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Würzburg - Heidingsfeld 159 Inschriften (1810-1939)

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epidat - epigraphische Datenbank

ID hdf-2009
Lizenz Creative Commons Attribution-BY 4.0 International Licence [CC BY]
Zitation Digitale Edition ─ Jüdischer Friedhof Würzburg - Heidingsfeld, hdf-2009: http://steinheim-institut.de/cgi-bin/epidat?hdf-2009

Name

Ignatz Jizchak ­Crailsheim [26.07.1854]          

Diplomatische Transkription und Übersetzung

‎‏פ״נ‏‎ Hier ist begraben -
‎‏פה נטמן גוית איש במכונה‏‎ hier ist geborgen der Leib eines Mannes, genannt
‎‏איגנאטץ יצחק קראילסהיים‏‎ Ignatz Jizchak ­Crailsheim
‎‏מקרית ווירצבורג נפטר ביום‏‎ aus der Stadt Würzburg, verschieden am Tag
‎‏ד׳ ונקבר ביום ה׳ ב׳ אב תרי״ד ל׳‏‎ 5 4 und begraben am Tag 5, 2. Aw 614 der Zählung.

Kommentar

Datierung Gestorben Mittwoch, 26.07.1854 ; begraben am nächsten Tag
Doppelte Einleitungsformel, aber kein Schlußsegen.
Zl 3: Der erste Name und der Familienname sind entsprechend deutscher Orthografie geschrieben.

Beschreibung

Maße 99 x 55 x 11
Lage Feld A, Reihe VI, Stein Nr. 21 (2009)
Beschreibung Stele mit geschweiftem Rundbogenabschluß.
Zustand 1996 Leichte Verwitterung. 2010: Leichte Verwitterung.

Zur Person

Der Ignatz Crailsheim, Buchhalter und Prokurist des Bankiers Joel Jakob von Hirsch, als dessen Stellvertreter er auch mit eigenen Vollmachten ausgestattet war, stammte aus dem Königreich Württemberg und erhielt 1841 als einziger ausländischer Jude von König Ludwig I das bayrische Indigenat verliehen, womit es ihm auch erlaubt war, sich für die Dauer seiner Anstellung in Würzburg niederzulassen. Im Auftrag des Würzburger Gemeindekollegiums wurde er zusammen mit dem Würzburger Kreisbaurat Schierlinger auf eine Informationsreise nach Frankreich und England geschickt, um sich über mögliche Schiffstypen für die neugegründete Würzburger Maindampfschifffahrtsgesellschaft kundig zu machen. Er war erster Direktor der "Casino-Gesellschaft", einem Treffpunkt der assimilierten jüdischen Familien Würzburgs, Mitglied im landwirtschaftlichen Verein und saß im Verwaltungsausschuß des Polytechnischen Zentralvereins.
Um die Beisetzung von Ignatz Crailsheim auf dem jüdischen Friedhof in Heidingsfeld gab es offenbar einigen Wirbel. Das Begräbnisregister berichtet:
‎‏ביום ה׳ ב׳ אב הורד הבורה איצק קראילסהיים מווירצבורג וע״פ הוראת אדונינו הגאון אב״ד הרב / מוהר״ר זעליגמן בעער באמבערגר נר״ו נקבר בלא לויה בלא טהרה והלבשת תכריכין ובלא צידוק הדין / במקום מיותר דהיינו בצד ימין דב״ע הרחק מן שאר קברי בני עמינו ז״ל יען אשר היה אפיקורוס / לדברי הכל? וצוה בתוך צוואה לפני מותו שרצונו להקבר בקברות עכו״ם והם דחו אותו בלעג / ובזיון אף אלמנתו וקרביו צעקו ובכו שיאתו להם לטמון אותו בתוך בה״קב דעמינו, ויען שלא נשמע מעולם / ... כתבתי את הדברים האלה לחרפת ולדיראון הכופרים והאפיקורסים ולזכרון הדורות הק׳ ...‏‎
"Am Tag 5, 2. Aw, wurde hinabgelassen in die Grube Izek Crailsheim aus Würzburg, und gemäß der Anweisungen unseres Herrn, des überragenden Gelehrten, des Vorsitzenden der Gerichtsbarkeit, unseres Lehrers, des Meisters, Herrn Seligman Bär Bamberger, der Barmherzige hüte und erhalte ihn, wurde er ohne Geleit begraben und ohne [rituelle] Waschung und Ankleidung mit dem Totenkleid und ohne [das Gebet] "Ziduq Hadin" [d.h. ohne Zeremonie], auf unbrauchbarer Fläche, d.h. auf der rechten Seite des Friedhofs, weit entfernt von den anderen Gräbern unseres Volkes, ihr Andenken zum Segen, denn er war ein Ketzer nach Aussage aller, und er verfügte vor seinem Tod in seinem Testament, daß er begraben werden wolle auf dem Friedhof derer, die die Sterne und Sternbilder anbeten [d.h. der Götzenanbeter, das sind die Christen], doch sie wiesen ihn mit Hohn und Spott ab. Aber seine Witwe und seine Verwandten schrieen und weinten, daß man ihnen gestatten möge, ihn auf dem Friedhof unseres Volkes beizusetzen. Und weil [derartiges] noch nie zuvor geschehen war ... habe ich diese Dinge aufgeschrieben zu Schimpf und Schande der Leugner und Ketzer und zum Gedächtnis für die [künftigen] Geschlechter. Der Geringe ...".

Quellen / Sekundärliteratur

Begräbnisregister (Staatsarchiv Würzburg, Jüdische Standesregister 42), S. 62, Nr. 551.
Ursula Gehring-Münzel: Vom Schutzjuden zum Staatsbürger. Die gesellschaftliche Integration der Würzburger Juden 1803-1871 (Veröffentlichungen des Staatsarchivs Würzburg, Bd. 6), Würzburg 1992, S. 179, 181, 220, 223, 275, 364, 438, 441, 444.
Roland Flade: Die Würzburger Juden. Ihre Geschichte vom Mittelalter bis zur Gegenwart, 2. erweiterte Auflage, Würzburg 1996, S. 118.

Fotografien

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Schrade, Dokumentationszentrum für jüdische Geschichte und Kultur in Unterfranken

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Zitation der Inschrift

Digitale Edition ─ Jüdischer Friedhof Würzburg - Heidingsfeld, hdf-2009
URL: http://www.steinheim-institut.de/cgi-bin/epidat?id=hdf-2009
(letzte Änderungen - 2013-07-27 11:44)

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Inschriften des Jahres 1854

Orte jüdischer Geschichte im Umfeld des Friedhofs

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Steinheim-Institut
http://www.steinheim-institut.de:80/cgi-bin/epidat?id=hdf-2009
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