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Bayreuth 957 Inschriften (1787-heute)

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epidat - epigraphische Datenbank

ID bay-494
Lizenz Creative Commons Attribution-BY 4.0 International Licence [CC BY]
Zitation Digitale Edition ─ Jüdischer Friedhof Bayreuth, bay-494: http://steinheim-institut.de/cgi-bin/epidat?bay-494

Name

Fischel ­Arnheim (Dr. Fischel ­Arnheim) [31.01.1864]          

Diplomatische Transkription und Übersetzung

‎‏פ״נ גבר חכם איש חי ורב פעלים כ״ה פישל אַרנהיים‏‎ Hier ist begraben ein weiser Mann, ›ein Mann von Tucht und reich an Werken‹, der geehrte Herr Fischel ­Arnheim,
‎‏נפטר בעיר מינכען הבירה כ״ג שבט תרכ״ד‏‎ verschieden in der Hauptstadt München (am) 23. Schwat 624.
‎‏הוא אחד מקרואי העדה עדת‏‎ Er ist ein Berufener der Gemeinschaft, der Gemeinschaft
‎‏בחורי(?) עם המלכות והוא הגדיל‏‎ der von der Herrschaft erwählten, und er war ›groß
‎‏עצה ותושיה לטובת המלכות‏‎ 5 in Rat und Tat‹ zu Gunsten der Herrschaft
‎‏ולטובת מחוז אנשי האף אשר‏‎ und zu Gunsten des Bezirks Hof, die
‎‏בחרו אותו אל בית הוועד ולטוב׳‏‎ ihn in den Landtag wählten, und zu Gunsten
‎‏עמו בני ישראל וזקני עיר האף‏‎ seines Volkes, der Kinder Israels und des Rates der Stadt Hof,
‎‏למען תהיה שכרו אתו ופעלתו‏‎ damit er sein Lohn erhalte und sein gutes
‎‏הטובה לפניו חתמו תעודה להרים‏‎ 10 Wirken ihm voran, wurde eine Urkunde unterschrieben zur Aufhebung
‎‏[...]‏‎ ...
‎‏מתושבי עירם והאיש ענו מאד‏‎ von den Einwohnern ihrer Stadt, ›und der Mann ist sehr sanftmütig‹,
‎‏צדק ואמת בו נפגשו חסד ורחמי׳‏‎ Gerechtigkeit und Wahrheit sind bei ihm vereint, Milde und Barmherzigkeit
‎‏נשקו תהי משכרתו שלמה מאת‏‎ sind seine Waffe, ›es sei sein Lohn vollkommen‹ von dem
‎‏שוכן מעונה ׃ תנצב״ה‏‎ 15 ›der in der Wohnstätte weilt‹. Seine Seele sei eingebunden in das Bündel des Lebens
Hier ruht in Frieden
Herr Dr. Fischel ­Arnheim
Kgl. Advokat Landtagsabge
ordneter und Ehrenbürger
der Stadt Hof 20
geb. 25. Feb. 1812 gest. 31. Jan. 1864
in München

 

 Zl 1: 2Sam 23,20  Zl 4f: Jes 28,29  Zl 12: Num 12,3, von Mose gesagt  Zl 14: Rut 2,12  Zl 15: Haggada nach Dtn 33,27

Kommentar

Datierung Geboren 25.02.1812; gestorben Sonntag, 31.01.1864
Die leider teilweise zerstörte Inschrift berichtet ausführlich vom politischen Engagement des "königlichen Advokaten" Fischel Arnheims als Landtagsabgeordneter des Wahlkreises Hof und seinem gelungenen Einsatz für die Aufhebung des Matrikelzwangs für Juden im Jahre 1861.

Beschreibung

Ornament florale Verzierung; gestalterische Verzierung
Zustand Verwitterung leicht; Beschädigung mittel

Zur Person

Fischel Arnheim wurde in Bayreuth geboren als Sohn des "Specereyhändlers" Jakob Arnheim und der Jette, und wurde nach seinem Großvater mütterlicherseits benannt, dem Bayreuther Rabbiner Fischel. Nach Unterricht bei Hauslehrern besuchte er das Bayreuther Gymnasium Christian-Ernestinum und studierte dann - gegen den anfänglichen Widerstand seiner Familie, die für ihn den Rabbinerberuf vorgesehen hatte - Jura in München und Erlangen, wo er 1838 promovierte. Zunächst war er als Accessist beim königlichen Landgericht und später beim königlichen Kreis- und Stadtgericht in Bayreuth tätig. Nachdem Juden der Zugang zum öffentlichen Dienst ermöglicht wurde, wurde Dr. Arnheim 1848 zum königlichen Advokaten in Naila ernannt, kehrte jedoch kurze Zeit später nach Bayreuth zurück und eröffnete eine Anwaltskanzlei in der Opernstraße. 1849 wurde er für den Wahlkreis Hof-Münchberg als Abgeordneter in den Bayrischen Landtag gewählt, zudem erhielt er die Ehrenbürgerwürde der Stadt Hof. 1861 war er maßgeblich an der Aufhebung des Matrikelzwangs für Juden beteiligt, der die Genehmigung und die Anzahl der an einem bayrischen Ort lebenden Juden regelte, und 1863 erreichte er die freie Gewerbeausübung für Juden. Der ledige "K. Advokat und Landtagsabgeordnete" Dr. Fischel Arnheim starb im Alter von 51 Jahren in München an einem "Lungenschlag", wurde nach Bayreuth überführt und hier beigesetzt.

Zur Familie

Vater: Jakob Arnheim (Grabstein Nr. bay-0245)
Mutter: Jette Arnheim (Grabstein Nr. bay-0263)

Quellen / Sekundärliteratur

Belegungsliste (BayHStA, Jüdisches Standesregister 64 u. CAHJP G5/165) Nr. 494: Dr. Fischel ­Arnheim · 1864 · K. Advokat, starb in München Christine Bartholomäus: "Von Emanuel Osmund bis Hilde Marx. Biografische Skizzen zu ausgewählten jüdischen Persönlichkeiten aus Bayreuth", in: Jüdisches Bayreuth, hrsg. von der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit, Bayreuth 2010, S. 105-118, hier S. 106.

Fotografien

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Bert Sommer

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Zitation der Inschrift

Digitale Edition ─ Jüdischer Friedhof Bayreuth, bay-494
URL: http://www.steinheim-institut.de/cgi-bin/epidat?id=bay-494
(letzte Änderungen - 2016-03-04 23:51)

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Auftraggeber

Bearbeitet im Auftrag der Israelitischen Kultusgemeinde Bayreuth

Förderer

Festspiel- und Universitätsstadt Bayreuth Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern Oberfranken Stiftung


 

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http://www.steinheim-institut.de:80/cgi-bin/epidat?id=bay-494
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