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Bonn-Schwarzrheindorf 416 inscriptions (1623-1956)

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epidat - epigraphische Datenbank

ID bns-4055
Lizenz Creative Commons Attribution-BY 4.0 International Licence [CC BY]
Zitation Digitale Edition ─ Jüdischer Friedhof Bonn-Schwarzrheindorf, bns-4055: http://steinheim-institut.de/cgi-bin/epidat?bns-4055

Name

Juda ben Josef Mehler [07.04.1751]          

Diplomatische Transkription und Übersetzung

‎‏פה נגנז‏‎ Hier ist verwahrt
‎‏אוצ״ר בלו״ם צדיק יסוד עולם‏‎ ein verborgener Schatz, der Gerechte - das Fundament der Welt,
‎‏חסיד ועניו הגאון האמתי‏‎ fromm und demütig, der wahrhaft überragend große Gelehrte,
‎‏אדונינו מורינו ורבינו מוהר״ר‏‎ unser Herr, unser Lehrer und unser Meister,
‎‏יודא בן החבר ר׳ יוסף מילר‏‎ 5 Juda, Sohn des toragelehrten Herrn Josef Mehler,
‎‏זצוק״ל מבינגא אשר האיר עיני‏‎ das Andenken des Gerechten und Heiligen sei zum Segen, aus Bingen, welcher erleuchtete die Augen
‎‏כל ישראל בתשובותיו והוראותיו‏‎ von ganz Israel mit seinen Responsen und Weisungen -
‎‏כאשר חכמים יגידו ׃ וספריו ‏‎ wie es die Gelehrten künden und die Bücher,
‎‏אשר הניח אחריו ברכה‏‎ die er hinterließ - Segen
‎‏יגידו׃ וספריו אשר הניח ‏‎ 10 werden sie verkünden, ja die Bücher, die er hinter-
‎‏אחריו ברכה יעידו ׃ ישב ‏‎ ließ, Segen werden sie bezeugen. Er saß
‎‏על כסא הוראה קרוב‏‎ auf dem Stuhl der Unterweisung an
‎‏לששים שנה הי׳ אב״ד ור״מ‏‎ dien sechzig Jahre, er war Vorsitzender der Gerichtsbarkeit und Haupt des Lehrhauses
‎‏במדינות קלוניא וגליל‏‎ der Landjudenschaft Kölns und der Region
‎‏ארנשבורג מרק ומינשטר‏‎ 15 Arensburg, Mark und Münster,
‎‏נתבקש לישיבה של מעלה ביום‏‎ er ward gebeten in das Lehrhaus der Höhe am Tag
‎‏ד׳ י״ב ניסן תקי״א לפ״ק זקן‏‎ 4, 12. Nissan 511 nach kleiner Zählung, bejahrt
‎‏ושבע ימים בן צ״א שנה‏‎ und satt an Tagen, 91 Jahre alt.
‎‏תנצב״ה‏‎ Seine Seele sei eingebunden in das Bündel des Lebens

Kommentar

Datierung Gestorben Mittwoch, 07.04.1751
Die Inschrift entspricht dem, was für einen bedeutenden Gelehrten in wichtigen gemeindlichen und übergemeindlichen Funktionen zu erwarten ist. Vgl. hier die teilweise ähnliche Inschrift für R. Jizchak Kahana Rapoport, C2, 22.
(Arbeiten über die Entwicklungen und Veränderungen solcher Texte fehlen, so daß man über Allgemeinheiten noch kaum hinausgelangt). Hervorgehoben werden Frömmigkeit (zaddik) und Gelehrsamkeit (gaon) und, in der traditionellen Ausdrucksweise der "Memorbücher", die universelle Bedeutung seiner Rechtsentscheide (Zeile 6/7). Besondere Betonung erfahren seine Bücher und Schriften - veröffentlicht oder nicht - durch die leicht variierte Wiederholung ihres Segensreichtums. Darauf folgen die Angaben zu Dauer und Ort der Funktion (ohne aber die früheren Tätigkeiten und Orte zu nennen, wie es durchaus häufig geschah), Todesdatum und das hohe Alter. Die Werte, die sonst, sei es bei einfachen sei es bei prominenten Juden und Jüdinnen, im Vordergrund stehen, treten hier zurück und werden nur im Memorbuch kurz gestreift.
Es dürfte aber auch nicht leicht gewesen sein, für eine solche Autorität, die im Greisenalter verstarb, die in jedem Bezuge passende Inschrift zu entwerfen. Vielleicht haben die gelehrten Schwiegersöhne, in deren Büchern sein Werk aufgehoben ist, diesen Text verfaßt und darum Juda Mehlers Responsen und vor allem die von ihm hinterlassenen Bücher unterstrichen und nicht einen besonderen persönlichen Zug. Als Schlußpunkt der Inschrift steht eben doch hinter allem das Alter von 91 Jahren.
Das Memorbuch hebt seine starke Autorität hervor, verzeichnet sein strenges Fasten "von Schabbat zu Schabbat" und seine stattliche Schülerzahl. Die Bedeutung der beiden Hervorhebungen in "ozar balum", Anfang Zeile 2, ist nicht klar - wahrscheinlich signalisieren resch und mem "resch metiwta", Haupt des Lehrhauses; vgl. auch C2, 95 von 1740.
Zl 2a: bGit 67a - von Rabbi Akiva gesagt.
Zl 2b: Spr 10,25.
Zl 3: vgl. die Ergänzung bei seiner Gattin Frummet C2, 19.
Zl 16: bBM 86a.
Zl 18: Ijob 42,17.

Beschreibung

Maße 138x69x13 cm
Steinform Stele
oberer Abschluss Rundbogen, eingezogen
Beschreibung Hochrechteckige Stele mit eingezogenem rundbogigem Abschluß. Umlaufende rahmende vertiefte Rille. Senkrecht verlaufende Scharrierung. Leicht unterschiedliche Buchstabengrößen und -breiten. In Zeilen 8, 10 und 11 machen Doppelpunkte auf den "Reim" aufmerksam (jagidu, ja'idu).
Schrift vertieft

Zur Person

R. Juda Mehler 11 wurde am 7. Kislev 421 (10. 11. 1660) als Sohn des Gemeindekassiers (Gabbai) Josef Mehler in Bingen geboren (Eintrag 277 im Memorbuch von Bingen, vgl. Grünfeld S. 17; sein Grabstein ist in Bingen erhalten, Nr. 346.). Unbewiesen bleibt die Angabe seiner Abstammung vom "Hohen Rabbi Löw" in Prag im Deutzer Memorbuch (Jellinek S. 47). Juda Mehler II war eine der bedeutendsten Autoritäten seiner Zeit auf halachischem Gebiete. Er studierte bei R. Jacob Kohn Popers in Koblenz, bei R. Jakob Reischer in Worms und in der "Klaus" von Elia Gomperz in Kleve. Dort begann auch seine Tätigkeit als Rabbiner (für Kleve und die westfälische Mark). Seit 1704 war er Oberrabbiner für Kurköln, Arnsberg ("Arensburg"), Mark und Münster. Mit den Gelehrten seiner Zeit wie Aron Antonius in Amsterdam, Zwi Aschkenasi, Jakob Kohn-Popers, David Oppenheim u.a. stand er im Briefwechsel. Von seinen Schriften sind erhalten: 1. Chiddusche haDin, Bemerkungen zu Selichot im Perusch haMasbir seines Schwiegersohns Juspa Coßmann, erschienen 1712 in Amsterdam. 2. Zon haNachallot, im Anhang zu Noheg ke-Zon Josef, 1718, ebenfalls von Coßmann (Steinschneider S. 1342 Nr. 5739 u. Zedler Sp. 1492). Seine Responsen finden sich z.B. in Schwut Jaakow von Jakob Reischer, Halle 1710 Nr. 12, 38, 46, 71, 131, und in Heschiw Elieser des R. Elieser Sohn von Schlomo Salman Lipschütz, Neuwied 1749, Nr. 14. Approbationen schrieb er u. a. für: Sefer Torat Josef von Josef Josel, Sohn des Mosche aus Frankfurt a. M., Wilhermsdorf 1725 (dort heißt es von ihm: "Die große Leuchte, Vorsitzender der Gerichtsbarkeit und Lehrhausleiter der heiligen Gemeinde Bonn"); Sefer Jesodej haNikud, Amsterdam 1730, und Binjan Schlomo, Frankfurt a.M. 1724, beide von Salm an Hanau.
In allen Abhandlungen verteidigt er halachische Auffassungen des Maimonides (Rambam) gegen die Kritik anderer Gelehrter. Juda Mehler führte vierzig Jahre lang ein streng asketisches Leben und starb im Alter von 91 Jahren kurz vor Pessach 1751 in Bonn. Der heute fast Vergessene wurde schon zu Lebzeiten in das "Universal-Lexicon" aufgenommen (Zedlers Universal-Lexicon erschien 1735. Freundlicher Hinweis von Dr. Dieter Bingen, Köln). Seine Schwiegersöhne, Simon Copenhagen (bns-4020 ) und Juspa Kossmann, die selbst gelehrt und geachtet waren, heben stets den familiären Bezug hervor. R. Schmuel Sanwil Aschkenasi erklärte: "Mein Vorgänger, der überragende Gelehrte Juda Mehler, war bedeutender als ich in Tora und Weisheit,,10 und R. Jonathan Eibeschütz (1690-1764) in Altona nannte ihn "einen der drei bedeutendsten Gelehrten des Zeitalters,,11 . 1992/93 wurde mit der Herausgabe der nunmehr zugänglichen Manuskripte der Responsen des R. Juda Mehler begonnen (Machon Jeruschalajim, Jerusalem 5753).

Zur Familie

Vater: Josef Mehler (Bingen, bng-0268)
Mutter: Vogel, Tochter des Rabbinatsassessor Koppel Levi in Frankfurt
Gattin: Frumet Tochter von Efraim Gomprecht aus Koblenz (bns-4019)
Sohn: Coppel Mehler II (bns-4021)
Töchter: Fogel Gattin von Schimon Copenhagen (bns-4018) und Rechle Gattin von Josef Juspa Essen (Koßmann), gest. 19. 11. 1770 in Deutz (Jellinek S. 59).
Bruder: Arzt und Vorsteher Coppel Mehler, gest. 10.6.1741 in Bingen (bng-0442).
Enkelin: Sara Tochter von Coppel Mehler II (bns-4017)
Großvater: R. Juda Mehler I, gest. 1659 in Bingen (bng-0221)

Quellen / Sekundärliteratur

MBB 9a
Bloch S. 123 ff.
Zedler Johann Heinrich, Grosses vollständiges UniversalLexicon aller Wissenschaften und Künste ..., Leipzig und Halle 1735.
Mordechai Halberstadt, Ma'amar Mordechai, Brünn 1790, Nr. 27 ff.
Schulte S. 377, AAAA, S. 378,2 und 560 Nr. 11 AZJ 1884 Nr. 1 S. 11 ff. u. 54
Jellinek S. 38, 47 ff. (Der Nekrolog wurde von seinem Schwiegersohn Josef Juspa Koßmann verfaßt)
Brisch S. 135 ff. (mit Sterbejahr 1750)
Löwenstein S. 285 ff. S. 291 ff. (Nachbemerkung zur Schreibweise des Namens Mehler bzw. Meiler)
Kaufmann, Gomperz S. 28, 90, 222

Fotografien

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(last modified - 2013-01-22 15:19)

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