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Bayreuth 957 Inschriften (1787-heute)

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epidat - epigraphische Datenbank

ID bay-228
Lizenz Creative Commons Attribution-BY 4.0 International Licence [CC BY]
Zitation Digitale Edition ─ Jüdischer Friedhof Bayreuth, bay-228: http://steinheim-institut.de/cgi-bin/epidat?bay-228

Name

Rösle ⚭ Schmuel SeGaL (Rösel ­Harburger) [06.12.1812]          

Diplomatische Transkription und Übersetzung

‎‏פ״ט‏‎ Hier ist geborgen -
‎‏רוך נהי וקינה נשאים עליך‏‎ (tränen)getränkten Trauergesang und Wehklage erheben um Dich
‎‏יודעי ערכך שגבת מדותיך‏‎ die, die Deinen Wert schätzen, die Erhabenheit Deiner Tugenden,
‎‏זילת דמעותם עדות תמיך‏‎ der Fluss ihrer Tränen ist Zeugnis Deiner Lauterkeit,
‎‏לא אוכל ספר מספר זכיותיך‏‎ 5 nicht kann ich zählen die Vielzahl Deiner Verdienste,
‎‏אל ידעם הוא יגמל גמוליך‏‎ Gott kennt sie, ER wird sie Dir vergelten.
‎‏אשת חיל גודל צדקותיך‏‎ ›Die tüchtige Gattin‹, ›die Größe Deiner Wohltaten,
‎‏כהרר אל הוא יכפול שכריך‏‎ den Bergen Gottes gleicht sie‹, Er möge deinen Lohn verdoppeln,
‎‏שמואל הרמתי אלוף נעריך‏‎ Schmuel, dem Erhabenen, dem ›Trauten Deiner Jugend‹,
‎‏סגל חבר יחדש שנית אתיך‏‎ 10 bist Du zugeführt, erneut vereint ist er mit Dir,
‎‏עליו השלום נצח וגם עליך‏‎ Friede über ihn auf ewig und auch über Dich;
‎‏נפטרת יום א׳ ג׳ טבת תקע״ג‏‎ sie verschied am Tag 1, 3. Tewet 573.
‎‏תנצב״ה‏‎ Ihre Seele sei eingebunden in das Bündel des Lebens

 

 Zl 7: Spr 31,10  Zl 7f: nach Ps 36,7  Zl 9: Nach Jer 3,4

Kommentar

Datierung Gestorben Sonntag, 06.12.1812
Als Rösle, Witwe des Vorstehers Samuel Harburger, sechs Jahre nach ihrem Mann starb, begrub man sie neben ihm. Ihr Grabstein ähnelt sehr dem ihres Gatten, doch ist er, wie öfters, etwas kleiner gehalten. Anstelle der der männlichen Linie vorbehaltenen Levitenkanne wird er von einem runden Medaillon geschmückt, in das die einleitende Kopfzeile eingeschrieben ist. Auch ihre Inschrift ist gereimt, und dieser durchgehende Endreim ist am linken Rand auch für den nicht hebräischkundigen Betrachter leicht zu erkennen. Die durch größere Buchstaben hervorgehobenen Zeilenanfänge bilden ein ausführliches Akrostichon, wie es in dieser Art in Bayreuth besonders in den 1810er und 1820er Jahren beliebt war - von oben nach unten liest man den Namen und Gattennamen der Verstorbenen, die ansonsten in der Inschrift nicht weiter genannt sind.
Während in der Grabinschrift für den Gemeindevorsteher das Wirken für die Gemeinschaft in weltlichen und religiösen Belangen im Mittelpunkt steht, hebt die gleichlange, aber persönlicher gehaltene Inschrift für seine Gattin ihre große Wohltätigkeit hervor, drückt die Trauer der Hinterbliebenen aus und spricht die Verstorbene direkt an. Zeitgenössisch ist besonders der Hinweis auf die Vereinigung beider nach dem Tode.

Stilmittel

Reim auf -ech in Zln 2-11.
Akrostichon in Zeilen 2-11: ‎‏ריזלא אשת כהרר שמואל סגל עליו השלום‏‎ Rösle Frau des geehrten Meisters Herrn  Schmuel Segal Friede über ihn

Beschreibung

Ornament gestalterische Verzierung
Zustand Verwitterung leicht. Das Grabmal weist in der Oberkante eine Vertiefung auf, vermutlich fehlt ein (metallener?) Aufsatz.

Zur Person

Rösel war verheiratet mit dem Bayreuther Handelsmann und Gemeindevorsteher Samuel Harburger, der schon 1762 Schutz in Bayreuth bekommen hatte. Sie war Mutter von mindestens fünf Kindern: Ihre Tochter Karoline Kehla hatte den Bayreuther Schutzjuden Seckel David Seebach geheiratet. Ihr Sohn Moises war 1796 30 Jahre alt und "noch in der Fremde". Die Söhne Isaak und Löb wurden beide Siegellackfabrikanten, die Tochter Jette starb schon 1795; sie ist in der "Juden-Familien-Liste" von 1796 nicht aufgeführt, dagegen ist dort noch die damals 18-jährige Bonla verzeichnet. Die Witwe des Rösel Harburger starb im Alter von 73 Jahren an "Entkräftung" und wurde neben ihrem Gatten und ihrer Tochter beigesetzt.

Zur Familie

Gatte: Samuel Harburger (Grabstein Nr. bay-0227)
Söhne: Isaak Samuel Harburger (Grabstein Nr. bay-0302), Löb Harburger (Grabstein Nr. bay-0306)
Töchter: Jette Harburger (Grabstein Nr. bay-0226); Karoline, Gattin des Seckel David (Grabstein Nr. bay-0297)

Quellen / Sekundärliteratur

Belegungsliste (BayHStA, Jüdisches Standesregister 64 u. CAHJP G5/165) Nr. 228: Rosel, Ehefrau des Sam. ­Harburger · 1816 Nathanja Hüttenmeister, Dan Z. Bondy: "Beispiele jüdischer Grabkultur", in: Jüdisches Bayreuth, hrsg. von der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit, Bayreuth 2010, S. 161-165, hier S. 163.

Fotografien

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Bert Sommer

heutiges Foto
2009-05-14
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Zitation der Inschrift

Digitale Edition ─ Jüdischer Friedhof Bayreuth, bay-228
URL: http://www.steinheim-institut.de/cgi-bin/epidat?id=bay-228
(letzte Änderungen - 2016-03-04 23:51)

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Auftraggeber

Bearbeitet im Auftrag der Israelitischen Kultusgemeinde Bayreuth

Förderer

Festspiel- und Universitätsstadt Bayreuth Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern Oberfranken Stiftung


 

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