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Frankfurt am Main, Battonnstraße 3875 inscriptions (1272-1828)

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epidat - epigraphische Datenbank

ID ffb-114
Lizenz Creative Commons Attribution-BY 4.0 International Licence [CC BY]
Zitation Digitale Edition ─ Jüdischer Friedhof Frankfurt am Main, Battonnstraße, ffb-114: http://steinheim-institut.de/cgi-bin/epidat?ffb-114

Name

Bella bat Feibelman Kleve ⚭ Löb ben Izek Kanne [18.06.1765]          

Diplomatische Transkription und Übersetzung

‎‏האשה חשובה היקרה מ׳ בילה אשת ה״ה האלוף‏‎ Die angesehene Frau, die Teure, Frau Bella, Gattin des geehrten Herrn, des weitbekannten
‎‏והקצין המפורס׳ פו״מ כהר״ר ליב ב׳ מהור״ר איצק קן זצ״ל ׃‏‎ Vornehmen und Einflußreichen, des Vorstehers und Leiters, des geehrten Meisters, Herrn Löb, Sohn unseres Lehrers und Meisters, Herrn Izek Kanne, das Andenken des Gerechten sei zum Segen,
‎‏בת הקצין המפורסם פו״מ ה״ה מהור״ר‏‎ Tochter des weitbekannten Einflußreichen, des Vorstehers und Leiters, des geehrten Herrn, unseres Lehrers und Meisters, Herrn
‎‏פייבלמן קליף זצ״ל מאמשטרדם ׃‏‎ Feibelman Kleve, das Andenken des Gerechten sei zum Segen, aus Amsterdam,
‎‏נפטרת ונקברת ביום ג׳ כ״ט סיון‏‎ 5 verschieden und begraben am Tag 3, 29. Sivan
‎‏תקכ״ה לפ״ק ׃ פ״ט א״ח הגונה והמהוללה‏‎ 525 nach kleiner Zählung. Hier ist geborgen die tüchtige Gattin, eine Würdige und Gepriesene,
‎‏השכימה והעריבה בכוונת הלב ל‏‎ frühmorgens und abends betete sie
‎‏התפללה ׃ צדקה וג״ח עשתה ללומדי׳‏‎ mit Herzensandacht, Wohltat und Liebeswerk erwies sie den Lernenden,
‎‏בסתר ולא בנגלה ׃ ולא מש מתוך‏‎ im Verborgenen und nicht öffentlich, auch wich sie nicht aus
‎‏אהלה ׃ יסורים של אהבה סבלה ׃‏‎ 10 ihrem Zelte, Leiden in Liebe ertrug sie.
‎‏תהא נשמתה צרור׳ בצרור החיים‏‎ Ihre Seele sei eingebunden in das Bündel des Lebens
‎‏עם שארי נשים צדקוניות שבגן‏‎ mit den übrigen gerechten Frauen die im Garten
‎‏ [עדן ...]‏‎ Eden ..

Kommentar

Datierung Gestorben, Dienstag, 18.06.1765 ; begraben: 0 T
Laut sk starb Bella nach Mittag und wurde in der Mitte des Friedhofs, an der Nordseite begraben. Links von ihrem Kopf steht das Grabmal des Kindes Lejser (gest. 17.IV.1761) S. Eisek Oppenheim (Eiseks Vater Lejser, war ein Bruder von Schönlen, Bellas Mutter, d.h. Bella wurde bei der Familie ihrer Mutter begraben) und zwei Gräber entfernt, steht das Grabmal von Ber Oppenheim (Nr. ffb-0056, Ho 2847, HoSt 4918 und ET 27.VIII.1755).
1907 bemerkte Kaufmann: "die Grabschrift seiner Frau (Bella) fehlt bei Horovitz".
Sie entstammte der berühmten Familie Gomperz und war mit Löb aus der angesehenen Familie Kanne verheiratet. Ihr hoher Stand ist an der Steingestaltung und der Inschrift erkennbar. Die Inschrift widmet Gatten und Vater vier Zeilen. Es folgt eine längere Eulogie mit durdachtem, logischem Aufbau. Der MF-Eintrag ist sorgfältig geschrieben und weit ausführlicher als die Inschrift. Er nennt Bella die Einflußreiche und Herrin (‎‏הקצינה והגבירה‏‎), hebt ihre Herkunft besonders hervor (‎‏שלשלת היוחסין‏‎) und enthält einen Akrostichon. Ob hier "auswärtiger Einfluß" erkennbar ist?
Zl 2: Kanne, geschrieben Kann.
Zl 4: Kleve, in der üblichen Schreibweise Klif.
Zl 5: 29. Sivan im Text, sk und MF schreiben Rüsttag des Monats Tammus,
Zl 6b: Spr 12,4 und 31,10, sowie Rut 3,11.
Zl 7a: vgl. 1Sam 17,16 und bSot 42b.
Zl 7b: "Herzensandacht" - vgl. bBer 31a u. a., um der Pflicht bei der Gebotserfüllung zu genügen, bedarf es der Herzensandacht.
Zl 7/8: zeilenubergreifendes Wort.
Zl 8b/9a: vgl. bChag 5a, um den Armen nicht zu beschämen gibt man ihm Almosen nicht in der Öffentlichkeit.
Zl 9b/10a: ‎‏ולא מש‏‎, im MF: ‎‏ולא משה‏‎, "und wich nicht ..." - vgl. Ex 33,11, gemeint ist, daß sie züchtig war.
Zl 10b: Leiden in Liebe ertragen - vgl. Midrasch BerR 92a u. a.
Abkürzung Tilde und Kreis; Satztrenner: Doppelpunkt in Zl 2, einfacher halbhoch gesetzter Punkt in Zln 4, 6 und 8-10 (2)

Stilmittel

Reim auf -l(e)ah in Zln 6 und 8-10.

Beschreibung

Maße 144 x 96 x 16 cm
Beschreibung rechteckige Stele, der Rahmen ist im unteren Drittel scharriert, im oberen Teil verziert. In den Ecken je ein Zweig, erhaben. Darunter eingezogener Rundbogen mit zwei Textzeilen. Das Schriftfeld wird umrahmt von einer wulstartige Leiste, die mit einem eingezogenem kleinen Halbrund schließt. Darin das Hauszeichen, eine Amsel inmitten eines Kranzes, beide erhaben.
Hauszeichen Amsel
Zustand letzte Zeile beschädigt, sonst gut erhalten.

Zur Person

Bella entstammte der Amsterdamer Linie der berühmten Familie Gomperz, die sich auch nach ihren Herkunftsort Kleve nannte. Sie heiratete 1744 und wohnte im Haus Amsel.

Zur Familie

Vater: Josua Feibelmann Cleve, auch Philipp Gomperz genannt, Gelehrter, großer Wohltäter, Vorsteher in Amsterdam, gest. daselbst am 16.8.1738 (Kaufmann S. 343)
Mutter: Schönlen T. Salman Oppenheim, gest. 9.IV.1731 in Amsterdam
Gatte: Löb S. Izek Kanne zur Amsel (Nr. ffb-0118, Ho 3240, ET 9.VI.1766)
Kinder: Gumpel Kanne zur Amsel (Ho 4674, ET 26.I.1812); Ber Kanne (nicht bei Ho, ET 4.III.1787); Schönele (Jeanette), seit 1764 Gattin von Model Braunschweig (Nr. ffb-2051, Ho 5124, ET 17.IX.1822).
Brüder: Marcus Gumpel, Vorsteher in Amsterdam, großer Wohltäter, Kontakte zu Mendelssohn, Salman, ebenfalls Vorsteher in Amsterdam, 1784 in Bonn gestorben (Brocke-Bondy, Der alte jüdische Friedhof von Bonn in Schwarzrheindorf, Sommer 1994, ... C2,24) und Baer (Ho 4501 ET 30.XI.1805 und Kaufmann S. 265).

Quellen / Sekundärliteratur

RSA J 1020, 525, Nr. 50
sk 57/3, Nr. 48 (erwähnt ihr Grabstein)
MF, S. 414, Nr. 2 (ebenso ET)
Kaufmann, Gomperz, S. 263, 264 Anm. 3 und 341ff (Vater und Geschwister).
ET 19.V.1765
Dietz S. 164 (zum Gatten)
Der alte jüdische Friedhof zu Frankfurt am Main. Unbekannte Denkmäler und Inschriften. Hrsg. im Auftrag des Magistrats der Stadt Frankfurt am Main, Dezernat für Kultur und Freizeit, von der Kommission zur Erforschung der Geschichte der Frankfurter Juden. Von Michael Brocke unter Mitwirkung von Dan Bondy, Andreas Hemstege, Heidrun Hermann, Christiane E. Müller, Aubrey Pomerance und Regina Schorzmann, Jan Thorbecke Verlag 1996, S. 318-321 (English translation p. 436).

Fotografien

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Andreas Hemstege

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1991-1996
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