logo epidat: epigraphische Datenbank

Detmold 265 Inschriften (1729-2017)

Information   Inschriften   Karte   Indizes   Download
Inv.-Nr.:
Jahr:
    «    [40/265]    »     »|
Edition Kommentar Beschreibung Personalia Quellen Foto
Export: TEI P5 plain text

epidat - epigraphische Datenbank

ID dtm-90
Lizenz Creative Commons Attribution-BY 4.0 International Licence [CC BY]
Zitation Digitale Edition ─ Jüdischer Friedhof Detmold, dtm-90: http://steinheim-institut.de/cgi-bin/epidat?dtm-90

Name

Refael ben Jehuda (Raphael Levi) [23.03.1805]          

Diplomatische Transkription und Übersetzung

‎‏פ״נ‏‎ Hier ist begraben
‎‏איש תם וישר‏‎ ›ein lauterer und aufrechter Mann‹,
‎‏פו״מ מ״ה רפאל בן‏‎ der Vorsteher und Leiter, unser Lehrer, der Meister Refael, Sohn des
‎‏כ״ה יהודה זצ״ל ׃‏‎ geehrten Herrn Jehuda, das Andenken des Gerechten zum Segen,
‎‏נפטר בש״ט בש״ק‏‎ 5 verschieden ›mit gutem Namen‹ am heiligen Schabbat,
‎‏כ״ב א״ש תקס״ה לפ״ק‏‎ 22. des zweiten Adar 565 der kleinen Zählung.
‎‏התמיד בתורה‏‎ Er war beständig in der Tora
‎‏וביראת ה׳ והחזיק‏‎ und der Ehrfurcht vor dem Ewigen und unterstützte
‎‏ידי לומדי תורה‏‎ die Toralernenden,
‎‏ביתו פתוח לרווחה‏‎ 10 ›sein Haus war weit geöffnet‹.
‎‏תנצב״ה‏‎ Seine Seele sei eingebunden in das Bündel des Lebens

 

 Zl 2: Ijob 1,8  Zl 5: bBer 17a  Zl 10: Av 1,5

Kommentar

Datierung Gestorben Samstag, 23.03.1805
Namenskunde "Levi" ist eine andere Form des Namens "Löb" und somit identisch mit Refaels Vatersnamen Jehuda: In seinem Segen über seine Söhne verglich der biblische Jacob seinen Sohn Jehuda mit einem jungen Löwen (Genesis 49,9), daher die Parallelität der Namen Jehuda, Arie (hebr. für "Löwe") und dem deutschen Löb, Löw, Levi etc.

Beschreibung

Material Sandstein
Lage Non in situ. Das Grabmal gehört zu den Steinen des Vorgängerfriedhofs am Lemgoer Tor und wurde 1948 auf diesen Friedhof überführt.
Beschreibung Schmalhohe Stele mit Rundbogen, vertieftem Schriftfeld und erhabenen Buchstaben. Die Inschrift ist zentriert und füllt das Schriftfeld fast vollständig aus.
Schrift erhaben
Abkürzungszeichen Über der Einleitungsformel ist eine kleine Rosette als Abkürzungszeichen angebracht, andere Abkürzungszeichen sind in Form von Tilden und Ranken gestaltet.
Ornament florale Verzierung, insbesondere kleine Rosette im Giebelfeld.
Zustand 2017 Das im unteren Teil leicht verwitterte Grabmal ist leicht eingesunken.

Zur Person

Der 1730 in Samter geborene Refael ben Jehuda, das ist der Hofagent Raphael Levi. Er war aus Polen zugezogen und hatte 1755 Geleit in Detmold bekommen. Er betätigte sich zunächst mit Geldleihe und dem Handel mit Waren des täglichen Bedarfs und konnte bald einen großen Kreis zu seinen Kunden zählen, darunter auch die preußische Armee. Zudem belieferte er nicht nur die Münze, sondern betätigte sich zunehmend auch als Kreditgeber und hatte damit bald eine wichtige Stellung am Hof erlangt. 1771 erlangte er den offiziellen Titel Hofjude, 1785 wurde ihm auch die Befreiung von der Schutzgeldzahlung gewährt. Bald zählte er zu den vermögensten Detmolder Juden. Ende des 18. Jahrhunderts besaß er in Detmold zwei Häuser in der Stadt sowie einen Krug samt Brauhaus im nahegelegenen Dorf Berlebeck.
Raphael Levi knüpfte regional und überregional soziale und geschäftliche Kontakte in alle großen Städte mit jüdischen Einwohnern in Norddeutschland (Berlin, Hamburg, Hannover, Celle, Braunschweig), die sein Sohn fogendermaßen beschrieb: Seine "Familie könne mehr ausrichten [...] als die ganze Judenschaft, indem sie Geld und gute Freunde hätten" (van Faasen, S. 295). So wurde Raphael Levi "aufgrund seiner Kenntnisse der jüdischen Gesetze" zum Beispiel von dem Bielefelder Hofjuden Nathan Spanier 1784 als Vermittler eingesetzt, als bei dessen Tochter nach ihrer Hochzeit nach Berlin Epilepsie festgestellt wurde, was ihr Ehemann als Scheidungsgrund sah. 1774 wurde er zu einem der Vorsteher der Landjudenschaft gewählt, ab 1787 nahm er dieses Amt zeitweilig alleine war, geriet aber immer wieder in Konflikte mit seiner Gemeinde, die ihm Geltungs- und Herrschsucht unterstellte. Mitte der 1770er Jahre begann er, in seinem Haus Gottesdienste abzuhalten. Um Kultgegenstände, die er seiner Meinung nach der Synagoge zum zeitweiligen Gebrauch bereitgestellt, nach Ansicht der Gemeinde aber geschenkt hatte, eskalierten 1782 die Auseinandersetzungen zwischen Raphael Levi und der Gemeinde.
Raphael Levi war zweimal verheiratet. Seine erste Gattin war Golda, Tochter des Rabbiners Lipman, welche 1784 gestorben war. Seine zweite Gattin Ester, Tochter von Ber Goldschmidt, starb 1816.
Sein Sohn, der 1765 geborene Hofagent und Gemeindevorsteher "Levi Sohn Raphael", der 1771 dank der Vermittlung seines Vaters eigenständig Geleit erhalten hatte, nahm 1809 den Familiennamen Samter als Familiennamen an, nach dem Geburtsort von Raphael Levi.
Die um 1758 geborene Tochter Lea heiratete 1778 in Frankfurt Izek Gundersheim und wohnte dort im Vorderhaus zum Pflug. Die jüngste Tochter Brandel heiratete 1803 Herz, Sohn des Abraham aus Horn, einem Geschäftspartner ihres Vaters, der das Geleit von Raphael Levi übernahm.

Zur Familie

1. Gattin: Golda bat Lipman (dtm-0079)
Sohn: Raphael Levi Samter (dtm-0030)
Tochter: Lea, Gattin des Izek Gundersheim (Jüdischer Friedhof Frankfurt am Main, Battonnstraße, ffb-1640)
2. Gattin: Ester bat Ber Goldschmidt (dtm-0060)

Quellen / Sekundärliteratur

Dina van Faassen: "'Hier ist ein kleiner Ort und eine kleine Gegend' - Hofjuden in Lippe", in: Hofjuden - Ökonomie und Interkulturalität. Die jüdische Wirtschaftselite im 18. Jahrhundert, hrsg. von Rotraud Ries und J. Friedrich Battenberg (Hamburger Beiträge zur Geschichte der deutschen Juden, Bd. XXV), Hamburg 2002, S. 289-331, hier S. 290-296, S. 300 und S. 302.
Dina van Faassen und Jürgen Hartmann (Bearbeiter): "Dennoch Menschen von Gott erschaffen" - Die jüdische Minderheit in Lippe von den Anfängen bis zur Vernichtung, Katalog und Arbeitsbuch zur Wanderausstellung, hrsg. von der Stadt Detmold und dem Kreis Lippe, Bielefeld 1991, S. 18.
Michael Guenter: Die Juden in Lippe von 1648 bis zur Emanzipation 1858 (Sonderveröffentlichungen des Naturwissenschaftlichen und Historischen Vereins für das Land Lippe, 20), Detmold 1973, S. 54, 163f.
Elfi Pracht: Jüdisches Kulturerbe in Nordrhein-Westfalen. Teil III: Regierungsbezirk Detmold, Köln 1998, S. 303f.

Fotografien

  «    »  

Ulrich Heinemann

heutiges Foto
2017
recto
Seitenanfang

Zitation der Inschrift

Digitale Edition ─ Jüdischer Friedhof Detmold, dtm-90
URL: http://www.steinheim-institut.de/cgi-bin/epidat?id=dtm-90
(letzte Änderungen - )

Recherche im Gesamtbestand - Kontextualisierungen

Inschriften des Jahres 1805

Orte jüdischer Geschichte im Umfeld des Friedhofs

app-jüdische-orte.de.dariah.eu

 

Steinheim-Institut
http://www.steinheim-institut.de:80/cgi-bin/epidat?id=dtm-90
letztes update: | lizenziert unter einer Creative Commons Lizenzvertrag
Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz
Valid XHTML 1.0 Strict | Powered by TUSCRIPT
concept, code and design created by Thomas Kollatz
epidat stable release switch to beta
Datenschutzhinweis