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Detmold 265 Inschriften (1729-2017)

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ID dtm-31
Lizenz Creative Commons Attribution-BY 4.0 International Licence [CC BY]
Zitation Digitale Edition ─ Jüdischer Friedhof Detmold, dtm-31: http://steinheim-institut.de/cgi-bin/epidat?dtm-31

Name

Awraham ben Salman Rinteln (Abraham Salomon) [13.12.1808]          

Diplomatische Transkription und Übersetzung

‎‏פ״נ‏‎ Hier ist begraben
‎‏איש ישר בנדיבים הלך‏‎ ein aufrechter Mann inmitten der Wohltäter, ›er ging
‎‏בדרך טובים ביתו הית׳‏‎ den Weg der Guten‹, ›sein Haus war
‎‏פתוח׳ לרווח׳ שלחנ׳ לכל‏‎ allen weit geöffnet‹, sein Tisch allen
‎‏נערכ׳ ביתו היה כמלון׳‏‎ 5 bereitet, sein Haus war wie eine Herberge,
‎‏לכל אורח טוב נתן‏‎ ›jeden guten Gast ließ er
‎‏ללון ה״ה כ״ה אברהם‏‎ übernachten‹. Es ist der geehrte Herr Awraham,
‎‏בן כ״ה זלמן רינטל‏‎ Sohn des geehrten Herrn Salman Rintel,
‎‏הלך לעולמו אור ליו׳‏‎ ›er ging hin in seine Welt‹ zu Beginn des Tages
‎‏ג׳ ערב חנוכה שנת‏‎ 10 3, am Vorabend von Chanukka des Jahres
‎‏תקס״ט לפ״ק‏‎ 569 der kleinen Zählung.
‎‏תנצב״ה‏‎ Seine Seele sei eingebunden in das Bündel des Lebens

 

 Zl 2f: Spr 2,20  Zl 3f: Av 1,5  Zl 6f: Vgl. Jer 14,8  Zl 9: Koh 12,5

Kommentar

Datierung Gestorben Dienstag, 13.12.1808
Wie oft in den Eulogien wird die Wohltätigkeit des Verstorbenen besonders hervorgehoben. Hier liegt der Schwerpunkt auf Awraham Rintelns Gastfreundschaft, der in Zeiten, als die Gemeinde im Jahr Hunderte von durchziehenden "Packjuden" und "Betteljuden" versorgen musste, ganz besondere Bedeutung zukam. (Im Jahr 1789 z.B. hatte die aus 22 Schutzjudenfamilien bestehende Detmolder Gemeinde 940 durchreisende Bettler zu versorgen [van Faasen/Hartmann, s.u., S. 21]).
Zl 5: Das Abkürzungszeichen am Ende der Zeile ist überflüssig.

Stilmittel

Reim auf -wim in Zln 2-3, auf -cha in Zln 4-5, auf -(o/u)n in Zln 5-7.

Beschreibung

Material Sandstein
Lage Non in situ. Das Grabmal gehört zu den Steinen des Vorgängerfriedhofs am Lemgoer Tor und wurde 1948 auf diesen Friedhof überführt.
Beschreibung Stele mit eingezogenem Rundbogenabschluß und vertieftem Schriftfeld mit erhabenen Rahmen und erhabenen Buchstaben. Die Inschrift ist rechtsbündig angebracht, die Kopfzeile im Bogenfeld und der Schlußsegen sind zentriert. Im Giebelfeld ein geöffneter Vorhang, darin hängt ein Ring, der die Einleitungsformel umschließt. Unten links eine Blume als Zierde und Platzfüller, darunter ein gerafftes, geschwungenes Band - eine Gestaltung, die in Detmold einmalig bleibt.
Schrift erhaben
Ornament florale Verzierung
Zustand 2017 Gut erhalten.

Zur Person

Abraham Salomon war ein Sohn des Detmolder Schutzjuden Salomon Isaac Leffmann. 1764 bekam er nur deshalb Geleit in Detmold, weil seine aus Beverungen im Hochstift Paderborn stammende Frau Lea Aron eine Mitgift von 1.000 Reichstalern ins Land brachte. Er kaufte ein Haus in der Detmolder Bruchstraße und betätigte sich seit 1785 als Münzlieferant und später auch als Hofbankier. Lea muss früh gestorben sein; in zweiter Ehe war Abraham Salomon verheiratet mit Fradel, Tochter des Seligman, die ihn um 20 Jahre überlebte.
1806 beantragte Abraham Salomon die Umschreibung seines Geleites auf seine Tochter Rosa Röschen aus zweiter Ehe und deren Verlobten, Baer Aron aus Attendorn, der sich ab 1810 Ursel nannte. Als Begründung für unübliche Umschreibung des Geleits auf eine Tochter statt einen Sohn führte Abraham Salomon an, sein ältester Sohn werde sich nach Salzkotten verheiraten, und "auf diese und andere Art von meinen Kindern verlassen" wolle er nun das Glück genießen, dass durch die "günstige Wahl" eines Schwiegersohns ihm und seiner Frau Erleichterung im Alter verschafft werde. Dagegen protestierte allerdings sein dritter und jüngster Sohn bei der Regierung: Zwar verheirate sich sein ältester Bruder nach auswärts, doch sein zweiter Bruder sei in England und seine Wiederkehr nicht auszuschließen, und der neue Bräutigam werde Haus und Geschäft übernehmen. Vermutlich war der Sohn davon ausgegangen, diese mitsamt dem Geleit von seinem Vater übernehmen zu können, doch hatte er durch sein Verhalten seinem Vater und der Stiefmutter gegenüber und durch seine "zunehmende Neigung zum Müßiggang" jede Hoffnung seines Vaters zunichte gemacht, "daß er dereinst ein der Gesellschaft nützliches Mitglied seyn würde". Nachdem sich der Prozess zwei Jahre lang hingezogen hatte, forderte die Regierung vom Vorsteher Salomon Joel Herford und dieser wiederum vom Vize-Rabbiner ein Gutachten ein mit dem Ergebnis, dass dem Vater allein die Entscheidungsmacht zustehe, an welches seiner Kinder das Geleit übertragen werden solle, insbesondere da eine Geleitvergabe an die Söhne nicht zu empfehlen sei, da doch der eine "ein ächter Taugenichs ist, der zweite sich in gleicher Eigenschaft übers Meer begeben" (van Faassen, S. 131f.).

Zur Familie

Vater: Schlomo Salman ben Jizchak (dtm-0097)
Gattin: Fradel bat Seligman (dtm-0088)

Quellen / Sekundärliteratur

Michael Guenter: Die Juden in Lippe von 1648 bis zur Emanzipation 1858 (Sonderveröffentlichungen des Naturwissenschaftlichen und Historischen Vereins für das Land Lippe, 20), Detmold 1973, S. 163.
Dina van Faassen: "Jüdisches Frauenleben in Lippe bis 1858", in: Lippische Mitteilungen aus Geschichte und Landeskunde, Bd. 62 (1993), S. 129-160, hier S. 131f.
Dina van Faassen und Jürgen Hartmann (Bearbeiter): "Dennoch Menschen von Gott erschaffen" - Die jüdische Minderheit in Lippe von den Anfängen bis zur Vernichtung, Katalog und Arbeitsbuch zur Wanderausstellung, hrsg. von der Stadt Detmold und dem Kreis Lippe, Bielefeld 1991, S. 18.

Fotografien

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Ulrich Heinemann

heutiges Foto
2017
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Zitation der Inschrift

Digitale Edition ─ Jüdischer Friedhof Detmold, dtm-31
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