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Detmold 265 Inschriften (1729-2017)

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ID dtm-9
Lizenz Creative Commons Attribution-BY 4.0 International Licence [CC BY]
Zitation Digitale Edition ─ Jüdischer Friedhof Detmold, dtm-9: http://steinheim-institut.de/cgi-bin/epidat?dtm-9

Name

Gerschon R. (Gerson Treuenfels) [16.09.1760]          

Diplomatische Transkription und Übersetzung

‎‏פ״נ‏‎ Hier ist begraben,
‎‏תקכ״א ל׳‏‎ - 521 der Zählung -
‎‏שוכן ומתענג המרומם‏‎ weilt und ergötzt sich der Erhabene
‎‏והמהולל פ״ו הר׳ גרשון ר׳‏‎ und der Gepriesene, der Vorsteher und Leiter, Herr Gerschon R.,
‎‏איש נאמן רב ברכות‏‎ 5 ein getreuer Mann, ›reich an Segen‹,
‎‏במעשי׳ ידי׳ הישרים הי׳‏‎ mit seiner Hände aufrechtem Werk war er
‎‏עוסק במו״מ בנאמנות‏‎ beschäftigt in Handel und Wandel in Treuen
‎‏ובתמים רועה צאן קדשים‏‎ und in Lauterkeit, Hirte der ›Schafe der Heiligtümer‹,
‎‏ובתורה קבע עיתי׳ ובתפלת׳‏‎ und ›für die Tora setzte er feste Zeiten‹ und in seinem Gebet
‎‏הי׳ מהמשכימי׳ ומעריבים‏‎ 10 gehörte er zu den ›frühen und späten‹ (Betern),
‎‏נפטר ונקבר ביו׳ ג׳ ו׳ תשרי‏‎ verschieden und begraben am Tag 3, 6. Tischri
‎‏תוללה ונתצב״ה‏‎ - "›Du wirst ruhen und zu deinem Lose erstehen‹ und es sei seine Seele" (521) eingebunden in das Bündel des Lebens
 Rückseite
Treuenfels

 

 Zl 5: Spr 28,20  Zl 8: Ez 36,38  Zl 9: Vgl. bShab 31a  Zl 10: bSot 42b  Zl 12: Dan 12,13

Kommentar

Datierung Gestorben und begraben Dienstag, 16.09.1760 ;
Dieses Grabmal trägt eine deutsch beschriftete Rückseite, lange bevor deutsche Inschriften üblich wurden. Vermutlich wurde der Familienname "Treuenfels" nachträglich eingraviert: Erst 1809 hatte der Sohn Hirsch Gerschon den Namen offiziell als Familiennamen angenommen. Dies heißt aber nicht, dass der Name nicht schon länger in der Familie tradiert wurde. Möglicherweise ist er auch hier in der hebräischen Inschrift angedeutet (s.u.).
Abkürzung Zl 4: Die hebräische Inschrift verzichtet auf die Nennung des traditionellen Vatersnamen. Stattdessen folgt dem Namen Gerschon ein mit Abkürzungszeichen versehener Buchstabe, ‎‏ר׳‏‎ oder ‎‏ד׳‏‎, dessen Bedeutung unklar ist - vielleicht steht hier "D" für den Beinamen "Treuenfels" in mundartlicher Form ("Dreuenfels" o.ä.).

Stilmittel

Chronogramm Das Sterbejahr ist in Zl 12 zusätzlich mit der abgekürzten Segensformel nach Daniel 12,13 angegeben, plus dem Wort "Seele" des folgenden üblichen Schlußsegens: ‎‏ת+ו+ל+ל+ה+נ‏‎ = 521.

Beschreibung

Material Rötlicher Sandstein
Lage Non in situ. Das Grabmal gehört zu den Steinen des Vorgängerfriedhofs am Lemgoer Tor und wurde 1948 auf diesen Friedhof überführt.
Beschreibung Stele mit eingezogenem Rundbogenabschluß zwischen Eckakroterien, mit vertieftem Schriftfeld mit erhabenen Rahmen und erhabenen Buchstaben. Die Inschrift ist rechtsbündig angebracht, die beiden Kopfzeilen im Bogenfeld sind zentriert.
Schrift erhaben
Zustand 2017 Leichte Beschädigung, im unteren Teil leichte Verwitterung.

Zur Person

Gerschon, verheiratet mit Schönche bat Izek (aus) Wetzlar, war Gemeindevorsteher. Sein Sohn Hirsch nahm 1809 den Familiennamen Treuenfels an. (Eher unwahrscheinlich ist ein Zusammenhang zwischen dem Familiennamen und der Herkunft der Familie: Die von Treuenfels sind ein mecklenburgisch-preußisches Adelsgeschlecht, das erst seit Ende des 17. Jahrhunderts belegt ist). Bei der Annahme der Familiennamen ist Hirschs voller Name mit "Hirsch Gerson Moses Treuenfels" angegeben, der hier in der Inschrift nicht angegebene Vatersname von Gerschon lautete entsprechend vermutlich Moses.
Gersons 1818 in Detmold geborener Urenkel Abraham war Zögling der Herforschen Schulstiftung und erhielt von der Stiftung ein Stipendium für sein theologisches Studium in Bonn. Er amtierte einige Jahre lang als Rabbiner in Limburg an der Lahn und wurde dann 1860 als Rabbiner nach Stettin berufen, wo er bis zu seinem Tod 1879 wirkte.

Zur Familie

Gattin: Schönche bat Izek Wetzlar (dtm-0010)
Enkelin: Bernhardine Michaelis geb. Treuenfels (dtm-0005)

Quellen / Sekundärliteratur

Landesarchiv NRW, Abteilung Ostwestfalen-Lippe, P2 Zivilstandsregister der Juden und Dissidenten im Regierungsbezirk Detmold, 23,1: Zivilstandsregister der Juden für die Stadt Detmold, Kreis Detmold (GHT 1809-1875), S. 14 (Annahme fester Familiennamen).
Michael Guenter: Die Juden in Lippe von 1648 bis zur Emanzipation 1858 (Sonderveröffentlichungen des Naturwissenschaftlichen und Historischen Vereins für das Land Lippe, 20), Detmold 1973, S. 114, 178.

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Digitale Edition ─ Jüdischer Friedhof Detmold, dtm-9
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