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Ahaus 57 Inschriften (1844-1937)

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ID aha-13
Lizenz Creative Commons Attribution-BY 4.0 International Licence [CC BY]
Zitation Digitale Edition ─ Jüdischer Friedhof Ahaus, aha-13: http://steinheim-institut.de/cgi-bin/epidat?aha-13

Namen

Elieser ben Josef Hakohen · Gustav und Leopold Cohen [8.12.1879]
Jehuda ben Josef Hakohen [9.12.1879]          

Diplomatische Transkription und Übersetzung

‎‏הנאהבים והנעימים בחייהם ובמותם לא נפרדו‏‎ Die Geliebten und Wohlgefälligen, in ihrem Leben und in ihrem Tode waren sie nicht getrennt
‎‏עוברי בעמק הבכא ראו‏‎ Die ihr durchs Jammertal zieht, sehet,
‎‏ ופה‏‎ ‎‏פה ‏‎ hier und hier
‎‏ יפה נוף הדר הורו‏‎ ‎‏אמלל פרח לא צץ ציץ ‏‎ welkt die Blume, treibt keine Blüten, schön von Angesicht, die Pracht seiner Eltern
‎‏ וחדות אמו דרך כל‏‎ ‎‏ידיד אבות ענף יפה ‏‎ 5 Liebling seiner Ahnen, ein schöner Zweig, und Freude seiner Mutter, den Weg alles
‎‏ הארץ הלך אחר אחיו‏‎ ‎‏זנח עולמו רך בשנים ‏‎ er verwarf seine Welt zart an Jahren, Irdischen folgte er seinem Bruder,
‎‏ ולמחרתו יום ג׳ כ״ד כסלו‏‎ ‎‏ה״ה אליעזר בן כ׳ יוסף ‏‎ es ist Elieser, Sohn des geehrten Josef und am folgenden Tag, Tag 3, 24. Kislev
‎‏ בא המות שנית בחלוני‏‎ ‎‏הכהן נקטף בעודו ‏‎ Hakohen, er wurde gepflückt noch stieg der Tod erneut in die Fenster
‎‏ אבותיו המדכאים ויאמר‏‎ ‎‏באבו לדאבון אבותיו ‏‎ in seiner Blüte zum Kummer seiner Eltern seiner erschütterten Eltern, und sagte:
‎‏ גם אחיו יהודה יעלה‏‎ ‎‏ביום ב׳ כ״ג כסלו תר״מ לפ״ק ‏‎ 10 am Tag 2, 23. Kislev 640 der kleinen Zählung. Auch sein Bruder Jehuda wird emporsteigen!
‎‏תנצב״ה‏‎ Ihre Seelen seien eingebunden in das Bündel des Lebens

Kommentar

Datierung Gestorben Montag, 8.12.1879 | Elieser (Gustav)
Gestorben Dienstag, 9.12.1879 | Jehuda (Leopold)
Dieser einzige Doppelstein auf unserem Friedhof wurde einem Brüderpaar gesetzt, das an aufeinander folgenden Tagen starb. Überschrieben sind die Inschriften mit einem nicht selten in der Neuzeit auf solchen Doppelsteinen zu findenden Zitat aus dem Klagelied Davids über Saul und Jonathan, meist jedoch für Ehepaare. Einzigartig bleibt in Ahaus die direkte Anrede des Friedhofbesuchers. Während die Eulogie für den älteren Sohn Elieser (Gustav, geb. 19.5.1870) aus biblischen Anspielungen auf die Pflanzenwelt als Sinnbild für das zarte Alter des Kindes zusammengesetzt ist, hebt die Eulogie für den etwas jüngeren Jehuda (das ist Leopold, geb. 17.1.1874) die Erschütterung der Eltern über den Verlust ihres zweiten Sohnes hervor, der seinem Bruder in den frühen Tod folgte. Während das Bild des Todes, der durch das Fenster einsteigt, entsprechend des Jeremia-Zitates häufiger auf Grabsteinen von Kindern und Jugendlichen zu finden ist, bleibt der "sprechende Tod" doch eine große Ausnahme.
Die Verbindung der Namen Jehuda und Leopold geht auf den biblischen Jakobssegen zurück: In Genesis 49,9 vergleicht Jakob seinen Sohn Jehuda mit einem Löwen. Daher stammt die häufig zu findende Gleichsetzung des Namens Jehuda mit dem hebräischen Arie ("Löwe") und dem deutschen Löb/Löw, hier schließlich in einer "modernisierten" Form Leopold. Der Synagogalname Elieser wurde in Ahaus häufig mit dem deutschen Namen Gumpert verbunden (siehe z.B. aha-12), und Gumpert beginnt wiederum mit dem selben Anlaut wie der Name Gustav.
Zl 1: 2 Samuel 1,23; dem Klagelied Davids über König Saul und dessen Sohn Jonathan entlehnt.
Zl 2: Psalm 84,7; hier auch als Synonym für den Friedhof zu verstehen.
Rechts (Elieser):
Zl 4a: Vgl. Nachum 1,4.
Zl 4b: Vgl. Numeri 17,23.
Zl 5b: Vgl. Ezechiel 31,3.
Zl 8b-9a: Vgl. Ijob 8,12.
Zl 10b: Die Abkürzung "nach der kleinen Zählung" wurde in Ligatur ausgeführt.
Links (Jehuda):
Zl 4a: Psalm 48,3.
Zl 5b-6a: Josua 23,14.
Zl 8: Vgl. Jeremia 9,20.
Zl 9b-10: Vgl. Richter 1,2.

Stilmittel

Akrostichon ELIESeR (rechts) und JeHUDA (links) in Zln 4-6.

Beschreibung

Material Sandstein
Beschreibung Breite, hochrechteckige Sandsteinstele mit geradem Abschluss. Das verdoppelte Schriftfeld wird von vorgesetzten Säulen gerahmt, die einen Rundbogen tragen. Die erste Zeile folgt dem Rundbogen, darunter ist das Symbol aus einer erhabenen, rechteckigen Tafel herausgearbeitet. Zl 2 ist zentriert, die Einleitungsformeln in Zl 3 wurden jeweils mittig über die folgenden Eulogien gesetzt, die - jeweils rechtsbündig angebracht - durch eine senkrechte Linie voneinander getrennt sind. Die wiederum zentrierte Schlussformel wird durch deutlich größere Buchstaben hervorgehoben.
Symbol Segnende Priesterhände
Zustand Der Grabstein ist gut erhalten.

Zur Familie

Vater: Josef Cohn (aha-21)
Mutter: Jettchen Cohen geb. Elkan (aha-48)
Bruder: Julius Cohen (aha-50)

Quellen / Sekundärliteratur

Standesamt Ahaus: Gustav 19.5.1870 - 8.12.1879; Leopold 17.1.1874 - 9.12.1879
StA 1.03.14-1 (Häuser- und Einwohnerregister der Stadt Ahaus, 1820-1880), S. 266
StA 1.12.55 (Hebammen-Unterstützungsgelder, 1825-1874), S. 106+111
P 8 / Nr. 25 (Ahaus, Kreis Ahaus - Judenregister Geburten), Jg. 1848-74, Nr. 76 (Gustav), Nr. 95 (Leopold)
P 8 / Nr. 117 (Ahaus, Kreis Ahaus, Juden - Abschriften für das Appellationsgericht Münster), Jg. 1860-74, S. 92 (Gustav)
Hesse/Segbers, S. 105f., 116f.

Fotografien

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Heinz Duttmann

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Zitation der Inschrift

Digitale Edition ─ Jüdischer Friedhof Ahaus, aha-13
URL: http://www.steinheim-institut.de/cgi-bin/epidat?id=aha-13
(letzte Änderungen - 2016-07-25 17:50)

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Orte jüdischer Geschichte im Umfeld des Friedhofs

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