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Bayreuth 957 Inschriften (1787-heute)

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ID bay-329
Lizenz Creative Commons Attribution-BY 4.0 International Licence [CC BY]
Zitation Digitale Edition ─ Jüdischer Friedhof Bayreuth, bay-329: http://steinheim-institut.de/cgi-bin/epidat?bay-329

Name

Wolf ­Fellheim (Wolf Felheim) [06.01.1827]            

Diplomatische Transkription und Übersetzung

‎‏פ״ה‏‎ Hier ist Fellheim (begraben).
‎‏הדיין מהור״ר וואלף פ״ה‏‎ Der Dajjan, unser Lehrer, der Meister, Herr Wolf ­Fellheim,
‎‏נפטר יום ש״ק ז׳ טבת תקפ״ז‏‎ verschieden (am) Tage des heiligen Schabbat, 7. Tewet 587.
‎‏תנצב״ה‏‎ Seine Seele sei eingebunden in das Bündel des Lebens.
‎‏ברייט קול תתן איך נשבר גאוני‏‎ 5 Bayreuth - erhebe die Stimme: Wie ist zerbrochen mein Stolz,
‎‏נלחמו מרומים בי בקשת דרוכה‏‎ die droben bekämpften mich mit gespanntem Bogen,
‎‏יד השופט קשה אלי שלוחה‏‎ die Hand des Richters lastet schwer auf mir,
‎‏מצוקים ו{א}ראלים אחזו בארוני‏‎ ›die Stützen und die Gewaltigen fassten meine Lade‹
‎‏נצחו עליונים מחמד עיני לקח[ה]‏‎ und es siegten die Oberen, ›die Lust meiner Augen ward weggenommen‹,
‎‏ידיד אל אין הוי גוע בעוני‏‎ 10 ›der Freund Gottes‹ ist nicht mehr, wehe, er schied hin ob meiner Verfehlungen.
‎‏דת קודש בכי אתי מזעוק נחר גרוני‏‎ Heiliger Glaube, weine mit mir, vom Schreien ist vertrocknet mein Hals,
‎‏יקיריך נאסף דורש חקיך כהלכה‏‎ dein Teuerster ward versammelt, er, der deine Gesetze dem Recht gemäß auslegt,
‎‏דמי עיר אבילה דודך ברום שטח‏‎ verstumme, du trauernde Stadt, dein Gefährte ist in hohen Gefilden,
‎‏אל חופף עליו בנימין ישכון לבטח‏‎ ›Gott umschirmt ihn, Binjamin wird sicher ruhen‹
Wolf Felheim. 15

 

 Zl 8: nach bKid 104a  Zl 9: nach Ez 24,16  Zl 10: Dtn 33,12  Zl 14: Dtn 33,12

Kommentar

Datierung Gestorben Samstag, 06.01.1827
In poetischer Sprache, in biblischen und an die Bibel angelehnten Wendungen berichtet die Inschrift von der Trauer der Stadt Bayreuth und der jüdischen Gemeinde ob des schmerzhaften Verlustes. Selten, dass von einer allumfassenden Trauer berichtet wird, die mit dem Profanen beginnt und mit dem Heiligen endet. Nach hartem Kampf gelingt es den "Oberen", den Engeln, den Gerechten den Frommen und Weisen zu entreissen. Die Trauer ob des großen Verlustes weicht am Ende der Gewissheit, dass der Verstorbene im Himmel eine sichere Bleibe findet.
Zl 1: Das ‎‏פ״ה‏‎ hat hier eine zweifache Aufgabe. Es ist Teil der üblichen Einleitungsformel "Hier ist begraben", gleichzeitig aber auch die Abkürzung des Namens Fellheim. Die Übersetzung sucht dieser doppelten Bedeutung gerecht zu werden.
Zl 8: Die "Stützen" sind die Frommen und die großen Weisen, die das "Fundament der Welt" sind und die um den Verbleib des Gerechten auf Erden mit den "Gewaltigen", den Engeln, kämpfen.

Stilmittel

Reim auf -ni in Zln 5,8,10,11, auf -chah in Zln 6,7,9,12 und auf -etach in Zln 13,14 (Reimschemma abbabaabcc)
Akrostichon in Zeilen 5-14: ‎‏בנימן ידיד אל‏‎ Binjamin Liebling Gottes

Beschreibung

Zustand Verwitterung leicht; Beschädigung mittel

Zur Person

Der 1761 (laut Kataster 1762) im schwäbischen Fellheim geborene Bayreuther Rabbiner Wolf Fellheim(er), auch Fehlheim, der 1814 den Familiennamen Schwab angenommen hatte, war auch als Dajjan tätig, als ehrwürdiger Richter und Beisitzer im rabbinischen Gericht. Er war in erster Ehe verheiratet mit Milka Milcka, auch Malka, Tochter von Mosche. 1786 wurde ihr Sohn Nathan Nosen geboren, der sich als Bankier ebenfalls in Bayreuth niederließ. 1794 kam Bertha (in der "Juden-Familien-Liste" von 1796 "Bärlein") zur Welt, die "bey ihrem Vater" blieb, 1795 wurde Mariane Mariam Mirjam geboren, die den Bayreuther Kaufmann Simon Prager heiratete. Der 1797 geborene Sohn Moses war "zu Regensburg in Condition als Buchhalter". 1796 lebte in Wolf Fellheims Haushalt - zur Miete beim "Zeuchschmidt Benzinger" - auch Wolfs 62-jährige Mutter Rifka. Nach dem Tod seiner ersten Gattin im Jahr 1817 heiratete er noch im selben Jahr die 1779 (laut Kataster 1778) geborene, verwitwete Hanna. 1818 wurde der Sohn Salomon Schlomo geboren, der Lehrer wurde und nach Amerika auswanderte. Wolf Fellheim Schwab starb im Alter von 66 Jahren an einer "Hirnentzündung".
Wolf Fellheim war seit 1802 Rabbiner der Bayreuther Gemeinde und als "Vice-Rabbiner" dem Landesrabbiner in Baiersdorf unterstellt. 1824 wurde er infolge der neuen Bestimmungen des Judenedikts von der Regierung des Obermainkreises aufgefordert, die staatliche Bestätigung des Rabbiners vorzulegen oder eine entsprechende Prüfung abzulegen und ihm solange die Ausübung des Rabbineramtes untersagt. Doch nach Protesten der Gemeindevertreter wurde schließlich 1825 durch das Staatsministerium des Innern angesichts der langjährigen Tätigkeit des Rabbiners und seiner bisherigen Anerkennung durch die preußischen wie bayrischen Behörden auf eine Prüfung verzichtet und Rabbiner Fellheim Schwab im Amt belassen, das er bis zu seinem Tod 1827 ausfüllte.
Im Zuge der beschriebenen Auseinandersetzungen wurde Fellheim von seiten des Bayreuther Stadtmagistrats vorgeworfen, er sei "weder der teutschen Sprache ganz mächtig noch überhaupt gehörig gebildet und scheinen ihm deßhalb manche Eigenschaften abzugehen, die man von einem hinreichend qualificirten Rabbiner verlangt. Ausser der hebräischen Sprache und dem Talmud, welchem er mit großer Orthodoxie anhängt, besitzt er wenig andere Kenntnisse" - Rabbiner Fellheim Schwab war also ein Rabbiner der alten traditionellen Schule, der nicht mehr ganz in die neue, reformorientierte Zeit zu passen schien.

Zur Familie

1. Gattin: Milka Fellheim (Grabstein Nr. bay-0328)
Sohn: Nathan Fellheim (Grabstein Nr. bay-0445)
2. Gattin: Hanna Fellheim (Grabstein Nr. bay-0214)
Möglicherweise waren der 1790 gestorbene Lehrer Moses, Sohn des Nathan (Grabstein Nr. bay-0252), und seine Frau Riwka, Tochter des Joel (Grabstein Nr. bay-0321) die Eltern von Wolf Fellheim. Dies lässt sich zum einen aus dem in der "Juden-Familien-Liste" von 1796 angegebenen Alter der bei ihrem Sohn lebenden Mutter Rifka schließen, die mehr oder weniger mit der Altersangabe für Riwka in den Sterberegistern übereinstimmt. Zum anderen fällt auf, dass Wolf Fellheim seinen noch zu Lebzeiten seines vermutlichen Vaters geborenen Sohn nach seinem Vatersvater Nathan nannte, und seinem nach dem Tod des Vaters geborenen Sohn den Namen seines Vaters, Moses, gab - wie es allgemein üblich war, benannte man ein Kind doch immer nur nach bereits verstorbenen Verwandten.

Quellen / Sekundärliteratur

Belegungsliste (BayHStA, Jüdisches Standesregister 64 u. CAHJP G5/165) Nr. 329: Rabbiner Wolf ­Fellheimer · 1827 Stadtarchiv Bayreuth, 2733: Namensveränderung und Immatrikulation der Juden (18.08.1814), Nr. 12: "Felheimer, Wolf - nun Wolf Schwab".
Günter Dippold: "Bayreuth zwischen Orthodoxie und Reform", in: Jüdisches Bayreuth, hrsg. von der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit, Redaktion und Gestaltung: Bernd Mayer und Frank Piontek, Bayreuth 2010, S. 83-89, hier S. 84.
Biographisches Handbuch der Rabbiner, hrsg. von Michael Brocke und Julius Carlebach, Teil 1: Die Rabbiner der Emanipationszeit in den deutschen, böhmischen und großpolnischen Ländern 1781-1871, bearbeitet von Carsten Wilke, München 2004, Bd. 2, S. 799 (Nr. 1627).

Fotografien

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Bert Sommer

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2009-05-19
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Zitation der Inschrift

Digitale Edition ─ Jüdischer Friedhof Bayreuth, bay-329
URL: http://www.steinheim-institut.de/cgi-bin/epidat?id=bay-329
(letzte Änderungen - 2016-03-04 23:51)


Auftraggeber

Bearbeitet im Auftrag der Israelitischen Kultusgemeinde Bayreuth

Förderer

Festspiel- und Universitätsstadt Bayreuth Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern Oberfranken Stiftung


 

Steinheim-Institut
http://www.steinheim-institut.de:80/cgi-bin/epidat?id=bay-329
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