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Blieskastel 251 Inschriften (1718-1965)

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epidat - epigraphische Datenbank

ID sb3-149
Lizenz Creative Commons Attribution-BY 4.0 International Licence [CC BY]
Zitation Digitale Edition ─ Jüdischer Friedhof Blieskastel, sb3-149: http://steinheim-institut.de/cgi-bin/epidat?sb3-149

Name

Issachar ben Menachem (Mandel Beer senior) [27.07.1870]          

Diplomatische Transkription und Übersetzung

‎‏פ״נ‏‎ Hier ist begraben
‎‏איש תם וישר‏‎ ›ein lauterer und aufrechter Mann‹,
‎‏הלך תמים ופעל צדק‏‎ ›er wandelte in Lauterkeit und wirkte Wohl‹,
‎‏ירא אלהיו כל ימיו‏‎ seinen Gott ehrfürchtend all seine Tage,
‎‏[צד]יק באמונתו חיה‏‎ 5 ›ein Gerechter, der in seinem Glauben lebte,‹,
‎‏[ה״ה] יששכר בר מנ[ח]ם‏‎ es ist Issachar, Sohn des Menachem,
‎‏[מת בזקנה] ושיבה טובה‏‎ gestorben betagt und ›in gutem Greisenalter‹
‎‏[ביום ד׳ כ״ח] ונקבר ביום‏‎ am Tag 4, 28., und begraben am Tag
‎‏[...] תמוז תר[״ל] לפ״ק‏‎ [...] Tammus 630 der kleinen Zählung.
‎‏תנצב״ה‏‎ 10 Seine Seele sei eingebunden in das Bündel des Lebens
 Rückseite
Mandel Beer senior

 

 Zl 2: Ijob 1,8  Zl 3: Ps 15,2  Zl 5: Hab 2,4  Zl 7: 1Chr 29,28

Kommentar

Datierung Gestorben Mittwoch, 27.07.1870
Die aus Zitaten zusammengesetzte beliebte Eulogie wurde vermutlich einem Musterbuch entnommen, sie findet sich in identischer Form zum Beispiel in Schalom ha-Cohens 1820 in Wien erschienenen Briefsteller Ketav joscher (siehe 0001).
Die Inschrift konnte teilweise nach einem alten Foto und einer Übersetzung von 1990 (s.u.) sowie nach dem Angaben im Sterberegister ergänzt werden.
Namenskunde Issachar war vermutlich der Namensgeber der Familie Beer: Im Jakobssegen vergleicht Jakob seinen Sohn Issachar mit einem knochigen Esel (Genesis 49,14). Hierzulande wurde dem Namen Issachar ein Tier zur Seite gestellt, das hier beliebter und gleichermaßen für seine Kraft und Ausdauer bekannt ist: der Bär. Daher kommt die Parallelität der Namen Issachar, Dow (hebr. für Bär) und Bär oder Beer. Dem hebräischen Vatersnamen Menachem ("Tröster") wurde im Deutschen die Koseform Mendel beigestellt (so auf dem Grabstein der Gattin), hier in der abgeleiteten Form Mandel. Auffallend ist, dass der bürgerliche Vorname dem Vatersnamen und der bürgerliche Familienname dem jüdischen Vornamen entspricht, wie man es manchmal in den archivalischen Quellen und in der Generation finden kann, die bürgerliche Familiennamen annahm.

Beschreibung

Ornament florale Verzierung; Mohnkapseln

Zur Person

Der 1788 geborene Frucht- und Mehlhändler Mendel Beer stammte aus Forbach. In erster Ehe war er verheiratet mit Brendele Kahn, die im Mai 1800 starb; ein Grabmal hat sich nicht erhalten. 1809 heiratete er Philippina August aus Spiesen und lebte zunächst dort, bis er sich 1811 als erste Jude in St. Ingbert niederließ. Aus der Ehe gingen neun Kinder hervor, darunter Mendel Beer jr., die 1815 in St. Ingbert geborene Rosina, spätere Gattin von Wolfgang Kahn, und die 1812 geborene Apolonia, verheiratet mit Isaak Lion aus Spiesen. 1850 wandte sich Mendel Beer gemeinsam mit seinem gleichnamigen Sohn und seinem Schwiegersohn Wolfgang Kahn erfolgreich an König Maximilian II von Bayern mit der Bitte um Befreiung von der Pflicht, ein Moralitätszeugnis zu erbringen.

Zur Familie

2. Gattin: Philippina Beer sb3-0115)
Söhne: Mendel Beer jr. (sb3-0148); Ludwig Beer (sb3-0262); Josef Beer (Jüdischer Friedhof St. Ingbert, sb7-0018)
Schwiegersohn: Wolfgang Kahn (Jüdischer Friedhof St. Ingbert, sb7-0024)

Quellen / Sekundärliteratur

Christoph Nimsgern und Eva Zutter: Juden in St. Ingbert. Eine Dokumentation, unter Mitarbeit von Martin Häfner, 2., neubearbeitete und erweiterte Auflage, St. Ingbert 1990, S. 11f., 26 (Abbildung des Grabmals und Übersetzung der Inschrift von Dorith Marx, Rammat Gan), 31, 75-77, 115 (Anm. 3).
Jörg A. Künzer: Einwohnerbuch Blieskastel mit den Ortsteilen Alschbach und Lautzkirchen, 1650-1905 (Arbeitsgemeinschaft für Saarländische Familienkunde .V., 63. Sonderband), Saarbrücken 2016, Teilband 1, S. 245-447: "Der jüdische Friedhof in Blieskastel", hier S. 344, Nr. 121.

Fotografien

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Ingeborg Knigge

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1999-2000
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Zitation der Inschrift

Digitale Edition ─ Jüdischer Friedhof Blieskastel, sb3-149
URL: http://www.steinheim-institut.de/cgi-bin/epidat?id=sb3-149
(letzte Änderungen - 2015-08-12 15:49)

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