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Bayreuth 957 Inschriften (1787-heute)

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epidat - epigraphische Datenbank

ID bay-875
Lizenz Creative Commons Attribution-BY 4.0 International Licence [CC BY]
Zitation Digitale Edition ─ Jüdischer Friedhof Bayreuth, bay-875: http://steinheim-institut.de/cgi-bin/epidat?bay-875

Namen

Luitpold Kurzmann [28.02.1923]
Babette Kurzmann [30.04.1927]
Siegfried Kurzmann [13.04.1955]          

Diplomatische Transkription

Luitpold Kurzmann
geb. 8. Sept. 1847
gest. 28. Febr. 1923
Babette Kurzmann
5 geb. 12. Juli 1853
gest. 30. Apr. 1927
deren Sohn: Dr. Ing.
Siegfried Kurzmann
Oberregierungsrat
10 geb. 27. Aug. 1877
gest. 13. Apr. 1955

Kommentar

Datierung Luitpold Kurzmann: Geboren 08.09.1847; gestorben 28.02.1923
Babette Kurzmann: Geboren 12.07.1853; gestorben 30.04.1927
Siegfried Kurzmann: Geboren 27.08.1877; gestorben 13.04.1955
Dieses Grabmal erhielt vermutlich mit dem Tod des Sohnes 1955 eine neue Schrifttafel, die auch noch Raum für einen weiteren Namen (der Gattin von Siegfried Kurzmann?) ließ.

Zur Person

Luitpold Kurzmann wurde in Bayreuth geboren als Sohn des Metzgermeisters, Schächters und Cultusdieners Samson Kurzmann und der Dina geb. Prager. Er besuchte das Bayreuther Gymnasium und absolvierte dann eine kaufmännische Lehre im angesehenen Modewarengeschäft von Max Wilmersdörffer. Nachdem er einige Jahre als "Commis" (Handlungsgehilfe) bei seinem Lehrmeister tätig gewesen war, machte er sich 1869 selbständig mit einem Modewaren- und Damenkonfektionsgeschäft und führte als erster Kaufmann in Bayreuth feste Preise ein. 1894 eröffnete er sein "Modewaren- und Confektionsgeschäft" im neuerworbenen Eckhaus der sogenannten Wölfelbauten, der eleganteste Laden im ganzen Städtchen. Auch ehrenamtlich engagierte er sich, war sechs Jahre Kassierer der Israelitischen Kultusgemeinde (und sorgt in dieser Zeit für kaufmännische Ordnung im Kassenwesen) und wurde 1890 für drei Jahrzehnte zum Ersten Vorstand gewählt, in dieser Zeit wurden u.a. die Synagoge renoviert, Wege auf dem Friedhof angelegt und ein Leichenhaus gebaut. Seit 1908 war er Korrespondent und Vertrauensmann des Verbandes der Deutschen Juden in Berlin für den Landesgerichtsbezirk Bayreuth. 1911 wird er Gemeindebevollmächtigter, Armenrat und seit 1905 Schriftführer des neugegründeten Hausbesitzervereins. Er diente als Schöffe und vereidigter Schiedsrichter der Landesversicherungsanstalt. Luitpold gehörte auch zu den Gründungsmitgliedern und war jahrelanger Präsident des jüdischen "Geselligkeitsvereins" Phönix. Zudem unternahm er viele Bildungs- und Vergnügungsreisen, u.a. in die Schweiz, nach Frankreich und England, die Niederlande, Belgien und nach Böhmen. Der Kaufmann und Hoflieferant Luitpold Kurzmann starb an "Herzschwäche". Er hinterließ einen ausführlichen Lebensbericht im Anhang des vom seinem Vater angelegten jüngeren Bayreuther Familienstandsbuch (CAHJP D/Ba 28/229).
Luitpold Kurzmann gehörte auch zu den Gründungsmitgliedern des 1897 ins Leben gerufenen Vereins "Chevre Beth Almin", der Friedhofsgesellschaft, die es sich zur Aufgabe machte, durch freiwillige Abgaben in der Synagoge oder bei anderen Gelegenheiten zur würdigen Instalthaltung des Friedhofs beizutragen (CAHJP D/Ba 28/215 12./14. September 1897).
Seine in Neckarbischofsheim geborene Gattin Babette, Tochter des Privatiers Leopold Baer in Heilbronn, starb im Alter von 73 Jahren in Mannheim, wo sie wahrscheinlich nach dem Tod ihres Gatten bei ihrer Tochter Florentine gelebt hatte. Sie wurde nach Bayreuth überführt und auf der für sie reservierten Grabstelle neben ihrem Gatten beigesetzt. Ihr ältester Sohn, der 1877 in Bayreuth geborene Oberregierungsrat und promovierte Ingenieur Siegfried Kurzmann, überlebte den Holocaust und wurde neben seinen Eltern beerdigt. Weitere Kinder waren der 1880 geborene Max, der Medizin studierte, doch schon 1914 an Malaria starb, der 1882 geborene Ludwig, der sich als Rechtsanwalt in München niederließ, der 1883 geborene Bruno, der Regierungsbaumeister in Pirmasens wurde und als Soldat im Ersten Weltkrieg fiel, und die 1886 geborene Florentine.
Florentine, eine verheiratete Baer, die in Mannheim lebte, wurde 1940 vom Internierungslager Gurs nach Auschwitz deportiert und ermordet.

Zur Familie

Vater von Luitpold Kurzmann: Samson Kurzmann (Grabstein Nr. bay-0517)
Mutter von Luitpold Kurzmann: Dina Kurzmann geb. Prager (Grabstein Nr. bay-0694)
Vater von Babette Kurzmann: Leopold Baer (Jüdischer Friedhof Heilbronn, Grabstein Nr. hnn-0201)

Links zu personenbezogenen Onlinedatenbanken

Florentine Bär ─ ‎‏יד ושם‏‎ Yad Vashem: Zentrale Datenbank der Namen der Holocaustopfer, 3776615

Quellen / Sekundärliteratur

Belegungsliste (BayHStA, Jüdisches Standesregister 64 u. CAHJP G5/165) Nr. 875: Luitpold ­Kurzmann · 1923 Belegungsliste (BayHStA, Jüdisches Standesregister 64 u. CAHJP G5/165) Nr. 876: Frau Babette ­Kurzmann · (1927) Bernd Mayer: "Die Erfolgsgeschichte des Luitpold Kurzmann", in: Jüdisches Bayreuth, hrsg. von der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit, Redaktion und Gestaltung: Bernd Mayer und Frank Piontek, Bayreuth 2010, S. 177-188.

Fotografien

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Bert Sommer

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2009-07-16
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Zitation der Inschrift

Digitale Edition ─ Jüdischer Friedhof Bayreuth, bay-875
URL: http://www.steinheim-institut.de/cgi-bin/epidat?id=bay-875
(letzte Änderungen - 2016-03-04 23:51)


Auftraggeber

Bearbeitet im Auftrag der Israelitischen Kultusgemeinde Bayreuth

Förderer

Festspiel- und Universitätsstadt Bayreuth Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern Oberfranken Stiftung


 

Steinheim-Institut
http://www.steinheim-institut.de:80/cgi-bin/epidat?id=bay-875
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