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Bayreuth 957 Inschriften (1787-heute)

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epidat - epigraphische Datenbank

ID bay-368
Lizenz Creative Commons Attribution-BY 4.0 International Licence [CC BY]
Zitation Digitale Edition ─ Jüdischer Friedhof Bayreuth, bay-368: http://steinheim-institut.de/cgi-bin/epidat?bay-368

Name

Awraham ben Gerschon Halevi (Abraham Gerson ­Levi/Bamberger) [23.11.1802]          

Diplomatische Transkription und Übersetzung

‎‏פ״נ‏‎ Hier ist begraben
‎‏איש יושר אברהם זקן‏‎ ein aufrechter Mann, Awraham, er war betagt,
‎‏בא בימים פעלו תמים‏‎ ›hochgekommen in die Tage‹, lauter sein Tun,
‎‏רץ כצבי עשות לאל רצון‏‎ ›schnell wie der Hirsch war er, um den Willen Gottes zu tun‹.
‎‏הוא אברהם בן גדולים‏‎ 5 Es ist Awraham, ein Sohn von Großen,
‎‏מה״ו גרשון ממשפ{ח}ת הלוים‏‎ Sohn unseres Lehrers, des Meisters, Herrn Gerschon aus der Familie der Leviten,
‎‏האלקים שברכו לקח אותו‏‎ ›G"tt, der ihn segnete, nahm ihn hinweg‹,
‎‏לזונו מזיו שכינתו‏‎ dass er sich am Glanz seiner Einwohnung labe,
‎‏וישלם ה׳ פעלו ומשכורתו‏‎ ›und der Ewige vergelte ihm sein Wirken und belohne ihn‹,
‎‏יזכה לנוח בעדן גינתא‏‎ 10 vergönnt sei ihm zu ruhen im Eden-Garten.
‎‏נפטר יום ג׳ כ״ח מרחשון‏‎ Verschieden Tag 3, 28. Marcheschvan 563.
‎‏תקס״ג תנצב״ה‏‎ Seine Seele sei eingebunden in das Bündel des Lebens

 

 Zl 3: vgl. Gen 18,11  Zl 4: Av 5,20  Zl 7: nach Gen 5,24  Zl 9: Rut 2,12

Kommentar

Datierung Gestorben Dienstag, 23.11.1802
Die Inschrift verwendet eine ganze Reihe von verschiedenen Gottesnamen: Einmal die "Grundform" ‎‏אל‏‎ / el / "Gott", wie sie in vielen biblischen Texten zu finden ist. In dieser Form wurde sie jedoch von strenggläubigen Juden nur im Gebet oder der gottesdienstlichen Toralesung verwendet, im profanen Gebrauch wurden Schreibweise und Aussprache des Wortes leicht verändert, um den Gottesnamen nicht zu entweihen, so hier ‎‏אלקים‏‎ / elokim statt ‎‏אלהים‏‎ / elohim (Pluralform von ‎‏אל‏‎ / el), hier mit "G"tt" wiedergegeben. Eine weitere Möglichkeit war das Ersetzen des Gottesnamens durch den wohl auf Leviticus 24,11-12 zurückgehenden Begriff ‎‏השם‏‎ / ha-schem, wörtlich "der Name" (d.i. der göttliche Name, hier mit "der Ewige" übersetzt), meist - wie in dieser Inschrift - wiederum abgekürzt auf den ersten Buchstaben ‎‏ה׳‏‎, eine Schreibweise, die sich aufgrund ihrer Kürze besonders für Grabinschriften anbot. Ein weiterer, poetischer, auf die Mischna zurückgehender Gottesname ist ‎‏שכינה‏‎ / schechina / die "göttliche Einwohnung".

Stilmittel

Akrostichon in Zeilen 2-10: ‎‏אברהם הלוי‏‎ Awraham Halevi

Beschreibung

Symbol Levitenkanne
Zustand Verwitterung leicht; Beschädigung mittel

Zur Person

Abraham Levi Bamberger, auch Abraham Gerson Levi, Levi Abraham und Abraham Gerschon, war 1759 aus dem würzburgischen Aul nach Bayreuth gekommen und hatte 1762 einen markgräflichen Schutzbrief erhalten; er ist auch auf der ersten Gemeindeliste von 1763 verzeichnet. Abraham Bamberger war der erste nachweisbare Lehrer der jüdischen Gemeinde. Verheiratet war er mit Hanna und hatte mindestens sechs Kinder (die später den Familiennamen Frank annahmen): Die 1760 geborene Ella betrieb einen Hausierhandel, gemeinsam mit ihrer 1762 geborenen Schwester Pessle Bessla. Der 1764 geborene Salomon war "krüppelhaft". Der 1770 geborene Hone lebte von Handelsgeschäften und wurde Rosshändler. Die ebenfalls um 1770 geborene Esther blieb wie ihre Geschwister ledig und starb mit 35 Jahren. Die "Juden-Familien-Liste" von 1796 verzeichnet darüber hinaus noch den damals 26-jährigen David (und macht für die anderen Kinder deutlich von den Geburtsjahren des Katasters abweichende Altersangaben: Salomon 30 Jahre, Hone 24, Beßla 25, Esther 22 und Ella 20 Jahre), zwei Kinder waren damals "in Diensten". Der "jüdische Schullehrer" Abraham Levi Bamberger, der auch mit alten Kleidern handelte und beim Metzger Schneider zur Miete wohnte, starb im Alter von 76 Jahren an "Entkräftung".
1780 gehörte Abraham Gerson Levi zu den Unterschreibern des Konzessionsgesuchs an den Markgrafen zur Anlage eines eigenen Friedhofs.

Zur Familie

Gattin: Hanna, Gattin des Abraham Bamberger (Grabstein Nr. bay-0393)
Kinder: Ella Bamberger (Nr. bay-3160); Hone Bamberger (Grabstein Nr. bay-0164); Salomon Bamberger (Grabstein Nr. bay-0392); Pessle Bamberger (Grabstein Nr. bay-0163); Esther Bamberger (Grabstein Nr. bay-0366)

Quellen / Sekundärliteratur

Belegungsliste (BayHStA, Jüdisches Standesregister 64 u. CAHJP G5/165) Nr. 368: Abraham Gerson Lewi · 1802 A. Eckstein: Geschichte der Juden im Markgrafentum Bayreuth, Bayreuth 1907, S. 93.
Christine Bartholomäus: "Das jüdische Schulwesen im Bayreuth des 19. und 20. Jahrhunderts", in: Jüdisches Bayreuth, hrsg. von der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit, Bayreuth 2010, S. 97-104, hier S. 97.

Fotografien

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Bert Sommer

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(letzte Änderungen - 2016-03-04 23:51)

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Auftraggeber

Bearbeitet im Auftrag der Israelitischen Kultusgemeinde Bayreuth

Förderer

Festspiel- und Universitätsstadt Bayreuth Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern Oberfranken Stiftung


 

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