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Bayreuth 957 Inschriften (1787-heute)

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epidat - epigraphische Datenbank

ID bay-636
Lizenz Creative Commons Attribution-BY 4.0 International Licence [CC BY]
Zitation Digitale Edition ─ Jüdischer Friedhof Bayreuth, bay-636: http://steinheim-institut.de/cgi-bin/epidat?bay-636

Name

Zwi ben Menachem Halevi (Herrmann Isner) [28.05.1885]          

Diplomatische Transkription und Übersetzung

‎‏פ״נ‏‎ Hier ist begraben
‎‏איש נכבד‏‎ ein geehrter Mann,
‎‏חכם ונבון‏‎ weise und verständig,
‎‏חונן דלים‏‎ ›den Darbenden zugetan‹
‎‏וגומל חסדים‏‎ 5 und Liebeswerk erweisend,
‎‏נכון ובטוח‏‎ bereitwillig ›vertrauend
‎‏בצור עולמים‏‎ auf den ewigen Hort‹,
‎‏תפארת אשתו ובניו‏‎ Zierde seiner Gattin und seiner Kinder,
‎‏ה״ה פו״מ כ״ה צבי‏‎ es ist der Vorsteher und Leiter, der geehrte Herr Zwi,
‎‏ב״ר מנחם הלוי‏‎ 10 Sohn des Herrn Menachem Halevi,
‎‏רוחו עלה למרום‏‎ sein Geist ›stieg auf zur Höhe‹
‎‏י״ד סיון תרמ״ה לפ״ק‏‎ (am) 14. Sivan 645 der kleinen Zählung.
‎‏תנצב״ה‏‎ Seine Seele sei eingebunden in das Bündel des Lebens
 Postament
Hier schläft zu einem beßern Erwachen
der treue Gatte u. liebevolle Vater, 15
Herr
Herrmann Isner,
Kaufmann dahier,
gest. im Alter von 58 Jahren am 28. Mai 1885.
Friede seiner Seele! 20

 

 Zl 4: Spr 28,8  Zl 6f: Nach Jes 26,4  Zl 11: Ps 68,19

Kommentar

Datierung Gestorben Donnerstag, 28.05.1885
Diesem Gemeindevorsteher wurde zwar noch eine traditionelle hebräische Inschrift gewidmet, doch verzichtet sie auf eine ausführliche Schilderung seines Wirkens für die Gemeinschaft, nennt eher in allgemeinen Worten seine Tugenden, seine Weisheit, sein Gottvertrauen und seine Wohltätigkeit und stellt - wie die deutsche Inschrift in ihrer Einleitung - den Bezug zur Familie her. Die deutsche Inschrift nennt anstelle des Gemeindeamtes den Beruf des Kaufmanns und damit die erreichte Stellung in der bürgerlichen Gesellschaft, thematisiert aber auch die fromme Hoffnung auf die Wiederauferstehung am Ende der Tage.

Beschreibung

Steinmetz F. Behringer.

Zur Person

Der 1826 zu Hüttenbach geborene Kaufmann Hermann, Sohn von Emanuel Isner, hatte 1856 in erster Ehe die 1827 in Uhlfeld gebornene Emma Ella, Tochter von Alexander und Luise Lehmann geheiratet, nachdem deren erster Mann, der Bayreuther Kaufmann Simon Frank, 1851 nach nur zweijähriger Ehe gestorben war. 1857 kam die Tochter Chlotilde zur Welt, 1858 Sophie und 1861 Wilhelmine Aline. 1862 starb Emma, und Hermann Isner ehelichte Babette, Tochter von Simon und Jetta Hamburger aus Burghaslach. 1863 wurde ihre Tochter Clara geboren, 1865 Elise Ella, 1867 Sigmund und 1871 der Sohn Ernst. Hermann Isner, der zum Gründungsvorstand des jüdischen "Geselligkeitsvereins" Phönix gehört hatte, starb im Alter von 58 Jahren an einer "Darmverschlingung".
Der Sohn Sigmund besuchte in Bayreuth die Lateinschule und machte dann eine Ausbildung zum Kaufmann. Als Einjährigenfreiwiliger absolvierte er seinen Militärdienst beim 7. Infanterieregiment in Bayreuth. Nach dem frühen Tod seines Vaters führte er mit seinem Bruder Ernst das 1856 gegründete Kurzwarengeschäft fort. 1901 kauften sie eines der neuen großen repräsentativen Häuser am Luitpoldplatz und betrieben dort eine Großhandlung für Textil-, Kurz-, Weiß- und Wollwaren. Im Jahr 1900 hatte Sigmund die Kaufmannstochter Laura Goldmann aus Burgebrach geheiratet, 1902 erwarb er das Bürgerrecht, 1903 wurde die einzige Tochter Berta geboren. Sigmund Isner war Gemeindevorstand, Mitglied der Freiwilligen Turner-Feuerwehr, saß im Vorstand des Turnvereins und hatte das Amt des Schriftführers im Verschönerungsverein sowie im Fremdenverkehrsverein übernommen.
1939 wurden die Brüder Isner gezwungen, Haus und Grundstück am Luitpoldplatz unter Wert an den Milch- und Fettwirtschaftsverband Bayreuth zu verkaufen. Sigmunds Tochter Berta wanderte im selben Jahr nach Amerika aus, ihm selbst und seiner Frau gelang noch im Frühjahr 1941 die Flucht nach Amerika. Seinem Bruder Ernst gelang dies nicht mehr, er wurde im November 1941 ins Rigaer Ghetto deportiert, wo er am 5. Februar 1942 starb. Ihre Stiefschwestern, Clothilde, eine verheiratete Wannbacher, und Wilhelmine, eine verheiratete Kraft, wurden ebenfalls 1941 nach Riga deportiert und dort ermordet.

Zur Familie

1. Gattin: Emma Isner (Grabstein Nr. bay-0476)
2. Gattin: Babette Isner (Grabstein Nr. bay-0737)
Sohn: Ernst Isner (Grabstein Nr. bay-0939)
Tochter: Elise Reinauer geb. Isner (Grabstein Nr. bay-0827)

Links zu personenbezogenen Onlinedatenbanken

Clothilde Wannbacher ─ ‎‏יד ושם‏‎ Yad Vashem: Zentrale Datenbank der Namen der Holocaustopfer, 3865654 ─ Gedenkbuch: Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, 985770
Ernst Isner ─ ‎‏יד ושם‏‎ Yad Vashem: Zentrale Datenbank der Namen der Holocaustopfer, 151860

Quellen / Sekundärliteratur

Belegungsliste (BayHStA, Jüdisches Standesregister 64 u. CAHJP G5/165) Nr. 636: Herrmann ­Isner · 1885 Sylvia Habermann: "Juden im Erwerbsleben. Kaufleute und Gewerbetreibende vom späten 18. bis zum frühen 20. Jahrhundert", in: Jüdisches Bayreuth, hrsg. von der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit, Bayreuth 2010, S. 167-176, hier S. 175 (zu Hermann Isner).
Christine Bartholomäus: "Von Emanuel Osmund bis Hilde Marx. Biografische Skizzen zu ausgewählten jüdischen Persönlichkeiten aus Bayreuth", in: Jüdisches Bayreuth, hrsg. von der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit, Bayreuth 2010, S. 105-118, hier S. 115f. (zu Sigmund und Ernst Isner).

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Bert Sommer

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(letzte Änderungen - 2016-03-04 23:51)

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Auftraggeber

Bearbeitet im Auftrag der Israelitischen Kultusgemeinde Bayreuth

Förderer

Festspiel- und Universitätsstadt Bayreuth Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern Oberfranken Stiftung


 

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