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Detmold 265 Inschriften (1729-2017)

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epidat - epigraphische Datenbank

ID dtm-316
Lizenz Creative Commons Attribution-BY 4.0 International Licence [CC BY]
Zitation Digitale Edition ─ Jüdischer Friedhof Detmold, dtm-316: http://steinheim-institut.de/cgi-bin/epidat?dtm-316

Namen

Simon Examus [08.05.1907]
Selma Examus geb. Blank [19.12.1925]          

Diplomatische Transkription

Hier ruht
mein lieber Mann,
unser guter Vater
Simon Examus
5 geb. 12. Mai 1834
gest. 8. Mai 1907.
unsere liebe Mutter
Selma Examus
gebr. Blank
10 geb. 14. Apr. 1842
gest. 19. Dez. 1925.
 Postament
Wer im Gedächtnis seiner Lieben lebt,
der ist nicht tot, tot ist, wer vergessen ist.

Kommentar

Datierung Simon Examus: Geboren 12.05.1834; gestorben 08.05.1907
Selma Examus: Geboren 14.04.1842; gestorben 19.12.1925
Der deutsche Sinnspruch ist ein Zitat des österreichischen Schriftstellers Joseph Christian Freiherr von Zedlitz (1790-1862) (aus: "Der Stern von Sevilla" von 1829, 5. Kapitel, vierter Aufzug, siebter Auftritt: "Wer im Gedächtniß seiner Lieben lebt, ist ja nicht todt, er ist nur fern. - Todt nur ist, wer vergessen wird"). Dieser Sinnspruch, der oft auch Immanuel Kant zugeschrieben wird, hat sich zu einem beliebten Grabspruch entwickelt und findet sich hier z.B. auch auf den Grabmalen dtm-0219 und dtm-0507.

Beschreibung

Zustand 2017 Gut erhalten.

Zur Person

Der Viehhändler und Schlachter Simon Süßkind Examus wurde am 12. Mai 1834 in Heiligenkirchen geboren als Sohn des Isaac Examus und der Sara Sophie geb. Goldschmidt. Er war in erster Ehe verheiratet mit Berta Blank aus Wallensen bei Salzhemmendorf hinter Hameln, vermutlich eine Tochter des vermögenden Kornhändlers und Bürgers David Blanck, der aus dem Königreich Hannover nach Lippe zugezogen war und sich in Remminghausen auch als Bauer betätigte. Das Paar hatte zunächst in Heiligenkirchen gelebt, 1861 wurde dort der Sohn Julius geboren, 1864 der Sohn Gustav, 1866 der Sohn Alexander Sießkind, genannt Albert und 1869 die Tochter Selma. Nach Bertas Tod heiratete Simon Examus vermutlich deren Schwester, Selma geb. Blanck, die ihre erstgeborene Tochter 1874 nach der verstorbenen Schwester Bertha benannte. Weitere Kinder aus dieser zweiten Ehe waren die 1875 geborene Marianne, die 1877 geborene Rosa, die neben ihren Eltern ruht, der 1878 geborene David und die 1885 geborene Else.
Der Sohn David trat 1907 in den Vieh- und Getreidehandel seines Bruders Gustav ein. 1910 heiratete er Emmy, Tochter von Simon und Selma Salomon in Detmold (und Schwester von Siegfried Salomon, dtm-3001?), 1914 kam die Tochter Ursula zur Welt. 1924 gründete er eine Offene Handelsgesellschaft. Der nichtjüdische Teilhaber Paul Eickelmann schied 1933 aus der Firma wieder aus, 1937 wurde die Firma aus dem Handelsregister gelöscht und David Examus mussste Zwangsarbeit leiten. Während des Novemberprogroms wurde er bis 22. November 1938 im KZ Buchenwald inhaftiert. Am 30. März 1930 wurden er und seiner Frau nach Warschau deportiert und in Treblinka ermordet. Die Tochter Ursula konnte 1934 über England nach Palästina emigrieren.
Davids Schwester Marianne war mit dem Viehhändler Josef Herzberg aus Sachsenhagen verheiratet und lebte mit ihm zunächst in Pattensen, wo 1910 die Tochter Edith und 1912 der Sohn Heinz geboren wurden, und dann in Hannover, wo Josef 1939 starb. Im Dezember 1941 wurde sie nach Riga deportiert und ermordet. Ihre Kinder wurden von Berlin ins Ghetto Litzmannstadt deportiert und ermordet.
Davids Schwester Else hatte 1914 Julius Wertheim aus Bentheim geheiratet, der von 1919 bis 1938 eine Furnier- und Holzhandlung in Detmold betrieb. Am 30. März 1942 wurde das Ehepaar mit ihrer Tochter Ilse und deren Mann Leo Samuel ins Warschauer Ghetto deportiert und ermordet. Ihr Sohn Rudolf Wertheim wurde mit seiner Frau Ruth geb. Aronsohn nach Riga deportiert und ermordet.

Zur Familie

Schwester von Selma und erste Gattin von Simon Examus: Berta Examus geb. Blank (dtm-0077)
Tochter: Rosa Examus (dtm-0315)

Links zu personenbezogenen Onlinedatenbanken

Examus, David ─ Gedenkbuch: Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, 863271
Examus, Emmy ─ Gedenkbuch: Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, 863273
Herzberg, Heinz ─ Gedenkbuch: Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, 1058585
Herzberg, Marianne ─ Gedenkbuch: Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, 861481
Liebenthal, Edith ─ Gedenkbuch: Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, 1107408
Samuel, Ilse ─ Gedenkbuch: Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, 990679
Samuel, Leo ─ Gedenkbuch: Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, 958316 ─ Gedenkbuch: Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, 958316
Wertheim, Else ─ Gedenkbuch: Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, 990369
Wertheim, Julius ─ Gedenkbuch: Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, 990715
Wertheim, Rudolf ─ Gedenkbuch: Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, 990752

Quellen / Sekundärliteratur

Landesarchiv NRW, Abteilung Ostwestfalen-Lippe, P2 Zivilstandsregister der Juden und Dissidenten im Regierungsbezirk Detmold, 23,8: Zivilstandsregister für das Amt Detmold, Kreis Detmold mit den Orten Haustenberck, Heidenoldendorf, Heiligenkirchen (G 1818-1875, H 1813-1871, T 1815-1873), S. 6 (Geburt Simon "Süßkind"), 7 (Geburt Julius und Gustav), S. 8 (Geburt Alexander) S. 9 (Geburt Selma und Bertha).
Landesarchiv NRW, Abteilung Ostwestfalen-Lippe, P2 Zivilstandsregister der Juden und Dissidenten im Regierungsbezirk Detmold, 23,1: Zivilstandsregister der Juden für die Stadt Detmold, Kreis Detmold (GHT 1809-1875), S. 509 (T Berta Examus).
David Examus, Emmy Examus geb. Salomon, Ilse Samuel, Leo Samuel, Marianne Herzberg geb. Examus, Else Wertheim geb. Examus, Julius Wertheim, Rudolf Wertheim, in: Gudrun Mitschke-Buchholz: Gedenkbuch für die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Detmold, Detmold 2018, Digitale Fassung, gefördert von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Lippe e.V.
Michael Guenter: Die Juden in Lippe von 1648 bis zur Emanzipation 1858 (Sonderveröffentlichungen des Naturwissenschaftlichen und Historischen Vereins für das Land Lippe, 20), Detmold 1973, S. 85.

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Orte jüdischer Geschichte im Umfeld des Friedhofs

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