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Bayreuth 957 Inschriften (1787-heute)

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epidat - epigraphische Datenbank

ID bay-638
Lizenz Creative Commons Attribution-BY 4.0 International Licence [CC BY]
Zitation Digitale Edition ─ Jüdischer Friedhof Bayreuth, bay-638: http://steinheim-institut.de/cgi-bin/epidat?bay-638

Name

Joseph Rubinstein [22.08.1884]            

Diplomatische Transkription

Joseph
Rubinstein
geb. 10. Februar 1847
gest. 22. August 1884.

Kommentar

Datierung Geboren 10.02.1847; gestorben 22.08.1884

Zur Person

Joseph Rubinstein stammte aus dem russischen Staro Konstantinow, wo er eine erste musikalische Ausbildung erhielt, die er später in Wien fortsetzte und sich schon bald als Konzertpianist einen Namen machte. 1869 berief ihn die Großfürstin Helene von Russland als "Kammerpianisten" nach Salzburg und später nach Petersburg. Dort kam er erstmals in Kontakt mit Werken Wagners. Psychisch labil und suizidgefärdet nahm er 1872 Kontakt zu Wagner auf und folgte ihm schließlich nach Bayreuth, wo dieser sich seiner annahm. Nach zweijähriger Zusammenarbeit mit Franz Liszt wurde Rubinstein als Korrepetitor an den Vorbereitungen der Festspiele beteiligt, verließ Bayreuth aber 1876 nach kränkenden Äußerungen Wagners. 1878 kehret er zurück, wurde wieder in die Familie aufgenommen, arbeitete künstlerisch mit Wagner zusammen und reiste mit der Familie auch wiederholt nach Italien. Währenddessen kam es zu Unstimmigkeiten zwischen Joseph Rubinstein und seinem Vater Isaac, der die enge Bindung seines Sohnes an Wagner wiederholt kritisierte. Nach Wagners Tod im Frühjahr 1883 begab sich Joseph Rubinstein wieder auf Konzerttourneen, doch nur ein Jahr später nahm er sich in Luzern das Leben. Sein Leichnam wurde nach Bayreuth überführt und (in Anbetracht der streng chronologischen Reihenfolge der Beisetzungen in jener Zeit offensichtlich erst ein Jahr später) hier beigesetzt; die Kosten für seine Begräbnisstelle sind im "Hauptbuch der israelitischen Begräbnis Cassa" mit der ungewöhnlich hohen Summe von 400 Gulden verzeichnet (CAHJP D/Ba 28/224, fol. 106).
Siegfried Wagner schreibt in seinen Erinnerungen über ihn: "Der unglückliche Joseph Rubinstein, mit der Anfertigung des Parsifalklavierauszuges beschäftigt, gehörte weniger zu den anziehenden Erscheinungen des Freundeskreises. Er zeigte meiner Mutter und uns Kindern deutlich, daß er nur um unsres Vaters willen anwesend und daß die Familie eigentlich eine unnötige lästige Beigabe sei. Meine Mutter ertrug dies ruhig, weil sie das Gute und Bedeutende in ihm erkannt hatte; uns Kindern dagegen wurde er so antipathisch, daß es der weisen mütterlichen Mahnungen bedurfte, um uns von lauten Mißfallsbezeigungen zurückzuhalten. Ich nannte ihn unglücklich. Das war er wirklich. Er bekannte meinem Vater öfters, daß er unter seiner Rasse leide: ein Kundrynaturell, das sich nach Erlösung sehnte. Diese glaubte er durch meinen Vater und seine Kunst zu finden. Bald nach dem 13. Februar 1883, des helfenden Beschützers beraubt, an sich selbst verzweifelnd, nahm er sich das Leben. Das Gefühl der Abneigung, das wir Kinder gegen ihn empfunden hatten, wandelte sich begreiflicherweise in Mitleid, als wir später fähig wurden, in seine zerrissene Seele Einblick zu gewinnen. Wie die Komik sich gern zur Tragik gesellt, so hatte selbst er, der Spröde, Abwehrende, das Herz eines weiblichen Wesens erobert: unsre englische Gouvernante verliebte sich in ihn. Wenn abends sein Mantel im Vorplatz hing, umarmte sie diesen, ungeachtet, ob wir freche kleine Bande herumstanden und sie verspotteten. Im Gegenteil, das bestärkte sie nur in ihren Gefühlen, denn sie rief zu meiner Schwester: O Eva, tell him, that I love him! Meine Schwestern hatten aber doch nicht den Mut, den Liebesboten zu spielen, und es blieb bei der Mantelumarmung." ( Siegfried Wagner: Erinnerungen, Stuttgart 1923)

Quellen / Sekundärliteratur

Belegungsliste (BayHStA, Jüdisches Standesregister 64 u. CAHJP G5/165) Nr. 638: Josef ­Rubinstein Freund von Richard Wagner · 1885 · wurde von Schwaig hierher gebracht Peer Baedeker: "Ein Jude sucht Erlösung bei Richard Wagner", in: Jüdisches Bayreuth, hrsg. von der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit, Bayreuth 2010, S. 119-128.

Fotografien

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Bert Sommer

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Zitation der Inschrift

Digitale Edition ─ Jüdischer Friedhof Bayreuth, bay-638
URL: http://www.steinheim-institut.de/cgi-bin/epidat?id=bay-638
(letzte Änderungen - 2016-03-04 23:51)


Auftraggeber

Bearbeitet im Auftrag der Israelitischen Kultusgemeinde Bayreuth

Förderer

Festspiel- und Universitätsstadt Bayreuth Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern Oberfranken Stiftung


 

Steinheim-Institut
http://www.steinheim-institut.de:80/cgi-bin/epidat?id=bay-638
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