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Bingen 880 Inschriften (1602-1968)

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ID bng-268
Lizenz Creative Commons Attribution-BY 4.0 International Licence [CC BY]
Zitation Digitale Edition ─ Jüdischer Friedhof Bingen, bng-268: http://steinheim-institut.de/cgi-bin/epidat?bng-268

Name

Josef ben Juda Mehler [16.8.1676]          

Diplomatische Transkription und Übersetzung

‎‏טובי הקהל כהר״ר יוסף מילר‏‎ Der Untervorsteher der Gemeinde, der geehrte Meister, Herr Josef Mehler.
‎‏פה‏‎ Hier
‎‏טמון איש‏‎ ist geborgen ein Mann,
‎‏ישר ונאמן האלוף‏‎ aufrecht und getreu, der Vornehme,
‎‏כהר״ר יוסף ׃ בן‏‎ 5 der geehrte Meister, Herr Josef, Sohn
‎‏הגאון האב״ד כמ״ה‏‎ des überragenden Gelehrten, des Vorsitzenden der Gerichtsbarkeit, des geehrten, unseres Lehrers, des Meisters
‎‏יודא מילר ז״ל‏‎ Juda Mehler, sein Andenken zum Segen,
‎‏נפטר ונקב׳ ביו׳ א׳‏‎ verschieden und begraben am Tag 1,
‎‏ז׳ אלול תל״ו תנצב״ה‏‎ 7. Elul 436. Seine Seele sei eingebunden in das Bündel des Lebens

Kommentar

Datierung Gestorben Sonntag, 16.8.1676
Ihm ist das Buch Ewronot gewidmet, das sein Vater 1649 beendete (s. Nr. bng-0221). Darin rät Rabbiner Juda Mehler seinem Sohn Josef, sich dem Torastudium zu widmen. Die Gelehrsamkeit des Juda Mehler I war aber auf seinem Enkel Juda Mehler II übergegangen.
Über Aufgaben und Ämter von Josef Mehler sind unterschiedliche Angaben gemacht worden. Die Inschrift bezeichnet ihn als zweiten Vorsteher der Gemeinde. Grünfeld zählt ihn zu den Gemeindevorstehern, Löwenstein schreibt ihm die Aufgabe des Gemeindekassierers zu und Ettlinger nennt ihn gar Vorsitzenden der Gerichtsbarkeit, eine Funktion, die sein Vater ausführte.
Die Inschrift verzichtet auf eine Eulogie. Sie nennt den Namen und die Titel des Verstorbenen und die seines Vaters. Bei Josef sind es weltliche Titel und Ehrenbezeichnungen, beim Vater sind es sein religiös-amtlicher Titel sowie ein hoher Ehrentitel.
Zur Frage der Abstammung vom Hohen Rabbi Löb aus Prag: In dem Eintrag für (Josefs Sohn) Juda Mehler II im Deutzer Memorbuch (Adolph Jellinek, Märtyrer- und Memorbuch, Wien 1881, S. 47) heißt es, daß Josefs Großvater väterlicherseits, Schmuel, ein Bruder des Maharal aus Prag war, eine Angabe, die Löwenstein und Bloch mit dem zutreffenden Argument zu widerlegen suchten, daß es einen Bruder namens Schmuel nicht gab (Löwenstein, Leopold, R. Juda Mehler II, in: MGWJ 1917 (61), S. 285 und Bloch, Ph., Ein vielbegehrter Rabbiner des Rheingaus, Juda Mehler Reutlingen, in: Beiträge zur Geschichte der deutschen Juden, Festschrift zum siebzigsten Geburtstags Martin Philippson, Leipzig 1916, S. 123, Anm. 4). Nun gibt es seit den Veränderungen in den östlichen Ländern und dem daraus resultierender Zugang zu Handschriften, z.B. der Günzburg-Sammlung in Moskau, neue Informationen, die diese Abstammung beweisen. So zitiert Rabbiner Schmuel Becker in seiner Einleitung zu ‎‏שו״ת רבי יהודה מילר‏‎ (S. 9) die Worte des Juda Mehler II (Günzburg Nr. 1607, dort als Juda Mehler Reutlingen als Verfaßer angegeben, was aber nicht stimmen kann), wonach er mütterlicherseits von Chaim, Sohn von Bezalel abstammt. Wie diese Linie verläuft, sagt er nicht.
Unser Versuch, den Beweis zu erbringen, ist folgender: Chaim, bekanntermaßen ein Bruder des Maharal, amtierte als Rabbiner in Friedberg, wo er 1588 starb (Löwenstein, Leopold, Zur Geschichte der Juden in Friedberg, in: JGL, IV. Jg., Nr. 2, S. 19f.). Eines von Chaims Kindern war der Vorsteher Mosche, der 1621 in Friedberg starb (ebd. Nr. 4, S. 54). Wir vermuten, daß Mosche der Vater von Vogels Vater, Koppel Levi, Sohn von Mosche, war. Wenn unsere Vermutung stimmt, dann wäre zum ersten Mal gelungen, die genaue Abstammung des Juda Mehler II vom Hohen Rabbi Löb aus Prag aufzuzeigen.
Zl 1: Die Amtsbezeichnung ‎‏טובי הקהל‏‎, Untervorsteher, stellvertretender Vorsteher, findet sich in Bingen nur in dieser Inschrift.

Stilmittel

Reim auf -mu(a)n in Zln 3/4.

Beschreibung

Maße 54 x 9 cm
Material Sandstein
Beschreibung eingezogener, rundbogiger Abschluß, Zl 1 mit Titel und Namen steht auf dem Rahmen und ist dem Bogenverlauf angepaßt. In Zln 4, 6 und 9 ist der letzte Buchstabe auf den Rahmen geschrieben.
Abkürzungszeichen Punkt, Apostroph und Haken; Satztrenner: senkrechte Tilde mit einer Raute in der Mitte.
Zustand Der Stein ist unterhalb von Zl 9 abgebrochen und enthielt möglicherweise eine weitere Zeile. Zln 2 und 4 sind leicht verwittert.

Zur Person

Josef war wahrscheinlich der einzige Sohn von R. Juda Mehler und Rechle. Er wurde um 1630 vermutlich in Wennings/Oberhessen geboren. 1644 kam er mit seinen Eltern nach Bingen. 1653 heiratete er Vogel (‎‏זאגיל‏‎ in der Einleitung zu ‎‏שו״ת רבי יהודה מילר‏‎ von Rabbiner Schmuel Becker ist falsch und muß ‎‏ואגיל‏‎ lauten), die Tochter des Rabbinatsassessors Koppel Levi aus Frankfurt a.M., der 1658 dort verstarb. Josef starb am 16.8.1676 in Bingen.

Zur Familie

Vater: R. Juda Mehler, gest. 1659 (Nr. bng-0221)
Mutter: Rechlen, Tochter von Jakob Rebitz, gest. 1674 in Hanau
Gattin: Vogel, Tochter des Rabbinatsassessor Koppel Levi in Frankfurt
Kinder: R. Juda Mehler II, gest. 1751 in Bonn (Bonn, Nr. bns-4055), Koppel Rofe, gest. 1741 (Nr. bng-0442) und Breinle, Gattin von Wolf, gest. 1733? (Nr. bng-0205)

Quellen / Sekundärliteratur

Juda Mehler, Ewronot (Staatsbibl. Preußischer Kulturbesitz Ms.or. oct. 3150)
Schlomo Ettlinger, Ele toldot C, 1640-1663, 2.VI.1658
Grünfeld, S. 22, Anm. 9 und S. 37, Anm. 2
Löwenstein, Leopold, R. Juda Mehler II, in: MGWJ 1917 (61), S. 285f.
‎‏שו״ת רבי יהודה מילר, מכון ירושלים, ירושלים תשנ״ג, ע״מ 9 ואילך‏‎
Bloch, Ph., Ein vielbegehrter Rabbiner des Rheingaus, Juda Mehler Reutlingen, in: Beiträge zur Ge-schichte der deutschen Juden, Festschrift zum siebzigsten Geburtstags Martin Philippson, Leipzig 1916, S. 114-134, inbes. S. 123

Fotografien

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Andreas Hemstege

heutiges Foto
1992
recto
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Zitation der Inschrift

Digitale Edition ─ Jüdischer Friedhof Bingen, bng-268
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(letzte Änderungen - 2013-07-27 11:17)

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