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Bayreuth 957 Inschriften (1787-heute)

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epidat - epigraphische Datenbank

ID bay-32
Lizenz Creative Commons Attribution-BY 4.0 International Licence [CC BY]
Zitation Digitale Edition ─ Jüdischer Friedhof Bayreuth, bay-32: http://steinheim-institut.de/cgi-bin/epidat?bay-32

Name

Binjamin ben Natan Seligsberg (Benjamin ­Seligsberg) [18.11.1839]          

Diplomatische Transkription und Übersetzung

‎‏פ״נ‏‎ Hier ist begraben
‎‏איש ירא אלהים וגומל חסדים‏‎ ein Mann, gottesfürchtig und Liebeswerke erweisend,
‎‏מרבה תחנונים וחונן דלים הר׳‏‎ ›viel erflehend‹ und ›den Darbenden zugetan‹, der Herr
‎‏בנימן בן הר׳ נתן זעליגסבערג‏‎ Binjamin, Sohn des Herrn Natan Seligsberg,
‎‏אשר גוע בשיבה טובה יום ב׳‏‎ 5 welcher dahinschied ›in gutem Greisenalter‹ Tag 2,
‎‏י״א כסליו ת״ר‏‎ 11. Kislev 600.
‎‏שבעים ושלוש הם ימי חלדך‏‎ Dreiundsiebzig (Jahre) betrugen die Tage Deines Weilens,
‎‏צרות סבבוך רבו רדפי חייך‏‎ Nöte umringten Dich, viele trachteten Dir nach dem Leben,
‎‏בחוץ הכינו לטשו כלי מות‏‎ draussen richteten, ja schärften sie ihr Todeswerkzeug,
‎‏מבית דרכו לשונם שקר קשת‏‎ 10 drinnen spannten sie mit Lügenstimme den Bogen,
‎‏הצילך מכלם אלהי׳ בו בטחת‏‎ es errettete Dich von alledem Gott, auf den Du vertrautest,
‎‏שמע קולך לבך לפניו שפכת‏‎ Er erhörte deine Stimme, dein Herz hast Du vor Ihm ausgeschüttet,
‎‏ועתה מצאה נפשך ברוכה‏‎ und nun fand Deine gesegnete Seele
‎‏לאשר צמאה שלום ומנוחה‏‎ das, wonach sie dürstete: Frieden und Ruhe.
‎‏נתצב״ה‏‎ 15 Es sei seine Seele eingebunden in das Bündel des Lebens

 

 Zl 3: Nach Ijob 40,27 | Zl 3: Spr 28,8  Zl 5: Gen 25,8

Kommentar

Datierung Gestorben Montag, 18.11.1839
Zl 9: Nach Ps 7,14.
Zl 10: Nach Ps 64,4.
Zl 14: Nach Ps 42,3.

Stilmittel

Reim Binnenreim auf -im in Zln 2-3; Reim auf -echa in Zln 7-8, auf -et in Zln 9-10, auf -achta in Zln 11-12 und auf -ucha in Zln 13-14.

Beschreibung

Symbol Amtssymbol: Beschneidungsmesser mit Salbengefäß
Zustand Verwitterung leicht

Zur Person

Der 1768 (laut Kataster 1764) geborene Benjamin Seligsberg hatte 1798 Schutz in Bayreuth erhalten, war damals "arm" von "nicht gutem Leumund" und übte keine Beschäftigung aus; später handelte er mit Hopfen, mit Möbeln und Spiegeln sowie mit Uhren. 1814 nahm er den Familiennamen Seliger an. Er war verheiratet mit der 1776 (laut Kataster 1780) geborenen Eleonore, einer geborenen Hamburger aus Fürth. 1799 wurde der älteste Sohn Nathan Aharon Nate geboren, der schon im folgenden Jahr starb. 1801 kam Benedickt zur Welt, 1802 Elkan, 1803 Ludwig Louis, 1809 Berman und 1810 Samson Schimschon. Benedikt war "immer kränklich" und konnte "kein Metier erlernen". Elkan machte eine Goldarbeiterlehre und stand bei dem Bayreuther Meister Strobel in Arbeit, Ludwig lernte die Buchbinderei in Bamberg, Samson starb schon mit 19 Jahren. Der Handelsmann Benjamin Seligsberg starb im Alter von 73 Jahren an "Lungenlähmung". Er und seine Gattin wurden auf dem Kinderfeld neben ihren drei früh verstorbenen Söhnen beigesetzt.
Die Grabinschrift spielt auf Benjamin Seligers Schicksal an: 1814 beantragte er eine Konzession für den Hausierhandel, den er nach eigener Aussage bereits seit Jahren betrieb; diese wurde jedoch abgelehnt, da er wegen Diebstahl bei der Gräfin von Wartenberg und wegen Pferdeverkaufs ins Ausland unter französischer Administration "in Untersuchung" gewesen war. Vermutlich betrieb er daraufhin weiter seinen Handel mit Spiegeln und Möbeln. 1817 wurde er auf der Straße überfallen, eines Großteils seines Vermögens beraubt und am Kopf und der linken Hand so schwer verletzt, dass er "zeitlebens gar keine Arbeit, die mit der nur mäßigsten körperlichen Anstrengung verknüpft ist, mehr verrichten" konnte. Seliger wurde daraufhin von der Königlichen Regierung finanzielle Unterstützung zur Ernährung seiner Familie zugesprochen, die er jedoch nicht in Anspruch nehmen wollte. Zwei seiner Söhne machten damals bereits eine Handwerkerlehre, und Benjamin Seliger musste 1820 darum bitten, seinem dritten Sohn Benedict, der "zur Erlernung eines Handwerks ... durch körperliche Schwäche durchaus unfähig" sei, ausnahmsweise ein Handelspatent zu erteilen, damit dieser ihn bei seinem Handel unterstützen könne. Benjamin Seliger war also trotz aller Widrigkeiten und Rückschläge stets darum bemüht, sich und seine seine Familie aus eigener Hände Arbeit zu ernähren.

Zur Familie

Schwester: Sara Wassermann geb. Seligsberg (Grabstein Nr. bay-0207)
Gattin: Eleonore Seligsberg (Grabstein Nr. bay-0030)
Söhne: Schimschon Seligsberg (Grabstein Nr. bay-0031); Aharon Nate Seligsberg (Grabstein Nr. bay-0029); Benedickt Seligsberg (Grabstein Nr. bay-0567); Ludwig Seliger (Grabstein Nr. bay-0512)

Quellen / Sekundärliteratur

Belegungsliste (BayHStA, Jüdisches Standesregister 64 u. CAHJP G5/165) Nr. 32: Benjamin ­Seligsberg · 1839 Stadtarchiv Bayreuth, 2733: Namensveränderung und Immatrikulation der Juden (18.08.1814), Nr. 46: "Seligsberg Benjamin, nun Benjamin Seliger".
Stadtarchiv Bayreuth, 3678: "Hausierhandel der Juden" (darin: Stellungsnahme einer städtischen Kommission vom 28.12.1814 und Eingabe von Benjamin Seligsberg vom 6.9.1820).

Fotografien

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Bert Sommer

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2009-05-22
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Zitation der Inschrift

Digitale Edition ─ Jüdischer Friedhof Bayreuth, bay-32
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(letzte Änderungen - 2016-03-04 23:51)

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Auftraggeber

Bearbeitet im Auftrag der Israelitischen Kultusgemeinde Bayreuth

Förderer

Festspiel- und Universitätsstadt Bayreuth Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern Oberfranken Stiftung


 

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