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Detmold 265 Inschriften (1729-2017)

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ID dtm-96
Lizenz Creative Commons Attribution-BY 4.0 International Licence [CC BY]
Zitation Digitale Edition ─ Jüdischer Friedhof Detmold, dtm-96: http://steinheim-institut.de/cgi-bin/epidat?dtm-96

Name

Awraham Mosche (Moses Jacob) [09.06.1741]          

Diplomatische Transkription und Übersetzung

‎‏פ״נ פ״ו‏‎ Hier ist begraben der Vorsteher und Leiter,
‎‏הא׳ משה‏‎ ›der Mann Mosche‹,
‎‏איש חכם ונבון הלך בתמים‏‎ ein ›weiser und einsichtiger‹ Mann, › er wandelte in Lauterkeit‹,
‎‏באמונה מו״מ והי׳ מהקשיבים‏‎ in Treue war sein Handeln und Wandeln und er zählte zu den Lauschenden,
‎‏ראש ומנהיג שמו נודע‏‎ 5 Haupt und Leiter, sein Name war bekannt
‎‏באהבתם הי׳ נותן לחמו‏‎ inmitten der Liebenden?, ›er gab von seinem Brot‹
‎‏לרעבים ורויה לתאבים‏‎ den Hungernden, ›er tränkte‹ die Durstigen,
‎‏מכיסו לא סר ידו ליתן‏‎ aus seinem Beutel wich nicht seine Hand, zu geben
‎‏לאביונים מדברא דאומתי׳‏‎ den Bedürftigen, ›Leiter seiner Nation‹
‎‏ביושר הנהיגם שם נפשו בכפו‏‎ 10 in Aufrichtigkeit führte er sie, ›er setzte sein Leben ein‹,
‎‏לבטל גזירת שטנים‏‎ um teuflische Verordnungen aufzuheben,
‎‏היתה ביתו פתוח לרוחה‏‎ ›sein Haus war weit geöffnet‹,
‎‏לכל נערכה נפטר‏‎ allen bereitet. Verschieden
‎‏ונקבר בעש״ק ך״ה סיון‏‎ und begraben am Vorabend des heiligen Schabbat, 25. Sivan
‎‏תק״א ל׳ תנוח ותעמוד‏‎ 15 501 der Zählung. ›Du wirst ruhen und zu deinem
‎‏לגורלך לקץ הימין תנצב״ה‏‎ Lose erstehen‹ zum Ende der Tage. Seine Seele sei eingebunden in das Bündel des Lebens

 

 Zl 2: Ex 11,3  Zl 3: Dtn 4,6 | Zl 3: Ps 84,12  Zl 6: Spr 22,9  Zl 7: Vgl. Ps 23,5  Zl 9: bKet 17a und bSan 14a  Zl 10: 1 Sam 19,5  Zl 12: Av 1,5  Zl 15f: Dan 12,13

Kommentar

Datierung Gestorben Freitag, 09.06.1741
Zl 4b: Hier muss die übliche Wendung ergänzt werden: "den Lauschenden der Stimme der Tora".
Zl 6: Vermutlich Schreibfehler: ‎‏באהבתם‏‎ statt ‎‏באהבים‏‎ - die Wendung "bekannt inmitten der Liebenden" findet man häufiger, "Liebende" ist ein Epipheton für die Frommen.
Zl 13: Hier fehlt das Wort ‎‏ושלחנו‏‎, der Satz müsste heißen "und sein Tisch für alle gedeckt".

Stilmittel

Akrostichon in Zeilen 3-6, 8-10, 12: ‎‏אברהם משה‏‎ Awraham Mosche

Beschreibung

Material Sandstein
Lage Non in situ. Das Grabmal gehört zu den Steinen des Vorgängerfriedhofs am Lemgoer Tor und wurde 1948 auf diesen Friedhof überführt.
Beschreibung Stele mit eingezogenem Segmentbogen, auf den Schultern Voluten. Das Schriftfeld ist vertieft, die Buchstaben erhabenen. Die Inschrift ist zentriert und füllt das Schriftfeld vollständig aus.
Schrift erhaben
Ornament florale Verzierung
Zustand 2017 Das Grabmal ist verwittert und von Flechten befallen.

Zur Person

Awraham Mosche, das ist der um 1675 geborene Hofjude Moses Jacob. 1692 hatte er auf Bitten seines Schwiegervaters Jacob Meier aus Rinteln Geleit für Detmold bekommen. Seit 1699 hatte er mit dem späteren Hofjuden Isaac Moses (dtm-0100) den Tabakhandel inne, seit 1702 handelte er mit Tuch, betätigte sich auch als Vermittler und Verkäufer im Schmuckhandel und 1719 kaufte er, wohl als einer der ersten Juden, ein Haus in Detmold. Er betätigte sich auch als Münzlieferant, belieferte die Friedamadolphsburg, einem der Lieblingsaufenthalte der gräflichen Familie, und vermittelte erfolgreich beim Verkauf einiger niederländischen Herrschaften an die Generalstaaten von Holland. Sein Einfluss innerhalb der Judenschaft und beim Grafen Friedrich Adolph stieg immer mehr, 1709 war er Sprecher der Judenschaft, 1726 wurde er von Graf Simon Henrich Adolph zum Vorgänger der Judenschaft ernannt. Dies wurde allerdings wieder rückgängig gemacht, nachdem die Judenschaft ihn nicht als Vorgänger anerkennen wollte. Zunehmend kam Moses Jacob auch in Konflikte mit dem Hofjuden Isaac Moses und seinem Sohn Joseph Isaac (dtm-0025). 1738, mit 63 Jahren, zog er sich aus den Geschäften zurück, um "nur noch hebräische Briefe ins Deutsche zu übersetzen" (Guenter, S. 152).
Durch seine Stellung am Hofe gelang es Moses, dass seine beide Söhne noch zu seinen Lebzeiten als Hofjuden ernannt wurden. Der jüngere, Aaron Moses, blieb in Detmold, der ältere, Jacob Moses, ließ sich vermutlich in Leer nieder und unterstützte seinen Bruder von dort bei Warenlieferungen an den fürstlichen Hof.
1723 setzte sich Moses Jakob gemeinsam mit Michael Isaac (dtm-0091), Levin Heine (dtm-0095?) und Israel Hirsch (dtm-0085) beim Grafen Simon Heinrich Adolph dafür ein, eine neue Synagoge in Detmold einrichten zu dürfen, nachdem es mit der Familie des Tabakpächters Itzig Moses (dtm-0100) zum Streit gekommen war.

Zur Familie

Gattin: Mirjam (dtm-0087)
Söhne: Aharon Josef ben Awraham Mosche (dtm-0027); Joel ben Awraham Mosche (dtm-0072)

Quellen / Sekundärliteratur

Elfi Pracht: Jüdisches Kulturerbe in Nordrhein-Westfalen. Teil III: Regierungsbezirk Detmold, Köln 1998, S. 303.
Michael Guenter: Die Juden in Lippe von 1648 bis zur Emanzipation 1858 (Sonderveröffentlichungen des Naturwissenschaftlichen und Historischen Vereins für das Land Lippe, 20), Detmold 1973, S. 26, 41f., 80f., 91, 150-152.
Dina van Faassen und Jürgen Hartmann (Bearbeiter): "Dennoch Menschen von Gott erschaffen" - Die jüdische Minderheit in Lippe von den Anfängen bis zur Vernichtung, Katalog und Arbeitsbuch zur Wanderausstellung, hrsg. von der Stadt Detmold und dem Kreis Lippe, Bielefeld 1991, S. 19, 25.

Fotografien

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Ulrich Heinemann

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2017
recto

Anna Martin

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Zitation der Inschrift

Digitale Edition ─ Jüdischer Friedhof Detmold, dtm-96
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