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Detmold 265 Inschriften (1729-2017)

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ID dtm-25
Lizenz Creative Commons Attribution-BY 4.0 International Licence [CC BY]
Zitation Digitale Edition ─ Jüdischer Friedhof Detmold, dtm-25: http://steinheim-institut.de/cgi-bin/epidat?dtm-25

Name

Josef Jaakow (Joseph Isaac) [07.11.1770]          

Diplomatische Transkription und Übersetzung

‎‏פ״נ‏‎ Hier ist begraben
‎‏איש הישר ותמים‏‎ der aufrechte und lautere Mann,
‎‏צדקת ה׳ עשה פזר‏‎ ›die Gerechtigkeit des Ewigen‹ übte er, ›Almosen
‎‏ונתן לאביונים ה״ה‏‎ verteilte er an die Bedürftigen‹, es ist
‎‏פו״ה יוסף יעקב ז״ל מגן‏‎ 5 der Vorsteher und Leiter, Josef Jaakow, sein Andenken zum Segen, Schutzschild
‎‏הי׳ לדורו בדמו ובבשרו‏‎ war er seiner Generation ›mit seinem Blut und seinem Fleische‹,
‎‏עלה נשמתו למרומה ביו׳‏‎ seine Seele stieg empor zu ihrer Höhe am Tag
‎‏ד׳ י״ט מרחשון תקל״א‏‎ 4, 19. Marcheschvan 531
‎‏לפ״ק פה דעטמולט‏‎ der kleinen Zählung, hier (in) Detmold.
‎‏תנצב״ה‏‎ 10 Seine Seele sei eingebunden in das Bündel des Lebens

 

 Zl 3: Dtn 33,21  Zl 3f: Ps 112,9  Zl 6: bMen 13a

Kommentar

Datierung Gestorben Mittwoch, 07.11.1770
Josef Jaakow hat als Gemeindevorsteher offenbar bedeutenden Einfluss auf die Geschicke seiner Gemeinde gehabt. Ungewöhnlicherweise ist der Name seines Vaters Izek Detmold nicht genannt.

Beschreibung

Material Sandstein
Lage Non in situ. Das Grabmal gehört zu den Steinen des Vorgängerfriedhofs am Lemgoer Tor und wurde 1948 auf diesen Friedhof überführt.
Beschreibung Stele mit leicht eingezogenem Rundbogenabschluß und vertieftem Schriftfeld mit erhabenen scharriertem Rahmen und erhabenen Buchstaben. Die Inschrift ist rechtsbündig angebracht, die durch größere Buchstaben hervorgehobene Kopfzeile im Bogenfeld und der Schlußsegen sind zentriert. Im Bogenfeld eine große, florale Verzierung.
Schrift erhaben
Ornament florale Verzierung
Zustand 2017 Gut erhalten.

Zur Person

Josef Jaakow, das ist der Hofjude und Hofbankier Joseph Isaak, welcher 1693/94 in Detmold geboren worden war als Sohn des Hofjuden Isaac Moses, und der 1719 eigenständiges Geleit erhalten hatte. 1723 wurde er zum Hofjuden bestallt, und seine Tätigkeiten für den Hof umfassten neben Warenlieferungen, finanziellen Leistungen und diplomatischen Tätigkeiten auch die Leitung der 1725 gegründeten herrschaftlichen Tabakmanufaktur. Seine engen Beziehungen zum Hof führten jedoch zu so großer Abhängigkeit, dass er 1733 für fünf Jahre in Haft saß, nachdem der bei ihm hoch verschuldete Graf ihn der Unterschlagung verdächtigte und befürchtete, Joseph Isaak könne sich ins Ausland absetzen (ausführlich bei Guenter, S. 160f.).
Joseph Isaak war auch Vorsteher der Judenschaft, und in seinem Haus befand sich die Synagoge, bis sie in ein Nebengebäude verlegt wurde.
Joseph Isaak war zweimal verheiratet. Seine erste Frau muss vor 1734 gestorben sein. Seine Witwe, Rachel Jacob und Rachel Israel genannt, stammte aus Lage und war die Tochter eines Rabbiners, das könnte Asriel Jaakow gewesen sein, der 1752 in Detmold starb. Sie besaß in Detmold ein Haus, lebte aber mit ihrer Magd bei ihrem jüngsten Sohn Elias, welcher das Geleit seines Vaters übernommen hatte, nachdem seine älteren Brüder fortgezogen waren. Er war verheiratet und hatte 1772 einen Sohn und drei Töchter, für die er einen Schulmeister namens 'Isac aus dem Kölnischen' angestellt hatte, sowie zwei Mägde. Er starb jedoch schon 1787, ein Grabstein hat sich für ihn nicht erhalten.
Sein Bruder Moses Joseph Detmold, ältester Sohn aus der zweiten Ehe, heiratete Sorchen, Tochter des Hoffaktoren Jacob Oppenheimer und ließ sich in Hannover nieder. Sein Bruder Herz Joseph Detmold lebte zunächst in Hameln und zog dann ebenfalls nach Hannover.

Zur Familie

Vater: Izek Detmold (dtm-0100)
Schwiegervater (2. Ehe)?: Asriel Jaaakow ben Zwi Hirsch Schur (dtm-0085)

Quellen / Sekundärliteratur

Dina van Faassen: "'Hier ist ein kleiner Ort und eine kleine Gegend' - Hofjuden in Lippe", in: Hofjuden - Ökonomie und Interkulturalität. Die jüdische Wirtschaftselite im 18. Jahrhundert, hrsg. von Rotraud Ries und J. Friedrich Battenberg (Hamburger Beiträge zur Geschichte der deutschen Juden, Bd. XXV), Hamburg 2002, S. 289-331, hier S. 300 und S. 306, Anm. 79.
Dina van Faassen und Jürgen Hartmann (Bearbeiter): "Dennoch Menschen von Gott erschaffen" - Die jüdische Minderheit in Lippe von den Anfängen bis zur Vernichtung, Katalog und Arbeitsbuch zur Wanderausstellung, hrsg. von der Stadt Detmold und dem Kreis Lippe, Bielefeld 1991, S. 19.
Michael Guenter: Die Juden in Lippe von 1648 bis zur Emanzipation 1858 (Sonderveröffentlichungen des Naturwissenschaftlichen und Historischen Vereins für das Land Lippe, 20), Detmold 1973, S. 43, 46, 80-82, 88, 91, 156-162, 175.
Elfi Pracht: Jüdisches Kulturerbe in Nordrhein-Westfalen. Teil III: Regierungsbezirk Detmold, Köln 1998, S. 302.

Fotografien

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Ulrich Heinemann

heutiges Foto
2017
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Zitation der Inschrift

Digitale Edition ─ Jüdischer Friedhof Detmold, dtm-25
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