Ehrfurcht des (göttlichen) Namens und in seinem Glauben,
‎‏ללומדי תורה הכין ספרים ומעון בביתו‏‎ für Toralernende bereitete er Bücher und Herberge in seinem Haus,
‎‏מלחמו נתן בכל עת לדלים ולאביונים‏‎ von seinem Brot gab er zu jeder Zeit den Darbenden und den Bedürftigen,
‎‏הנעצבים והנדכאים אליו פונים‏‎ die Traurigen und die Zerschlagenen wandten sich an ihn,
‎‏זכרו לברכה בלב מכיריו ויודעיו‏‎ 10 sein Andenken sei zum Segen im Herzen seiner Bekannten und Kenner,
‎‏לצדקה פיזר הונו ולחסד שם פעמיו‏‎ zur Wohltätigkeit verteilte er großzügig sein Vermögen und zum Liebesdienst ›richtete er seine Schritte‹,
‎‏מוסר למד לבניו בכשרון‏‎ Zucht lehrte er seinen Söhnen mit Geschicklichkeit,
‎‏נהי ונהיה שאו על החסרון‏‎ ›Trauergesang und Klage‹ erhebet über den Verlust

 

 Zl 3f: bBer 17a  Zl 11: Ps 85,14  Zl 13: Mi 2,4

Kommentar

Datierung Gestorben Freitag, 13.07.1827
Salomon (von) Hirsch, der Neubegründer der jüdischen Gmeinde Würzburgs, wird in seiner gereimten und mit einem Akrostichon versehenen Eulogie nicht nur für seine Frömmigkeit und Wohltätigkeit gelobt, für seinen Einsatz für die Familie wie für die Gemeinde gleichermaßen, sondern auch dafür, daß er Studenten der Heiligen Schrift in seinem Haus, in dem er eine Privatsynagoge unterhielt, Herberge und Unterstützung bot. Den Giebel seines Grabsteins ziert ein Hirsch als Symbol für den Vatersnamen, aus dem sich später das Wappen der geadelten Familie entwickelte.

Stilmittel

Akrostichon in Zeilen 6-13: ‎‏שלמה זלמן‏‎ Schlomo Salman

Beschreibung

Maße 164 x 82/89 x 15/30
Lage Feld B, Reihe 03, Stein Nr. 03 (0303)
Beschreibung Stele mit Rundbogen, darüber ein geschweifter Aufsatz mit eingezogenem Rundbogenabschluß, darin ein reliefierter sitzender Hirsch in einem Lorbeerkranz, den Familiennamen symbolisierend, flankiert von geschwungenen Blättern.
Symbol Namenssymbol Hirsch
Ornament florale Verzierung
Zustand 2010 Mittlere Verwitterung; starker Flechtenbewuchs.

Zur Person

Salomon war der zweitälteste Sohn von Moses Hirsch aus Königshofen, das ist das unterfränkische Gaukönigshofen, wo er um 1774/75 geboren worden war. Im Jahr 1803 konnte Moses Hirsch für sich und seine Söhne Salomon und Jakob Hirsch durch den Kauf des Ebrachter Hofes in Würzburg als erster Jude seit der Vertreibung der Juden 1642 ein Ansässigkeitsrecht für die Stadt erwirken. Salomon Hirsch hatte jährlich 12,30 fl Schutzgeld zu zahlen, 22 Kreuzer Aktuariatsgebühren sowie 48,35 fl Extrageld. 1811 erhielt er aus dem Erbe seines Vaters 25.000 Gulden. Davon kaufte er 1813 in Würzburg zunächst Hof und Garten "Zum großen Batzen" in der Reibeltsgasse 2, dann 1814 den prachtvollen, vormals domkapitelischen Hof Rödelsee gegenüber des Domes, in den er mit seiner aus Karlsruhe stammenden Frau Regina geb. Ettlinger zog. Im selben Haus richtete er auch eine Synagoge ein, stellte aber gleichzeitig die im Haus befindliche Kapelle den 1815 bis 1817 in Würzburg liegenden russischen Truppen für ihre Gottesdienste nach orthodoxem Ritus zur Verfügung. Er betrieb Wechselgeschäfte und seit 1814 mit großherzoglichen Erlaubnis in der Residenzstadt und auf dem Lande Handel mit Häusern und Gütern. Auch für die jüdische Gemeinde setzte er sich ein, so versuchte er 1802, gemeinsam mit Mayer Fälklein, vergeblich den Anteil der aus dem Hochstift verzogenen Juden an der Steuerlast der Altwürzburger Landjudenschaft einzutreiben, 1812 wurde er - wiederum gemeinsam mit Mayer Fälklein - mit der Fertigung der Extrageldanlage beauftragt. 1819 richtete Salomon Hirsch eine auch im Druck erschienene und von dem Würzburger Universitätslehrer Sebald Brendel verfasste Petition an die "Hohe Ständeversammlung", in der er um die vollständige Emanzipation der Juden im Königreich Bayern bat. Außerdem beherbergte er in seinem Haus auch Rabbinatskandidaten, die in Würzburg bei Oberrabbiner Bing und teilweise an der Universität studierten. Nach den sogenannten "Hep-Hep"-Unruhen in Würzburg wurden im April 1820 auch die Türen seines Hauses mit Drohungen beschmiert.

Quellen / Sekundärliteratur

Begräbnisregister (Staatsarchiv Würzburg, Jüdische Standesregister 42), S. 86, Nr. 243.
Joseph Prys: "Zur Geschichte der Familie von Hirsch", in: Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 1929, Heft 20 (15.10.1929), S. 325-331, hier S. 327.
Ursula Gehring-Münzel: Vom Schutzjuden zum Staatsbürger. Die gesellschaftliche Integration der Würzburger Juden 1803-1871 (Veröffentlichungen des Staatsarchivs Würzburg, Bd. 6), Würzburg 1992, S. 78, 80, *90, *102, 108, 110f., *122, 128, 175, 277, 288, 315.
Roland Flade: Die Würzburger Juden. Ihre Geschichte vom Mittelalter bis zur Gegenwart, 2. erweiterte Auflage, Würzburg 1996, S. 62, 68f., 74.

Fotografien

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(letzte Änderungen - 2013-07-27 11:44)

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